Aria und Jaddy haben einen Gedanken auf den Punkt gebracht, der auf mich jedenfalls zutrifft:
Aria hat geschrieben: Do 5. Dez 2019, 20:41 Im Vergleich zu diesen "Wesensänderungen", sind die, die ich schon vor und während der HET an mir bemerkte, eine ganz andere Nummer. Als ich endlich wusste, was mit mir los ist - ich war ca. 3 Monate in Therapie - stellte ich fest, wie ich mich veränderte. Es war, als bricht es aus mir heraus - und es fühlte sich unglaublich gut an. Es hat mich keinerlei Anstrengung gekostet, so zu handeln. Es war, als ob es schon immer da gewesen wäre, nur unter jeder Menge Schutt begraben.
Mangels allgemeinen Outings kann ich nicht sagen, inwieweit sich mein Habitus in der Öffentlichkeit verändern würde, wenn ich en femme draußen wäre. Ich denke aber, wie Aria schon geschrieben hat, dass sich naturgemäß Dinge wie Gang, Haltung uvm. (weiter) anpassen würden. Der Unterschied wäre bei mir wahrscheinlich nicht so gravierend, weil ich nie so ein "Holzfällertyp" war und mit übertrieben zur Schau getragener Männlichkeit nichts anfangen kann.Jaddy hat geschrieben: Do 5. Dez 2019, 21:28 Der Knackpunkt nach dem Coming Out ist für mich, dass ich nach und nach all die Teile ablegen konnte, die hauptsächlich anerzogene Maske waren.
Was mich jedoch viel mehr beschäftigt, ist die Änderung des Wesens. Ich wollte dazu eigentlich auch schon mal ein Thema einstellen ("Veränderung auch ohne HET?"). Seit meinem Outing haben meine feminine Seiten nicht nur insofern mehr "Raum", als zumindest zwei Familienmitglieder darüber bescheid wissen und ich erstmalig mit anderen Menschen darüber sprechen konnte. Es war insbesondere auch eine Zäsur für mich selbst. Seither setze ich mich viel intensiver und bewusster mit diesem Teil von mir auseinander und lasse ihn auch vor mir selbst viel mehr zu. Im Mittelpunkt steht jetzt nicht mehr die Frage, wie man(n) das, was da ist, am besten verstecken kann, sondern es geht mir viel mehr darum, herauszufinden was genau da ist und wo es mich hinführt; zu differenzieren, welche meiner Eigenschaften, Verhaltensweisen, ja, und auch Empfindungen, wirklich aus meinem Innersten kommen und welche mir (als männlich notwendig) anerzogen wurden bzw. ich als erforderlich angesehen habe, um dem gängien Männerbild gerecht zu werden. Ich beginne zu unterscheiden, welche Interessen ich im Zuge meiner männlichen Sozialisation quasi mit- oder aufgenommen habe und welche tatsächlich auf ureigenen Bedürfnissen beruhen. Schutt und Maske, wie Aria und Jaddy es bezeichnet haben. Begraben von einem jahrzehntelangen Versuch, zu verbergen, was mir von der Umwelt (oder auch mir selbst) als nicht "richtig" suggeriert wurde. Zum Einen kann ich nun Eigenschaften, die mich vielleicht von einem Großteil anderer Männer unterscheiden, besser zuordnen, insbesondere aber auch die eigenen Emotionen viel befreiter zulassen.
Ich bleibe also natürlich derselbe Mensch, und doch hat mich das Outing (wie viele andere Erlebnisse auch) verändert.
Alles Liebe
Luna