Vicky_Rose hat geschrieben: Di 12. Nov 2019, 07:23
Cybill hat geschrieben: Mo 11. Nov 2019, 19:30
Ich denke jeder Mensch, der seinem Geburtsgeschlecht Ade sagt, sollte sehr gefestigt sein, für die Reise die auf ihn zukommt.
Das ist mMn essentiell und ich vermute, dass es einer der Hintergründe ist, weshalb man eine "Probezeit" im TSG verankert hat.
I beg to differ, Mylady. Einerseits ja, die Hürden und Brocken sind schwer, die eins in den Weg geworfen bekommt. Aktuell wenigstens. Aber die allermeisten Probleme sind eigentlich vollkommen überflüssig und enstehen nur dadurch, dass die Gestaltung des eigenen Lebens gemäß der eigenen, inneren Natur von anderen so schwierig gemacht wird. Die immer noch zu fest überall verankerte Idee, Menschen müssten sich mit ihrem zugewiesenen Schicksal inklusive Körper und sozialem Umfeld abfinden. Die Vorstellung von nur zwei definierten Verhaltenssets namens Geschlechterrollen, die darüber hinaus mit körperlicher Erscheinung und Genitalausstattung verknüpft werden, aber auch mit so banalen Dingen wie Kleidungsstücken oder der Farbe der Haarshampoo-Flasche.
Es ist schon klar, dass einige medizinische Maßnahmen -noch- nicht rückgängig gemacht werden können. Da ist dieser Planet noch sehr rückständig in meinen Augen. Aber dafür sollten sich die Mediziner"¢innen eigentlich nur doppelt so stark ins Zeug legen und täglich um Verzeihung bitten, dass sie es noch nicht besser können.
Bei allen anderen Dingen gibt es meines Erachtens keinen plausiblen Grund für Wartezeiten, Repressionen, Gatekeeping oder ähnliches. Wenn eins ab jetzt in einem anderen Genderset leben möchte, mit anderem Aussehen, anderem Namen, anderem gesetzlichen Gendermarker, so what? Und nur darum geht es übrigens im TSG. Um Papier, maximal, nicht um medizinische Dinge. Und wenn der gleiche Mensch irgendwann in einem anderen Genderset leben möchte oder im ersten Zuweisungsgeschlecht, oder alles persönlich mixen, die dritte oder vierte Option Gendermarker oder Freitext im Register haben möchte, dann gibt es meines Erachtens keinen sinnvollen Grund, da mit Wartezeiten oder Gutachten künstliche Schwierigkeiten aufzubauen.
Mal ganz klar: Das TSG ist ein Verhinderungs- und Erschwernisgesetz. Verhindert werden sollte um jeden Preis, irgendetwas anderes als hetero Ehepaare zu bekommen, bzw. Kinder mit zwei Müttern oder zwei Vätern. Das ist die überkommene Idee von Sex=Gender, Körper=Geschlecht. Deshalb der damalige Zwang zu Scheidung, Sterilisation, usw.
Erschwert werden sollte jede Form von Abweichung. Wir, also alle Menschen, die nicht in die cis-hetero-Norm passen, sollten Ausnahme bleiben, aus dem Blickfeld verschwinden, durch die Gängelung möglichst lange an der Umsetzung gehindert werden, damit höchstens die ganz verzweifelten diese Tour auf sich nehmen. Und das verstärkte so ziemlich alle Probleme, von denen hier im Forum zu lesen ist. Die eigenen inneren Konflikte, die Probleme mit coming out, mit "erwischt werden", mit jahrelanger Verschleppung, mit psychischen Folgeschäden, Schwierigkeiten im Job, mit Familie, Freunden, Beziehungen.
Nochmal: Die ganzen gesetzlichen Reglementierungen von Geschlechtlichkeit sind mE überflüssig und erzeugen ständig weiter unnötiges Leid. Es ist eine Geschichte von unnötiger Repression, die nur durch hohen Druck zu gewissen Erleichterungen in Form von Überdruckventilen - TSG, -§45b PStG u.ä. - geführt hat, statt den ganzen Mist einfach abzuschaffen.
Wartezeiten? Für Tintenkleckse - bzw. bits in einer Datenbank? Nope.