Öffentlichkeitsarbeit zur Unterstützung politischer Forderungen?
Öffentlichkeitsarbeit zur Unterstützung politischer Forderungen?

Antworten
nicole.f
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 788
Registriert: Fr 3. Dez 2010, 11:04
Geschlecht: trans* Frau
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Siegen
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Gender:
Kontaktdaten:

Öffentlichkeitsarbeit zur Unterstützung politischer Forderungen?

Post 1 im Thema

Beitrag von nicole.f »

Ihr Lieben,
darf ich Euch einmal um Hilfe bitten? Ich brauche mal Eure Meinung und vielleicht ein paar Tipps. Achtung, es wird etwas länger und ich muss ein klein wenig ausholen...

Ich bin nun seit fast sechs Jahren trans* aktiv (Oh Göttin, ist das schon so lange her!?). Wie bei so vielen anderen auch begann das alles mit der eigenen Geschichte, dem eigenen Coming-Out, dem anschließenden Realitätsabgleich und der baldigen Frustration über die vielen Unzulänglichkeiten und Mängel, die es trans* Personen nun wirklich nicht gerade leichter machen. Wie hier im Forum bereits an anderen Stellen mehrfach geschrieben wurde, es geht uns in Deutschland im Vergleich zu vielen anderen Ländern und Regionen recht gut, doch das sollte nicht bedeuten, dass man die restlichen Probleme einfach akzeptieren muss? In den letzten Jahren habe ich vieles probiert, um Dinge zu ändern - mich in der dgti engagiert, die BVT* mit gegründet, einen Landesverband in NRW angeschoben, trans* Berater_innen in NRW qualifiziert - ich schreibe das nicht, um damit anzugeben, sondern um etwas klar zu machen, dass ich wirklich einiges versucht habe. Doch, das ist der Punkt, ich habe nicht den Eindruck, dass sich in diesen fast sechs Jahren irgendetwas nachhaltig positiv verändert hat. Das soll kein Vorwurf sein, eher eine Feststellung.

Oder doch eines hat sich IMHO positiv verändert... ich meine, dass unsere trans* Community langsam etwas friedlicher und versöhnlicher geworden ist und einen größeren Zusammenhalt entwickelt. Das ist ganz großartig und auch sehr nötig!

Doch politisch stehen wir nach wie vor da, wie vor sechs Jahren auch, wir werden politisch nicht ernst genommen. Ich fragen mich, woran liegt das? Und wie können wir das vielleicht ändern? So langsam beschleicht mich eine Idee dazu und vielleicht könnt Ihr mir Eure Sicht darauf mitteilen? Also, hier kommt die Idee.

Wir leben in einer Demokratie. Die Macht der Regierenden speist sich aus Mehrheiten - durch verschiedenste Wahlen legitimiert und immer wieder durch Umfragen und andere Mittel abgefragt. Ohne erkennbare Mehrheiten, gibt es für die Regierenden keinen Handlungsbedarf, es sei denn, es handelt sich um klare Sachfragen. Um Sachfragen geht es bei unseren Problemen aber in der Regel nicht oder wenn, dann sind die Sachverhalte so komplex, dass sie sich nicht schnell erschließen.

Wenn wir also Politiker_innen auf der Sachebene nicht überzeugen können, dann müssen wir wohl Mehrheiten organisieren. Wie macht man soetwas wohl am besten?

In meinen letzten fünf bis sechs Jahren habe ich es, weil ich auch so ein Typ bin (Ingenieurin), auf der sachlichen Ebene versucht. Ich habe lange Texte geschrieben, mit rationalen Argumenten, Belegen, Quellenangaben, logischen Schlussfolgerungen etc. Wenn Personen wirklich interessiert waren, konnte man sie damit auch für ein paar Augenblicke gewinnen! Doch nachhaltig war das nicht. Verändert habe ich damit nichts, keine einzige Ansicht. Das ist für mich zutiefst frustrierend, da ich eine sehr rationale Person bin und an den Verstand der Menschen glaube und appelliere! Nur sehe ich langsam ein, dass das vielleicht nicht der richtige Ansatz ist.

Gibt es vielleicht andere Ansätze? Ja, gibt es, in der Tat, nämlich den persönlichen Ansatz. Indem nicht mehr das rationale Problem in den Vordergrund tritt, sondern wie dieses zu einem persönlichen Problem wird. Wenn man es dann noch schafft, dies so zu vermitteln, dass möglichst viele Menschen sich darin etwas einfühlen können, dies persönlich nachvollziehen können und vielleicht sogar beginnen, über sich selbst etwas nachzudenken, dann kann dies eine ganz andere Wirkung haben. Also habe ich mal einen Versuch dazu gemacht.

Aktuell beschäftigt mich nach wie vor die Untätigkeit der Politik zum TSG. Also dachte ich mir, ich nehme mich als Person und schildere, wie es mir mit der aktuellen Situation ergeht. Dabei heraus kam etwas, was ich ggf. breit an die Presse streuen wollte, an die größeren überregionalen Zeitungen etc., mit Foto und allem was dazu gehört, damit Leser_innen an eine Person andocken können. Der folgende Artikel entspricht weitgehend der Wahrheit, ich gebe allerdings zu, an manchen Stellen ein klein wenig übertrieben zu haben - Übertreibungen dienen der Verdeutlichung :)

Was mich von Euch interessieren würde, meint Ihr, dass man damit etwas bewirken könnte? Einen Diskurs anstoßen? Sollte ich an dem Artikel etwas ändern? Was? Sollte man das grundsätzlich anders machen? Ich bin gespannt!

