Transidentität: Psychologische Gutachten für Betroffene entwürdigend?
Transidentität: Psychologische Gutachten für Betroffene entwürdigend? - # 2

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Michelle_Engelhardt
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Re: Transidentität: Psychologische Gutachten für Betroffene entwürdigend?

Post 16 im Thema

Beitrag von Michelle_Engelhardt » Sa 10. Aug 2019, 21:55

Ich kann Deinen Ärger verstehen, aber Du scheinst der irrigen Annahme zu sein, dass Gutachter nur gutachten. Dem ist mit nichten so. Da kann es unter Umständen auch schon mal etwas dauern. Das von Dir erwähnte "Standardformular" waren bei meinen beiden Gutachtern 7 bzw. 13 geschriebene DIN-A 4 Seiten. Keine Ahnung, was daran Standard sein soll.

Liebe Grüße
Michelle
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Jasmin_35
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Re: Transidentität: Psychologische Gutachten für Betroffene entwürdigend?

Post 17 im Thema

Beitrag von Jasmin_35 » Sa 10. Aug 2019, 22:46

Naja, wenn man andere betroffene hört, dann haben die teilweise ähnliche bis gleiche Gutachten bzw Textbausteine bekommen, bei denen nur die pers. Daten ausgetauscht wurden.

Gutachter 1 ist bei mir zumindest ein reiner Gutachter, auf dem Briefkopf steht sogar "Gutachterpraxis". Wie dem auch sei, ich habe absolut kein Problem damit, das ein Termin auch mal 8 Wochen dauern kann oder wie beim Endokrinologen 12 Wochen, das macht gar nichts, nicht falsch verstehen, was mich ärgert, das man es nicht für nötig hält weder die Post zu öffnen, noch überhaupt mal wenisgtens einen Termin einzutragen. Ob der Brief mit dem Termin dann 6 Wochen, 4 Wochen oder 1 Woche vor dem Termin kommt, ist mir dann auch völlig wurscht, so flexibel bin ich dann auch noch, aber völlig untätig zu sein und für nichts weitere sinnlose zeit verstreichen zu lassen, das macht mich dann sauer.
Liebe Grüße Jasmin

P.S.: Ja, die Haare sind echt :D (weil ich inzwischen dauernd überall gefragt werde ;))

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Re: Transidentität: Psychologische Gutachten für Betroffene entwürdigend?

Post 18 im Thema

Beitrag von Michelle_Engelhardt » Sa 10. Aug 2019, 23:04

Wie gesagt, ich kann Deinen Ärger verstehen. Von ungeöffneter Post (Gutachter?) stand nix in Deinem Beitrag....oder ich habe es übersehen. Jedenfalls ist es (in den meisten Fällen) utopisch, innerhalb von 4 Wochen einen Termin zu erwarten.
Was ich so höre, sind es vom Antrag bis zum Gerichtsbeschluss ca. 6 bis 9 Monate....zumindest hier bei uns in der Gegend. Bei mir war es glaube ich von Mai bis Ende Oktober, die beiden Gutachtertermine hatte ich Ende Juli, meine ich (ist schon etwas her).
Bei den Bewerbungen habe ich es vor VÄ/PÄ so gehalten, das ich beide Vornamen (männlich und weiblich) angegeben habe, allerdings mit Lichtbild. Gehören Lichtbilder nicht ohnehin zu einer Bewerbung bzw. landen Bewerbungen ohne Lichtbild nicht möglicherweise direkt im Papierkorb? Vielleicht ist ja hier jemand im Personalwesen tätig und weiss sowas.

Meine Gutachten waren keineswegs irgendwelche Textbausteine. Geht auch gar nicht, da es sich in den Gutachten um mein aktuelles Auftreten und mein bisheriges Leben drehte, also um individuelle Dinge. Geredet wird aber natürlich viel, wenn der Tag lang ist.
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Re: Transidentität: Psychologische Gutachten für Betroffene entwürdigend?

