Du sollst nicht diskriminieren...
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Marlene K.
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Post 1 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Anlässlich von 70 Jahren Grundgesetz gibt es eine Seite mit Demokratiegeschichten:
https://www.demokratiegeschichten.de/ar ... iminieren/
Diese habe ich auf Facebook mit folgendem Erlebnis von mir geteilt:
Erst vorgestern habe ich es erdulden müssen, dass mein Sein von zwei Betreibern von Marktständen in Berlin-Frierichshagen lautstark über den Platz kommentiert und herabgesetzt wurde. Eine der Täterinnen berief sich auf Meinungsfreiheit und Demokratie. Die erlaubt dann wohl auch Menschen direkt zu schlagen oder gar zu töten, wenn diese nicht der Norm entsprechen... ja, nach dem Würdeartikel ist dies einer der wichtigsten!
Hier ergänze ich noch, eine Anzeige ist erstattet.
Marlene

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Marlene K.
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Re: Du sollst nicht diskriminieren...

Post 2 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Hier für die, die es interessiert der volle Anzeigetext:
1. Ihre Anzeigen-Auswahl
Anzeigen anderer Art
2. Wann ist es passiert
Datum von 24.05.2019
Uhrzeit von 09:50
Datum bis 24.05.2019
Uhrzeit bis 11:00
3. Wo ist es passiert
Straße Bölschestraße
Postleitzahl 12587
Ort Berlin
Land Deutschland
Nähere Ortsbeschreibung Stände auf dem Marktplatz Friedrichshagen auf der Seite
der Anwohnerstraße.
Oliven und Antipastristand, der jeden Freitag dort steht,
lokaler Metzgereistand gegenüber.
Örtlichkeit Marktplatz
4. Sachverhalt
Was ist passiert, warum ist es
passiert?
Ich lief kurz vor 10:00 aus Richtung Bölschstraße zwischen
den genannten Ständen her.
Als ich an diesen vorbei war hörte ich hinter mir den vermutlich griechischen Betreiber(in der Folge "A") des zuerst genannten Standes rufen (sinngemäß): "Was ist das den, dass war doch ein Kerl, dass sieht man doch."
Ich selber bin Transperon, nonbinär, und hatte ein Sommerkleid, Sandalen und Schmuck an.
Die Betreiberin/Verkäuferin des zweiten Standes (in der Folge"B") rief laut zurück, wieder sinngemäß: "Ja, dass ist pervers. Aber ich sehe doch, dass das ein Mann ist. Ist es nicht widerlich?" Bei dem Satz, der anfing mit: "Das gibt es ja jetzt selbst bei Fussballvereinen..." hatte ich mich schon umgedreht und bedankte mich bei den Beiden in der Mitte zwischen den Ständen anhaltend und sagte laut und vernehmlich: "Ich bedanke mich bei Ihnen, dass sie meine Person bloßstellen und laut und vernehmlich über mich zu diskutieren anstatt mit mir zu reden."
Darauf hin A: "Ich habe doch garnichts gesagt." Meine Antwort darauf: "Ich habe laut und vernehmlich gehört was sie nicht gesagt haben." Von B kam: "Aber ich sehe doch was Sie sind!" Meine Antwort darauf: "Das geht sie nichts an und das können sie nicht entscheiden. Ich verbitte mir quer über den Platz diskutiert zu werden anstatt mit mir zu reden."
Ich drehte mich um und ging, sobald ich um die Ecke war hörte ich von B: "Der spinnt doch wohl, ich sgae was ich will
und wie ich will" und von B: " Was Gott als Mann geschaffen hat muss ja wohl Mann bleiben und kann keine Frau sein."
Daraufhin dreht ich mich noch mal um, bedankte mich noch mal, dass sie weitermachen und mich lat und für alle vernehmlich bloßstellen und habe darauf hingewiesen, dass Ihr verhalten eine Straftat gegen das Allgemeine Gleichstellungsgesetz darstellt und Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und somit strafbar sei. A wieder ich habe doch nichts gesagt und B: "Noch darf ich
sagen, was ich will. Wir leben in einer Demokratie. Wir