So, lange Vorrede beendet, hier der Artikel in-spe:

Leben in der Zwischenwelt

Mein Name ist Nicole F. und ich bin trans*. Das bedeutet, mir wurde nach der Geburt das männliche Geschlecht zugewiesen, doch damit konnte und kann ich mich nicht identifizieren. Es brauchte gut 42 Jahre dies einzusehen und daran auch etwas zu ändern. Warum es so lange brauchte, hat viele Gründe. Diese liegen teils im persönlichen Bereich, doch zu einem großen Teil auch an unserer Gesellschaft, sowie deren Normen und Regeln. Seit über fünf Jahren lebe ich nun auf eine Weise, mit der ich mich völlig identifizieren kann und wie es sich für mich richtig anfühlt. Doch eines fehlt bisher: staatliche Anerkennung. Geburtsurkunde und Ausweise zeigen noch immer den alten männlichen Vornamen und das bei Geburt zugewiesene Gechlecht.

Seit fünf Jahren fallen damit meine gelebte Realität und amtliche Identität auseinander. Was das bedeutet, wird Personen, die dies nicht selbst erleben, kaum begreiflich sein. Der Vorname ist in aller Regel geschlechtlich, geschlechtsneutrale Vornamen werden von den Standesämtern nach der Geburt eher ungern akzeptiert. Auch mein amtlicher Vorname ist daher eindeutig männlich. Alle meine amtlichen Papiere wie Personalausweis, Führerschein und Reisepass lauten nach wie vor auf diesen Namen. In der Folge lauten auch alle darauf basierenden Unterlagen und Rechtsgeschäfte darauf, die Versichertenkarte der Krankenversicherung, die Bankkarte, die Kreditkarte, der im Handelsregister eingetragene Name, im Grundbuch, im Vereinsregister, Visa für Auslandsreisen etc. De-facto erlebe ich eine akute Beschränkung meiner Reisefreiheit, denn mit dieser Art unstimmigen Dokumenten sind manche Reiseziele geradezu gefährlich und damit für mich Tabu.

Seit fünf Jahren ist es wie ein Spießrutenlauf, damit in der Öffentlichkeit unterwegs zu sein, mich auszuweisen. Jedesmal ist es ein Moment des Zitterns und der Unsicherheit. Wie wird die Person gegenüber wohl reagieren? Werde ich mich erklären müssen? Werde ich mich rechtfertigen müssen? Denn da steht eine Frau und versucht sich mit einem eindeutig männlichen Dokument auszuweisen. Selbst alltägliche Kleinigkeiten, wie das Abholen eines Pakets bei der Post oder die Zahlung per Bankkarte an der Tankstelle, können zu krtischen Situationen werden. Ich muss auf die Vernunft und Gelassenheit meines Gegenübers vertrauen und hoffen, dass unserer beider Verunsicherung nicht zu größeren Problemen führt.

Denn Probleme könnte es in der Tat geben! Man könnte mir versuchten Kartenbetrug vorwerfen, denn ich versuche offenbar mit der Karte eines anderen zu bezahlen. Ich könnte aus dem Zug geworfen werden, weil die Identitätsfestellung zum online Ticket nicht erfolgen kann. Ich könnte beim Einchecken im Hotel abgewiesen werden, da ich offenbar keinen passenden Ausweis vorlegen kann. Ich könnte meinen Flug in den Urlaub nicht antreten dürfen, weil ich mich nicht ausweisen kann oder bei der Einreisekontrolle abgewiesen werden. Die Liste der Stellen und möglichen Probleme ist lang und mit der zunehmenden Angst vor Identitätsdiebstahl immer länger.

Man fragt sich schnell, kann man da nichts machen? Es kann doch in solchen Fällen nicht so schwierig sein, die Dokumente anzupassen, ein paar Buchstaben zu ändern, ein "M" in ein "W" und ein anderer Vorname, worin liegt das Problem? Tatsächlich gibt es für trans* Personen eine solche Möglichkeit, mit dem seit 1981 gültigen "Gesetz über die Änderung der Vornamen und die Feststellung der Geschlechtszugehörigkeit in besonderen Fällen", auch kurz "Transsexuellengesetz" oder TSG genannt[1]. Das Bundesverfassungsgericht (BverfG) hat bis heute sieben mal gegen Einzelnormen des TSG geurteilt[2] und es damit weitgehend entkernt. Unter anderem enthielt das TSG Voraussetzungen wie die dauerhafte Zeugungsunfähigkeit, chirurgische angleichende Operationen, Ehelosigkeit und weitere klare Grundrechtsverstöße. Erst 2011 wurde der Zwang zu chirurgischen Maßnahmen durch das BVerfG außer Kraft gesetzt - 2011!

