Der Weg einer Detransition?
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Lebensplanung, Standorte
Mercyful
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Der Weg einer Detransition?

Post 1 im Thema

Beitrag von Mercyful »

Hallo zusammen!

Ich hoffe, dass dies der richtige Ort ist, um mein Anliegen zu posten. Falls nicht, entschuldige ich mich im Voraus!
Mein Titel lässt vielleicht vermuten, worum es gehen könnte. . . und ich muss zugeben, dass es mir irgendwie ziemlich schwer fällt, nun darüber zu schreiben, mir zum ersten Mal ernsthaft einzugestehen, dass ich ein Problem mit meiner jetzigen Lage habe, doch fiel mir kein anderer Weg ein, meinem Unmut Luft zu machen. Aber fangen wir einfach von vorne an :

Ich bin ein Transmann, oder dachte zumindest immer, einer zu sein, und nehme nun schon seit gut 5-6 Jahren regelmäßig Testosteron. Meine Mastek- & Hysterektomie (Brustabnahme, so wie Eierstock & Gebärmutterentfernung) habe ich bereits hinter mir, weshalb mir durchaus bewusst ist, dass ich auf eine Hormonersatztherapie nicht mehr verzichten kann.

Nun aber fühle ich seit länger als einem Jahr diese leichte Sehnsucht nach meinem alten Ich, dem ursprünglichen Geschlecht. Ich war so überzeugt davon, ein vollkommener Mann werden zu können und das Frau-sein hinter mir zu lassen, doch realisiere nun, dass meine Seele irgendwo immernoch 'Frau' ist und diese Umwandlung nicht das gebracht hat, was ich wollte. Ich bin nunmal kein typischer Mann, wie es die Gesellschaft gerne hätte, ich trage nach wie vor gerne Stiefel (die, die leichte Absätze haben und auch sonst sehr feminin wirken), finde knallige Farben toll, steh auf putzige Sachen & bin auch manchmal neidisch auf all jene, die sich in meinem Umfeld schminken & schick oder gar verspielt kleiden. Ich weiß, dass ich niemals ein vollkommener Mann werden kann, deswegen habe ich auch bislang auf die geschlechtsangleichende OP verzichtet, da mir die Risiken zu viel Angst bereiteten.

Ich kann sagen, dass ich meine Entscheidungen einerseits ziemlich bereue, dass sie mir andererseits aber auch mein Leben ab einem gewissen Punkt erleichtert, ja womöglich sogar gerettet haben. Nun merke ich aber, dass all das mich nicht glücklicher macht, als vorher. Auf Testosteron alle 3 Monate könnte ich mittlerweile getrost verzichten - doch ist das überhaupt möglich? Würde ich meiner Endokrinologin nun erzählen, dass ich das nicht mehr möchte, dass ich mich mehr meiner weiblichen Seite, die ich nie ganz ablegen konnte, wieder zugeneigt fühle, wie würde sie reagieren? Was würde passieren? Würde sie mich erneut zu einem Psychologen schicken? Oder würde sie die Testosteronbehandlung in eine Östrogenbehandlung umwandeln?

Ich bin ratlos und habe ehrlich gesagt Angst, es jemandem aus meinem Umfeld anzuvertrauen. Dieses Gefühl habe ich nun lange mit mir rumgeschleppt, diese innerliche Trauer, als hätte ich einen Teil von mir begraben, der irgendwie noch lebendig zu sein scheint. Und ich möchte ihn wiederbeleben - aber geht das überhaupt? Welche Chancen habe ich? Welche Mittel stehen mir zur Verfügung? Ich weiß das Stimme, als auch Bartwuchs nicht verschwinden, wenn ich damit aufhöre aber das ist ok. Dafür gibt es Mittel und Wege. Aber was ist mit den Hormonen? Bin ich verdammt, nun bis zum bitteren Ende Testo zu mir nehmen zu müssen? Ich habe dieses Gefühl der plötzlichen Reue und Hilflosigkeit über ein Jahr lang verdrängt, ignoriert, doch nun merke ich, dass ich das nicht mehr kann. Das es mich verunsichert und auch irgendwie schmerzt, so zu fühlen. Vielleicht könnte ich so weitermachen, aber damit würde ich mir nur selbst schaden, oder?