Post 19 im Thema

Beitrag von Jasmin_35 » Sa 10. Aug 2019, 23:22

heike65 hat geschrieben:
Sa 10. Aug 2019, 21:50
Mach dich doch einfach selbstständig
Brauchst kein Arbeitsamt etc, verdienst deine Kohle selber, Kunden die dich nicht als Transfrau akzeptieren weist du den weg (dort wo der Mauermann ein Loch namens Tür gelassen hat)
Hab ich schon hinter mir, bin ganz froh wieder in nicht-selbstständiger Beschäftigung zu sein. Arbeitsamt hab ich so auch noch nicht gebraucht :) Glücklicherweise, hätte aber auch sicher mal anders laufen können. Ich halte es nicht nur mit Kunden so, sondern auch mit Firmen: Firmen die mich nicht als (Trans-)Frau akzeptieren werde ich auch nicht in Betracht ziehen für die zu arbeiten :) Im Zweifel steh ich irgendwo an der Tanke zum kassieren oder bilde mich weiter, bevor ich arbeitslos werden sollte :)
Michelle_Engelhardt hat geschrieben:
Sa 10. Aug 2019, 23:04
Jedenfalls ist es (in den meisten Fällen) utopisch, innerhalb von 4 Wochen einen Termin zu erwarten.
Was ich so höre, sind es vom Antrag bis zum Gerichtsbeschluss ca. 6 bis 9 Monate
Hat auch niemand behauptet, ich bin völlig in ordnung mit terminen die 8-12 wochen dauern können, wenn es das frühestmögliche ist und die zeit nicht künstlich verlängert wird, besonders wenn ich direkt eine e-mail mit verweis auf den brief dort hinschreibe und erstrecht, wenn ich dort 2 wochen später auftauche und nochmals nachfrage. 6-9 monate sind mir auch völlig in ordnung, wenn es nicht durch faulheit oder flascher organisationeinfach liegen bleibt und nichts tut, obwohl es hätte schon tun können.
Michelle_Engelhardt hat geschrieben:
Sa 10. Aug 2019, 23:04
Gehören Lichtbilder nicht ohnehin zu einer Bewerbung bzw. landen Bewerbungen ohne Lichtbild nicht möglicherweise direkt im Papierkorb?
Bei Siemens oder Bosch zu bewerben, z.b. wird sogar darauf hingewiesen, kein Lichtbild mitzusenden. Ich habe auch seit, ich meine Ausbildung begonnen habe, im Jahr 2000, außer bei den Ausbildungsbewerbungen, noch nie ein Lichtbild mitgesendet und ich muss auch sagen, wenn das ein Ausschlusskriterium sein soll, dann dürfen die sich andere Fachkräfte suchen.
So halte ich das übrigens dann auch mit dem Vorstellungsgesprächen, wenn ich denn mal welche haben sollte und meine VÄ/PÄ nicht durch sein sollte, soll es am Ende daran scheitern, das ich nicht das "erwartete Aussehen" habe, also männlicher Name = männliches Aussehen, dann will ich ehrlich gesagt auch gar nicht da arbeiten, denn dann wird es in Zukunft auch nur Probleme da geben, auf die ich von vornherein verzichten kann. :)

ich glaub, wir weichen aber zu sehr ab vom Thema :D
Liebe Grüße Jasmin

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Re: Transidentität: Psychologische Gutachten für Betroffene entwürdigend?

Post 20 im Thema

Beitrag von Jaddy » Sa 10. Aug 2019, 23:49

heike65 hat geschrieben:
Sa 10. Aug 2019, 20:06
zu 1) Griechenland wurde als land dargestellt in dem es ausser zwangsch....... keiner vorgaben bedarf
Der Artikel nennt die Zwangsscheidung und eine persönliche Darlegung der Gründe vor Gericht. Das bedeutet wohl erstens, dass das Ansinnen auch abgelehnt werden kann, wenn das Gericht es so will. Zweitens ist auch das eine Beurteilung durch andere. Ein Gatekeeping nach irgendwelchen Normen, die eigentlich unsinnig sind, weil es für den Staat - es geht ja nur darum - völlig unerheblich ist, welchen Vornamen ein Mensch trägt oder ob er als Mann, Frau oder Enby angesprochen wird. Unerheblich wie in: Niemand kann sich dadurch Vorteile erschleichen.
heike65 hat geschrieben:
Sa 10. Aug 2019, 20:06
zu 2) Warum wird es aber meist übertrieben dargestellt >4000€
Ob es nun 1000 oder 4000€ sind: Für viele Menschen ist das ein erheblicher Betrag, dem kein Nutzwert gegenüber steht. Das ganze Verfahren ist - ich betone es noch mal - laut diverser Studien unzweckmässig, belastend und schützt weder Menschen, noch Rechtsgüter. Deshalb ist einfach jeder Euro oberhalb der Arbeitszeit für die Eintragung für den Akt der Änderung zu viel.
heike65 hat geschrieben:
Sa 10. Aug 2019, 20:06
zu 3) Der eigentliche Verwaltungsakt mag recht einfach sein, aber die folgenden.... neue Steuernummer, Sozialversicherungsnummer, Zeugnisse, Krankenversicherung und das bei der deutschen Bürokratie
Diese Kosten gibt es auch für das Verfahren nach §45b und sie liegen im Ermessen der Betreffenden. Ich bezog mich auf die völlig überflüssigen Kosten für Gutachten und Gericht.