Die noch bestehenden Vorschriften sehen vor, dass Personen zur Änderung ihres amtlich erfassten Vornamens und/oder des Personenstandes, also dem amtlich erfassten Geschlecht, einen Antrag beim zuständigen Amtsgericht stellen müssen. Soweit so gut. Warum nun ausgerechnet ein Gerichtsverfahren damit verbunden sein muss, sei einmal dahingestellt, denn das eigentliche Problem liegt in der Folge dieses Antrages. Per Gesetz ist das Amtsgericht im Anschluss dazu verpflichtet, zur Beweiserhebung zwei Gutachten zu beauftragen (TSG -§4(3)), die feststellen sollen, ob die Person seit mindesten drei Jahren einem "transsexuellen Zwang" unterliegt und ob dieser Zwang nach wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht mehr vergehen wird (TSG -§1 (1) 1. & 2.). Die Kosten des Verfahrens und der Gutachten müssen die trans* Personen selbst tragen, in der Regel zwischen 1.000€ und 3.000€, je nach Kosten der Gutachten, die daran den Löwenanteil haben.

Diese zweifache Begutachtung, die in aller Regel von Psychlog_innen oder Psychiater_innen durchgeführt wird, wird seit Jahren heftig kritisiert, doch ändern will der Gesetzgeber daran nichts. Selbst mehrere hundert Seiten starke Fachgutachten im Auftrag des Bundesfamilienministeriums im Rahmen einer interminsteriellen Arbeitsgruppe (IMAG) konnten 2016/2017 nichts bewirken[3]. Das Innenministerium, für Personenstandssachen das federführende Ministerium, bleibt hart und verweigert jede Reformbemühung.

Ich selbst lehne die Begutachtung aus persönlichen und grundsätzlichen Gründen ab. Um das völlig klar zu machen, ich habe keine Befürchtung, eine solche Begutachtung nicht zu "bestehen" oder Ähnliches. Eine Studie von 2015[4] hat sehr klar belegt, dass es praktisch keine Negativgutachten in TSG Verfahren gibt, was die Praxis als solche bereits absurd erscheinen lässt. Doch es stellt sich die ganz grundsätzliche Frage, ob diese Begutachtungen ein verhältnismäßiges Mittel sind? Ist es ein adäquates Mittel? Ist die Schwere eines solch massiven Eingriffs in die Persönlichkeitrechte der Antragsteller_innen wirklich gerechtfertigt? In welchem Verhältnis steht dies zu einem zu schützenden gesellschaftlichen Gut? Und welches ist das überhaupt? Wissenschaftlich ist inzwischen belegt, dass eine externe Begutachtung keine Aussage über das persönliche geschlechtliche Empfinden einer Person treffen kann; es gibt keine objektivierbaren Anhaltspunkte[5], mit denen das Eine oder das Andere belegt werden kann. Welchen Sinn haben dann solche Gutachten überhaupt?

Wie befremdlich eine solche Begutachtungssituation werden kann, können Sie sich selbst recht leicht vor Augen führen. Stellen sie sich vor, Sie müssten einer Ihnen unbekannten dritten Person Ihr Geschlecht glaubhaft machen, aber ohne Zuhilfenahme körperlicher Merkmale und versuchen Sie auf Klischees zu verzichten. Dies ist die Situation, der sich trans* Personen im Rahmen einer solchen Begutachtung ausgesetzt sehen. Ihre Biologie scheint etwas anderes zu anzudeuten und möglicherweise entspricht auch ihr, von gesellschaftlichen Klischees geprägtes, Erscheinungsbild (noch) nicht dem, was Dritte vielleicht erwarten würden. In dieser Sitation soll es dann aber dennoch glaubhaft gemacht werden, dass das eigene Empfinden das einzig Richtige ist. Für Gutachter_innen und trans* Person eine gleichermaßen schwierige Gratwanderung, die auch regelmäßig entgleitet. Manche Gutachter_innen verreiten sich in ausführlichen Sexualanamnesen, andere stochern in Kindheitserinnerungen nach vermeintlichen "Anzeichen". In fast allen Gutachten finden sich ausführliche Beschreibungen über das Auftreten der Personen, bishin zur Bewertung der "Stimmigkeit" der gewählten Kleidung. Was ist denn wohl stimmig oder gar stimmig genug? Sind wir nicht frei, unser Äußeres so zu präsentieren, wie wir es für richtig empfinden? Trans* Personen sind es offenbar nicht, sie werden abgeschätzt und bewertet, auf Basis von intransparenten und völlig subjektiven Kriterien.

Für mich war die Aussicht auf diese Begutachtung keine Frage von Bestehen oder nicht, sondern ob ich mich einer solchen Situation überhaupt aussetzen wollte. Ich dachte dabei auch nicht nur an mich, sondern auch die Personen, die ich inzwischen in Selbsthilfekontexten und meiner ehrenamtlichen Beratungstätigkeit kennengelernt hatte. Trans* zu sein ist bereits eine Belastung, vor, während und nach dem Coming-Out. Gerade die Zeit nach dem Coming Out kann, je nach Verfasstheit der Person, zu einer der härtesten Prüfungen des Lebens werden. Viele geraten gerade erst durch die vielfach auferlegten Hürden und Prüfungen in psychische Schieflage. Es ist nicht die Tatsache trans* zu sein, die die Psyche schwächt. Selbst zu erkennen, was und wer man ist, ist eine Befreiung! Regelmäßig erlebe ich, wie völlig verunsicherte und wenig selbstbewusste Menschen dabei geradezu aufblühen und zu selbstbewussten und vor allem selbstbestimmten Menschen werden. Doch sie zerschellen im Anschluss förmlich an frembestimmenden Vorschriften und Gesetzen, wie dem TSG.