Ich bedanke mich im Voraus über Antworten und bin ebenso dankbar über jene, die sich das hier bis zum Schluss durchgelesen haben. (flo)
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Céline
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Re: Der Weg einer Detransition?

Post 2 im Thema

Beitrag von Céline »

Hi,
Zuerst Herzlich Willkommen hier bei uns.

Ich bin ganz ehrlich,einen wirklichen Ratschlag kann und möchte ich Dir nicht geben.Solch eine schwierige Frage kannst nur du dir selbst beantworten.Im Grunde genommen genauso wie am Beginn der Transition.Überstürze nur nichts und höre in Dich hinein.
Hier findest Du auf jeden Fall offene Ohren
Liebe Grüße
Céline
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C.B.
ExuserIn-2019-12-22

Re: Der Weg einer Detransition?

Post 3 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2019-12-22 »

Mercyful hat geschrieben: So 17. Mär 2019, 20:04 Ich bin nunmal kein typischer Mann, wie es die Gesellschaft gerne hätte, ...


Hallo Mercyfull,

kaum jemand ist so, wie man glaubt die Gesellschaft hätte es gerne.
Wäre ja auch langweilig sonst.

Ich kann dir leider nicht großartig helfen, aber ich denke so einfach wirst du die Medikation nicht wechseln können. D.h. eine erneute Therapie.
Auch bin ich der Meinung, dass du dich dem Problem stellen solltest. Das bedeutet zumindest fürs Erste mit vertrauten Personen darüber reden. Du musst ja nicht sofort mit einem Therapeuten reden.
Hier darüber zu schreiben ist ja schon mal ein Anfang. Weil wenn dieses Gefühl dich sehr belastet, dann kannst du nicht ewig einfach so weiter machen.
Wenn du auf knallige Farben stehst, dich gerne wieder verspielt kleiden würdest und deine Stiefel so magst, dann mach es doch einfach. Schau doch mal wie du dich dabei fühlst.
Ich wünsche dir jedenfalls bei der Entscheidung und dem was daraus folgt viel Erfolg!

Liebe Grüße
Marie
Nicole Fritz
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Re: Der Weg einer Detransition?

Post 4 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

Hallo Mercyful,

erst einmal herzlich willkommen in unserem schönen Forum.

Irgend einen Tipp geben kann ich Dir leider nicht. Aber Deine Vorstellung bestärkt mich in dem Weg, den ich jetzt eingeschlagen habe. Ich habe mich vor knapp zwei Jahren als trans MzF geoutet. So ganz als Frau fühle ich mich aber nicht und ich habe daher bisher auf HET oder OP verzichtet. Mir kommt aber immer wieder der Gedanke, dass ich höchst wahrscheinlich die Transition zur Frau konsequent durchgezogen hätte, wenn ich mich bereits als junger Mann geoutet hätte. Damals hätte ich bestimmt gehofft, dass ich als Frau endlich in diese Gesellschaft hinein passen würde. Dann wäre ich wohl jetzt umgekehrt in der gleichen Situation wie Du.

Vermutlich bist Du genau wie ich nicht-binär, also vom Empfinden her irgend etwas zwischen Mann und Frau. Nach der Überzeugung "echter" Transfrauen fehlt mir nur der Mut konsequent zu sein, oder ich stehe noch ganz am Anfang meines Weges. Dann wird behauptet nicht-binär zu sein sei nur so etwas wie eine Ausrede. Für mich ist das aber nur ein überkommenes, in der Gesellschaft fest gefahrenes binäres Denken, das nichts anderes als männlich oder weiblich zulässt. Wenn ich jedoch behaupte, dass man manchmal regelrecht zur Transition gedrängt wird, nimmt man mich oft nicht ernst. Du bist aber jetzt ein Beispiel dafür, dass ich wohl doch recht habe.

