Ich bedanke mich herzlich für die vielen Antworten, die ihr mir bislang gegeben habt und bin froh, wegen der offenen Darlegung meiner Gefühle nicht verurteilt zu werden. Hier zu schreiben und eure Meinungen dazu zu lesen, hat mir etwas geholfen. Es fühlt sich nicht mehr so an, als würde ich damit alleine dastehen.
Gestern Abend habe ich mich auch endlich getraut, es meiner Lebensgefährtin zu erzählen, ihr versucht, so gut es geht zu schildern, dass ich womöglich doch nicht so zufrieden mit meiner Veränderung bin, wie ich sonst immer geglaubt habe. Sie hat mich relativ gut verstanden und liebevoll, wie immer, reagiert. Sie möchte mir beistehen und mir helfen, wo es nur geht, sofern sie es kann. Eine Geste, die ich überaus schätze... und doch fühle ich mich schlecht, sie eventuell erneut durch all diese Hürden mitschleifen zu müssen. Das sie meinen Trans-Weg mitgegangen ist, war wohl sicherlich schon manches Mal nicht ganz einfach aber sollte ich mich für eine Detransition entscheiden, dann wird es vielleicht noch schwieriger, ich weiß es nicht.
Für mich steht nun erst einmal fest, dass ich dieses Gefühl offenkundig verarbeiten und nicht, wie die Zeit davor, unterdrücken und als 'nichtig' abtun möchte. Irgendetwas scheint mich zu belasten und es hat definitiv mit meiner Rolle als Mann zutun. Vielleicht hatte ich damals eine sehr schwammige und sagen wir, 'fantasiereiche' Vorstellung eines Mannes im Kopf, doch habe nun festgestellt, dass das Leben als Mann doch mehr Probleme mit sich bringt, als es zuvor der Fall war. In zwei Monaten habe ich wieder meinen Termin bei der Endokrinologie und werde dann versuchen, meine Ärztin in ein Gespräch zu verwickeln, sie erst einmal dezent zu fragen, ob es bei ihr schon jemals einen Patienten gab, der plötzlich Reue empfand und vielleicht sogar den Weg zurück angestrebt hat. Dann könnte womöglich eins zum anderen führen und sie selbst merken, dass ich eventuell Probleme mit meiner jetzigen Situation habe. Das ich vor diesem Gespräch jetzt schon irrsinnige Angst habe, kann ich nicht leugnen. Doch andererseits hege ich auch die Hoffnung, dass es mir ein wenig bei meiner Entscheidung helfen wird, wie ich nun weiter vorgehen möchte. Das ich Testo nunmehr lediglich nehme, um irgend eine Stabilität in mir zu haben, ist eine traurige Erkenntnis, aber die Wahrheit. Zu Beginn war jede Spritze etwas ganz besonderes für mich, das absolute Highlight und ich konnte es stets kaum abwarten. Mittlerweile aber... ist es mehr ein Gefühl der ständigen Verstümmelung meines biologischen Körpers, und ich desöfteren froh bin, es zu vergessen, einen Termin zu vereinbaren. Aber ich MUSS es tun. Daran bin ich nun selbst schuld.
dunkles_sternchen hat geschrieben: Mo 18. Mär 2019, 02:22
Und klar, wenn man als Kerl dann doch irgendwie feminine Sachen mag, wird es problematisch. Das ist ja das Grundproblem, dass Transfrauen auch vor der Transition haben. Mich würde da nur interessieren: Bist du generell unzufrieden nun körperlich doch kein "ganzer Kerl" zu sein oder hast du für dich erkannt, dass du damit eigentlich Dinge unterdrücken musst, die du magst? Ich empfinde das heute eher so, dass ich als Frau alles darf - also auch Bier trinken und Fussball spielen - und trotzdem mein rosa Teddy haben kann. Als Frau hat man da definitiv mehr Gestaltungsspielraum - das kann ich so bejahen.