Durch großen Zufall bekam ich 2015 Kontakt zu einer großen international tätigen Anwaltskanzlei in Hamburg, die ab und zu Fälle pro-bono übernimmt, auch aus dem LSBTTIQ* Umfeld. Ich wandte mich an sie und hatte Glück, sie sagten mir ihre Unterstützung zu und so entwickelten wir einen Plan für eine erneute Verfassungsbeschwerde gegen das TSG, speziell gegen die Begutachtungspflicht. Leider lehnte das Bundeverfassungsgericht die Beschwerde im Oktober 2017 ab[6]. Die Ablehnung erfolgte durch die gleiche Kammer, die nur wenige Tage zuvor der Verfassungbeschwerde der Aktion "Dritte Option" Recht gegeben hatte und darin ausdrücklich das Selbstbestimmungsrecht der persönlichen geschlechtlichen Identität hervorhob[7]. Die gleiche Kammer urteilte nun aber gegen meine Beschwerde und zementierte damit die geschlechtliche Fremdbestimmung durch die zweifache Begutachtungsvorschrift des TSG für trans* Personen. So schizophren wird in Deutschland geschlechtliche Selbstbestimmung behandelt.

Und so lebe ich weiter in einer Zwischenwelt, in ständiger Angst Zugang verweigert zu bekommen oder mich und meine Identität rechtfertigen zu müssen. Ich habe Glück und bin priviligiert. Ich bin in mir gefestigt, ich kann Infragestellungen aushalten, mein Umfeld stützt mich und ich bin auch materiell gut genug ausgestattet, um Krisen bewältigen zu können. Doch so gut haben es es nicht alle. In Deutschland leben Zehntausende trans* Personen, eine genaue Zahl gibt es nicht. Konservative Schätzungen gehen von etwa 0,3% in der Gesamtbevölkerung aus, das alleine wären über 200.000. Die Fallzahlen steigen in den letzten Jahren rasant an. Das Gender Zentrum in Amsterdam verzeichnete einen jährlichen Anstieg der Fälle von über 100%. Oft höre ich von Menschen, ich sei die erste trans* Person, die sie kennenlernen. Das mag sein, doch ich bin ganz sicher nicht die erste, die sie treffen. Trans* Personen haben gelernt in dieser Gesellschaft im Verborgenen zu leben, sich anzupassen und sich selbst unkenntlich zu machen, damit sie ein möglichst gutes "Passing" haben.

Passing ist die Beschreibung eines Konzepts, das zur Zeit der Rassentrennung entstand[8]. Es beschreibt das Erlangen von Privilegien, indem eine Person durch Dritte als zugehörig zu einer bestimmten priviligierten Gruppe erachtet wird. Zu Zeiten der Rassentrennung bspw. in den USA war dies der Zugang von Schwarzen zu vornehmlich Weißen vorbehaltenen Räumen und Möglichkeiten - Zugang zu Bildung, Bürgerrechten etc. Auch heute noch findet Diskrimierung auf Basis der Hautfarbe statt, weshalb das Passing bzgl. Hautfarbe noch immer eine Rolle spielt und darüber entscheiden kann, welche Privilegien einem Menschen zu- oder abgesprochen werden. Das gleiche gilt aber auch für das Passing von trans* Personen. In dem Moment, in dem eine trans* Person als solche erkennbar wird, sie also kein "Passing" hat, werden ihr ganz grundlegende Rechte und Privilegien abgesprochen oder zumindest eingeschränkt - das Recht frei zu reisen, das Recht mit dem richtigen Namen und Pronomen angesprochen zu werden, das Recht öffentliche Toiletten aufzusuchen, das Recht mit Bankkarten bezahlen zu können etc.

Bei der Frage um die Änderung von Vornamen und Personenstand in amtlichen Dokumenten geht es nicht um den bloßen Amtsakt. Es geht um Macht, um staatlich sanktionierte Diskriminierung, um die Deutungshoheit von Geschlecht und um die Zu- und Aberkennung von Privilegien. Es wird Zeit, dass die Gesellschaft trans* Personen als einen gleichberechtigten Teil dieser Gesellschaft akzeptiert und ihnen die gleichen Rechte zugesteht, wie sie alle anderen selbstverständlich genießen dürfen. Bis dahin leben Menschen wie ich weiter in einer Zwischenwelt, in einem lediglich geduldeten Niemandsland, in ständiger Angst erkannt zu werden und damit mühsam erlangte Privilegien wieder zu verlieren.


[1] TSG
https://www.gesetze-im-internet.de/tsg/

[2] BVerfG Urteile gegen das TSG
https://www.dgti.org/tsgrecht/allesrech ... letsg.html

[3] IMAG Gutachten
https://www.bmfsfj.de/blob/jump/114066/ ... t-data.pdf
https://www.bmfsfj.de/blob/jump/114064/ ... 7-data.pdf

[4] Studie, praktisch keine TSG Negativgutachten
Meyenburg, B./Renter-Schmidt, K./Schmidt, G.
(2015), Begutachtung nach dem Transsexuellengesetz,
Zeitschrift für Sexualforschung 28/2015, S. 107—120.