haben Meinungsfreiheit." Daraufhin habe ich gesagt: "Das können sie gerne mit der Polizei diskutieren. Soll ich diese rufen?" Antwort: "Mach sie doch."
Ich habe daraufhin die 110 gewählt, mich entschuldigt über den Notruf gegangen zu sein, meinen Namen genannt und den Tatbestand geschildert. An diesem Punkt habe ich schon am ganzen Körper gezittert und hatte Probleme meinen Kreislauf im Griff zu behalten. Ich blieb in der folge in der Nähe der Stände und mein Gefühl wurde durch meine offensichtliche Aufregegung und die umstehenden und gaffenden Marktbesucher nicht besser. Ich werde normalerweise nicht so angegafft, dies war meiner offensichtlichen Aufregung geschuldet. In der Folge habe ich mit meinem Smartphone die Nummer der zuständugen Wache herausgesucht und dort nach ungefähr zwanzig Minuten angerufen, um zuerfragen, ob zeitnah mit den Kollegen zu rechnen sei. Ich habe geschildert, dass ich Mittags einen wichtigen Arzttermin habe. Wenn ich mich richtig erinnere und es richtig verstanden habe hatte ich einen Herrn Knaak(Dienstgrad
habe ich nicht verstanden) am Telefon.
In der Zwischenzeit kam A auf mich zu und wollte sich entschuldigen, was ich angenommen habe im persönlichen Bereich, aber auch deutlich gemacht habe von einer
Anzeige nicht abzusehen. Kurz darauf ging A auf einen am benachbarten Bäckereistand stehenden Kunden zu und sprach diesen an: "Guck mal, der will mich anzeigen...". Ich wies A darauf hin, dass er die Sache sicher nicht besser mache, wenn er andere Menschen mit hinein ziehe. Der Kunde sagte: "Lass Sie doch."
Herr Knaak rief mich kurz darauf zurück und teilte mir mit, dass es krankheitsbedingt und wegen hoher Anzeigenzahl nicht absehbar sei, wann ein Kollege vor Ort sein könne. Ich bin darauf hin ungefähr dreiviertel elf gefahren, nachdem ich die betreffenden Stände fotografiert und den Betreibern mitgeteilt habe, dass die Polizei nicht jetzt kommen könne, ich die Sache aber zur Anzeige bringen werde.
B nickte nur und schaute mich wütend an, A reichte mir zur Entschuldigung die Hand und sagte: "Ich lebe seit dreißig Jahren in Deutschland und habe noch nie jemanden
beleidigt." Meine Antwort: "Nun, dass hat sich jetzt geändert." Daraufhin er: "Wir Südländer sind halt so, immer
impulsiv." Meine Antwort: "Meinen sie, dass macht es besser? Ist das eine Ausrede? Ich werde erwähnen, dass sie sich glaubhaft versucht haben zu entschuldigen. Aber es kommt zur Anzeige. Ich will Ihnen nicht böse, aber das geht so nicht."
Beteiligte Personen
Betreiber des griechischen Aufstrich-Oliven-Weinblatt-
Standes.
Betreiberin/Verkäuferin des gegenüberliegenden
Metzgereistandes.
Ich
Anonymer Bäckereikunde
Wer hat etwas gesehen?
Marktbesucher
Ich habe die Fehler aus Flüchtigkeit und Aufregung aus dem Original bewusst nicht korregiert beim zitieren.
Marlene

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Jasmine
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Re: Du sollst nicht diskriminieren...

Post 3 im Thema

Beitrag von Jasmine »

Zitat aus der Anzeige:
Noch darf ich sagen, was ich will. Wir leben in einer Demokratie. Wir haben Meinungsfreiheit

Diese Argumentation habe ich auch schon öfter gehört. Hier entgegne ich dann:
Gibt ihnen ihre Meinungsfreiheit das Recht andere Menschen zu beleidigen oder bloßzustellen?

weiteres Zitat:
und teilte mir mit, dass es krankheitsbedingt und wegen hoher Anzeigenzahl nicht absehbar sei, wann ein Kollege vor Ort sein könne.

Da kann man ja nur froh sein, das kein tätlicher Angriff stattfand.

Liebe Grüße Jasmine
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Re: Du sollst nicht diskriminieren...