Andrea aus Sachsen
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Re: Transidentität: Psychologische Gutachten für Betroffene entwürdigend?

Post 21 im Thema

Beitrag von Andrea aus Sachsen » So 11. Aug 2019, 00:39

.
Mina_35 hat geschrieben:
Sa 10. Aug 2019, 21:34
Der witz ist ja auch, angenommen: Ich bewerbe mich jetzt, ihr seht mein Profilbild, im Lebenslauf und auf Zeugnissen steht noch mein aktuell rechtlicher (männlicher) Name, ich bin jemand, die absolut keine Bewerbungsfotos benutzt. So, nun tauch ich da auf zum Vorstellungsgespräch, was wird die Reaktion sein? Richtig, man wird mich erstmal blöd ansehen, sekunden bevor ich es aufklären kann. Im Lebenslauf steht ja lediglich mein Name und alle schließen darauf, das ich dort männlich erscheinen muss.
Zum Thema Bewerbungen hatte ich an anderer Stelle schon etwas geschrieben: viewtopic.php?f=72&t=17453&p=227897#p227897
Meine Herangehensweise mag nicht unumstritten sein, doch halte ich diese in unserer besonderen Situation nach wie vor für einen gangbaren Weg. Ich hatte letztendlich Erfolg damit.

Noch eine Anmerkung zum Geschlecht in amtlichen Dokumenten und Ausweisen: In den allermeisten Fällen halte ich diese Angabe für entbehrlich. Dagegen erachte ich es für wichtig oder gar notwendig, dass in den Unterlagen von Ämtern, Behörden, Vereinen und anderen Einrichtungen vermerkt ist, wie die betreffende Person angesprochen werden möchte (männlich, weiblich oder geschlechtsneutral). Diese Angabe, vorher auf Formularen abgefragt, kann meinetwegen freiwillig sein. Nur müssten sich die Betreffenden so im Klaren sein, dass bei fehlenden Angaben, die Absender in den genannten Einrichtungen entweder auf eine Anrede verzichten müssten, was ich unhöflich fände, oder sich nach eigenem Ermessen für eine der drei Möglichkeiten entscheiden. Möge jede(r) selbst beurteilen, ob das in seinem bzw. ihrem Interesse wäre!
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen

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Re: Transidentität: Psychologische Gutachten für Betroffene entwürdigend?

Post 22 im Thema

Beitrag von Michelle_Engelhardt » So 11. Aug 2019, 07:14

Mina_35 hat geschrieben:
Sa 10. Aug 2019, 23:22
Michelle_Engelhardt hat geschrieben:
Sa 10. Aug 2019, 23:04
Jedenfalls ist es (in den meisten Fällen) utopisch, innerhalb von 4 Wochen einen Termin zu erwarten.
Was ich so höre, sind es vom Antrag bis zum Gerichtsbeschluss ca. 6 bis 9 Monate
Hat auch niemand behauptet, ich bin völlig in ordnung mit terminen die 8-12 wochen dauern können, wenn es das frühestmögliche ist und die zeit nicht künstlich verlängert wird, besonders wenn ich direkt eine e-mail mit verweis auf den brief dort hinschreibe und erstrecht, wenn ich dort 2 wochen später auftauche und nochmals nachfrage. 6-9 monate sind mir auch völlig in ordnung, wenn es nicht durch faulheit oder flascher organisationeinfach liegen bleibt und nichts tut, obwohl es hätte schon tun können.