Dass ich irgendwann wieder in die Rolle als Mann zurück will, kann ich mir nicht wirklich vorstellen, aber wenn ich es wollte, wäre es jetzt nicht wirklich ein Problem. Wie wäre es aber vielleicht, wenn ich die komplette Transition hinter mir hätte? Es ist doch irgendwie oft so, dass man unbedingt das haben will, was man nicht (mehr) erreichen kann. Und das gibt mir jetzt zu denken.

LG Nicole
ExuserIn-2019-12-18
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Re: Der Weg einer Detransition?

Post 5 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2019-12-18 »

Guten Abend und herzlich willkommen im Forum.

Auch ich kann Dir leider keine konkreten Antworten oder Ratschläge und noch viel weniger einen Handlungsleitfaden geben.
Aber ich denke, dass Du nicht die einzige Transperson bist, die an solch einen Punkt kommt oder kommen kann. Es gibt einfach so viele unterschiedlichen Facetten und Tiefen der Transidentität, dass man kaum glauben mag, dass das Überstülpen eines ("Behandlungs-")Konzeptes wirklich allen gerecht werden kann.

Daher finde ich den Ansatz in sich hinein zuhören und dann möglicherweise auch andere Wege zu gehen nicht falsch und schon gar nicht verwerflich. Da muss/sollte es keine Ängste oder Schamgefühle geben! Persönlich würde ich mir vermutlich tatsächlich eine Psychologen suchen, mit den Fachärzten über mein Problem sprechen und erst danach meine weiteren Entscheidungen treffen. Oftmals haben sich Probleme in meiner Transitionszeit als Monster gezeigt und waren am Ende dann doch eher kleine, ungefährliche Kuscheltiere. Warum sollte das nun anderes sein?

Liebe Grüße
Vanessa
ExuserIn-2020-07-10
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Re: Der Weg einer Detransition?

Post 6 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2020-07-10 »

Erstmal soviel.

Experimentiere mit deinen Bedürfnissen. Wenn du Stiefel mit Absätzen tragen möchtest tu das. Schau was sich für dich auch in der öffentlichkeit stimmig fühlt.

Ich trage Damenstiefeletten von Anna Field. Meist sehen feminine Sachen einfach schick aus und fallen den meisten nicht auf. Hosen, Pullover etc. .

Es ist ein Teil deiner Persönlichkeit und die will auch ausgelebet werden. Die Grenzen sind in unserem Kopf.
Mir hat RuPauls DragRace geholfen meinen weiblichen Teil von mir auch als Mann zuleben.

Ich hab auch mal eine HRT MtF gemacht aber bin auch detransitioniert. Ich hatte aber auch nur HRT gemacht. Gründe für den Abruch gibt es für mich viele. Das nicht leugnen Wollen meines Geburtsgeschlecht war eines davon.
Jaddy
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Re: Der Weg einer Detransition?

Post 7 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Disclaimer: Ich bin keine ärztliche Fachperson... (Hormon)technisch ist es nach meinen Infos ziemlich egal, ob du Testosteron oder Östrogen nimmst. Nur ganz ohne passieren all die übeln Dinge, die Frauen ab der Menopause passieren, bspw. Osteoporose, Hautalterung, etc. Ich weiss, dass mein Endo (in Hannover) ziemlich aufgeschlossen ist, sich sehr an den Wünschen seiner Klient_innen orientiert und dann guckt, was medizinisch möglich ist.