Post 4 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Jasmine hat geschrieben: So 26. Mai 2019, 10:41 Da kann man ja nur froh sein, das kein tätlicher Angriff stattfand.
Liebe Jasmine,
bei einem tätlichen Angriff würde anders reagiert. Der Polizist, mit dem ich sprach berichtete eben von mehreren Tätlichkeiten im Abschnitt, die vorgezogen würden.
Schönen Sonntag Dir
Marlene

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Re: Du sollst nicht diskriminieren...

Post 5 im Thema

Beitrag von Svetlana L »

Jasmine hat geschrieben: So 26. Mai 2019, 10:41 Zitat aus der Anzeige:
Noch darf ich sagen, was ich will. Wir leben in einer Demokratie. Wir haben Meinungsfreiheit
Bei vielen geht die Demokratie aber nur immer soweit, wie deren eigenen Rechte betroffen sind. Dass Menschen sich so kleiden, wie sie es für sich als richtig erachten, ihr Leben so führen, dass sie mit sich im Reinen sind, das kommt in deren "Demokratieverständnis" anscheinend nicht vor. Es ist vollkommen richtig, dass du das zur Anzeige gebracht hast und es tut mir leid für dich, Ralf-Marlene, dass du überhaupt erst in eine so entwürdigende Situation geraten bist.
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Re: Du sollst nicht diskriminieren...

Post 6 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

Svetlana L hat geschrieben: So 26. Mai 2019, 11:38
Jasmine hat geschrieben: So 26. Mai 2019, 10:41 Zitat aus der Anzeige:
Noch darf ich sagen, was ich will. Wir leben in einer Demokratie. Wir haben Meinungsfreiheit
Bei vielen geht die Demokratie aber nur immer soweit, wie deren eigenen Rechte betroffen sind. Dass Menschen sich so kleiden, wie sie es für sich als richtig erachten, ihr Leben so führen, dass sie mit sich im Reinen sind, das kommt in deren "Demokratieverständnis" anscheinend nicht vor. Es ist vollkommen richtig, dass du das zur Anzeige gebracht hast und es tut mir leid für dich, Ralf-Marlene, dass du überhaupt erst in eine so entwürdigende Situation geraten bist.
Mhm..

ich kann mich noch erinnern wie unser jetziger Bundestagspräsident mal von "unserer Demokratie" sprach, ich mich aber nicht einbezogen fühlte.
Es heisst ja auch parlamentarische Demokratie. Nicht Demokratie für alle...

Und Demokratie hat nichts mit Meinungsfreiheit zu tun, das sind keine integralen Bestandteile, habe ich das Ganze richtig verstanden.

Ich finde auch, das die Anzeige ganz richtig war. Weil eine Meinung zu haben und diese für sich zu behalten oder diskriminierend in die Umwelt
zu transportieren ist nochmal ein Unterschied.

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Re: Du sollst nicht diskriminieren...

Post 7 im Thema

Beitrag von Magdalena »

Hallo Ralf Marlene,

ja Meinungsfreiheit ist das Eine. Dagegen hat niemand etwas. Nur so wie es Dir widerfahren ist, dass geht gar nicht. Wenn unser eines unterwegs ist, wird es nicht ausbleiben, dass wir erkannt werden. Doch neben Meinungsfreiheit gibt es auch Anstand. Letzteres scheinen die Betreiber der Marktstände nicht zu besitzen. Wenn sie sich hinterher in ihrer Pause unter sich unterhalten, werden wir nichts ausrichten können. Aber quasi mit Fingern auf Dich zu zeigen und nach Marktachreierart kund zu tun, ist unmöglich. Ich finde es richtig , dass Du es zur Anzeige bringst. Ich arbeite ja auch in einem Bereich, der von unterschiedlichen Menschen aus unterschiedlichen Kulturen besucht wird? Glaube mir, da muss ich auch manchmal lächeln. Aber nie auslachen! Und jeder Gast wird mit dem gleichen Respekt und Achtung behandelt und versucht dem Besuch unseres Hauses zu einen angenehmen Erlebnis werden zu lassen. Es gehört sich so!

Viele liebe Grüße Magdalena
Lebe jeden Tag.
Michi
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Re: Du sollst nicht diskriminieren...