Sorry Mina, dann hab ich Dich hier wohl missverstanden, tut mit leid (ki)
Mina_35 hat geschrieben:
Sa 10. Aug 2019, 21:34
...tatsächlich hat das Gericht recht schnell gearbeitet und mein erster Termin ist auch schon kommende woche, aber der zweite Termin ist noch gar nicht vergeben worden und auf nachfrage hat man mir schonmal mitte bis ende oktober vorausgesagt und der witz ist, das ich dafür auch noch aus eigener tasche bezahle. da erwarte ich wenigstens einen kurzfristigen (binnen 4 wochen) termin zu bekommen...
Du hast recht, wir schweifen zu sehr ab.

Schönen Sonntag
Michelle
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Re: Transidentität: Psychologische Gutachten für Betroffene entwürdigend?

Post 23 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » So 11. Aug 2019, 08:28

Moin,

wenn es immer noch VerfechterInnen der Zwangsgutachterei in Personenstandsangelegenheiten gibt (nicht nur hier im Forum), dann wird sich politisch
schlecht etwas durchsetzen lassen, was in Richtung "Aufhebung des Gutachterzwanges" geht.

Gruß
Anne-Mette

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Re: Transidentität: Psychologische Gutachten für Betroffene entwürdigend?

Post 24 im Thema

Beitrag von Keks-Marie » So 11. Aug 2019, 09:34

heike65 hat geschrieben:
Sa 10. Aug 2019, 21:50
Mach dich doch einfach selbstständig
Brauchst kein Arbeitsamt etc, verdienst deine Kohle selber, Kunden die dich nicht als Transfrau akzeptieren weist du den weg (dort wo der Mauermann ein Loch namens Tür gelassen hat)
Weil das ja auch die ultimative Lösung für alles ist. Sich "einfach" selbstständig machen. Und Leute die man nicht mag "einfach" weg schicken...
Was wäre, wenn ein klein wenig Mut die einzige fehlende Zutat für ein glückliches Leben ist und man es nie herausfindet?

Jasmin_35
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Re: Transidentität: Psychologische Gutachten für Betroffene entwürdigend?

Post 25 im Thema

Beitrag von Jasmin_35 » So 11. Aug 2019, 10:23

Michelle_Engelhardt hat geschrieben:
So 11. Aug 2019, 07:14
Sorry Mina, dann hab ich Dich hier wohl missverstanden, tut mit leid
Kein ding, das passiert mir auch einfach zu oft, etwas zu schreiben und es rüber zu bringen (geschrieben ist es meist auch noch gesichtsausdruck und mehr oder minder emotionslos), ist dann doch manchmal schwerer als es zu erklären und bei missverständnis direkt drauf eingehen zu können :D Ich rede/schreibe manchmal vielleicht auch etwas verschachtelt und/oder umständlich :D Dafür können wir ja hier diskutieren :)
Anne-Mette hat geschrieben:
So 11. Aug 2019, 08:28
Moin,

wenn es immer noch VerfechterInnen der Zwangsgutachterei in Personenstandsangelegenheiten gibt (nicht nur hier im Forum), dann wird sich politisch
schlecht etwas durchsetzen lassen, was in Richtung "Aufhebung des Gutachterzwanges" geht.

Gruß
Anne-Mette
und die an den Fleischtrögen wollen ja auch nicht ihre Geldgeber enttäuschen, also in diesem Fall z.b. vielleicht die Ärztelobby. Ich bleibe dabei, mit gesundem Menschenverstand (ohne jemanden beleidigen zu wollen) gibt es kein echtes Argument für die Zwangsgutachterei. Ich habe, wie gesagt, noch niemanden persönlich getroffen, der das jedenfalls irgendwie nachvollziehen konnte, das es so ist, wie es ist, besonders im 21. Jhd, in Deutschland (das höre ich dann auch oft).
Keks-Marie hat geschrieben:
So 11. Aug 2019, 09:34
Weil das ja auch die ultimative Lösung für alles ist. Sich "einfach" selbstständig machen. Und Leute die man nicht mag "einfach" weg schicken...
Das hab ich auch schon hinter mir und auch schon gemacht, das funktioniert aber nur, wenn man exklusivanbieter von etwas ist, was viele haben wollen und/oder man hat so schon genug Kundschaft, die regelmäßig geld da lassen. Die ultimative Lösung ist Selbstständigkeit garantiert nicht und ich weiß, das es genügend Arbeitgeber gibt, denen das Geschlecht oder die Identität egal sind, hauptsache man kann den Job erledigen. Für Selbstständigkeit muss man auch geboren sein und eine gewisse Arbeitsmentalität haben, besonders am Anfang, wenn die Freizeit und auch der Schlaf gegen 0 gehen.
Liebe Grüße Jasmin

P.S.: Ja, die Haare sind echt :D (weil ich inzwischen dauernd überall gefragt werde ;))

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Re: Transidentität: Psychologische Gutachten für Betroffene entwürdigend?

