Intoleranz und Uneinigkeit der "Gemeinschaft"
Intoleranz und Uneinigkeit der "Gemeinschaft" - # 8

Lebensplanung, Standorte
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heike65
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Re: Intoleranz und Uneinigkeit der "Gemeinschaft"

Post 106 im Thema

Beitrag von heike65 »

dunkles_sternchen hat geschrieben: Do 28. Feb 2019, 23:10 Die Notwendigkeit einer GaOP stellt ja auch niemand in Frage. Nur besteht ja eine Frau nicht nur aus einem Geschlechtsteil.
Doch ich kenne etliche Transfrauen die dieses in abrede stellen , sorry.
Ich müsste schauen ob ich den Link noch habe, aber wenn ich micht recht entsinne nehmen nur 1/3 der Personen die GaOp wahr obwohl sie die Möglichkeit hätten
Jaddy
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Re: Intoleranz und Uneinigkeit der "Gemeinschaft"

Post 107 im Thema

Beitrag von Jaddy »

dunkles_sternchen hat geschrieben: Do 28. Feb 2019, 23:10Mir ginge es ja vielmehr darum das gesamte Potenzial der Medizin auszuschöpfen. Das wird ja nicht gemacht. Eine FFS würde vielen Transfrauen sehr helfen oder auch ein einfacher Lipotransfer, der heute fast schon ein Standardeingriff ist. Überlege dir mal, wie viele Leute Knie- oder Hüftprothesen oder Stends, Transplantationen bekommen. Da zuckt die Kasse keinen Moment und das sind teils viel aufwändigere Eingriffe.

Aber für diesen Maßnahmen gibt es einfach keine Handhabe im TSG. Wenn ich die Notwendigkeit solcher Maßnahmen anzweifle, muss ich aber auch konsequent kritisch mit der HRT und GaOP umgehen. Da wird mir als transsexuelle Person per Gesetz vorgeschrieben, wie sich mein Leidensdruck zu lindern hat. Und wenn das nicht ausreicht, wird nicht etwa eine weitere Maßnahme angesetzt, sondern einen Behandlung beim Psychologen. Das Geld, was meine Kasse bereits beim Psychologen verbraten hat, hätte definitiv für eine weitere OP gereicht. Ums Geld kann es also nicht gehen. Worum dann?
So langsam kommen wir zusammen :) Ich bin auch sehr dafür, dass möglichst alle Menschen alle Möglichkeiten ausschöpfen können. Das ist keine technische oder medzinsche Frage, sondern eine politische und wirtschaftliche. Die Entscheidungen treffen Kaufleute, auch über die wirtschaftlichen Freiheiten von Ärzten. Das TSG ist da übrigens kaum beteiligt, auch wenn es aus anderen Gründen Müll ist. Die meisten Mediziner_innen werden sich an die Behandlungsleitlinien halten, weil sie das eben von der Kasse bezahlt bekommen; siehe oben. Warum das eine aber nicht das andere bezahlt wird? Weil die Zyklen für Änderungen der Leitlinien zu lang sind. Diese Leitlinien sind für den Mittelteil der Glockenkurve und den Konsens der Fachleute aufgrund ihrer Erfahrungen zum Zeitpunkt der Abstimmung, also Jahre zuvor. Wenn du mit eigenem Geld losgehst, kannst du das ganze Potenzial der Medizin ausschöpfen. Wenn du auf die Kasse angewiesen bist, kannst du allerdings soweit ich weiss auf Maßnahmen verzichten. Aber mit Notwendigkeit war vermutlich die Anerkennung durch die Kasse gemeint.
dunkles_sternchen
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Re: Intoleranz und Uneinigkeit der "Gemeinschaft"

Post 108 im Thema

Beitrag von dunkles_sternchen »

Cookie hat geschrieben: Do 28. Feb 2019, 23:32 Stents, Hüftprothesen und Transplantationen sind idR Eingriffe, welche eine Notwendigkeit vorweisen um auf der einen Seite überhaupt weiter leben zu können und um halbwegs uneingeschränkt leben zu können.
Ein kaputtes Hüftgelenk ist ein größerer Einschnitt in die Lebensqualität als wenn man mit seinem Körper unzufrieden ist.
Ist das so? Wer beurteilt das?
Die Suizid-Rate dürfte bei Transsexuellen weitaus höher liegen, als beim Menschen, die einen Hüftschaden haben. Man kann diese Fakten natürlich ignorieren. Damit verschwinden Sie aber nicht. Jedes Jahr sterben 10.000 Menschen durch Suizid und die Bemühungen präventiv etwas zu unternehmen gehen quasi gegen Null. Das sind mehr Menschen, als im Straßenverkehr sterben. Und gerade auch bei TS sind die Suizid-Zahlen sehr hoch. Offensichtlich kümmert das aber niemanden.
ExuserIn-2019-12-22