Ganz abgesehen von diesen technischen Faktoren gibt es bei allen vier Koordinaten im Genderverse - Körper, Identität, Ausdruck, offizielle Marker - inzwischen mehr als zwei Punkte. Wenn man mental dafür aufgeschlossen ist. Manche brauchen die Binarität, andere nicht. Du hast jederzeit die Freiheit, dir ein Plätzchen auf der Insel Enby (n.b., nicht-binär) zu nehmen und deinen Körper, deine Selbstverortung und deine Präsentation nach aussen in Styling, Klamotten und Verhalten so zu mixen, wie es für dich passt. Es ist manchmal nicht das einfachste in einer größtenteils binär denkenden Welt, aber für viele Enbys eben immer noch lebbarer, als eine der binären Rollen zu spielen, die sich beide falsch anfühlen.
Zuletzt geändert von Jaddy am Mo 18. Mär 2019, 11:06, insgesamt 1-mal geändert.
dunkles_sternchen
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Re: Der Weg einer Detransition?

Post 8 im Thema

Beitrag von dunkles_sternchen »

Vielleicht sollte man vorweg ganz klar sagen, dass es Transmänner schon sehr viel einfacher haben. Frau-zu-Mann passt optisch ist irgendwie immer, andersrum eher nur bedingt. Transfrauen haben da erheblich mehr Passingprobleme. Insofern denke ich, dass dein Problem kein gesellschaftliches ist, sondern tatsächlich auch deine emotionalen Bereich betrifft.

Und klar, wenn man als Kerl dann doch irgendwie feminine Sachen mag, wird es problematisch. Das ist ja das Grundproblem, dass Transfrauen auch vor der Transition haben. Mich würde da nur interessieren: Bist du generell unzufrieden nun körperlich doch kein "ganzer Kerl" zu sein oder hast du für dich erkannt, dass du damit eigentlich Dinge unterdrücken musst, die du magst? Ich empfinde das heute eher so, dass ich als Frau alles darf - also auch Bier trinken und Fussball spielen - und trotzdem mein rosa Teddy haben kann. Als Frau hat man da definitiv mehr Gestaltungsspielraum - das kann ich so bejahen.

Allerdings ist der Druck auf Frauen auch größer was das Optische angeht. Und genau da wird es bei dir dann auch wieder die üblichen Fragen geben - Bart muss man epilieren, Brustaufbau - Östrogene. Du hast da mit Sicherheit viel bessere Voraussetzungen als die meisten TS und brauchst auch keine GaOP. Und die HRT stellt man schnell um. Es ist halt für dich dann eine finale Entscheidung. Das Spielchen kann man vielleicht noch einmal beim Richter und Therapeuten vorbringen und mit guten Argumenten auch Verständnis erlangen. Die solltest du aber auch haben, da du dann offensichtlich auch nicht transsexuell bist. Das glaubwürdig zu machen ist schwierig.

Insofern würde ich da tief in mich gehen und abwägen, was ich will, was mir lieb ist. Und wenn man doch zurück möchte, sollte man sich gute Argumente zurechtlegen und die erstmal mit dem Therapeuten besprechen. Der könnte dann eine medizinischen Weg ebenen. Ein möglicher Brustaufbau ist womöglich dann selbst zu zahlen. Darauf sollte man sich einstellen. Eine SHG könnte auch nützlich sein, um generell einen Austausch zu haben.
ExuserIn-2020-07-10
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Re: Der Weg einer Detransition?

Post 9 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2020-07-10 »

Wichtig ist das du nichts überstürzt die Transition in diesem Fall die Detransition ist nicht für alles die Lösung. Wenn man an folgendem leidet "das Gras ist beim Nachbarn immer grüner" dann ändern Transition/Detransition reichlich wenig.

Wichtig ist zu ergründen wie man auch ohne Trans/Detrans seine Persönlichkeit komplett ausleben kann.

Bei mir war der Schritt zu Detransitionieren einfach, weil ich mit 2,5 Jahren nur die HRT umstellen musste aber rechtlich nichts ändern musste. Sozial war es dennoch ein Akt, weil ich mich halt schon überall geoutet habe. Ich hatte damals auch Sorge um mein aufgebautes Image und meine beruflichen Chancen. Daher schien mir die Detransition noch der einfachere Weg.

