Laila-Sarah hat geschrieben: Fr 22. Feb 2019, 13:30
Hallo ihr Lieben,
Ich möchte ein Paar Meinungen von euch hören.
Das Crossdressen ist ja zumindest in den Anfängen eine Geheimtätigkeit was fast Agentenniveau hat. Erst kommt das super Heimliche hinter geschlossenen Türen und dann die undercover Schleichfahrten in der Stadt und die super geheimen Raubzüge im Shoppingbereich. Ich weiß, dass viele von uns sehr gerne einsame Wölfin sind und es auch bleiben wollen, wenn es um das CDen geht. Ich hingegen finde das alleine Herumlaufen und Shoppen nach einer anfänglichen Lust mittlerweile etwas ziellos. Ich würde mich nach der Motivation der Wölfinnen oder Rudeltiere erkundigen.
Wollt ihr lieber alleine losziehen ?
Oder in Gesellschaft anderer CDs/TSs eure Zeit verbringen ?
oder
Wollt ihr als CD/TS mit ganz normalen Menschen zusammen sein (Total integration) ?
Und immer dazu: Was empfindet ihr dabei ?
Also eine Diskussionsrunde wo jede mal ihren Senf dazugeben kann oder auch nicht.
VlG
Hi liebe Laila-Sarah, hallo Community!
Hab erst jetzt Zeit gefunden auch noch meine 5Cent beizusteuern ... oder auch mehr
Ich hatte ja das Glück von Anfang an bei meiner "Besseren Hälfte" geoutet zu sein, was mir die Gelegenheit bot, sie zu gemeinsamen ersten Ausflügen als zwei Mädels zu "verführen". Denn vorher war ich - wie Laila schon schrieb -, auch die einsame Wölfin, die die Outdoor-Exkursionen allein und im Dunkeln erforschte, immer auf der Hut möglichst keinen Bekannten oder Freunden über den Weg zu laufen. Mit mehr Erfahrung wuchs auch die Selbstsicherheit als PTL und ich wurde immer mutiger, begab mich auch mal in abends noch belebte Fußgängerzonen, bummelte an Schaufenstern vorbei, was übrigens eine gute Übung ist sich selbst unauffällig zu beobachten und durch die Spiegelungen die Reaktionen anderer auf die TZ-Dame einzuschätzen.
Wie gesagt, irgendwann wollte ich doch gerne mit meiner Holden zusammen etwas unternehmen. Da wir beide durch unserer Jobs damals sehr "bekannte Vögel" schon im "normalen Modus" waren, verstand ich ihr Zögern sehr gut und ihren Wunsch auf keinen Fall in der heimatlichen Kleinstadt das Experiment zu wagen. Die anonymen Großstädte sind dafür deutlich besser geeignet, wie wohl alle hier wissen. Etliche gute Erfahrungen folgten, bis auf einmal, wo wir BEIDE regelrecht "gestalkt" wurden von einem sehr aufdringlichen Sportwagenfahrer, als wir in unserem kleinen Cabrio im Ausgehviertel mitten in der City gerade unterwegs waren. Da lernt FRAU ganz schnell, wie es sich anfühlt, solch dreisten Annäherungsversuche im RL abzuwehren. Stärkt aber auch das Selbstbewusstsein, obwohl ich in der Rückschau sagen muss, ein Wunder, dass mir damals nicht das MakeUp verlaufen ist ...

Auch Polizeikontrollen gehören zu meinem Erfahrungsschatz. Nicht so lustig, aber die Beamten waren sehr höflich.
Die nächsten Schritte waren die Suche nach Gleichgesinnten und CD-WeggefährtInnen. Ich hatte auch Kontakt zu verschieden TG / TI Menschen, meist in der männlichen Rolle (Recherchearbeiten), musste auch leider die schon von Nicole erwähnten teils negativen Erfahrungen machen, dass dort in der "Szene" es zwar viel nette Menschen gibt, aber mehrheitlich eher CD / PTL als halbgare Wesen negativ konnotiert sind, oder belächelt werden, als jemand, der / die nur noch nicht begriffen habe, dass sie ja eigentlich auf dem Weg zur Transidentität sei. Diese Atmosphäre empfand ich stets als ausgrenzend, jedenfalls nicht der Platz an dem ich mich richtig wohlfühlen konnte. Hinzukommt, dass es in meiner Region so gut wie keine SHG / Stammtische überhaupt gibt.
Ist es schon schwer im RL auf TS-Menschen zu stoßen, ist die Wahrscheinlichkeit außerhalb solcher Foren wie diesem andere CD / PTL zu finden in der Tat fast gleich Null. Denn wie auch hier immer wieder zu lesen ist, sind viele weder zuhause, noch die wenigsten in ihrem Freundeskreis geoutet, oder leben die andere Seite offen und ohne ständige Diskriminierung selbstverständlich so aus. Davon sind wir wohl noch sehr weit weg in unserer durch-genderisierten Gesellschaft. Also bleiben eben viele die verborgenen PTL und leben ein fast schon an Aufspaltung der Persönlichkeit grenzendes zweites geheimes Leben ... auch die Mutigen unter uns, denn es ist nicht nur eine Frage der Courage, wenn man / Frau alle Konsequenzen einbezieht.
Ja, dann traf uns beiden Mädels, also meine Frau und mich eben jener Schicksalsschlag, der sie binnen kürzester Zeit in den Rollstuhl beförderte, mich zum fast 24/7 pflegenden Partner verwandelte ... die Frau in mir wurde eher zur professionellen Krankenschwester, als zum schillernder Paradisevogel mit weiteren Entwicklungsmöglichkeiten. Und daran hat sich leider bis heute nicht mehr Wesentliches geändert. Vielleicht kann sie die eine oder andere vorstellen, wie schwer es jetzt ist, auch noch für Ronda genug Raum und Zeit abzuzwacken, geschweige denn, als Duo mit Rolli in der Öffentlichkeit unterzutauchen. Ein Ding der Unmöglichkeit, die Leute starren einen ja schon deshalb an ...
So bleibt mir derzeit nur der Taum von einer Zeit, in der unsere Situation mal wieder mehr Freiräume zulässt, um meinen ganz eigenen Weg wieder aufzunehmen. Bis dahin versuche ich meine weibliche Seite so gut es geht in den männlichen Alltag zu integriern, bin da auch was den Bruch mit modischen Konventioen angeht ziemlich mutig, was mir auch des öfteren von BioMädels im Freundeskreis bestätigt wird. Das sind Momente des kleinen Glücks, weil du spürst, dass es eben doch möglich ist, diese Welt wenn auch in kleinen Schritten zu verändern.
In diesem Sinne, "never give up without a fight"!
Viele liebe Grüße
Ronda