Post 26 im Thema

Beitrag von Jasmine » So 11. Aug 2019, 10:48

Ich bin der Meinung das die Gutachterei abgeschafft gehört. Kein Arzt kann besser entscheiden als ich. Allein was ich seit meiner Jugend durchgemacht habe, weil ich nicht so leben durfte wie es für mich richtig ist. Wenn ich bereits im Kindes- Jugendlichenalters in meiner Entwicklung unterstützt worden wäre, hätte ich ein Leben ohne die vielen Leiden und Probleme führen können. Und heute soll ein Psychologe dann ein schlüssiges Gutachten anfertigen?
Ich weiss das ich eine Frau bin, dies sollte auch der Staat anerkennen und mich nicht mit entwürdigender Fragerei belasten. Aber auch das akzeptiere ich,weil es keinen anderen Weg gibt.
Liebe Grüße Jasmine
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Re: Transidentität: Psychologische Gutachten für Betroffene entwürdigend?

Post 27 im Thema

Beitrag von Astrid_M » So 11. Aug 2019, 18:52

Daß diese Gerichts-Gutachten besser abgeschafft werden sollten, sehen auch Gutachter / Psychotherapeuten / Psychiater so, die auf dem Gebiet arbeiten.
Einige, die ich kenne, hatten diese Meinung selbst in Gesprächen so geäußert. Ich hatte mich mit ihnen unterhalten, weil ich Rat suchte und dann später auch
Gutachtergespräche stattfanden. Ich denke, das sagt einiges.

Auf der einen Seite bin ich froh, mit denen überhaupt gesprochen zu haben, denn meine Gesprächspartner waren verständnisvoll und hilfsbereit. Aber das hätte besser
ein zwangloses Beratungsgespräch sein können, bei dem ich freiwillig Auskunft gebe und der Gegenüber vertrauenswürdig und sympathisch ist (war glücklicherweise bei mir so).

Bei Gerichtsgutachten oder staatlich regelmentierter Beratung bekommt man jemand vor die Nase gesetzt und das ist kein guter Ausgangspunkt. Manche haben so leider schlechte
Erfahrungen mit ihren Gutachtern gemacht: mußten z.B. sinnlose oder entwürdigende Fragen beantworten.
Von daher sollte sich der Staat da auf das wirklich Notwendige beschränken:
Wenn z.B. zwei heiraten, dann dürfen die das frei entscheiden und müssen keinen Persönlichkeitstest machen, ob sie zueinander passen oder ob sie sich später doch nicht
scheiden lassen. Das ist eine persönliche Entscheidung. Der Beamte / die Beamtin registiert die Ehe, so daß alles seine Ordnung hat und mehr muß der Staat da nicht tun.
Wieso muß der Staat dann bei der Änderung meines Vornamens und "Personenstandes" so einen Aufstand machen?
Astrid

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Re: Transidentität: Psychologische Gutachten für Betroffene entwürdigend?

Post 28 im Thema

Beitrag von MichiWell » So 11. Aug 2019, 20:06

Astrid_M hat geschrieben:
So 11. Aug 2019, 18:52
Wenn z.B. zwei heiraten, dann dürfen die das frei entscheiden und müssen keinen Persönlichkeitstest machen, ob sie zueinander passen oder ob sie sich später doch nicht
scheiden lassen. Das ist eine persönliche Entscheidung. Der Beamte / die Beamtin registiert die Ehe, so daß alles seine Ordnung hat und mehr muß der Staat da nicht tun.
Wieso muß der Staat dann bei der Änderung meines Vornamens und "Personenstandes" so einen Aufstand machen?
Hallo Astrid,

das ist ein wunderbares Beispiel, was ich mir auf jeden Fall merken muss. Auf diese Weise sollte es jeder Depp verstehen können. (Ob er es dann wahrhaben will, steht auf einem anderen Blatt.)


Liebe Grüße
Michi
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Re: Transidentität: Psychologische Gutachten für Betroffene entwürdigend?