Wenn man aber schon deutlich sozial, rechtlich und medizinisch gewechselt ist, macht eine Detransition vll. mehr Probleme als sie löst.
Mercyful
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Re: Der Weg einer Detransition?

Post 10 im Thema

Beitrag von Mercyful »

Ich bedanke mich herzlich für die vielen Antworten, die ihr mir bislang gegeben habt und bin froh, wegen der offenen Darlegung meiner Gefühle nicht verurteilt zu werden. Hier zu schreiben und eure Meinungen dazu zu lesen, hat mir etwas geholfen. Es fühlt sich nicht mehr so an, als würde ich damit alleine dastehen.

Gestern Abend habe ich mich auch endlich getraut, es meiner Lebensgefährtin zu erzählen, ihr versucht, so gut es geht zu schildern, dass ich womöglich doch nicht so zufrieden mit meiner Veränderung bin, wie ich sonst immer geglaubt habe. Sie hat mich relativ gut verstanden und liebevoll, wie immer, reagiert. Sie möchte mir beistehen und mir helfen, wo es nur geht, sofern sie es kann. Eine Geste, die ich überaus schätze... und doch fühle ich mich schlecht, sie eventuell erneut durch all diese Hürden mitschleifen zu müssen. Das sie meinen Trans-Weg mitgegangen ist, war wohl sicherlich schon manches Mal nicht ganz einfach aber sollte ich mich für eine Detransition entscheiden, dann wird es vielleicht noch schwieriger, ich weiß es nicht.