Post 8 im Thema

Beitrag von Michi »

Hallo Raf-Marlene,

ich finde es auch völlig in Ordnung, dass du das zur Anzeige gebracht hast.

Noch leben wir in einer Demokratie und dürfen in unserer Identität so sein, wie wir uns fühlen.

(Letzteres wäre vielleicht eine gute Antwort auf den Spruch bzgl. Meinungsfreiheit gewesen.)


Liebe Grüße
Michi
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Re: Du sollst nicht diskriminieren...

Post 9 im Thema

Beitrag von Michelle_Engelhardt »

Liebe Ralf-Marlene,

ich war schon echt betroffen als ich gelesen habe, wie Du von diesen "Menschen" behandelt wurdest. Der Grieche hat sich wohl nur entschuldigt, weil er die Worte "Anzeige" und "Polizei" gehört hat.....da ging ihm wohl der Arsch auf Grundeis, wie man so schön sagt. So zumindest mein Eindruck. Über die IQ-Amöbe hinter der Wursttheke will ich mich erst gar nicht äußern, sonst wird es zu derbe.

Wirklich beeindruckt hat mich Deine Reaktion und Besonnenheit in dieser unangenehmen Situation. Du hast Dich nicht auf das Niveau dieser beiden Gestalten begeben.....etwas, das mir glaube ich schwer gefallen wäre. Bei mir wären sicherlich Rachegelüste aufgekommen und ich hätte den Inhaber der Wursttheke mal gefragt, was für Leute er da eigentlich beschäftigt.....falls diese Person eine Angestellte ist. Ob die Anzeige etwas bringt und ob die beiden mit Konsequenzen rechnen müssen, kann ich nicht sagen.....wünschenswert wäre es auf jeden Fall. Ich finde es aber richtig, das Du diesen Vorfall zur Anzeige gebracht hast.

Liebe Grüße
Michelle
Brauchst Du Hilfe oder einfach jemanden zum quatschen? Schick mir 'ne PN!

Weihnachtsmarkt ist das Wacken für Büroangestellte!
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Re: Du sollst nicht diskriminieren...

Post 10 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Michelle_Engelhardt hat geschrieben: Mo 27. Mai 2019, 07:09 Liebe Ralf-Marlene,
...
Ob die Anzeige etwas bringt und ob die beiden mit Konsequenzen rechnen müssen, kann ich nicht sagen.....wünschenswert wäre es auf jeden Fall. Ich finde es aber richtig, das Du diesen Vorfall zur Anzeige gebracht hast.

Liebe Grüße
Michelle
Vielen Dank für die lieben Worte, Michelle,
wir hier in Berlin leben mit einem funktionierenden LSBTQI-Team bei Polizei und einem bei der Justiz schon auf einem Ausnahmegebiet. Deshalb habe ich die Hoffnung, dass wirklich etwas passiert. Bei dem griechischen Herrn habe ich schon gekauft und er war nicht so feindlich, obwohl ich auch da schon klar als abweichend von der Norm zu erkennen war.
Ich habe auch das Gefühl es bewegt sich wirklich etwas in seinem Kopf. Ja, es bewegt sich wegen der Angst, aber es bewegt sich. Das ist es doch was zählt... wenn es sich die richtige Richtung bewegt...

Es tut gut in einer so wohlwollenden Gemeinschaft aufgefangen zu werden. Danke dafür
Marlene

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Re: Du sollst nicht diskriminieren...

Post 11 im Thema

Beitrag von Diva »

Ralf-Marlene hat geschrieben: Mo 27. Mai 2019, 07:23 wir hier in Berlin leben mit einem funktionierenden LSBTQI-Team bei Polizei und einem bei der Justiz schon auf einem Ausnahmegebiet. Deshalb habe ich die Hoffnung, dass wirklich etwas passiert.
Da bin ich auch gespannt. Die Zusammenarbeit der LSBTTIQ*-spezialisierten Staatsanwaltschaft mit der Abteilung 284 der Polizei in Berlin stellt ein bundesweites Unikum dar. Allerdings geht es stets um "homophobe / transphobe Straftaten". Inwieweit hier überhaupt der strafrechtliche Tatbestand erfüllt ist (welcher?) und was alternativ zur Ahndung in Frage käme, wird sich herausstellen.