[5] Keine objektivierbare Diagnostik für Transsexualität
Güldenring, A. K.
(2013), Zur "Psychodiagnostik von Geschlechtsidentität" im Rahmen des Transsexuellengesetzes,
Zeitschrift für Sexualforschung 26/2013, S. 160—174.

[6] BVerfG Ablehnung Beschwerde gegen Begutachtung nach TSG
BVerfG, Beschluss der 2. Kammer des Ersten Senats vom 17. Oktober 2017
- 1 BvR 747/17 - Rn. (1-15),
http://www.bverfg.de/e/rk20171017_1bvr074717.html

[7] BVerfG für positiven dritten Geschlechtseintrag und geschlechtliche Selbstbestimmung
BVerfG, Beschluss des Ersten Senats vom 10. Oktober 2017
- 1 BvR 2019/16 - Rn. (1-69),
http://www.bverfg.de/e/rs20171010_1bvr201916.html

[8] Passing
https://de.wikipedia.org/wiki/Passing
Ich bin trans* - und das ist gut so!
Homepage: http://www.dpin.de/nf
Blog: http://www.dpin.de/nf/category/trans/
heike65
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 819
Registriert: So 10. Feb 2019, 18:35
Pronomen: Du
Wohnort (Name): Kappeln
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Öffentlichkeitsarbeit zur Unterstützung politischer Forderungen?

Post 2 im Thema

Beitrag von heike65 »

Sorry das werden nur eh genderinteressierte lesen, dem Rest wird das zu langatmig und zu Problembelastet sein.
Du hast in fast allen Punkten recht, nur reichen wird das kaum jemanden, einfach zu negativ, nur Probleme, nichts positives über die Gesellschaft, und wie weit wir gekommen sind. Das wird niemand drucken wollen, und wenn du doch eine Zeitung finden solltest wird es kaum jemand lesen wollen. Guter Ansatz aber so kann ich es mir nicht vorstellen.
Der Artikel über meine Frau und mich in den hiesigen Tageszeitungen gab massenhaft positives Feedback, aber er war auch extrem positiv und nicht Problembeladen geschrieben

viel Erfolg
Heike
nicole.f
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 788
Registriert: Fr 3. Dez 2010, 11:04
Geschlecht: trans* Frau
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Siegen
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Öffentlichkeitsarbeit zur Unterstützung politischer Forderungen?

Post 3 im Thema

Beitrag von nicole.f »

Hmm... also richtig ist sicherlich, dass ich da ein Problem darstelle, das ist ja Sinn und Zwecke der Sache.
Wie sollte man das denn positiv drehen wollen?

Ich denke mal drüber nach, doch gerade eben fiele mir nicht einmal ein Ansatz ein. ein Problem ist nunmal ein Problem und das muss man ja auch als solches benennen.

Aber danke für's Lesen und den Kommentar!

Liebe Grüße
nicole
Ich bin trans* - und das ist gut so!
Homepage: http://www.dpin.de/nf
Blog: http://www.dpin.de/nf/category/trans/
ExuserIn-2022-05-28
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 668
Registriert: Sa 1. Mai 2010, 18:43
Geschlecht: Frau
Pronomen: Sie
Wohnort (Name): Iserlohn
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Öffentlichkeitsarbeit zur Unterstützung politischer Forderungen?

Post 4 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2022-05-28 »

Hi Nicole ich fürchte auch, dass wenig Zeitungen darauf anspringen werden und auch wenig aufgrund so eines Berichtes reagieren. Es betrifft sie ja nicht, also warum kümmern?

Ich versuche einen anderen Weg und bin in die CDU eingetreten.
Zum Glück ist der neue Generalsekretär aus unserer Stadt und so konnte ich ihm und der Karrenbauer schon ein paar mal auf die Füsse treten. Bisher zwar mit nur wenig Erfolg, zumindest wiesen sie auf ein paar Stellen im Koalitionsvertrag NRW und Bund hin, dass es auf dem Plan stehen würde, aber vielleicht höhlt ja steter Tropfen den Stein.

Mein Plan ist zunächst auf Kreisebene durch einen Vortrag die Parteikollegen zu informieren und wach zu kriegen. Vielleicht hilft der Weg von innen was.

Mein Vorschlag : mehr Trans*Menschen in die CDU und den Laden von innen aufräumen.

LG Chrissie
Das Leben ist zu kurz um sich zu verleugnen.
heike65
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 819
Registriert: So 10. Feb 2019, 18:35
Pronomen: Du
Wohnort (Name): Kappeln
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Öffentlichkeitsarbeit zur Unterstützung politischer Forderungen?

Post 5 im Thema

Beitrag von heike65 »

Vergeudete Kraft in der CDU
Michelle_Engelhardt
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 4014
Registriert: Mi 27. Aug 2014, 14:15
Geschlecht: weiblich
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Dortmund
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 1 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Öffentlichkeitsarbeit zur Unterstützung politischer Forderungen?

Post 6 im Thema

Beitrag von Michelle_Engelhardt »

Nicht das das hier jetzt zu sehr ins politische abdriftet, aber ich finde nicht das Chrissies Eintritt in die CDU vergebene Liebesmühe ist, im Gegenteil. In den letzten Jahren war mir z.b. negativ aufgefallen, das beim CSD hier in Dortmund sämtliche Parteien vertreten waren....nur die CDU glänzte mit Abwesenheit (die AfD auch, aber die will eh keiner). Von daher finde ich den Ansatz, "den Laden mal von innen aufzumischen" schon recht gut.