Für mich steht nun erst einmal fest, dass ich dieses Gefühl offenkundig verarbeiten und nicht, wie die Zeit davor, unterdrücken und als 'nichtig' abtun möchte. Irgendetwas scheint mich zu belasten und es hat definitiv mit meiner Rolle als Mann zutun. Vielleicht hatte ich damals eine sehr schwammige und sagen wir, 'fantasiereiche' Vorstellung eines Mannes im Kopf, doch habe nun festgestellt, dass das Leben als Mann doch mehr Probleme mit sich bringt, als es zuvor der Fall war. In zwei Monaten habe ich wieder meinen Termin bei der Endokrinologie und werde dann versuchen, meine Ärztin in ein Gespräch zu verwickeln, sie erst einmal dezent zu fragen, ob es bei ihr schon jemals einen Patienten gab, der plötzlich Reue empfand und vielleicht sogar den Weg zurück angestrebt hat. Dann könnte womöglich eins zum anderen führen und sie selbst merken, dass ich eventuell Probleme mit meiner jetzigen Situation habe. Das ich vor diesem Gespräch jetzt schon irrsinnige Angst habe, kann ich nicht leugnen. Doch andererseits hege ich auch die Hoffnung, dass es mir ein wenig bei meiner Entscheidung helfen wird, wie ich nun weiter vorgehen möchte. Das ich Testo nunmehr lediglich nehme, um irgend eine Stabilität in mir zu haben, ist eine traurige Erkenntnis, aber die Wahrheit. Zu Beginn war jede Spritze etwas ganz besonderes für mich, das absolute Highlight und ich konnte es stets kaum abwarten. Mittlerweile aber... ist es mehr ein Gefühl der ständigen Verstümmelung meines biologischen Körpers, und ich desöfteren froh bin, es zu vergessen, einen Termin zu vereinbaren. Aber ich MUSS es tun. Daran bin ich nun selbst schuld.
dunkles_sternchen hat geschrieben: Mo 18. Mär 2019, 02:22 Und klar, wenn man als Kerl dann doch irgendwie feminine Sachen mag, wird es problematisch. Das ist ja das Grundproblem, dass Transfrauen auch vor der Transition haben. Mich würde da nur interessieren: Bist du generell unzufrieden nun körperlich doch kein "ganzer Kerl" zu sein oder hast du für dich erkannt, dass du damit eigentlich Dinge unterdrücken musst, die du magst? Ich empfinde das heute eher so, dass ich als Frau alles darf - also auch Bier trinken und Fussball spielen - und trotzdem mein rosa Teddy haben kann. Als Frau hat man da definitiv mehr Gestaltungsspielraum - das kann ich so bejahen.
Das beschreibt sogar sehr gut, wie ich nun empfinde, was ironisch ist, da ich ja ursprünglich eine Frau war, nun ein Mann bin mich aber wieder weiblich geben möchte, es aber nicht kann, aus Scham vor Reaktionen. Als Frau war es für mich einfacher, auch mal burschikos rumzulaufen, sich jungenhaft zu verhalten aber dann auch wieder zu weiblichen Akzenten zurückzukehren. Das ist mir nun bewusst. Und vielleicht musste ich erst diese Erfahrung machen, um zu erkennen, wie sehr ich mein biologisches Geschlecht eigentlich schätze. Was traurig ist, da ich nun wohl das Musterbeispiel eines wirklich verwirrten, vielleicht auch desillusionierten Trans bin. Ein Bild, welches ich nie vermitteln wollte, insbesondere, da ich weiß, wie sehr man leidet, wenn man für sich selbst erkennt, im falschen Körper zu stecken.
dunkles_sternchen hat geschrieben: Mo 18. Mär 2019, 02:22 Allerdings ist der Druck auf Frauen auch größer was das Optische angeht. Und genau da wird es bei dir dann auch wieder die üblichen Fragen geben - Bart muss man epilieren, Brustaufbau - Östrogene. Du hast da mit Sicherheit viel bessere Voraussetzungen als die meisten TS und brauchst auch keine GaOP. Und die HRT stellt man schnell um. Es ist halt für dich dann eine finale Entscheidung. Das Spielchen kann man vielleicht noch einmal beim Richter und Therapeuten vorbringen und mit guten Argumenten auch Verständnis erlangen. Die solltest du aber auch haben, da du dann offensichtlich auch nicht transsexuell bist. Das glaubwürdig zu machen ist schwierig.
Das ist mir bewusst. So war es auch schon vor meiner Transition. Deswegen hatte ich das Gefühl, vielleicht eher ein Mann sein zu wollen, eben weil ich nicht immer typisch weiblich war und manche das fragwürdig fanden. Mittlerweile sehe ich Dinge aber anders; nüchterner. Realisiere, wie facettenreich mein Leben hätte sein können, hätte ich die Chance erkannt. Nun aber habe ich mich meinen überschwänglichen Gefühlen hingegeben, die aber nichtsdesttrotz stark genug waren, mich all diese Hürden überwinden haben zu lassen. Ich verspüre zwar Reue, bin aber auch froh, diesen Weg gegangen zu sein, was angesichts meiner momentanen Unzufriedenheit sicherlich wenig glaubwürdig klingen mag.

Für den Bart hätte ich, so oder so, eventuell eine Lasertherapie geplant. Mit diesem Merkmal bin ich von vornerein nicht wirklich klargekommen. Ich kann mich mit Bart einfach nicht leiden, fühle mich gar ungepflegt, und naja, 'hässlich'. Der Brustaufbau ist für mich nicht sonderlich wichtig, da ich auch pre-mastek nicht wirklich viel Brust besessen hab. Ich hatte 'Mäusestiche', um es salopp zu sagen. Das ist ok. Es hat zu meinem eher zierlich-kleinen Körperbau gepasst. So gesehen kann ich mich glücklich schätzen, trotz nun jahrelanger Testobehandlung noch immer recht androgyn auszusehen. Aber eben nicht androgyn genug, um als Frau durchzugehen oder mich eben schminken und feminine Klamotten tragen zu können, ohne schief angeguckt zu werden. Je länger ich darüber nachdenke, desto attraktiver empfinde ich den Gedanken, von Testo wieder auf meine biologischen Hormone umzusteigen, aber ich habe Angst, dass dann alles von vorne losgeht, ich mich wieder Monatelang therapieren lassen muss ( zu meiner alten Psychologin könne ich eh nicht zurück, das wäre mir zu unangenehm und ihre Denkweise war teilweise ziemlich, naja, 'steinzeitmäßig', denn laut ihr dürfen 'richtige Männer' nicht einmal mehr Mäntel tragen ) ... und ich glaube, das schaff ich einfach nicht nochmal. Es ist wohl reines Wunschdenken aber irgendwo hoffe ich, dass meine Endo meine Misere erkennt und mir von selbst Vorschläge macht, vielleicht auch sogar sagt, die Hormontherapie umzustellen.

