Liebe Alexandra,Alexandra1985 hat geschrieben: Di 26. Nov 2019, 19:16 Danke für deine offenen und ehrlichen Worte. Du hast vollkommen Recht. Nur die Wahrheit und keinen Lügen oder Geheimnise bringen uns weiter. Leider habe ich schon einiges in der Vergangenheit vernachlässigt und hätte vielleicht schon früher alles sagen sollen. Aber da konnte ich es noch nicht. Da ich mir selbst nicht sicher war, was ich eigentlich bin. Und so habe ich auch etwas an Kredit bei ihr verspielt. Aber ich werde da durch müssen und versuche mit ihr das Gespräch neu an zu fangen. Es ist nur die Frage wie man das am besten sagen und wann?
ich finde die Idee (komisch, dass ich nicht selbst drauf gekommen bin
Ich würde ansonsten vorschlagen, Deine Frau um ein ganz bewußtes Gespräch "darüber" zu bitten, dann einen Termin zu wählen, an dem ihr auch wirklich ungestört seid und euch darauf einlassen könnt (die Kinder bei der Oma "parken", falls möglich...usw).
Und dann gebt euch gegenseitig Redezeit, in der der andere erstmal nur zuhört - keine direkten Reaktionen, keine Zwischenfragen und vor Allem, KEINE Vorwürfe. So kann jeder erstmal darlegen, was in ihm vorgeht und der andere hat die Möglichkeit, diese Informationen auch sacken zu lassen.
Dann kommt ihr im optimal-Fall darüber in den Austausch...
Ich habe bei dem ersten Outing-Gespräch mit meinem Liebsten - das ergab sich aber aus einer Situation heraus und war nicht geplant - auch erstmal nur zugehört - ich hätte auch direkt gar nichts fruchtbares sagen können - und nach und nach kamen immer mehr Fragen auf, die ich auch stellen durfte und konnte, die er mir, soweit er selbst schon Antworten hatte, auch beantwortet hat usw.
Mir war ganz wichtig, dass ich ihn immer alles fragen konnte - auch wenn die Fragen für ihn gerade nicht nachvolluziehbar waren - und wie gesagt, das ist jetzt bald 6 Monate her, und wir sind in dieser Zeit auch durch die verschiedensten Phasen gegangen und noch lange nicht "fertig" - weil es ja, wie Sabine auch schon schrieb, durchaus alles ein Prozess ist - ein Prozess in Dir, ein Prozess in Deiner Frau und natürlich ein Prozess in eurer Beziehung.
Mein Liebster hat auch ganz viele Ängste, vorherrschend die Angst, dass mir doch irgendwann einfällt, dass ich damit doch nicht leben kann und ihn verlasse. Und so begegnen wir uns in unserer ganzen Unsicherheit - und das, was uns immer über Wasser hält und uns eine "gemeinsame Konstante" gibt, ist die Liebe, die wir füreinander empfinden.Wir brauchen beide ganz viel "Sicherheit" (die es faktisch natürlich nicht gibt) und brauchen gegenseitig beide ganz viel Bestätigung, dass wir uns aufrichtig lieben und jeden Tag aufs neue entscheiden, dass wir zusammen sein WOLLEN. Das hilft uns sehr, die Stürme zu überstehen....die noch immer aufkommen, weil ja alles im stetigen Wandel ist...
Ich hoffe, ich konnte Dir damit vielleicht den ein- oder anderen Anstoss geben und vielleicht helfen, Dich ein wenig in die Situation Deiner Frau hinein zu versetzen.
Nochmals wünsche ich Dir, wünsche ich Euch Kraft und Mut - denn ich weiß, dass nichts mehr Überwindung kostet, als sich mit nackter Seele, ohne Maske, ohne Rüstung, ohne Netz und doppelten Boden, vor den Partner hinzustellen und offen zu sagen: DAS bin ICH, SO bin ICH wirklich!...und dabei zu hoffen, dass der andere einen genau SO lieben kann!
In diesem Sinne...alles Liebe, Carry