Moinsen
Seit dem die Freundschaft mit meiner ersten Freundin so eine traurige Wendung genommen hat, lese ich nebenher auch viel zum Thema Beziehungen. Naja, wenn ich etwas nicht verstehe, versuche ich mich schlau zu machen
Ich überflog gestern abend einen Artikel, wo es um narzisstische Verhaltensweisen ging und bekam plötzlich eine Gänsehaut...
Wenn ich mit ihm unterwegs war, war ich seltsam euphorisch, aber auch sehr angespannt. Mein ganzer Körper fuhr hoch, war in Alarmbereitschaft, ich begann seine Stimmung zu wittern, noch bevor er den Raum betrat. Alles drehte sich um ihn, wenn er da war. Sobald ich wieder allein war, fühlte ich mich schnell ausgelaugt, fühlte eine große Traurigkeit, als ob etwas fehlte. Wie bei einem Entzug!
Das kommt mir doch irgendwie bekannt vor?
Anja hat geschrieben: Di 26. Nov 2019, 11:29
Was mir persönlich noch im Nachhinein aufgefallen war, meine erste Freundin war ja auch schon mal bei mir zu Besuch, wenn auch nur kurz. Aber für die Zeit war ich total unsicher und angespannt irgendwie
Ich ging den Artikel noch mal von Anfang an durch. Dieses Mal allerdings mit voller Aufmerksamkeit:
Das Erleben und sein Selbst gleichsam aufgespalten, avanciert der grandiose Narzisst zum Sender, von dem alles ausgeht, der aber alles um sich herum ausblendet und der Komplementärnarzisst zum Empfänger, der sorgfältig zuhört und sich fast vollständig auf seinen grandiosen Partner einstellt. Wenn beide aufeinander treffen, erscheint das wie ein mystisches Band, ist das wie ein Schlüssel, der sein passendes Schloss findet: Man wird automatisch voneinander angezogen.
Auch das, die "besondere" Verbindung, die irgendwie vom ersten Tag an da war, interessant. Wir hatten ja sofort einen Draht zueinander.
Schon als Kind hatte ich immer das Gefühl etwas ängstlich zu sein. Als hochsensibles junges Mädchen nahm ich die Stimmungen meiner Freunde immer ganz genau wahr und hatte mitunter Schwierigkeiten, die Stimmungen anderer nicht zu übernehmen. Da ich nie gelernt hatte mich abzugrenzen und meine eigenen Grenzen zu spüren, ging ich bis ins Erwachsenenalter hinein immer wieder unbewusst Beziehungen mit Menschen ein, die meine Energie raubten, die forderten, nicht ehrlich waren oder manipulierten, und die genau wussten, welche Knöpfe sie bei mir zu bedienen hatten. Und ich ließ ich das geschehen — weil ich es zu spät bemerkte, weil ich mir oft genug selbst nicht traute und mir gar nicht bewusst war, dass ich dieses Problem hatte.
Das erklärt dann wohl auch, warum ich mich irgendwann emotional abgegrenzt hab. Ich wollte nicht mehr verletzt werden...
Obwohl ich diesen jungen Mann noch überhaupt nicht kannte, fühlte mich vom ersten Tag an seltsam verbunden mit ihm, durch ein Art unerklärliches Band, gestrickt aus Faszination, scheinbaren Gemeinsamkeiten, unendlich vielen Synchronizitäten
Ich war komplett im Bann dieses Musikers, der mich mit seiner Mischung aus extremer Stärke und Zerbrechlichkeit, die mir so seltsam vertraut vorkam, immer wieder faszinierte.
So war es bei ihr auch. Manchmal wirkte sie unheimlich stark auf mich und manchmal war sie quasi nur ein Häufchen Elend und vollkommen am Ende, wobei ich dann für sie da war, um sie wieder aufzubauen.
Es waren erst Kleinigkeiten, die ich seltsam fand. Zum Beispiel, dass er Dinge sagte, die im Widerspruch standen, zu dem was ich mit meinen eigenen Augen sah. Dass er bei Weitem nicht so bedürftig war, wie er mir in unserer Beziehung vermittelte, dass er es schaffte, wirklich jedes Gespräch am Ende auf sich zu beziehen und wir uns immer nur trafen, wenn es ihm irgendwie nützlich war.
Das war so ungefähr auf der Hälfte (also nach 3 Monaten), wo es dann anfing komisch zu werden...
Umso trauriger wurde ich, als ich feststellte, dass Mark keine einzige stabile Beziehung zu haben schien
Sie erzählte mir ja, das sich alle von ihr abgewendet haben, allerdings nannte sie andere Gründe dafür. Aber das wäre natürlich eine Erklärung, warum sie, als sie mich kennenlernte allein da stand.
...und musste feststellen, dass mein Ersatz schon mit den Hufen scharrte.
Ist ja auch meine Vermutung, das ich durch eine andere Freundin ersetzt wurde. Vielleicht garnicht so abwegig...
Auch die Punkte "Woran erkennst du" weisen diverse Gemeinsamkeiten auf.
Ach ja, und der Artikel endet mit, Überraschung Überraschung, Ghosting (danke Nicole)
Wenn die andere Person den Kontakt von heute auf morgen abbricht ohne sich näher zu erläutern, weil du deine persönlichen Grenzen oder abweichendes Verhalten gezeigt hast "Ghosting"
Gibts nicht, oder?
Wirklich unglaublich wie sehr die Beschreibung unserer Freundschaft gleicht. Hab bisher noch nichts gelesen was besser darauf passt und bin mir ziemlicher, das es das ist, was dahinter steckt.
Ich bin ja ein Mensch, der die Schuld immer irgendwie bei sich sucht und die sich fragt, was hab ich falsch gemacht, was hätte ich anders machen können?
Aber nach dem Lesen des Artikels ist die Schuld-Frage irgendwie von mir abgefallen, ich empfand eine immense Erleichterung. Den Kummer hab ich inzwischen ganz gut verarbeitet, aber trotzdem grübelte ich ab und zu noch darüber nach, warum es so gekommen ist...
Tja, garnix hätte ich anders machen können. Ich bin anscheinend an eine Frau geraten, die es hervorragend versteht, hochsensible Personen zu manipulieren, ohne das sie es selbst merken. Inwieweit von ihrer Seite da Absicht dahinter steckt, keine Ahnung. Tut mir nur leid, für die nächste Freundin dann, die sich an ihr aufreibt...
Naja, zumindest was draus gelernt
Ich hab jetzt nur ein paar Auszüge zitiert, eingentlich hätte ich noch mehr herauszitieren können, weil wirklich sehr viel auf unsere "Freundschaft" übertragbar ist. Aber ich glaube es wird auch so schon deutlich genug...
Wer Interesse daran hat, den ganzen Artikel zu lesen wird
hier fündig.
Grüße
die Anja