Ich kann nur versuchen, mich weiter zu erkundigen, um mir über die Möglichkeiten klar zu werden, die ich habe. Ich werde nicht voreilig handeln sondern mir dieses Mal die Zeit geben, denn nach allem, was ich hinter mir habe, möchte ich nicht erneut meine Schritte bereuen wollen.
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Anne-Mette
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Re: Der Weg einer Detransition?

Post 11 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Guten Tag,
Mercyful hat geschrieben: Mo 18. Mär 2019, 16:42 Aber eben nicht androgyn genug, um als Frau durchzugehen oder mich eben schminken und feminine Klamotten tragen zu können, ohne schief angeguckt zu werden.
Das "schief angeguckt zu werden" lässt sich vielleicht aushalten. Du sollst selbst zufrieden sein/werden!
Natürlich ist es schön, wenn auch in Begegnungen mit anderen Menschen das "richtige Bild" widergespiegelt wird.

Ich wünsche Dir gute Entscheidungen; die solltest Du nicht von anderen Menschen abhängig machen, die vielleicht von selbst darauf kommen (nurse)
Frage doch mal den Endokrinologen ganz gezielt - oder aber, einen anderen Endokrinologen, wenn Du euer Verhältnis nicht belasten willst.
Ich wollte gucken, ob es Hinweise "im Netz" gibt zu Endokrinologen mit solchen Erfahrungen. Habe leider nichts gefunden, nur "unser Thema hier" und dass Du noch in einem anderen Forum zur Thematik schreibst.

Herzliche Grüße
Anne-Mette
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Re: Der Weg einer Detransition?

Post 12 im Thema

Beitrag von Whoopy Highfly »

Hi Mercyful,
Ich möchte hierzu was kurzes beitragen, was eine Cis-Frau gesagt hat (sie ist ca. 60Jahre).
Bis vor 30Jahren beanspruchten die weiblichen Personen für sich: zu schminken, alles modische zu tragen, Haare zu färben, Ohringe tragen, etc.
Heute versuchen es die Herren auch und die Frauen sind "¦.
Alle anderen stimmten zu. Ich staunte nicht schlecht.

Was will ich damit sagen: Überdenke bitte deine Entscheidung und höre auf deinen Körper.

GLG
Bin auf dem Weg. Bitte sucht mich nicht.
Melde mich demnächst wieder.

Bye
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Re: Der Weg einer Detransition?

Post 13 im Thema

Beitrag von Diva »

Anne-Mette hat geschrieben: Mo 18. Mär 2019, 16:53 Ich wollte gucken, ob es Hinweise "im Netz" gibt zu Endokrinologen mit solchen Erfahrungen. Habe leider nichts gefunden, nur "unser Thema hier" und dass Du noch in einem anderen Forum zur Thematik schreibst.
Ich kenne einen Endo, der bereits mehrere Detransitions-Fälle FzM begleitet / behandelt hat. Näheres bei Bedarf nur per PN.

- Diva
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Re: Der Weg einer Detransition?

