Hallo Carina,
Carina81 hat geschrieben: Mo 27. Mai 2019, 22:18
Mittlerweile hat er sich weiterentwickelt und ist zu der Erkenntnis gekommen das er sich als transsexuell einstuft.
Das ist ein Quantensprung und verändert die Lage drastisch.
Carina81 hat geschrieben: Mo 27. Mai 2019, 22:18
Wir haben viele Höhen und Tiefen mit diesem Thema erlebt, viele Gespräche geführt (zumindest ansatzweise) haben ausgetestet wie und in welchem Maß ich ihn begleiten kann. Ich komme damit zurecht das er diese weibliche Seite in sich trägt, das er es in einem gewissen Rahmen, den wir zusammen abgesteckt haben, auslebt. Wir haben es ausprobiert das er sich fertig gemacht hat als ich dabei war, wo ich aber für mich festgestellt habe das ich dazu nicht bereit bin. Nicht falsch verstehen es ist ok ihn als Emma zu sehen, aber ich komme mit seiner Wesensveränderung nicht zurecht.
Obgleich ihr keine "Anfänger" bei diesem Thema seid und die bisherigen Gespräche und Vereinbarungen eine gute Grundlage bilden dürften, verschiebt sich die Vorstellung einer Kontrollierbarkeit und Steuerbarkeit von Emma bei Transidentität (ich mag das andere Wort überhaupt nicht leiden) ins Reich der Wunschträume. Was soll geschehen, wenn Emma eine HET beginnen will? Wollt ihr dann über einzelnen Hub Estradiol-Gel diskutieren? Oder wenn Emma leben will? Soll sie Teil eines Doppellebens werden, um vor Kindern und Angehörigen den falschen Schein zu wahren? Das wäre der Beginn einer
einzigen großen Lüge - wenn nämlich Emma gezwungen wäre, ihre Identität zu leugnen.
Carina81 hat geschrieben: Mo 27. Mai 2019, 22:18
Er wollte immer das es eine Leichtigkeit bekommt, aber er lügt mich an. Ich weiß nicht wie das funktionieren soll. Das Thema komplett aus der Beziehung nehmen? Er darf es machen und das ist süchtig, aber ich will davon weder was sehen noch hören?
Ich weiß mir keinen Rat mehr. Ich weiß ich liebe ihn, aber wenn man in einer Beziehung angelogen wird ist das Vertrauen dahin...
Danke das ihr bis zum Schluss durchgehalten habt und es bis hierher gelesen habt. Ich bin über jeden Rat oder Gedankenanstoß dankbar.
Lg Carina
Was du als Lüge interpretierst, ist im Grunde genommen ein Verstoß gegen eure Vereinbarungen. Das zeigt m.E., wie hoch der Druck seitens Emma ist, sich auszuleben - und dass die Kontrollierbarkeit bereits jetzt reine Fantasie sein dürfte. Ich halte das weder für boshaft noch hinterhältig. Es ist niemandem gedient, wenn du deine maßlose Enttäuschung darüber, dass dir - ja euch - Emmas Entwicklung quasi aus den Händen geglitten ist, hinter einem vermeintlichen Vertrauensbruch versteckst. Ihr habt bislang quasi einen vorbildlichen Umgang mit dem Thema CD gepflegt, den nur wenige Paare auch nur ansatzweise derart gut hinbekommen. Seid stolz auf das erreichte Vertrauensverhältnis! Die folgende Zeit wird zeigen, ob dieses Fundament reicht, um auch die künftige Entwicklung zu tragen. Alles muss neu überdacht, neue Lösungen müssen gefunden werden. Transidentität aus der Beziehung zu nehmen, bedeutet nichts weiter, als die Beziehung zu beenden. Aber das muss nicht sein!
Vielleicht für ev. Anregungen ein paar Stichpunkte aus meiner Ehe, als das Thema aufkam:
CD, DWT usw. hab ich übersprungen, begann von einem Tag zum anderen sofort mit Transidentität. Nach zwei Wochen Bedenkzeit mit mir selbst outete ich mich bei meiner Frau. Für sie brach eine Welt zusammen. Doch binnen eines halben Jahres fanden wir gemeinsam einen Weg, damit umzugehen. Mein Drang war von der ersten Sekunde an derart stark, dass ich einen "Hormonsturz" bekam und mich körperlich - vor allem im Gesicht - rasant veränderte. Da konnten wir über kleine Schritte diskutieren, wie wir wollten. Mein Körper galoppierte davon, nach 4 Monaten bekam ich keine Pakete mehr auf den Männerausweis (auch nicht im Männermodus), Leute erkannten mich nicht mehr wieder. Innerhalb von 8 Monaten war ich komplett geoutet und lebte als "Vollzeitfrau" - zunächst ohne HET.
Meiner Frau und mir war zu keinem Zeitpunkt möglich, die Sache zu steuern. "Nun bau mal weniger Östrogene und wieder mehr Testo an!" klappt nicht. Aber wir haben reagiert, lernten uns neu kennen - doch dieses Mal als zwei Frauen. Unsere Ehe war vorher zerrüttet und bekam dadurch sogar eine neue Chance. Wir verbrachten so viel Zeit zusammen wie seit Jahren nicht mehr, fuhren gemeinsam in den Urlaub - und haben nie irgendwelche bösen Blicke oder Reaktionen geerntet.
Das kostete enorme Kraft, besonders auf ihrer Seite. Aber wenn sie ehrlich war, gestand sie sich ein, es im Gegensatz zu mir selbst von Anfang an geahnt zu haben, was mit mir los war. Zu vieles war an mir war unmännlich - vom Aussehen bis zum Verhalten, aber sie hatte die Signale nicht beachtet. Belogen hatte ich sie nie, da ich selbst von meiner Identität nichts wusste - bis zum Tag X.
Zunächst machten wir kleine Dates, trafen uns wie in der Anfangszeit in Kinos und Restaurants. Das war wunderschön, romantisch und wir verliebten uns neu, obwohl sie stets beteuerte, nicht lesbisch zu sein. Wir fuhren zusammen shoppen, unternahmen später mit unserem Kind sehr viel gemeinsam, nachdem wir beide einigermaßen gefestigt waren.
Warum denn letztlich doch alles in einer bitterbösen Trennung endete, lag an der brachialen Fremdeinmischung ihrer Familie, die pausenlos gegen mich - das Monster, die Kreatur, die Schwuchtel - hetzte und leider auch mein Kind auf dem Gewissen hat, das seitdem schwer psychisch gestört und in ständiger Behandlung ist. Inzwischen meine ich, eine tote Papi sei für ihn besser als eine Frau. Deshalb stelle ich mir jeden Tag dieselben Fragen, weine neue Tränen und bin im Grunde genommen trotz einer überaus erfolgreichen Transition am Ende.
Euch und vor allem dir wünsche ich, dass ihr es schlauer anstellt, euch vor allem nicht von Dritten reinreden lasst und eure Kinder beschützen könnt, denn die Kleinen können wunderbar alleine Verständnis entwickeln und brauchen weder Hetze noch Hass.
LG
-Diva