Moinsen
VanessaL hat geschrieben: Fr 18. Okt 2019, 06:52
Anja hat geschrieben: Do 17. Okt 2019, 16:44
Nur weil er sich die Körperbehaarung entfernen möchte? Also wenn er jetzt den Wunsch geäußert hätte, nach z.B. Brüsten hätte ich den Ratschlag verstanden, aber so erscheint mir das etwas übertrieben. Antworten bekommt man beim Psychologen auch nicht, die findet man nur in sich selbst. Der Therapeut kann einem höchstens dabei helfen, die richtigen Fragen zu stellen.
Aber weil ich meine Körperbehaarung loswerden will, soll ich mich beim Psychologen vorstellen?
Nein liebe Anja,
sondern weil er (sie) schon lange in eine andere Lebensform gleitet und wie ich es verstehe, beiden nun Probleme bereitet. Insbesondere steht gerade die Partnerschaft auf dem Spiel. Also, warum nicht auch professionelle Hilfe suchen und annehmen? Deinen Widerstand verstehe ich an dieser Stelle nicht.
In meinen Augen ist das eine übertriebene Reaktion auf die dargestellte Situation. Die Partnerin Lilly-Fee ist stark verunsichert und hat sich hier angemeldet, um Antworten zu finden. Und da tue ich mich dann schwer, wenn Empfehlungen wie ein Psychologe genannt werden. Das unterstellt Behandlungsbedarf aufgrund von Ablehung der Körperbehaarung, zumindest kommt es bei mir so an, sorry. Das würde mir (als Partnerin) nur noch mehr Angst machen. An dieser Stelle fände ich dann eine SHG vielleicht zum Beispiel "passender".
Vielleicht reagiere ich auch über, da ich selbst keine hohe Meinung von Psychologen habe, das reicht bis in meine Kindheit zurück. Ich habe manchmal den Eindruck, es ist einfacher, dem Problem eine "Krankheit" überzustülpen, als sich mit einem
unbequemen Menschen auseinanderzusetzen...
Auch dahingehende Äußerungen (mein ich jetzt allgemein, Vanessa, nicht auf dich bezogen), was Lillys Partner
sein oder werden könnte, lese ich mit Bauchschmerzen, weil eigentlich jede von uns weiß, das es unmöglich ist, diesbezüglich irgendwelche Vorhersagen zum machen. Ich kenne CD's, die bereits seit 20 Jahren sich ab und zu als Frau ausleben und mit sich selbst im Reinen sind.
Es muss keineswegs auf eine Transidentität hinauslaufen. Aber manche Beiträge vermitteln beim Lesen den Eindruck. Auch das, finde ich, verunsichert doch eher als das es aufklärt.
Lilly hat uns den Ist-Zustand doch gut beschrieben, vielleicht sollten wir uns erstmal danach "richten", anstatt in eine
ungewisse Zukunft zu blicken.
Lilly-Fee hat geschrieben: Fr 18. Okt 2019, 01:22
Aber auch aus diesem Grund sehe ich nicht wirklich, was genau die ganze Zeit unterdrückt, verdrängt und als schwere Last empfunden wurde. Wenn ich — und sicher auch andere - diese weibliche Note auch ohne Frauen-Fassade sehen konnte, worin liegt dann die "Befreiung"?
Da kann ich nur sagen: Wow!
Um zu dieser Sichtweise zu kommen, hab ich Jahre gebraucht. Du unterscheidest hier schon deutlich zwischen Identität und "Fassade", deine Frage finde ich fundamental.
Es ist auch garnicht so einfach zu beantworten.
Von mir ausgehend, ich habe früher einfach viele Gedanken und Gefühle verheimlicht um auf Aussenstehende nicht "komisch" zu wirken. Z.B. wenn ich fand, das eine Kollegin voll schöne Ohrringe trug und ich gern gewusst hätte, wo sie die her hat, hab ich dann lieber die Klappe gehalten - man weiß ja nicht wie das ankommt. Gepsräche mit Frauen waren teilweise ziemlich anstrengend, weil ständig die Firewall mitlief "kann man das jetzt so sagen oder nicht?"
Die Befreiung für mich war einfach, das ich nicht mehr eine Rolle (Mann) spielen musste, sondern einfach so reden konnte wie ich wollte (gegenüber Eingeweihten).
Das "Zurechtmachen" als Frau war für mich so eine Art Selbstreflexion, oder Selbsterkenntnis? Ich wusste, das ich großes Interesse an weiblichen Dingen hatte, aber ich konnte es nicht "verstehen".
Als ich mich selbst, das erste Mal als Frau im Spiegel sah, erkannte ich überhaupt erst, was da in mir steckte bzw. aus mir raus wollte. Was ich all die Jahre versucht habe zu unterdrücken...
Sorry, besser kriege ich es gerade nicht zusammengeschrieben.
Inzwischen bin über diese sagen wir mal Pubertät (Selbstfindung) hinaus und weiß wer ich bin. Ich brauche keine "Fassade". Häufig schminke ich mich nicht und ich brauche auch keine Damenkleidung um mich als Frau zu empfinden. Aber es hat Jahre gedauert, an diesen Punkt zu kommen.
Dein Mann versucht gerade sich selbst zu finden und braucht dafür die "Fassade".
Irgendwann wird er zu sich gefunden haben, aber das geht nur durch ausprobieren...
Grüße
die Anja