Nicoles Beitrag spricht auf jeden Fall alle wichtigen Punkte an und zeigt auf, an welchen Stellen der Schuh drückt. Ja, es stimmt.....der Beitrag beleuchtet nur die negativen Seiten. Würde man jetzt "zur Auflockerung" auch einige positive Aspekte einbringen, dann würde der Beitrag noch länger. Vielleicht wäre es besser, den Beitrag grundsätzlich positiv zu gestalten. Du, liebe Nicole, bist doch mit Deinem jetzigen Leben glücklich und zufrieden, nehme ich mal an. Darauf aufbauend könnte man den Bericht so gestalten und dabei auch rückblickend auf die vielen kräfte- und nervenraubenden Hürden auf dem Weg hinweisen. So könnte man u. U. mehr Leute erreichen....natürlich nur solche, die mehr lesen als Klatsch, Todesanzeigen und Sonderangebote.

Liebe Grüße
Michelle
Brauchst Du Hilfe oder einfach jemanden zum quatschen? Schick mir 'ne PN!

Weihnachtsmarkt ist das Wacken für Büroangestellte!
Christian
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 95
Registriert: Sa 15. Mär 2014, 15:44
Geschlecht: männlich
Pronomen:
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Kontaktdaten:

Re: Öffentlichkeitsarbeit zur Unterstützung politischer Forderungen?

Post 7 im Thema

Beitrag von Christian »

Hallo, erst einmal ein Lob für das Engagement. Ein sehr langer Text. In der Kürze liegt die Würze. 😉 Die Willensbildung im politischen Betrieb findet in den Parteien statt. Man muss sich daher nicht nur gegenüber den Wählenden, sondern auch innerhalb einer Partei bewähren. Ansonsten wird man bei der Listenaufstellung übergangen. Am meisten Erfolg hat ein Anliegen, wenn es über einen Kreisverband in ein Wahlprogramm schafft und von dort - zumindestens im Groben - in einen Koalitionsvertrag. Ähnliches gilt natürlich auch bei Oppositionsparteien. Man sollte sich nicht verbiegen und sich dort engagieren, wo man sich wohl fühlt und eine politische Nähe findet. Anders sähe es aus, wenn man eine größere Wählendengruppe als Sprecherin eines Verbands oder Vergleichbares. Viele Grüße
Marlene K.
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 2151
Registriert: Fr 10. Aug 2018, 17:54
Geschlecht: größtenteils weiblic
Pronomen: sie, ohne Überempfin
Wohnort (Name): Berlin
Hat sich bedankt: 224 Mal
Danksagung erhalten: 66 Mal
Kontaktdaten:

Re: Öffentlichkeitsarbeit zur Unterstützung politischer Forderungen?

Post 8 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

nicole.f hat geschrieben: Sa 2. Mär 2019, 21:13 Ihr Lieben,
darf ich Euch einmal um Hilfe bitten? Ich brauche mal Eure Meinung und vielleicht ein paar Tipps. Achtung, es wird etwas länger und ich muss ein klein wenig ausholen...
Hallo, liebe Nicole,
vielen Dank für Dein Engagement und die Zusammenfassung der jetztigen Situation.

Ich teile Deine Ansicht mit dem besseren Zusammenhalt in der Gemeinschaft nur bedingt, auch wenn genau hier der Hebel zu größerem Einfluss liegt.

Ansonsten kann ich nur meine Empfindungen und Beobachtungen in Bezug auf Frauenbewegung, Lesben- und Schwulenbewegung, Bewegungen andersgläubiger Deutscher einschließlich Juden und Muslime, Wahrnehmung der Interessen von Menschen mit körperlichen und/oder geistigen Einschränkungen und den Opfern anderer Diskriminierungs- oder Marginalisierungsformen nehmen.

Ich nehme hier zwei Bestrebungen als Beispiel.
Frauenbewegung und die Bewegung homosexueller Menschen entstanden kurz nach den Bestrebungen zur Demokratisierung der europäischen Gesellschaften in der Mitte des 19. Jahrhunderts.
Für uns heißt diese Beobachtung und die Ausprägung der Gleichberechtigung dieser Gruppen im Verlauf der Geschichte wohl, dass wir einen langen Atem brauchen. Nur Beharrlichkeit und Sichtbarkeit hilft hier weiter.
Es heißt für mich aber auch, dass ich keine Freiheit losgelöst von der anderen sehen kann und Freiheiten nie als gesichert angesehen werden können.
Marlene

Ich halte es mit Karl Popper im 1945 formulierten Toleranz-Paradoxon https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz-Paradoxon

Ich bin (nur) intolerant gegenüber der Intoleranz.
nicole.f
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 788
Registriert: Fr 3. Dez 2010, 11:04
Geschlecht: trans* Frau
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Siegen
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Öffentlichkeitsarbeit zur Unterstützung politischer Forderungen?

Post 9 im Thema

Beitrag von nicole.f »

Ihr Lieben,
vielen Dank für die konstruktive Kritik!