Re: Intoleranz und Uneinigkeit der "Gemeinschaft"

Post 109 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2019-12-22 »

Natürlich kümmert mich das.
Ich möchte nicht, dass sich jemand umbringt.

Die Selbstmordrate von hochverschuldeten Spielsüchtigen ist auch deutlich höher als die Selbstmordrate von Menschen mit Hüftschaden. Das ist ein Fakt!
Soll man diesen Menschen jetzt Geld geben um die Schulden ab zu bezahlen? Glaubst du ernsthaft, dass sie das mit dem Geld machen würden? Glaubst du wenn die Schulden erlassen werden hört die Spielerei auf?

"Der Teufel bekommt immer was er will, aber niemals was er braucht."

Ich habe hier ja schon geschrieben, dass ich voll hinter FFS stehe. Ich hab super Resultate davon gesehen. Und bin mir auch sicher vielen Transfrauen ist damit geholfen. Aber wer kann dafür eine Garantie geben? "Diese eine Operation und ich wäre glücklich?" Wenn die KK so lange Operationen bezahlen bis Betroffene sagen sie seien glücklich, dann bringt man da etwas ins Rollen. Zwei von zehn werden nach der FFS zufrieden sein. Der Rest möchte immer mehr. Und darum geht es letztendlich. Das auf Kosten der KK nicht alles bezahlt wird, damit man das System nicht gnadenlos ausnutzen kann.

Das ist nicht immer fair und dabei bleiben welcher auf der Strecke. Aber so ist das Leben...
dunkles_sternchen
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Re: Intoleranz und Uneinigkeit der "Gemeinschaft"

Post 110 im Thema

Beitrag von dunkles_sternchen »

Cookie hat geschrieben: Fr 1. Mär 2019, 03:43
Ich habe hier ja schon geschrieben, dass ich voll hinter FFS stehe. Ich hab super Resultate davon gesehen. Und bin mir auch sicher vielen Transfrauen ist damit geholfen. Aber wer kann dafür eine Garantie geben? "Diese eine Operation und ich wäre glücklich?" Wenn die KK so lange Operationen bezahlen bis Betroffene sagen sie seien glücklich, dann bringt man da etwas ins Rollen. Zwei von zehn werden nach der FFS zufrieden sein. Der Rest möchte immer mehr. Und darum geht es letztendlich. Das auf Kosten der KK nicht alles bezahlt wird, damit man das System nicht gnadenlos ausnutzen kann.
Dafür gibt es ja Gutachter und Psychologen, die einen Notwendigkeit ja auch bereits heute feststellen. Genau genommen könnte ich dann auch die GaOP oder eine Brust-OP in Frage stellen und behaupten, wenn die Kasse eine OP genehmigt, wird es immer welche geben, die dann zweite oder dritte haben wollen. Und die Notwendigkeit darauf zu beschränken, dass eine Frau - man verzeihe mir die Ausdrucksweise - "eine Muschi und Titten" zu haben hat, kann nur das Werk von Männern sein. Und da soll mir jemand mal das Gegenteil beweisen. :-?
ExuserIn-2019-12-22

Re: Intoleranz und Uneinigkeit der "Gemeinschaft"

Post 111 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2019-12-22 »

Ist das so? Wer beurteilt das?

Das der Leidens-Druck von Betroffener zu Betroffener unterschiedlich ausfällt habe ich bereits in meinem ersten Beitrag geschrieben. Aber du gehst bei jedem Beitrag immer nur auf das ein was du möchtest.

Das ist ein Fakt!

Du wirfst der "Gemeinschaft" Intoleranz gegenüber deiner Meinung vor, ich behaupte es ist deine Intoleranz gegenüber der Meinung aller Anderen.

Beweise mir das Gegenteil.

Die dicken Worte sollten dir bekannt vor kommen, das ist nämlich deine Art hier zu diskutieren.