Zwar blieb mir dieser Weg bislang erspart, aber in Diskriminierungsfällen auf Arbeit (öffentlicher Dienst!) hab ich schon viel lernen dürfen. Binnen kurzer Zeit wird aus dem "Opfer" die Täterin gemacht, die sich rechtfertigen muss, die armen Täter zu verunsichern. Es wird alles daran gesetzt, den scheinbaren Beweis zu erbringen, dass die gesetzlichen Tatbestände nicht erfüllt seien usw. Die Zuständigen sind ehrlich moralisch entrüstet, woher man denn überhaupt die Ungeheuerlichkeit nähme, sich zu beschweren. Zwar darf niemand wegen einer AGG-Beschwerde benachteiligt werden, aber das ist in der Praxis der blanke Hohn.
Mein Fazit: Es ist besser, nett zu lächeln, alles runterzuschlucken und gar nichts zu unternehmen. Ich muss akzeptieren, mir alles gefallen zu lassen, ob nun Handgreiflichkeiten, sexuelle Belästigungen, Beleidigungen, Verstöße gegen das lächerliche "Offenbarungsverbot" des -§5 TSG usw. Immer hübsch lächeln und noch die andere Wange hinhalten ...

Ich hoffe für dich und künftig Betroffene, dass du auf deinem zivil- / strafrechtlichen Wege weitaus bessere Erfahrungen machen darfst - viel Erfolg!

-Diva
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Re: Du sollst nicht diskriminieren...

Post 12 im Thema

Beitrag von Svetlana L »

Nur mal zur Richtigstellung: Bei der Staatsanwaltschaft ist das die Abteilung 284 und bei der Polizei ist das LKA Präv 1 (mit denen ich am Freitag erst wieder bei einem Präventionseinsatz im Regenbogenkiez unterwegs war)
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Re: Du sollst nicht diskriminieren...

Post 13 im Thema

Beitrag von Diva »

Svetlana L hat geschrieben: Mo 27. Mai 2019, 10:21 Nur mal zur Richtigstellung: Bei der Staatsanwaltschaft ist das die Abteilung 284 und bei der Polizei ist das LKA Präv 1 (mit denen ich am Freitag erst wieder bei einem Präventionseinsatz im Regenbogenkiez unterwegs war)
Ich entschuldige mich vielmals für die o.a. Verwechslung (nicht für den Beitrag)!

-Diva
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Re: Du sollst nicht diskriminieren...

Post 14 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Diva hat geschrieben: Mo 27. Mai 2019, 09:52
Ralf-Marlene hat geschrieben: Mo 27. Mai 2019, 07:23 wir hier in Berlin leben mit einem funktionierenden LSBTQI-Team bei Polizei und einem bei der Justiz schon auf einem Ausnahmegebiet. Deshalb habe ich die Hoffnung, dass wirklich etwas passiert.
Da bin ich auch gespannt. Die Zusammenarbeit der LSBTTIQ*-spezialisierten Staatsanwaltschaft mit der Abteilung 284 der Polizei in Berlin stellt ein bundesweites Unikum dar. Allerdings geht es stets um "homophobe / transphobe Straftaten". Inwieweit hier überhaupt der strafrechtliche Tatbestand erfüllt ist (welcher?) und was alternativ zur Ahndung in Frage käme, wird sich herausstellen.

Zwar blieb mir dieser Weg bislang erspart, aber in Diskriminierungsfällen auf Arbeit (öffentlicher Dienst!) hab ich schon viel lernen dürfen. Binnen kurzer Zeit wird aus dem "Opfer" die Täterin gemacht, die sich rechtfertigen muss, die armen Täter zu verunsichern. Es wird alles daran gesetzt, den scheinbaren Beweis zu erbringen, dass die gesetzlichen Tatbestände nicht erfüllt seien usw. Die Zuständigen sind ehrlich moralisch entrüstet, woher man denn überhaupt die Ungeheuerlichkeit nähme, sich zu beschweren. Zwar darf niemand wegen einer AGG-Beschwerde benachteiligt werden, aber das ist in der Praxis der blanke Hohn.
Mein Fazit: Es ist besser, nett zu lächeln, alles runterzuschlucken und gar nichts zu unternehmen. Ich muss akzeptieren, mir alles gefallen zu lassen, ob nun Handgreiflichkeiten, sexuelle Belästigungen, Beleidigungen, Verstöße gegen das lächerliche "Offenbarungsverbot" des -§5 TSG usw. Immer hübsch lächeln und noch die andere Wange hinhalten ...