Post 14 im Thema

Beitrag von dunkles_sternchen »

Mercyful hat geschrieben: Mo 18. Mär 2019, 16:42 In zwei Monaten habe ich wieder meinen Termin bei der Endokrinologie und werde dann versuchen, meine Ärztin in ein Gespräch zu verwickeln, sie erst einmal dezent zu fragen, ob es bei ihr schon jemals einen Patienten gab, der plötzlich Reue empfand und vielleicht sogar den Weg zurück angestrebt hat. Dann könnte womöglich eins zum anderen führen und sie selbst merken, dass ich eventuell Probleme mit meiner jetzigen Situation habe.
Du bist damit sicher nicht allein. Ich empfinde auch sehr oft Reue und habe das auch klar mit meinen Ärzten so kommuniziert. Wenngleich der Grund ein anderer ist: Nämlich das die Hormontherapie + Operationen einfach für mich keine ausreichende Angleichung erreicht haben und ich heute unglücklich damit bin.

Das Grundproblem ist jedoch meines Erachtens ähnlich gelagert: es wird nicht genug von den Ärzten nachgehakt. Bei Dir hätte vielleicht der Psychologe einfach besser nachhaken müssen und schauen, was deine Wünsche an das neue Leben betrifft bzw. auch abwägen müssen, was dann "als Mann" tabu ist. In meinem Fall hätte der Endokrinologe klar kommunizieren müssen, dass mit 30+ eine HRT womöglich einfach mal für den Arsch ist - bitte auch in so klaren Worten.

Transsexualität wird heute sehr oft "durchgewunken" und stellt für Psychologen und Endokrinologen ein lohnendes Geschäft dar, bei dem keine Ergebnisse erforderlich sind. Das ist ja das tolle daran. Der Psychologe muss keine Störung heilen, sondern nur ein Gutachten erstellen, der Endokrinologe steht auch nicht in der Verpflichtung dir ein Brustwachstum zu zaubern. Wenn ich einen Lungenentzündung habe und zum Arzt gehe, erwarte ich Heilung. Und wenn die nicht eintritt, schlage ich da so oft auf, bis das klappt. Bei TS ist das anders. Ich habe da etliche Male gesessen und meinte, dass es nicht klappt und ich etliche Nebenwirkungen habe - passiert ist nichts. Kassiert wird aber - ein Blutbild mit Hormonen kostet 300-400€. So möchte ich auch mal Geld verdienen.

Und genau dieses lockere Prozedere ist auch Schuld daran, dass immer mehr mit ihrer Transition nicht zufrieden sind oder gar zurück wollen. Das häuft sich deutlich seit 1-2 Jahren. Man soll den Menschen nicht mehr Steine in den Weg legen, aber deutlicher kommunizieren und auch deutlich darstellen, was schief laufen und nicht erfüllt werden kann. Das wird aber kein Arzt machen, wenn er daraus wirtschaftlichen Nutzen ziehen kann. Das Problem ist ja nicht neu in der Medizin.
Anne-Mette
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Re: Der Weg einer Detransition?

Post 15 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Guten Morgen,
dunkles_sternchen hat geschrieben: Di 19. Mär 2019, 00:40 Wenn ich einen Lungenentzündung habe und zum Arzt gehe, erwarte ich Heilung. Und wenn die nicht eintritt, schlage ich da so oft auf, bis das klappt.
Ich habe es schon an anderer Stelle geschrieben: nicht jede Krankheit ist heibar!

Gerade bei chronischen Erkrankungen wird gesagt - oder einfach davon ausgegangen: wir versuchen, das Optimale für unsere PatientInnen zu erreichen, was eine "Linderung der Symptome" angeht. Damit und mit dem Ergebnis müssen Sie leben!

Auch wenn Transsexualität nicht als "chronische Kranheit" anzusehen ist, wird dafür der selbe Grundsatz gelten. (nurse)
"Erfolgsaussichten" sind wie bei chronischen Erkrankungen sehr unterschiedlich.

Herzliche Grüße
Anne-Mette
Antworten

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