Trans als Modeerscheinung bei Jugendlichen?
Trans als Modeerscheinung bei Jugendlichen? - # 2

zu den Themen Crossdressing, Transgender, Transident...
Andrea K
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Re: Trans als Modeerscheinung bei Jugendlichen?

Post 16 im Thema

Beitrag von Andrea K »

Nicole Doll hat geschrieben: Do 24. Jan 2019, 13:28 Du sprichst mir aus dem Herzen. Bei mir waren es Schule, Ausbildung und schließlich mein Beruf als Ingenieur.
Hallo Nicole,

in einigen Teilen Deines Betrages stimme ich mit DIr völlig überein. Dazu muss ich jetzt aber etwas weiter ausholen, warum ich mich anders als Du entschieden hätte.

Als Kleinkind mochte ich meinen 'Schnipsel' nicht, versteckte ihn zwischen den Beinen wenn ich nackt war. Das ist meine früheste Kindheitserinnerung. Und da kannte ich mit Sicherheit noch nicht den prägnantesten äußerlichen Unterschied zwischen Mädchen und Jungen. Ich war mit Abstand das jüngste Kind meiner Eltern, die ich als erzkatholisch und sehr konservativ beschreiben würde, dazu hatte ich zwei deutlich ältere Brüder. Ich war nicht so sehr das 'Nesthäkchen', wohl eher ein 'Betriebsunfall'. Auch Jahre später erzählten meine Eltern immer noch - auch in meinem Beisein - dass sie sich als drittes Kind (wenn schon denn schon) ein Mädchen gewünscht hätten. Lt. den späteren Erzählungen bezeichneten mich meine Brüder gern als 'Familienstörer', da kleine Kinder mehr Aufmerksamkeit erfordern und manchmal auch wirklich nervig und penetrant sein können. So richtig geliebt und gemochte fühlte ich mich damals schon nicht. Im wahrsten Sinne des Wortes war ich das fünfte Rad am Wagen.

Vor der Pubertät verbrachte ich die Sommerferien (damals noch Volksschule, heute Grundschule) bei meiner Oma. Sie war es, die mir eine der damals gerade auf den Markt gekommenen Feinstrumpfhosen spendierte. Ich war fasziniert von diesem wundervollen Kleidungsstück, kannte es nur aus der damaligen Fernsehwerbung (Nur Die?). Natürlich hatte ich längst schon in Mutters Schrank gestöbert und Hüfthalter und Nylonstrümpfe anprobiert und mich dabei auf unerklärliche Weise sehr gut gefühlt. In der Zeit der Pubertät brach 'es' voll aus. Im Kellerraum der Mieterin hatte ich einen großen Karton mit Damenober- und -unterbekleidung entdeckt. Ich bediente mich immer wieder daraus, verwandelte mich abends in ein Mädchen. Da ich damals ein Zimmer im Souterrain hatte war es ein leichtes Unterfangen. Im Kellerflur stand ein großer Garderobenspiegel in dem ich mich immer wieder betrachtete. Sexuelle Erregung war nicht der Hauptgrund, aber natürlich spielte sie mit hinein. Gelegentlich befriedigte ich mich bei meinem Anblick selbst um das ungeliebte Geschlechtsteil wieder 'klein zu kriegen', behielt danach die weibliche Bekleidung aber an, war allein glücklich mit mir in meinem gemütlichen Zimmer oder ging spät abends noch spazieren oder fuhr als Mädel mit meinem Mofa herum. Trotz des immer wiederkehrenden schlechten Gewissens etwas falsches zu tun war es für mich eine schöne Zeit.