Ich hoffe für dich und künftig Betroffene, dass du auf deinem zivil- / strafrechtlichen Wege weitaus bessere Erfahrungen machen darfst - viel Erfolg!

-Diva
Liebe Diva,
im öffentlichen Dienst gibt es doch Gleichstellungsbeauftragte und einen Betriebsrat. Ich denke, Deine Erfahrungen, so verletzend sie im Einzelfall sind, hat jede*r offen queere Mensch schon gemacht. Mindestens die Beschuldigte hat sich durch herabsetzende Wortwahl strafbar gemacht. In wie weit die Aussage: "Was Gott als Mann..." strafbar sein kann, müssen Fachleute beurteilen.
Selbst wenn nichts passiert, ist es ein Fall, der in der Statistik auftaucht und die Notwendigkeit von staatlichem Handeln belegt.
Mein Fazit: Nett lächeln, meinen Standpunkt deutlich machen und wenn nötig anzeigen.

Es kostet zwar Kraft, aber hilft meinem Selbstbewusstsein und bestärkt Andere.
Marlene

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Re: Du sollst nicht diskriminieren...

Post 15 im Thema

Beitrag von Diva »

Liebe Ralf-Marlene,
Ralf-Marlene hat geschrieben: Mo 27. Mai 2019, 13:57 Liebe Diva,
im öffentlichen Dienst gibt es doch Gleichstellungsbeauftragte und einen Betriebsrat.
Genau über diejenigen bin ich gegangen. Das schützte leider nicht vor dem maßlos enttäuschenden Ergebnis ...
Ralf-Marlene hat geschrieben: Mo 27. Mai 2019, 13:57 Ich denke, Deine Erfahrungen, so verletzend sie im Einzelfall sind, hat jede*r offen queere Mensch schon gemacht.
Dessen bin ich mir sicher - nur macht es die Sache dadurch keinesfalls besser.
Ralf-Marlene hat geschrieben: Mo 27. Mai 2019, 13:57 Mindestens die Beschuldigte hat sich durch herabsetzende Wortwahl strafbar gemacht. In wie weit die Aussage: "Was Gott als Mann..." strafbar sein kann, müssen Fachleute beurteilen.
Selbst wenn nichts passiert, ist es ein Fall, der in der Statistik auftaucht und die Notwendigkeit von staatlichem Handeln belegt.
Mein Fazit: Nett lächeln, meinen Standpunkt deutlich machen und wenn nötig anzeigen.

Es kostet zwar Kraft, aber hilft meinem Selbstbewusstsein und bestärkt Andere.
Du hast allein aufgrund Deiner Lebensjahre und Deiner Biografie, die Du hier in versch. Beiträgen gepostet hast, umfangreiche Erfahrungen auf diesem Gebiet unter verschiedenen gesellschaftlichen Konstellationen gesammelt. Dennoch hat Dich der "Vorfall" emotional stark getroffen.
Du kannst dir sicher vorstellen, wie es jemanden wie mich mit viel weniger Erfahrung treffen mag, wenn sich die ach so fortschrittlichen neuen Gesetze in der Praxis als Papiertiger offenbaren und am Ende alles noch viel schlimmer ist als zuvor. Faktisch existiert nach wie vor kein wirksamer Diskriminierungs-Schutz. Das ist das Traurige.
Ich habe das AGG deshalb für mich abgehakt und fühle mich komplett schutzlos.

Deshalb bin ich gespannt - auch wenn unsere Fälle schwer vergleichbar sind - was Du auf zivil-/strafrechtlicher Ebene erreichst, ob auch das letztlich gegen Dich verwendet wird und Du den Schaden hast. Ich hoffe nicht.

-Diva
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