Es ist nicht selbstverständlich, dass wir überhaupt in irgendeiner Form eine Kostenübernahme erhalten. Und ja, es ist mit Aufwand verbunden diese in manchen Fällen überhaupt zu erhalten.
Viele sind froh darüber das überhaupt etwas übernommen wird.
Wir sind froh eine Hand gereicht zu bekommen und nehmen diese dankend an und verlangen nicht gleich den ganzen Arm.
Wer doch den ganzen Arm haben möchte hat immer noch die Wahl den Weg über das Sozialgericht zu gehen.
Céline
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Re: Intoleranz und Uneinigkeit der "Gemeinschaft"

Post 112 im Thema

Beitrag von Céline »

Hi,
Ich muss jetzt Sternchen(ich finde Dunkles Sternchen so Negativ,sorry) auch mal Recht geben.
Ich bekomme jetzt nicht mal mehr die Nadelepilation zugestanden und nur weil kein Arzt sie durchführt.Ich stehe täglich vor dem Spiegel und könnte verzweifeln wenn ich mich ansehe.Auch mein mittelmäßig männlich markantes Gesicht kann ich eigentlich nur mit Make-up und meinen Haaren verstecken.Ich bin aber im Gegensatz zu vielen anderen psychisch mittlerweile soweit, meistens zumindest soweit gefestigt das ich damit leben kann und glücklich bin.
Ich bin auch der Meinung das zumindest FFS in den Leistungskatalog aufgenommen werden sollten um in schlimmen Fällen den Leidensdruck zu vermindern.Natürlich kann man darüber diskutieren wo die Grenzen sind aber wir sind leider eine Minderheit und interessiert niemanden, im Gegenteil ich höre immer wieder gerade was Brustaufbau und Epilation betrifft "Frauen kriegen das ja auch nicht".Das wir einen zum Teil sehr großen Leidensdruck erleben wird nicht aktzeptiert geschweige denn verstanden.
Wenn es aber aber um die wirklich riesigen Kosten geht durch gerade jetzt im Winter durch sehr sehr viele Unfälle auf Skipisten,Drogenmissbrauch oder völlig ungesunde Lebensweisen die Herzkrankheiten,Schlaganfälle,Diabetes und und und auslösen redet kein Mensch davon.Diese Kosten werden als selbstverständlich hingenommen und bezahlt obwohl daran viele selbst Schuld sind und in der Gesellschaft wird das auch aktzeptiert
Ich gehe mal davon aus das die Kosten dagegen die bei einer Transition anfallen verschwindend gering sind.
Ich kenne einige Fälle die mittlerweile mehr als nur verzweifelt sind weil ihnen Leistungen nicht mehr zugestanden werden oder einfach nicht leisten können.
Die Gefahr eines Suizides wird einfach hingenommen.....
Und für einen Kampf fehlen den Meisten einfach die Mittel oder!!!!!!die Kraft,mich eingeschlossen
Liebe Grüße
Céline
"Sprache und Worte können mich nicht verletzten...nur der Mensch und seine Absicht dahinter"
C.B.
ExuserIn-2019-12-22

Re: Intoleranz und Uneinigkeit der "Gemeinschaft"

Post 113 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2019-12-22 »

Ich bin von Anfang an auf Sternchens Seite gewesen.
Aber wir drehen uns hier seit acht Seiten im Kreis und daran wird sich auch nichts ändern.