Bei dem Wissen von heute und natürlich den medizinischen Möglichkeiten hätte ich Himmel und Erde in Bewegung gesetzt um ein 'richtiges' Mädchen zu werden. Ich habe mein 'Mann-Sein' nie akzeptiert, war und bin immer noch unglücklich mit meinem biologischen Geschlecht. Aber damals sich offenbaren? Das war in meinen Augen unmöglich. Ich wäre das Gespött des ganzen Ortes geworden und man hätte mich vermutlich in eine Nervenheilanstalt eingewiesen um mich auf den 'rechten Pfad' zurückzubringen. Weder Wissenschaft noch Gesellschaft waren bereit für eine Transition wie sie heute möglich ist. Ich kann mich daran erinnern, dass damals nur die Möglichkeit bestand sich in Casablanca 'zur Frau operieren' lassen konnte. Es sollte 10.000 DM kosten. Woher sollte ich das Geld für Reise und Operation nehmen? Ein Ding der Unmöglichkeit.

An uns zwei beiden kann man sehr schön feststellen, das wir recht ähnliche Biografien haben, aber uns unterschiedlich entschieden hätten. Das ist einfach so und sollte man akzeptieren können.
Ich wäre als Frau bestimmt glücklich geworden und hätte ein erfülltes Leben gehabt, aber ich verstehe auch, dass man sehr vorsichtig damit sein muss einen unumkehrbaren Weg einzuschlagen.

Eben noch einmal Google befragt und einen Artikel aus dem Jahr 1966 gefunden - nicht uninteressant um die Sicht auf die damalige Zeit zu schärfen. Ob ich ihn damals gelesen habe weiß ich nicht mehr, allerdings hatte mein Vater den Spiegel abonniert und ich blätterte regelmäßig darin, verstand aber nicht viel von dem was da geschrieben wurde.

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46414609.html

A.
Nicole Fritz
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Re: Trans als Modeerscheinung bei Jugendlichen?

Post 17 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

Hallo Andrea,

danke für den Link zu dem Artikel. Ich wäre damals als Junge oder junger Mann gar nicht auf die Idee gekommen so etwas zu lesen. Das war einfach nur abartig oder pervers. Und den 'Spiegel' hätte ich mir am Kiosk holen müssen. Mein Vater las 'NRZ' und 'Vorwärts' (als SPD-Genosse).

Und entschieden hätten wir uns wohl gleich, wenn uns eine vollständige Transition irgendwie zur Wahl gestanden hätte. Nur ich bezweifle aus heutiger Sicht, ob ich als Frau glücklich geworden wäre. Ich befürchte, ich hätte mich dann in die Rolle als Frau hinein gedrängt gefühlt. So hätte es mich vielleicht wieder fertig gemacht nun als Frau "funktionieren" zu müssen. Und das "Ding" wäre weg gewesen.

Heute hasse ich meine alte Rolle als Mann und weiß, dass ich, vielleicht auch wegen meines langen Lebens als Mann, mental nicht vollständig eine Frau bin. Damit stehe ich irgendwo dazwischen. Öffentlich trete ich jetzt als Frau in Erscheinung, und für mich privat lebe ich so etwas wie einen Mann in Frauenkleidern aus - ungeschminkt mit Stoppelbart, und habe kein Problem damit biologisch ein Mann zu sein. Also sehe ich bei HT und OP vor allem Risiken und Nebenwirkungen.

LG Nicole
Michi
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Re: Trans als Modeerscheinung bei Jugendlichen?

Post 18 im Thema

Beitrag von Michi »

Andrea K hat geschrieben: Do 24. Jan 2019, 12:07 Ich möchte mich an dieser Diskussion nicht weiter beteiligen,
Hallo Andrea,

und doch hast du es getan, hast, ganz im Gegenteil denen recht viel Munition geliefert, die Trans* als nicht normal, sondern als krank, als Modeerscheinung, als Ausdruck der Spaßgesellschaft oder ähnliches ansehen und verachten, und die diese Menschen lieber pathologisieren wollen, weil sie auf die eine oder andere Weise aus dem simplifizierten Weltbild herausfallen, sich gar erdreisten, so leben zu wollen, wie sie sich fühlen.
Andrea K hat geschrieben: Do 24. Jan 2019, 12:07 Nur eine Information einer Beauftragten für die Gleichstellung von Lesben, Schwulen, Bi-, Trans* und Inter*sexuelle (LSBTI*) einer Großstadt in NRW hat mich nachdenklich gemacht. Sie - ein sehr gut vernetzter Mensch - wundert sich über das plötzlich deutlich häufiger auftretende 'Trans-sein' von jungen Menschen.

