Hallo Carry,
ich bezeichne mich oder besser gesagt, bin Crossdresser. Mir geht es genauso wie Svenja. Ich trage das Gefühl der weiblichen Seite -und dieser Seite schenke ich viel Raum- und dem damit verbundenen Lebensgefühl ja schon seit meiner Kindheit in mir. Soll heißen, dass ich mich nie mit dem typisch männlichen Rollenklischee identifiziert habe, aber auch nicht mit dem weiblichen Pendant. Machos, wie auch Mäuschen waren und sind nie eine Option für mich. Eher starke und gefühlvolle sowie empathische Männer, als auch sinnliche, erotische "Powerfrauen".
In meiner Pubertät, in der es erst ganz gegen Ende das Internet gab, fühlte ich mich als zumindest sonderbar oder anders ausgedrückt, normal, normal waren die anderen. Deshalb "flüchtete" ich mich mehr oder weniger in die "verwegene Männerrolle". Als extremer Abenteuersportler mit total durchtrainierten Köper trug ich hin und wieder heimlich Damenunterwäsche und FSH. Dies war meine äußere, aber nicht ersichtliche Verbindung zu meiner Weiblichkeit. Natürlich war ich in den eigenen 4 Wänden auch ganz en femme gekleidet. Auch hier schlug/und schlägt dann das Pendel eher zur extremeren Seite aus mit: Langhaarperücke, Minirock und High Heels.
Als ich mir dann aber vor gut 10 Jahren, auch durch Hilfe des Internets eingestand, dass ich Crossdresser bin und damit anfing dies auch zu genießen hat sich hiermit lediglich die Einstellung zu mir selbst sich geändert. Ich bin als Mann nie breitbeinig gegangen, habe mich ebensowenig breitbeinig in Sesseln "gelümmelt" und habe noch nie über sexistische Witze gelacht, bin immer modebewusst gewesen und hatte und habe immer einen Faibel für das Schöne. Nun aber genieße ich es als Ausdruck meiner Weiblichkeit mich geschmeidig und teilweise grazil zu bewegen oder bspw. nach schönen Accesoires ausschau zu halten etc. .
Da ich noch nicht mein Comming Out vor meiner Frau hatte, braucht sie eigentlich nicht mehr zu befürchten, als dass sich mein Erscheinungsbild in Richtung Frau ändert. Natürlich hat sie sich in das Erscheinungsbild des Mannes verliebt, was meiner Meinung nach auch nicht unter dem Teppich zu kehren ist, aber sie hat sich genauso in den Mann verliebt, der einfühlsam ist, modebewusst ist und viel Wert auf Ästhetik legt. Wenn ich ihr dann en femme gegenüber treten würde bzw. werde ist meine Liebe, mein Empfinden mein Gefühl für sie, ja mein gesamtes Verhalten genauso wie je zuvor, nämlich einzigartig und voller Liebe getragen. Denn ich bleibe der/ die gleiche. Nur fühle ich mich in Damenkleidung wohler. Sie ist für mich teilweise viel feinfühliger, vor allem facettenreicher, verspielter, schöner! Dies kommt meinem Naturell entgegen. Ja, und offen und ehrlich gesagt finde ich Frauen generell attraktiver als Männer und wäre zumindest zeitweise auch gerne eine. Aber deshalb verändert sich nicht mein Charater, meine Persönlichkeit oder wie immer frau es nennen mag, nicht.
Carry, ich hoffe, dass ich einwenig dazu beitragen konnte, dass du dir ein aufschlussreicheres Bild von uns CD, die natürlich dennoch so verschieden sind, wie kaum ein Mensch den anderen gleicht, machen kannst.
Ich wünsche Dir und deinem Partner, dass Ihr beide mit einander glücklich bleibt oder werdet.
Liebe grüße Liz