Ich gebe da ein Beispiel aus meinem Behördenkrieg:
Ich befinde mich aktuell noch im Studium, welches ich mit Ende dieses Semesters abgebrochen habe. Ab Mitte des dritten Semesters hatte ich kein Anrecht mehr auf BAföG. (Wegen einer unbeabsichtigten Falschangabe)
Vorlesungen idR an fünf Tagen die Woche von morgens 08:15 bis nachmittags und teilweise spät abends. Dann immer noch Pendeln mit der Bahn etwas über eine Stunde. Die Züge fahren nur einmal die Stunde, also muss ich teilweise viel früher los, um nicht zu spät zu kommen. Bleibt mir nur am Wochenende zu arbeiten, was viele Angebote als Werksstudent unmöglich machten.
Also habe ich auf Aushilfsbasis an einer Tankstelle angefangen, um um beide Tage am Wochenende arbeiten zu können.
Da über 25 und zweiter Bildungsweg musste ich mich privat krankenversichern, habe auch sonst paar Verträge und Versicherungen, weil ich vorher normal gearbeitet habe.
Ich komme mit allen Kosten auf einen Monat runter gebrochen auf 389€ Bei einem monatlichen Einkommen von 400-450€
Als Geringverdiener kann man über das Amt aufstocken. Also eine Unterstützung beantragen. Das ist scheinbar kein Problem, wenn man offiziell als arbeitssuchend eingetragen ist. Als Vollzeit Student/in hingegen hat man nur ein Anrecht auf Unterstützung vom Jobcenter wenn man BAföG bezieht, weil man dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung steht.
Höchstsatz BAföG und vom Amt Miete, Versicherung und Fahrzeug bezahlen lassen ist kein Problem. Ein paar Abzüge gibt es, aber solange man in Regelstudienzeit bleibt bekommt man weiter BAföG und weiterhin zusätzlich die Unterstützung vom Jobcenter.
Eine Freundin von mir studiert soziale Arbeit und ist im dritten Semester und hat auf diese Weise jeden Monat um die 500€ zum Leben und muss nebenher nicht arbeiten. Hat einen "einfachen" Studiengang.
Das ist mehr als ich überhaupt durch Arbeiten neben dem Studium verdiene.
Mein Studiengang ist Maschinenbau, das schafft idR niemand in Regelstudienzeit, also ist man in dem Studiengang was die Unterstützung angeht von Anfang an verdammt.
Ist das fair?
Ich habe mich fast zwei Jahre mit sämtlichen Ämtern in Verbindung gesetzt. Unzählige Anträge gestellt und immer wieder eine Absage erhalten. Das eine Amt schiebt dem anderen Amt die Zuständigkeit dafür in die Schuhe.

Ende von der Geschichte ist das ich mit dem ganzen Fall jetzt beim Sozialgericht bin. Die prüfen meinen Fall individuell. D.h. Egal wie die Richtlinien sind, wenn die sagen das Amt muss zahlen, dann müssen die zahlen. Das ganze geht nun schon ein halbes Jahr. Mein Anwalt meinte es würde deutlich schneller gehen, wenn er einen Referenzfall gefunden hätte wo jemand bereits vom Sozialgericht eine Zahlung bewilligt bekommen hätte.
Und jetzt kommt der Übergang zu unserem Forum.
Wenn jemand durch psychol. Gutachten bestätigen könnte, dass eine Operation welche nicht von den KK abgedeckt ist eine enorme Steigerung der Lebensqualität mit sich bringt und der Patientin somit einen Wiedereinstieg in die Gesellschaft ermöglicht und daher auch einen Haufen Kosten für weitere psychologische Betreuung wegfallen würden, dann kann es sein, dass das Sozialgericht entscheidet die KK muss die Kosten für z.B. die FFS zahlen.
Mit diesem Referenzfall könnte man eine Flut weiterer Klagen starten und somit die KK dazu bringen diese Leistung von Anfang an zu bewilligen.
Einigen wird es helfen, einige werden es machen obwohl sie es nicht bräuchten, einfach weil es gezahlt wird. Und wiederum einige würden es machen, damit aber nicht glücklicher werden und sie stehen am gleichen Punkt wie jetzt auch. Und dann fängt das ganze Spielchen von vorne an.
Das ist alles im Konjunktiv. Mit Aufwand und Kosten verbunden. Finanziell wie nervlich.

Wo liegt hier die die sinnvolle Grenze damit das System nicht gnadenlos ausgenutzt wird? Was ist Gerecht im Vergleich zu anderen Fällen wo die KK die Kosten übernimmt? Das liegt immer im Auge des Betrachters. Aus der Perspektive der Betroffenen hat man eine andere Sicht auf die Dinge als aus dem Blickwinkel von Außenstehenden. Und die Sicht auf die Dinge unter den Betroffenen ist auch noch einmal eine ganz Andere.
Es ist doch schon viel passiert im Laufe der Jahre und ich würde mir wünschen es würde noch weit aus weiter gehen. Aber zu fordern die KK sollten zahlen bis man glücklich wird ist da der falsche Ansatz.
Marlene K.
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Re: Intoleranz und Uneinigkeit der "Gemeinschaft"