[...] Je mehr Belastung um so mehr flüchtete ich mich im stillen Kämmerlein in die Frauenrolle. [...]

Kindheit und Jugend sind heute deutlich anstrengender und fordernder als vor 50 Jahren. Ich glaube das werden viele bejahen können. Vielleicht ist es die Flucht aus dieser scheinbar auswegloser Situation. Was ich natürlich bestens nachfühlen kann ist der Wechsel von Junge zu Mädchen. Als Mädchen muss man sich seinen Platz in der Hierarchie z.B. in der Schule oder Clique nicht mühsam erkämpfen, im allgemeinen geht alles viel friedlicher zu. Man kann mit seiner besten Freundin kuscheln oder in aller Öffentlichkeit Händchen halten ohne gleich in eine bestimmte Schublade gesteckt zu werden. Eltern betüddeln ein Mädchen immer mehr als einen Jungen, ein Mädchen kann viel mehr mit ihrem äußeren Erscheinungsbild experimentieren. Und umgekehrt - ein Mädchen zu Junge? Dazu kann ich nicht viel schreiben weil ich mich einfach nicht in eine solche Situation hineinsetzen kann.
Du stellst das hier als Flucht vor der Realität des anstrengenden und fordernden Lebens dar, und vermittelst insbesondere Außenstehenden damit den Eindruck, dass es eher ein Zeichen von Schwäche sei, sich quasi in das weibliche Geschlecht zu flüchten.

Tatsächlich ist es eher so, dass man nicht dauerhaft den Anschein aufrecht erhalten kann, ein tadelloses Schaf in der binären Herde zu sein. Sich zu verstellen kostet sehr viel Kraft. Man braucht immer wieder Erholungspausen. Und irgendwann, besonders um so höher der Unterschied zwischen dem Fühlen und dem "Darstellen-Müssen" nach außen wird, ist man einfach am Ende seiner Leistungsfähigkeit angekommen und nicht mehr bereit, die Fassade weiter aufrecht zu erhalten.

Dass es heutzutage scheinbar so viel mehr als früher von uns gibt, und auch dass so viele Jugendliche betroffen sind, hat einen einfachen Grund. Es gibt heute sooo viel mehr Informationen zum Thema Trans*, und man kommt nicht nur viel leichter an diese heran, sondern wird damit, ob gewollt oder nicht, auch öfter konfrontiert.

Das bestärkt natürlich die Betroffenen, viel eher über ihre Besonderheit zu sprechen.


Liebe Grüße
Michi
Wenn dir jemand auf den Fuß tritt, schreist du "Aua" und erwartest eine Entschuldigung.
Mir treten andere dauernd auf die Füße und erwarten, dass ich mich dafür entschuldige, dass es mir weh tut.
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Re: Trans als Modeerscheinung bei Jugendlichen?

