Cybill hat geschrieben: Fr 3. Mai 2019, 22:45 Nach meiner Erfahrung ist die Akzeptanz durch andere als Transfrau weitgehend davon abhängig, wie man als Person vor und während der Transition auftritt, bzw aufgetreten ist.
Dazu kommt sicherlich auch die Art der Persönlichkeit. Offenere Menschen haben es sicher leichter. Größere Resilienz ist sicherlich hilfreich um "Geschwätz" zu ertragen.
Cybill
Leider scheinen die obigen KommentatorInnen nicht zum Kern meines Beitrags vorgedrungen zu sein. Es ist immer leicht, die üblichen standardisierten Pauschalerklärungen anzubieten. Aber ich nehme die Schuld auf mich; hab ich offenbar wieder mal zu schwammig geschrieben.Toni Smith hat geschrieben: Sa 4. Mai 2019, 09:44 Dabei ist dann das eigene Auftreten besonders wichtig. Beispiel an zwei trans Freundinnen. Während die eine schon etwas tuntig auftrat (mitlerweile hat es sich gelegt und es wirkt natürlicher), trat die andere etwas angespannt auf. Auch wenn die letztere ein besseres Passing hatte vom Aussehen her. Hat die erstere von ihrer Art her überzeugt.
Bei der angespannten habe ich selbst langsam den Mann gesehen, obwohl ich die alte Person gar nicht kannte.
Mir ging es nur darum, denen Verständnis entgegen zu bringen, die Angst vor dem Coming Out am bisherigen Arbeitsplatz haben und auf ein Phänomen hinzuweisen, das vielleicht keine Betreiberinnen von Bauchläden, Heimarbeiterinnen oder andere betrifft, aber vielleicht jene, die mit ein paar hundert Kolleginnen und Kolleginnen in einer Firma / Verwaltung zusammenarbeiten, in der es - z.B. im Gegensatz zur Berliner Polizei - null Bewusstsein und keinerlei Strukturen für Diversity gibt.
Dann kann die Transition am alten Ort zu dem beschriebenen Phänomen führen, das ich niemand wünsche, es selbst durchstehen zu müssen. Darum waren andere in ähnlichem Umfeld von vornherein so schlau, die Sache sofort mit einem Neuanfang am anderen Ort zu verbinden. Diesen Hinweis wollte ich gerne weiterreichen, insoweit er überhaupt herausgelesen wird, da ich mich offenbar unverständlich ausdrücke.
Die Formel vom eigenen Auftreten geht komplett am Thema vorbei, denn das Auftreten ist innerhalb und außerhalb des Jobs gleich. Der Effekt ist nur grundverschieden, weil die EmpfängerInnen andere Voraussetzungen haben.
Oder wer legt sich, nachdem endlich in der eigenen Identität gelebt werden kann, erneut verschiedene Masken und gespielte Rollen zu? Ich nicht.
Ich will mich bessern, versuche das Kernproblem und die avisierten Lösungen in Kurzform zu formulieren (hätte ich doch nur ein virtuelles Whiteboard!):
Trans*Person grüßt freundlich:
- überwiegend normale Gegenreaktion im Alltag, da unvoreingenommes Entgegenkommen, weil das Geburtsgeschlecht entweder nicht erkannt wird oder keine Rolle spielt
- überwiegend negative Gegenreaktion auf Arbeit, da Vorurteile/Komplexe/Wut vorhanden sind, die sich auf das Geburtsgeschlecht beziehen
Ich hab das Beispiel mit dem Grüßen gewählt, um der Diskussion um die Art und Weise des unterstellten Auftretens den Wind aus den Segeln zu nehmen. Der Gruß ist innerhalb und außerhalb der Arbeit eine Konstante. Es ändern sich nur die EmpfängerInnen und das Ergebnis ist komplett entgegengesetzt. Das Klima auf Arbeit verzerrt die Realität, denn diese besteht - an der Anzahl der Menschen gemessen - ganz überwiegend aus unvoreingenommenen, nicht gebrieften Leuten.
Mögliche Lösungen adäquat zum Mobbing:
Bestehender Zustand
Arbeit 100% schlecht + Alltag 90% okay = Lebensqualität max. zur Hälfte gut, bei negativen Erlebnissen stark absturzgefährdet
Lösung 1: Ortswechsel der Arbeitsstätte
Arbeit 50% okay + Alltag 90% okay = Lebensqualität überwiegend gut
Lösung 2: Aufbau eines positiven Gegengewichts mit vielen neuen sozialen Kontakten
Arbeit 100% schlecht + Alltag 200% okay = Lebensqualität überwiegend gut, neue Kräfte, um den Mobbenden Gleichgültigkeit zu schenken
Sorry, mit einer Whiteboard-Skizze hätte ich das viel besser erklären können. Mach ich auf all meinen Projektsitzungen ständig und niemand verlässt den Raum, bis sie / er es nicht verstanden hat - lach. Aber ich hoffe, es jetzt dennoch in dieser Form auch verständlicher rübergebracht zu haben. Das ist ja kein Selbstzweck, sondern diejenigen, die ein Outing am Arbeitsplatz planen, sollten bestenfalls daraus etwas für sich mitnehmen; aus meinem Reinfall lernen, bevor der Schaden auch für sie eintritt.
Ach, Vicky, deine dieses Mal recht ordinär (puh) geratene Philosophie in Ehren, aber hättest du meine Zeilen gelesen, wäre dir kaum entgangen, dass ich ständig den Vergleich zu Mobbingfällen hergestellt habe. Insofern führt deine Erkenntnis, dass sich das nicht auf Trans beschränkt, leider zu rein gar nichts. Schade, hätte ich sowohl richtiges Lesen als auch eine gehaltvollere Antwort erwartet.Vicky_Rose hat geschrieben: Sa 4. Mai 2019, 10:21Ich denke, das ist menschlich und nicht auf Trans beschränkt. Insofern ist es vielleicht unschön, aber nicht zu ändern. Irgendjemand schwätzt oder lästert immer. Was kümmert es die Eiche, welcher Köter daran pinkelt ...Diva hat geschrieben: Fr 3. Mai 2019, 19:47 Im besten Fall verstummen die hörbaren Stimmen. Das Gerede hinter vorgehaltener Hand geht unvermindert weiter.
So, jetzt muss ich aber los und weiter an meinem positiven Gegengewicht arbeiten
-Diva