Post 114 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Cookie hat geschrieben: Fr 1. Mär 2019, 10:38 Ich bin von Anfang an auf Sternchens Seite gewesen.
Aber wir drehen uns hier seit acht Seiten im Kreis und daran wird sich auch nichts ändern.
Ich denke, kein Mensch steht gegen Sternchen. Es gibt unterschiedlich Ansätze.
Marlene

Ich halte es mit Karl Popper im 1945 formulierten Toleranz-Paradoxon https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz-Paradoxon

Ich bin (nur) intolerant gegenüber der Intoleranz.
Jaddy
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Re: Intoleranz und Uneinigkeit der "Gemeinschaft"

Post 115 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Danke Céline und Sternchen. Diese Diskussion, was bezahlt wird und was nicht setzt meiner Ansicht nach an der falschen Stelle an, wenn dabei stillschweigend vorausgesetzt wird, es gäbe nicht genug für alle. Das wird uns seit 40 Jahren zunehmend eingeredet, ist aber mit Blick auf den großen Rahmen mehrfach falsch.

Falsch ist, dass Massen von Menschen "die Kassen" auf Kosten anderer ausplündern würden. Selbst mit doppelt so hohen Fallzahlen wären die Summen gegenüber anderen Aufwendungen im Gesundheitssystem - der Vergleich mit Risikosportarten und ungesunder Lebensweise - gering(1).

Falsch ist, nur die direkten Ausgaben der Kassen zu betrachten. Die gesellschaftlichen Gesamtkosten durch die psychische Beeinträchtigung und folgende Sozialleistungen nicht nur für direkt betroffene, sondern auch für Angehörige und Umfeld müssten da mit rein.

Falsch ist auch die Vernachlässigung der Prävention und frühzeitig rechtzeitigen Behandlung.

Die Mangeldenke wurde im Zuge des Neoliberalismus Anfang der 1980er Jahre so richtig in das Gesundheitssystem eingeführt. Die gesetzlichen KV wurden in ihren Möglichkeiten so eingehegt, dass die privaten überhaupt konkurrenzfähig werden konnten. Etwas später begann die Privatisierungswelle der Krankenhäuser, dann kamen die Fallpauschalen und die Quartalsbudgets für Ärzt_innen.

Wir wurden an Minimalversorgung gewöhnt und dass ausgerechnet jene, die aufgrund von körperlichen oder seelischen Problemen nicht voll für die Gesamtwirtschaft Mehrwert erwirtschaftend leistungsfähig sind, für ihre Bedarfe selbst zahlen sollen: Körperbehinderungen, Unfälle, psychische Leiden, Pflege, ... Das System wurde optimiert für die Gewinnabsichten privater Investoren, politisch begründet mit Verbesserung durch Wettbewerb unter privatisierten Unternehmen. Dass es ein Wettbewerb der Gewinnerzielung ist, aber die Kunden gar keine direkte Entscheidung treffen können, weil KK-Wahl und Eintrittsfall nicht zusammenhängen und die Leistungen gesetzlich strikt geregelt sind, sind nur die herausragendsten Schwachpunkte speziell des Gesundheitssytems.

Die Gesetzgebung hat übrigens einen tollen Regler für die verfügbaren Mittel der KV, den Gesundheitsfond. In den vergangenen 5 Jahren hat der Bund 14,5 Mia€ pro Jahr an die KK gezahlt. Mit nur ein bisschen mehr könnten flächendeckend Psychotherapie, Zahnersatz, neue Brillen und jede Menge angleichende OPs bezahlt werden.

Die Einnahmeausfälle durch Steuerbetrug im großen Stil belaufen sich auf ein mehrfaches davon und diese Beträge fliessen im Gegensatz nicht wieder in unsere heimische Wirtschaft.

Also bitte rechnet nicht Bedarfe gegeneinander auf, sondern kritisiert das System der künstlichen Mangelwirtschaft.