Post 19 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Andrea K hat geschrieben: Do 24. Jan 2019, 12:07Nur eine Information einer Beauftragten für die Gleichstellung von Lesben, Schwulen, Bi-, Trans* und Inter*sexuelle (LSBTI*) einer Großstadt in NRW hat mich nachdenklich gemacht. Sie - ein sehr gut vernetzter Mensch - wundert sich über das plötzlich deutlich häufiger auftretende 'Trans-sein' von jungen Menschen.
Dazu möchte ich auf die Reaktion von Julia Serano auf das Original-Papier verweisen, insbesondere die Passage zur angeblichen sozialen Ansteckung.
Julia Serano hat geschrieben:Wenn Sie zufällig zu den Menschen gehören, die sich über das scheinbar plötzliche Auftreten von Transgender-Kindern Sorgen machen, sollte Ihnen die folgende Grafik wirklich ausflippen: (siehe Grafik unten)
Während des zwanzigsten Jahrhunderts stieg die Linkshändigkeit in vielen westlichen Ländern stark an. In Australien stieg beispielsweise die Prävalenz von Linkshändern von 2,0 Prozent auf satte 13,2 Prozent! Anscheinend zog eine soziale Ansteckung durch diese Nationen, und plötzlich verspürten Kinder den Druck, unter Gleichaltrigen mit der Händigkeit zu experimentieren und linkshändige Identitäten zu übernehmen. Dann begannen die linkshändigen Abweichler, ihre "Linkshänder-Agenda" zu drängen, um zu rekrutieren. . . Oh, warte, sorry, das ist überhaupt nicht passiert.

Tatsächlich ist die Linkshändigkeit (wie Transgender) ein Teil der menschlichen Variation - beide sind kulturhistorische transhistorische Phänomene . Bei Linkshänder drücken etwa 10 bis 12 Prozent der Kinder diese Tendenz schon im Säuglingsalter unerklärlicherweise aus. Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts gab es ein intensives Stigma, das auf Linkshändigkeit abzielte, was dazu führte, dass Eltern und Schulen alle Kinder dazu zwangen, Rechtshänder zu sein, oft gegen ihre intrinsischen Vorlieben (dies ist an vielen Stellen noch immer der Fall). Aber schließlich erkannte man, dass dieses Stigma unnötig und unfair war, und die Menschen ließen die Kinder entscheiden, welche Hände sie benutzen sollten. Mit anderen Worten, die Linkshändigkeit ist weniger gestiegen als die Akzeptanz der Linkshänder.

Zugegeben, es ist keine perfekte Analogie. Zunächst einmal bezweifle ich stark, dass 10 bis 12 Prozent der Bevölkerung dazu neigen, Transgender zu sein! Es scheint auch, dass Kinder, die frühe Linkshänder-Tendenzen zeigen, häufig darin trainiert werden können, ihre rechte Hand zu gebrauchen (vielleicht sogar zu bevorzugen), ohne überwältigende Dysphorie zu erleben. (Im Gegensatz dazu wissen wir aus den unzähligen Trans-Erzählungen, auf die ich zuvor anspielte, dasselbe gilt nicht für viele Trans-Menschen, die gezwungen sind, ein unerwünschtes Geschlecht anzunehmen.) Trotz dieser Unterschiede gilt diese Parallele in folgendem Sinne: Sie müssen keine halbherzigen Theorien zusammenstellen, um das mysteriöse Aussehen von Transgender-Kindern zu erklären. Alles, was Sie tun müssen, ist zu erkennen, dass wir immer existiert haben. Es ist nur so, dass wir durch Stigma, Bestrafung und Ausgrenzung lange Zeit unsichtbar wurden.
(Übersetzung durch Google)

Externes Bild, es gelten die Datenschutz- und Nutzungsbestimmungen der ausgewählten Seite.Quelle: https://cdn-images-1.medium.com/max/160 ... ZJGPHQ.png