Das Hervorheben der Kritik in dem Artikel ist, das sehe ich ein, nicht besonders schön. Es vermittelt ein sehr negatives Bild und das möchte niemand gerne als einziges haben. Wie Michelle es vorschlug, mit den positiven Aspekten einzusteigen, um dann sozusagen Restkritik zu äußern, könnte eine gute Variante sein, an der ich einmal arbeiten werde. Die Länge werde ich versuchen etwa gleich zu halten. So wie es ist, ist es meiner Meinung nach für die überregionale Presse OK, solange es keine reine Randnotiz, sondern ein vollständiger Artikel sein soll. Das ist ja keine Pressemeldung, sondern eben ein Artikel. An dem Artikel habe ich einige Tage in meiner zur Zeit leider recht knappen Freizeit gebastelt, daher wird eine neue Version auch etwas brauchen.

Dann noch kurz zu den Parteien.

Engagement in Parteien ist grundsätzlich zu begrüßen! Wir leben in einer Demokratie und Parteien sind existentieller Bestandteil davon. Ich war auch einige Jahre parteipolitisch auf kommunaler und Landesebene aktiv, ich habe daher eine grobe Idee, wie Parteien funktionieren und was man darin und damit erreichen kann. Auch habe ich die Zusammenarbeit mit Parteien im Rahmen meiner Arbeit für den Landesverband NRW und den Bundesverband erlebt. Für unsere (trans*) Ziele sehe ich im aktuellen Politikbetrieb aktuell leider kaum eine Chance und ich erkläre auch gerne warum.

Letztlich glaube ich, dass es zum einen auf ein ähnliches Problem hinausläuft, wie ich es in dem Eingangs-Posting beschrieben habe: Man muss Mehrheiten für ein Thema beschaffen, sonst bewegt sich nichts. Parteien sind, aus schlicht logistischen Gründen, hierarchisch organisiert, d.h. da sind die Ortsverbände, Kreisverbände, Landesverbände und dann die Bundespartei. Um irgendetwas zu bewegen, muss man also ein Interesse von ganz unten nach dort ganz oben bringen und jedesmal entsprechende Mehrheiten in der Partei gewinnen. Und selbst dann landet ein Interesse ersteinmal nur beim Bundesverband. Bis es dann in ein Programm Einzug hält, sind weitere Hürden zu überwinden. Wenn innerhalb der Partei nicht bereits die dafür nötigen Mehrheiten vorhanden sind, wird es sehr schwer, diese zu (be-)schaffen. Doch auch wenn man dies schafft, dann hat man vielleicht die Aussicht, ein Ziel in einem Bundesprogramm _einer_ Partei zu verankern. Dass diese Partei dann zufällig auch die Regierung stellt und eine Mehrheit hat, ist das nächste Problem.

Ich sage das nicht, um jede Hoffnung zu zerstören. Politisches Engagement in Parteien ist wichtig! Aber es ist extrem zäh, langwierig und auf Bundesebene kommen meiner Erfahrung nach fast immer nur butterweiche Kompromisse dabei heraus, da zuviele Akteur_innen zu "befriedigen" sind. Was trans* angeht, so haben Die Grünen seit Jahren in ihren Programmen entsprechende Forderungen und Volker Beck hat vor jeder Bundestagswahl der letzten Jahre ein TSG Reformgesetz vorgeschlagen, passiert ist nichts. Die Linken haben es ebenfalls mehrfach versucht. Sogar der Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD der letzten Legislatur hatte dies explizit gefordert! Dabei heraus kamen die Gutachten der IMAG, aber keine Reform. Diese Legislatur werden wir auch keine Reform erleben, was nach dem Gebaren der Vertreter_innen des Bundesinnenministeriums in Rahmen der IMAG auch nicht weiter verwundert (inoffiziell, also im direkten Gespräch, sagten die Vertreter_innen des BMI recht eindeutig, dass ihnen das jetzige TSG bereits ein Dorn im Auge sei und sie das alles am liebsten _ersatzlos_ gestrichen sähen, eine Reform würde es mit ihnen nicht geben). Einige Vertreter_innen der Standesämter äußerten sich sehr ähnlich.

Das frustrierende dabei ist, dass wir heutzutage an vielen Stellen offene Türen einrennen. In meiner maximalen Frustrationsphase, vor ein paar Jahren, habe ich die Parteien kontaktiert. Nur von den Grünen bekam ich eine Reaktion und das war eine Einladung von Volker Beck. Das Gespräch mit Volker war eben das, frustrierend, denn ich musste ihm rein gar nichts erklären, er nahm mir praktisch die Worte aus dem Mund und gab mir in allem Recht. Was ich damit sagen will ist, den Menschen, die sich mit dem Thema auseinandergesetzt haben, ist völlig klar, was nötig ist. Davon gibt es viele, auch an wichtigen Schaltstellen, wie den Parteien und einigen Bundesministerien - das Bundesministerium für Familie, Soziales und Jugend (BMFSFJ) beispielsweise. Dort gibt es ein ganzes Referat, welches fachlich auf tollem Niveau für trans* arbeitet, aber leider auch nichts ausrichten kann.