---
(1) ca. 2000 Transitionen pro Jahr. Angenommene 50k€ pro Fall = 100 Mio€/Jahr. Schutzimpfungen: 1,1 Mia€, Schwangerschaften: 1,3 Mia€. D.h. Transitionen kosten so um 0,05% der gKV-Leistungen.
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Re: Intoleranz und Uneinigkeit der "Gemeinschaft"

Post 116 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2022-05-28 »

Céline hat geschrieben: Fr 1. Mär 2019, 08:17 Ich bin auch der Meinung das zumindest FFS in den Leistungskatalog aufgenommen werden sollten um in schlimmen Fällen den Leidensdruck zu vermindern.Natürlich kann man darüber diskutieren wo die Grenzen sind aber wir sind leider eine Minderheit und interessiert niemanden, im Gegenteil ich höre immer wieder gerade was Brustaufbau und Epilation betrifft "Frauen kriegen das ja auch nicht".Das wir einen zum Teil sehr großen Leidensdruck erleben wird nicht aktzeptiert geschweige denn verstanden.
Wer sagt denn, dass cis-Frauen diesbezüglich keinen Leidensdruck haben? Gleiches Recht für alle würde aber bedeuten, dass wir demnächst statt 18% mehr als 50% in die Krankenkasse zahlen müssten damit das System nicht zusammenbricht.

Ich kenne leider einige Fälle, wo Aussenstehende ein gutes Passing feststellen, die Person selbst aber im Spiegel einen Mann sieht. Das liegt dann nur daran, dass wir Klum und ko als Ideal im Fernsehen sehen und unser Unterbewusstsein uns einen Streich spielt. Es ist nicht objektiv wenn wir in den Spiegel schauen sondern hat eben Klum als Soll und den früheren Kerl als Ist im Gedächtnis.

Da helfen dann OpË‹s nur bedingt. Es gibt genug Beispiele von Cis Menschen, die mit hunderten OpË‹s irgendeinem Ideal nacheifern. Sollte das die Kasse zahlen wäre unser System Bankrott. Also OpË‹s nur wo sie nötig sind und andere Massnahmen nicht helfen.

Leider gibt es einige, die nur ihre Wünsche im Blick haben und nicht das Ganze,

Das ganze Thema kann man nun noch beliebig ausbreiten. Wer stellt den Leidensdruck fest, wie hoch muss er sein um was zu bewilligen? Manche Menschen haben vielleicht auch einen sehr hohen Leidensdruck, weil sie sich keinen Urlaub leisten können, soll der dann auf Staatskosten finanziert werden? ( Ich bin selbständig, hatte diverse Zahlungsausfälle meiner Kunden zu verkraften und war daher zuletzt vor 10 Jahren im Urlaub. )

Es bleibt also nur die Lösung: Eine unabhängigen Person ( Psychiater oder Therapeut ) der den Leidensdruck und die Folgen einschätzt und den richtigen Weg mehr oder weniger vorgibt.

LG Chrissie
Das Leben ist zu kurz um sich zu verleugnen.
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Re: Intoleranz und Uneinigkeit der "Gemeinschaft"

Post 117 im Thema

Beitrag von dunkles_sternchen »

Ja, gut, aber wenn es letztlich auch wieder nur eine rein ökonomischen Entscheidung ist, muss auch grundsätzlich in Frage gestellt werden, wer einen Stent oder ein Spenderherz bekommt. Ich finde, dass Menschen, die ein Leben lang gesund gelebt und Sport getrieben haben, eher ein Anrecht auf diese Leistungen haben, als jene, die sich um ihre Gesundheit nicht kümmern und sämtliche Empfehlungen bezüglich Ernährung und Bewegung ignorieren.

Wer soll sowas entscheiden? Ich finde das an der Stelle grundsätzlich fragwürdig. Wie ich sagte muss ein Gutachter entscheiden, was einer TS an Behandlung zugestanden wird. Oder vielleicht auch zwei Gutachter. Wenn die übereinstimmend der Meinung sind, dass das Gesicht grundsätzlich sehr männlich erscheint, sollte man hier eine FFS genehmigen. Hierzu muss ich klar sagen, dass sich die Schädel von Männer und Frauen deutlich unterscheiden. Leider ist es auch so, dass unsere Gesellschaft feminine Eigenschaften an Männern (Transmänner) eher als attraktiv wahrnehmen, maskuline Dinge an Frauen jedoch eher als abstoßend.

Transmänner sind in der Regel durch die Bank höchst attraktiv als Mann - bei Transfrauen sind das nur wenige Prozente. Überraschend ist auch, dass vielen Transfrauen im höheren Alter ihrer sexuellen Orientierung treu bleiben und eben nicht heterosexuell sind. Für jene aber, die es sind, entsteht da ein weit höherer gesellschaftlicher Druck. Das wird mir einfach zu oft vergessen. Natürlich stehen wir Frauen dann auch in Konkurrenz zu anderen Frauen und suchen einen Partner. Und Männer suchen in der Regel natürlich auch Frauen, die ihnen irgendwo gefallen. Das ist unsere Biologie und Natürlichkeit und ich finde es nicht okay, dass man solche Dinge in diesem Kontext stillschweigend vergisst.