Und auch Häufigkeitszahlen sind nicht so simpel, so wie man bei jeder Statistik die Methoden und Quellen hinterfragen muss, gerade in den Sozialwissenschaften:
Julia Serano hat geschrieben:Part of the reason why those previous studies so greatly underestimated the trans population is that they were not counting trans people per se, but rather the number of people diagnosed with Transsexualism/GID from one of the few Gender Identity Clinics that existed at the time. Very few trans people could financially afford or logistically access these clinics, and those who did found that there were strict criteria one had to meet in order to obtain that diagnosis.
Das heisst: Aus diesen Jahren kennen wir nur die Zahlen derjenigen, die damit "klinisch bekannt" wurden. Ich nenne dies den Krafft-Ebing-Irrtum. Krafft-Ebing hat die Psychopatia Sexualis geschrieben, einen deskriptiven Katalog dessen, was zu seiner Zeit als geisteskrank galt. Nur: Der Mensch war Gerichtsmediziner. Er sah nur die fatalen Fälle, nicht aber die unproblematschen, unauffälligen, die nie aktenkundig werden. Aus dieser Perspektive endeten BDSM-Praktiken und homosexuelle Liebe praktisch immer tödlich. Nach dem gleichen Schema müsste jede Unfallstation konstatieren, dass Hausarbeit und Strassenverkehr absolut tödliche Angelegenheiten sind.

Diese perspektivische Verzerrung hat sich lange gehalten, und in dieser pseudowissenschaftlichen Studie zu "ROGD", die ja schon allein wegen der Datenquellen völlig unseriös ist, tauchen sehr viele dieser methodischen Fehler aus der Vergangenheit wieder auf.
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
Lavendellöwin
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Re: Trans als Modeerscheinung bei Jugendlichen?

Post 20 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

Genau Michi!

Viel mehr kann ich da fast nicht dazu sagen!

Nur eines, was ich bestimmt nicht bin, ist krank sein.
Vielleicht per Definition, aber nicht tatsächlich..
überall wo ich bisher war, wurde mir mit Offenheit und
Verständnis begegnet und von keinem Psychologen oder
Arzt jemals vermittelt, das ich krank wäre!
Aber schön, man ist das wie man sich fühlt!

Man kann über Risiken und Nebenwirkungen von der
HRT oder auch der OP diskutieren, aber auch im
Hinterkopf behalten, das schon ein normales
Schmerzmittel immense Folgen für den Organismus
haben kann.
Ich bin eine Frau mit einem kleinen Fehler zwischen den
Beinen und ich nehme mir das Recht herraus der Natur
einen kleinen Schubs zu geben.
Oder wahlweise den Rest meines Lebens unglücklich
in einer Ecke zu hängen.

Liebe Nicole,
ich verstehe dein Prinzip, und habe vollstes Verständnis
für eine non-binäre Lebensweise, weil ich das selbst
jahrelang versucht habe, Befreiung bedeutete das
nicht für mich. Ganz im Gegenteil dieses sitzen
zwischen den Stühlen war genauso unsinnig für mich
wie die männliche Rolle!
Schlusspunkt.
Ich bin was ich bin und stehe dazu und im härtesten
Fall würde ich mein Leben opfern.

Wie es schon in einem Song von New Model Army
heisst "never going back to the bad old world"

@Jaddy-sehr spannend Linkshänderin bin ich
nämlich auch und proud to be.

Alles Liebe Marie (flo)
Fang an. Schritt für Schritt. Denn Mut wächst im Tun. Jeder kleine Schritt zählt – auch der unperfekte.
Andrea K
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Re: Trans als Modeerscheinung bei Jugendlichen?

Post 21 im Thema

Beitrag von Andrea K »