Das beschreibt sogar sehr gut, wie ich nun empfinde, was ironisch ist, da ich ja ursprünglich eine Frau war, nun ein Mann bin mich aber wieder weiblich geben möchte, es aber nicht kann, aus Scham vor Reaktionen. Als Frau war es für mich einfacher, auch mal burschikos rumzulaufen, sich jungenhaft zu verhalten aber dann auch wieder zu weiblichen Akzenten zurückzukehren. Das ist mir nun bewusst. Und vielleicht musste ich erst diese Erfahrung machen, um zu erkennen, wie sehr ich mein biologisches Geschlecht eigentlich schätze. Was traurig ist, da ich nun wohl das Musterbeispiel eines wirklich verwirrten, vielleicht auch desillusionierten Trans bin. Ein Bild, welches ich nie vermitteln wollte, insbesondere, da ich weiß, wie sehr man leidet, wenn man für sich selbst erkennt, im falschen Körper zu stecken.
dunkles_sternchen hat geschrieben: Mo 18. Mär 2019, 02:22
Allerdings ist der Druck auf Frauen auch größer was das Optische angeht. Und genau da wird es bei dir dann auch wieder die üblichen Fragen geben - Bart muss man epilieren, Brustaufbau - Östrogene. Du hast da mit Sicherheit viel bessere Voraussetzungen als die meisten TS und brauchst auch keine GaOP. Und die HRT stellt man schnell um. Es ist halt für dich dann eine finale Entscheidung. Das Spielchen kann man vielleicht noch einmal beim Richter und Therapeuten vorbringen und mit guten Argumenten auch Verständnis erlangen. Die solltest du aber auch haben, da du dann offensichtlich auch nicht transsexuell bist. Das glaubwürdig zu machen ist schwierig.
Das ist mir bewusst. So war es auch schon vor meiner Transition. Deswegen hatte ich das Gefühl, vielleicht eher ein Mann sein zu wollen, eben weil ich nicht immer typisch weiblich war und manche das fragwürdig fanden. Mittlerweile sehe ich Dinge aber anders; nüchterner. Realisiere, wie facettenreich mein Leben hätte sein können, hätte ich die Chance erkannt. Nun aber habe ich mich meinen überschwänglichen Gefühlen hingegeben, die aber nichtsdesttrotz stark genug waren, mich all diese Hürden überwinden haben zu lassen. Ich verspüre zwar Reue, bin aber auch froh, diesen Weg gegangen zu sein, was angesichts meiner momentanen Unzufriedenheit sicherlich wenig glaubwürdig klingen mag.
Für den Bart hätte ich, so oder so, eventuell eine Lasertherapie geplant. Mit diesem Merkmal bin ich von vornerein nicht wirklich klargekommen. Ich kann mich mit Bart einfach nicht leiden, fühle mich gar ungepflegt, und naja, 'hässlich'. Der Brustaufbau ist für mich nicht sonderlich wichtig, da ich auch pre-mastek nicht wirklich viel Brust besessen hab. Ich hatte 'Mäusestiche', um es salopp zu sagen. Das ist ok. Es hat zu meinem eher zierlich-kleinen Körperbau gepasst. So gesehen kann ich mich glücklich schätzen, trotz nun jahrelanger Testobehandlung noch immer recht androgyn auszusehen. Aber eben nicht androgyn genug, um als Frau durchzugehen oder mich eben schminken und feminine Klamotten tragen zu können, ohne schief angeguckt zu werden. Je länger ich darüber nachdenke, desto attraktiver empfinde ich den Gedanken, von Testo wieder auf meine biologischen Hormone umzusteigen, aber ich habe Angst, dass dann alles von vorne losgeht, ich mich wieder Monatelang therapieren lassen muss ( zu meiner alten Psychologin könne ich eh nicht zurück, das wäre mir zu unangenehm und ihre Denkweise war teilweise ziemlich, naja, 'steinzeitmäßig', denn laut ihr dürfen 'richtige Männer' nicht einmal mehr Mäntel tragen ) ... und ich glaube, das schaff ich einfach nicht nochmal. Es ist wohl reines Wunschdenken aber irgendwo hoffe ich, dass meine Endo meine Misere erkennt und mir von selbst Vorschläge macht, vielleicht auch sogar sagt, die Hormontherapie umzustellen.
Ich kann nur versuchen, mich weiter zu erkundigen, um mir über die Möglichkeiten klar zu werden, die ich habe. Ich werde nicht voreilig handeln sondern mir dieses Mal die Zeit geben, denn nach allem, was ich hinter mir habe, möchte ich nicht erneut meine Schritte bereuen wollen.
* Who are you to call me abnormal? Who are you to say ugly? If you only knew how much it hurts me, it hurts me. I could ask have you seen yourself in the mirror? I'd rather keep my dignity cause it is my right to feel happy, happy. *