Post 29 im Thema

Beitrag von Michelle_Engelhardt » Mo 12. Aug 2019, 07:10

Ich frage mich was das für Menschen sind, diese von Anne-Mette angesprochenen "VerfechterInnen der Zwangsgutachterei"? Sind es solche, die alles reglementiert haben müssen, für die es undenkbar ist, das man beim Amt oder beim Gericht "mal eben" seinen Vornamen und den Personenstand wechselt? Oder sind es jene, die das ganze Verfahren schon hinter sich gebracht haben und nicht wollen, das es andere Personen zukünftig einfacher haben? So nach dem Motto: "Wenn ich schon den ganzen Sch... mitmachen musste, dann sollen das andere gefälligst auch tun".

Liebe Grüße
Michelle
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Re: Transidentität: Psychologische Gutachten für Betroffene entwürdigend?

Post 30 im Thema

Beitrag von Vicky_Rose » Mo 12. Aug 2019, 08:26

Moin,

ich bin in der Frage ein wenig gespalten. Das Thema "Zwang" sehe ich als sehr kritisch an. Und vor allem, dass auf dieser Basis eine Entscheidung aufgebaut wird, die mich in meiner Person betreffen. Das ist in der Tat entwürdigend.

Aber was könnte denn der Grund für eine Begutachtung sein ? Ich sehe dahinter die Motivation, Betroffene vor einer möglichen falschen Entscheidung zu schützen. Das halte ich nicht für falsch. Aber wann und auf welcher Ebene ist eine solche Entscheidung tatsächlich für Betroffene von Bedeutung ? Ich glaube nicht, dass der Eintrag ins Personenregister einen solchen Punkt darstellt. Da bin ich ich auch ganz bei Michi, wenn sie sagt, das Geschlecht gehört an dieser Stelle abgeschafft. Bleibt doch nur der Vornamen und den sollte sich jeder Mensch frei und ohne Bewertung Dritter auswählen und auch ändern können. Wem tut das schon weh ?

Problematischer wird das mMn an dem Punkt, an dem es um körperliche Eingriffe geht. Die sind mit sehr weitreichenden persönlichen Konsequenzen behaftet. Eine Fehlentscheidung ist praktisch kaum noch zu revidieren. Ich meine, es macht Sinn, an dieser Stelle so viel Sicherheit wie möglich für den Betroffenen zu realisieren. Aber die letzte Entscheidung muss beim Betroffenen liegen. Eine Entscheidung von Gutachtern oder sonstigen Dritten kommt einer Entmündigung gleich. Dieses Vorgehen lehne ich ab.

Spricht aber etwas gegen eine eingehende Beratung ? Viele, die hier schreiben, dass sie für sich selber entscheiden können, mögen damit Recht haben, aber was ist mit Menschen, bei denen das nicht so ist ? Ich gehe von mir aus, wenn ich sage, dass es Phasen gibt, in denen wäre ein Leben als Frau wünschenswert und andere, in denen ich damit sicher nicht glücklich wäre. Ich halte mich für einen Menschen, der einigemaßen verantwortungsvoll mit sich umgehen kann, aber ich weiß auch, dass meine Sichtweise keineswegs so sicher ist, wie ich das meistens denke. Wollte ich mich einer GaOp unterwerfen, wäre eine sehr eingehende Beratung mehr als nur sinnvoll. Unter einer solchen Beratung verstehe ich vor allem, die Thematik unter möglichst allen Aspekten zu beleuchten, und nicht nur die, die mir gerade wichtig zu sein scheinen, so dass eine persönliche Entscheidung auf ein breiteres Fundament gestellt wird.

Ich denke, es ist wichtig, sich seiner selbst nicht zu sicher zu sein. Meine Erfahrung zeigt mir, dass Offenheit gegenüber anderen Perspektiven mir immer geholfen hat. Mit meinem Kopf durch die Wand zu gehen, hat mir immer geschadet.

Nun ist aber bekannt, dass in der Beratung Freiwilligkeit einen wesentlichen Schlüssel darstellt. Unter Zwang nimmt niemand andere Perspektiven wirklich wahr. Es macht m.E. daher Sinn, einen Ersttermin als Plicht einzuführen, in der über die Möglichkeiten einer Beratung und deren Sinn dargestellt wird. Die Beratung selber ist freiwillig, die Kosten sollten durch die Krankenkassen übernommen werden.

Ich denke, Menschen sollten sich in dieser Situation nicht alleine gelassen fühlen.
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.

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