Hallo Michi,
MichiWell hat geschrieben: Do 24. Jan 2019, 20:47
Andrea K hat geschrieben: Do 24. Jan 2019, 12:07 Ich möchte mich an dieser Diskussion nicht weiter beteiligen,
...und doch hast du es getan, hast, ganz im Gegenteil denen recht viel Munition geliefert, die Trans* als nicht normal, sondern als krank, als Modeerscheinung, als Ausdruck der Spaßgesellschaft oder ähnliches...
Falsch - Fakt ist, es ist die Aussage einer Beauftragten für die Gleichstellung von Lesben, Schwulen, Bi-, Trans* und Inter*sexuelle (LSBTI*). Ergänzt habe ich dies durch eigenes Empfinden und eigene Erfahrungen.
[...] Je mehr Belastung um so mehr flüchtete ich mich im stillen Kämmerlein in die Frauenrolle. [...]
So war es bei mir nun einmal - soll ich lügen damit es mit dem Weltbild oder der Meinung anderer Menschen übereinstimmt?
Du stellst das hier als Flucht vor der Realität des anstrengenden und fordernden Lebens dar, und vermittelst insbesondere Außenstehenden damit den Eindruck, dass es eher ein Zeichen von Schwäche sei, sich quasi in das weibliche Geschlecht zu flüchten.
Das liest Du vielleicht aus meinen Zeilen heraus. Ist aber ebenfalls falsch. Ich habe lediglich mein persönliches Empfinden wiedergegeben, meine persönlichen Erfahrungen die ich gemacht habe sowie später im Zusammenleben mit unseren Kindern.
Tatsächlich ist es eher so, dass man nicht dauerhaft den Anschein aufrecht erhalten kann, ein tadelloses Schaf in der binären Herde zu sein. Sich zu verstellen kostet sehr viel Kraft...
Da stimme ich völlig mit Dir überein. Das braucht soviel Kraft bis man zusammenbricht - auch eine persönliche Erfahrung.
Dass es heutzutage scheinbar so viel mehr als früher von uns gibt, und auch dass so viele Jugendliche betroffen sind, hat einen einfachen Grund.
Ist das jetzt eine Vermutung von Dir oder hast Du dafür verlässliche Quellen?
Es gibt heute sooo viel mehr Informationen zum Thema Trans*, und man kommt nicht nur viel leichter an diese heran, ...
Bis hierhin stimme ich Dir uneingeschränkt zu. Den ersten Begriff den ich zu dieser Thematik in meiner Jugend hörte war 'Transvestit' - erklärt wurde dieses Wort mit: 'Neigung die Kleidung des anderen Geschlechts zu tragen.' Dafür war ich mit dem Rad in die nächste Kreisstadt gefahren, da die örtliche Bücherei nicht über den Großen Brockhaus verfügte. Das war sehr frustrierend für mich. Dank Internet stehen uns heute Informationen zur Verfügung, von denen man vor 20 Jahren nicht einmal zu träumen wagte. Und das ist gut so!
Das bestärkt natürlich die Betroffenen, viel eher über ihre Besonderheit zu sprechen.
Das könnte durchaus sein. Die Informationsbeschaffung durch das Internet, die immensen Fortschritte in Wissenschaft und Medizin in den letzten Jahrzehnten haben auch auf diesem speziellen Gebiet zu völlig neuen Sichtweisen geführt. Und auch das ist gut so!

Ich wünsche Dir einen schönen Abend.

Grüße
A.
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Re: Trans als Modeerscheinung bei Jugendlichen?

Post 22 im Thema

Beitrag von Whoopy Highfly »

Heißt das, dass ich als umerzogene Linkshänderin auch davon betroffen bin?

Schreiben mit rechts, alles andere mit links, bzw. beidhändig.

LG
Steffi
Bin auf dem Weg. Bitte sucht mich nicht.
Melde mich demnächst wieder.

Bye
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Re: Trans als Modeerscheinung bei Jugendlichen?

Post 23 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

Steffi1000 hat geschrieben: Do 24. Jan 2019, 21:45 Heißt das, dass ich als umerzogene Linkshänderin auch davon betroffen bin?

Schreiben mit rechts, alles andere mit links, bzw. beidhändig.

LG
Steffi
Betroffen?
Betroffen von was bitte? Entweder man ist
Linkshänderin oder eben nicht!
Oder beidhändig, oder rechts..

Nichts davon ist schlimm und schon gar kein Grund
ein Stigma deshalb aufzubauen-ich weiss, das das
getan wurde, aber nicht weil linkshändige Menschen
falsch lagen, sondern eine Norm erzeugt werden sollte,
die aber natürliche Begebenheiten nicht abbildet..