Schlussendlich läuft es immer wieder darauf hinaus, dass der allgemeine politische Druck noch nicht groß genug ist. Ein gutes Beispiel dafür ist die gleichgeschlechtliche Ehe. Seit buchstäblich Jahrzehnten setzten sich Gruppen dafür ein, unter anderem auch hochrangige Jurist_innen, die fachlich hervorragend begründete Forderungen aufstellten. Getragen wurde das von Parteien und Verbänden. Seit Jahrzehnten wurde das Anliegen immer wieder in den bundespolitischen Apparat eingebracht, doch passiert ist nichts, zerschellt an den Wertkonservativen, vor allem von CDU und CSU. Erst durch die große Öffentlichkeit, als in Irland und dann in den USA die gleichgeschlechtliche Ehe zugelassen wurde, erst da entstand Rückhalt in der Bevölkerung, es gab in der Presse immer wieder Umfragen und Meldungen dazu und es zeichnete sich endlich eine breite Zustimmung in der Bevölkerung ab. Und erst dann erlaubte Merkel endlich den Abgeordneten frei nach ihrem Gewissen abzustimmen (was sie eigentlich immer tun müssen, aber nunja). Merkel selbst hatte dabei ein "schlechtes Bauchgefühl" und stimmte dagegen.

Was ich damit ausdrücken möchte ist, erst die Mobilisierung der Bevölkerung, die Meinungsbildung, hat es ermöglicht, dass eine Reform stattfand.Sachargumente und Parteipolitik waren Steigbügelhalter, doch den Ausschlag gab der politische Druck von außen. Ich denke, dass wir genug Sachargumente haben und das auch der parteipolitische Rückhalt nicht schlecht ist - siehe dazu auch die im letzten Jahr leider gescheiterten Initiativen im Bundesrat. Was jetzt noch fehlt, ist die Meinungsbildung in der Bevölkerung, die schlussendlich in politischem Druck münden muss. Hierfür gebe ich Ralf-Marlene Recht: Sichtbarkeit! Ohnehin mein Kredo und Wunsch an alle, die es können. Wenn wir nicht sichtbar für uns und unsere Belange eintreten und damit die öffentliche Meinung beeinflussen, dann dürfen wir uns auch nicht wundern, dass nichts passiert. Dazu braucht es Sichtbarkeit, Sichtbarkeit der Menschen, die von den aktuellen Regelungen negativ betroffen sind und die bereits sind, öffentlich darüber zu sprechen und zu berichten - daher würde ich in dem Artikel auch meinen vollen Namen nennen.

Es ist ein Experiment und ich bin gespannt, ob irgendeine Pressestelle darauf eingeht. Wenn, dann habe ich auch ein paar Ideen für weitere Artikel, denn nur der stete Tropfen höhlt diesen ignoranten Brocken :-)

Liebe Grüße
nicole
Ich bin trans* - und das ist gut so!
Homepage: http://www.dpin.de/nf
Blog: http://www.dpin.de/nf/category/trans/
Simone 65
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 2251
Registriert: Mi 9. Mär 2016, 09:05
Geschlecht: Ich bin ein Mensch
Pronomen: Frau
Wohnort (Name): Reichenbach an der Fils
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 1 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Öffentlichkeitsarbeit zur Unterstützung politischer Forderungen?

Post 10 im Thema

Beitrag von Simone 65 »

Nicole, ich wünsche viel Glück für die Zukunft.
Ich bin nicht in der Politik unterwegs, verfolge aber alles.
Ich bin sichtbar in meiner Stadt. Ich miche mich ein, gebe Antworten.
Gestern in der RB von Stuttgart nach Ulm. 5 Jungs, zwischen 13 und 15 Jahre alt, machen Witze über Ausschwitz, ich höre das. Ich werde wütend. Ich spreche Sie an, ich habe so etwas noch nie gemacht, ich bin sonst still weiter. Sie verstehen nicht.
Aber Witze über Ausschwitz geht gar nicht.
Nicole, ich bin in meinem kleinen Ort als Simone unterwegs, ich weiss ich bin Ortsgespräch. Ich stehe dazu.
Es ist nicht immer einfach, aber sehr oft schön.
Liebe Grüße Simone.
Ich weiss ,ich bin ein Mensch und nur Das zählt.
Ich bin nur ein kleines Licht , aber ich leuchte .
Alle Menschen sollen mich sehen .
Simone 65
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 2251
Registriert: Mi 9. Mär 2016, 09:05
Geschlecht: Ich bin ein Mensch
Pronomen: Frau
Wohnort (Name): Reichenbach an der Fils
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 1 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Öffentlichkeitsarbeit zur Unterstützung politischer Forderungen?

Post 11 im Thema

Beitrag von Simone 65 »

Ich sitze gerade im Café Schill. Zwei türkische Frauen mit Kopftuch sitzen am Nebentisch. Sie sehen mich, die eine macht ein Kompliment wegen meiner Augen. Ich bin gerührt.
Ich denke Sichtbarkeit, Offenheit in unserer, meiner Stadt, Ort ist ganz wichtig.
Liebe Grüße Simone.
Ich weiss ,ich bin ein Mensch und nur Das zählt.
Ich bin nur ein kleines Licht , aber ich leuchte .
Alle Menschen sollen mich sehen .
nicole.f
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 788
Registriert: Fr 3. Dez 2010, 11:04
Geschlecht: trans* Frau
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Siegen
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Öffentlichkeitsarbeit zur Unterstützung politischer Forderungen?

Post 12 im Thema

Beitrag von nicole.f »

Schön :-)

Liebe Grüße
nicole
Ich bin trans* - und das ist gut so!
Homepage: http://www.dpin.de/nf
Blog: http://www.dpin.de/nf/category/trans/
Antworten

Zurück zu „Politik - Initiativen - Forderungen“