Es ist ja alles gut und schön, wenn viele vor ihrer Transition geheiratet haben und dann irgendwo danach ihre Identität finden und die Familie im Idealfall mitgeht. Nur darf man nicht die vergessen, denen es aufgrund ihrer TS gar nicht möglich war eine Familie zu gründen und die dann 40+ einen Partner suchen - postOP und mit ggf. zweifelhaften Passing. Was steht denn diesen Menschen bevor? Einsamkeit ... ?!
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Re: Intoleranz und Uneinigkeit der "Gemeinschaft"

Post 118 im Thema

Beitrag von dunkles_sternchen »

Und bezugnehmend auf meinen Post oben: Welche Transfrau hier ist denn heterosexuell und hat einen Partner?
Cybill
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Re: Intoleranz und Uneinigkeit der "Gemeinschaft"

Post 119 im Thema

Beitrag von Cybill »

dunkles_sternchen hat geschrieben: Sa 2. Mär 2019, 02:03 Und bezugnehmend auf meinen Post oben: Welche Transfrau hier ist denn heterosexuell und hat einen Partner?
Ich denke nicht dass, diese Frage irgendwie zu dieser Diskussion beiträgt, es sei denn als überflüssige Provokation.

Gehen Sie weiter, es gibt nichts zu sehen! (poli)

Cybill
Scio quid nolo! - Ich weiß was ich nicht will!

Im Übrigen: Ich bin nicht hauptberuflich transsexuell!
Marlene K.
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Re: Intoleranz und Uneinigkeit der "Gemeinschaft"

Post 120 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

dunkles_sternchen hat geschrieben: Sa 2. Mär 2019, 02:01 Es ist ja alles gut und schön, wenn viele vor ihrer Transition geheiratet haben und dann irgendwo danach ihre Identität finden und die Familie im Idealfall mitgeht. Nur darf man nicht die vergessen, denen es aufgrund ihrer TS gar nicht möglich war eine Familie zu gründen und die dann 40+ einen Partner suchen - postOP und mit ggf. zweifelhaften Passing. Was steht denn diesen Menschen bevor? Einsamkeit ... ?!
Also ich bestehe jetzt darauf, dass die Gesellschaft eine Lösung dafür findet, dass ich als Mann schwul war. Weil ich keine Frau wissentlich benutzen wollte, habe ich jetzt keine von mir erträumte Familie. Als männerliende Trans*Frau lehnen mich Schwule als zu weiblich ab, Heterosexuelle sehen in mir den biologischen Mann, Transsexuelle lehnen mich als das falsche Geschlecht begehrend ab. Für all diese Verletzungen möchte ich bitte eine Lösung.

Es gibt Probleme, die sind sehr schmerzhaft und real. Bei aller Ironie in der obigen Aufzählung geht der Scherz auf meine Kosten. Alles das, was ich oben gesagt habe, tut mir weh. Ich bin 183cm groß und trage Herrengröße 56 in Jacken und 52 in Hosen. Mein Passing ist also nur begrenzt möglich.

Jetzt kann ich fordern, dass die Gesellschaft alle diese Widersprüche für mich löst. Das ist schlicht eine falsche Forderung, da es Wunder fordern würde.
Oder ich kann die Realität anerkennen, ohne eine operative Lösung für mich zu fordern. Natürlich wäre ich gerne eine schlanke Frau mit langen Beinen. Welche Frau wäre dies nicht gerne. Nur ist die Frage, wie hoch wird das Schönheitsideal geschraubt. Es ist die Frage, wonach messe ich persönlich das Begehren, dass Mensch in mir auslöst und wie möchte ich, dass mich die Welt wahrnimmt.

Ist es mir wichtiger, als Person echt, ehrlich und authentisch zu wirken oder möchte ich einem quasi industriell vorgefertigten Schönheitsideal entsprechen... und wer löst in mir begehrliche Gefühle aus?

Meine Antwort auf diese Fragen kenne ich...
Marlene

Ich halte es mit Karl Popper im 1945 formulierten Toleranz-Paradoxon https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz-Paradoxon

Ich bin (nur) intolerant gegenüber der Intoleranz.
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