Alles Liebe Marie (flo)
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Re: Trans als Modeerscheinung bei Jugendlichen?

Post 24 im Thema

Beitrag von Whoopy Highfly »

Hallo Marie,

Alles was du sagst ist richtig.
Vielleicht habe ich mich falsch ausgedrückt.
Manchmal weiß ich selbst nicht, wo ich hingehöre.

Steffi
Bin auf dem Weg. Bitte sucht mich nicht.
Melde mich demnächst wieder.

Bye
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Re: Trans als Modeerscheinung bei Jugendlichen?

Post 25 im Thema

Beitrag von Christiane04 »

Artikel im Spiegel Heft 4/ 2019

Guten Morgen,

Wer Lust hat sich nochmal eine gedruckte Recherche zu dem Thema rein zu ziehen, dem sei der Spiegel empfohlen. Kern ist wieder ein Interview mit Korte.....gespickt mit Informationen. Im Anschluss folgt ein Artikel über Antonia, Transmann pubertär, und ihre Nöte.
Beide Artikel sind informativ, das Gespräch mit Korte hat meiner Meinung nach keine allzu negativen Beigeschmack. Seine Betonung auf Therapie folgt Diagnose und dass das er sich das durchaus schwer macht, finde ich gut und richtig. Seine Bemerkung , dass statistisch die Möglichkeit für 4 Transjugendliche in einem kleinen Dorf zumindest verwunderlich sei ist sicher interessant u kritischer Beobachtung wert, Therapie folgt Diagnose!

Nur zur Info
Christiane
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Re: Trans als Modeerscheinung bei Jugendlichen?

Post 26 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

von der dgti gibt es eine ausführliche Stellungnahme. Ich denke, das ist die richtige Art, sich mit den Artikeln und den Äußerungen von Herrn Korte auseinanderzusetzen.
Sobald es offiziell ist, werde ich das Schreiben hier verlinken.

Gruß
Anne-Mette
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Re: Trans als Modeerscheinung bei Jugendlichen?

Post 27 im Thema

Beitrag von Violetta Arden »

Ich kenne Herrn Korte nicht - dürfte noch nicht bis uns nach Ö vorgedrungen sein. Modeerscheinung würde ich Trans nicht nennen. Es ist aber sicher einfacher als vor einigen Jahren, sich mit diesem Thema auch an die Öffentlichkeit zu wagen oder sich auch zu outen. Aber das muss ja trotzdem in einem selber drin sein - wenn es in meinem Fall nicht einfach ein Teil von mir wäre, dass ich mich gerne in eine Frau verwandle ,würde ich wohl trotzdem nie auf den Gedanken kommen, es einfach so zu tun, weil's eventuell Mode ist. Genauso wird sich wohl niemand aus Modeerscheinung im falschen Körper fühlen. Es ist nur wahrscheinlich einfacher geworden, dies auch nach aussen zu tragen.
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Re: Trans als Modeerscheinung bei Jugendlichen?

Post 28 im Thema

Beitrag von Michelle_Engelhardt »

Modeerscheinung? Aha :mrgreen:

Nur soviel.....mein Sohn (TS FzM) hatte sich an der neuen Schule geoutet....Was folgte war ein Umkleidebereich für ihn beim Sport, Zeugnisse werden auf den (noch nicht offiziellen Vornamen) ausgestellt und überhaupt wird er, lt. eigener Aussage, von Lehrern, Mitschülern und Schulleitung gefeiert...für seine Offenheit und seinen Mut, sein Leben so zu leben wie er es für richtig empfindet.

Ich denke unsere Gesellschaft ist stellenweise da schon deutlich weiter und sensibilisierter, als von einer Modeerscheinung zu sprechen.....musste mal gesagt werden.

Ein stolzer Papa

Michelle
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