Ich als Frau - Wer ist das eigentlich?
Ich als Frau - Wer ist das eigentlich? - # 3

Lebensplanung, Standorte
Cybill
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Re: Ich als Frau - Wer ist das eigentlich?

Post 31 im Thema

Beitrag von Cybill »

Ganz einfach: das bin ich. Wenn es auch ein bisschen länger dauert, dem gewünschten Bild nahe zu kommen, dann ist das eben so. Prinzipiell sehe ich nicht wie der grenzende virile Primat mehr aus. Selbst im Homme-Modus wirke ich eher androgyn.
Daher, die Frau - "als" darf gerne unter den Tisch fallen und sich zu den sonstigen männliche Attitüden gesellen - das bin ich.

- Cy
Scio quid nolo! - Ich weiß was ich nicht will!

Im Übrigen: Ich bin nicht hauptberuflich transsexuell!
Céline
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Re: Ich als Frau - Wer ist das eigentlich?

Post 32 im Thema

Beitrag von Céline »

Guten Morgen,
Marlin,das ist eigentlich genau der Weg den ich gegangen bin bzw.gehe.Ich habe früher sehr wenig Wert auf Kleidung außerhalb der Wohnung gelegt.Ich trug eigentlich zum größten Teil immer meine Arbeitsatzhosen weil ich mich immer irgendwie beschäftigte.
Als ich meinen Weg begann wurde die Kleidung androgyn ,ich ließ meine Haare wachsen und erst nachdem ich mich bei den Meisten geoutet hatte wurde meine Kleidung und das Erscheinungsbild feminiemer.Das schwierigste waren aber die Haare,wenn ich heut Bilder anschaue von meiner Übergangszeit muss ich selber schmunzeln aber das gehörte einfach dazu.
Für mich war diese Zeit aber auch wichtig da ich mich selbst als die Frau kennenlernte die schon immer in mir gefangen war.Es ist eben wichtig die Eigene richtige Geschwindigkeit zu finden.
"Sprache und Worte können mich nicht verletzten...nur der Mensch und seine Absicht dahinter"
C.B.
ExUserIn-2026-04-08
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Re: Ich als Frau - Wer ist das eigentlich?

Post 33 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Nicole Doll hat geschrieben: Di 16. Okt 2018, 14:12 wenn wir immer einfach wir selbst sein könnten ohne eine Rolle zu spielen
Ich verstehe nicht, was an Rollen per se schlecht sein soll. Sie erleichtern den Umgang miteinander.

Ich denke, es geht darum, dass man selber in einer Rolle nicht zum "Abziehbild" wird, sondern sich selber vertritt. Ich kann nicht den ganzen Tag immer das gleiche "Ich" sein. Wenn ich z.B. meine Dienststelle in einer Besprechung vertrete, bin ich z.B. in der Rolle "Mitglied einer Arbeitsgruppe, das ein bestimmtes Themenfeld vertritt". Ich kann aber trotzdem ich selber sein, wenn es z.B. um den Umgang mit anderen Mitgliedern der AG geht. So sehe ich als ein wesentliches Element meines Ichs an, kooperativ zu sein und die Interessen anderer immer im Blick zu haben.

Deshalb ist für mich eine "Rolle" nicht das Gegenteil von "Ich selber sein". In einer Rolle fokussiere ich auf Teilaspekte und andere treten in den Hintergrund. Wichtig ist für mich, dass die Rollen insgesamt mir gerecht werden. Ich lebe nicht immer die Rolle "Frau", aber sie ist immer in irgendeiner Form präsent. Deshalb ist mir das Äußere im Laufe der Zeit auch in der Bedeutung zurück gegangen. Es macht mir Spaß, die Rolle "Frau" in besonderer Weise zu betonen. Aber das sind Ausnahmen. Zunehmend gefalle ich mir en femme auch "ganz normal" in Jeans und Pulli.

Die meiste Zeit lebe ich dennoch en homme. Aber als Rolle ist mir das eher fremd. Es ist eher ein neutraler Zustand, mit dem ich meist klar komme und durch meine Sozialisation auch nicht weiter auffalle. Ich frage mich manchmal, wie ich mich denn fühlen würde, wenn ich tatsächlich körperlich und gesellschaftlich eine Frau wäre und so von anderen gesehen würde ? Wäre mein Inneres dann ein anderes ? Oder wäre mein Inneres z.B. durch Hormone dann ein Anderes ?

Die Frage von Vanessa, was denn eine Frau sei, finde ich deshalb auch so spannend. Ich finde meine Geschlechtlichkeit als gar nicht so sehr als mein "Ich". Es ist scheinbar nicht wesentlich. Ich bewundere Menschen, die von sich mit Überzeugung sagen können, sie seien "Mann" oder "Frau", das also als ein wesentliches Teil des Ichs sehen. Das gelingt mir nicht. Es ist mir wichtig, von Zeit zu Zeit Geschlechtlichkeit auszudrücken, aber meist ist es mir gar nicht bewusst.

Und je länger ich nachdenke, um so mehr frage ich mich, wer bin ich und was macht mich im Kern aus ?

In engem Zusammenhang damit steht für mich die Selbstwahrnehmung. Ich gehe davon aus, dass ich mich als Mensch gar nicht ganz wahrnehmen kann. Ich erkenne immer nur Teilaspekte. Zudem verändere ich mich ständig. Es ist wie bei der Heisenberg'schen Unschärferelation (https://de.wikipedia.org/wiki/Heisenber ... ferelation). Je präziser ich einen Teilaspekt betrachte, um so unschärfer wird er. Beispiel Weiblichkeit: Wenn ich versuche den Begriff für mich begreifbar zu machen, um so mehr merke ich, dass das keine Weiblichkeit ist, die ich betrachte, sondern "nur" Eigenschaften von mir. Betrachte ich Einfühlungsvermögen als ein Bestandteil von Weiblichkeit, erkenne ich, dass es dieses nicht an Weiblichkeit gebunden ist. Außer Gebären fällt mir nicht viel ein, dass an Weiblichkeit gebunden ist. Aber sind Frauen, die nicht, noch nicht oder nicht mehr gebären können, deswegen unweiblich ? Sicher nicht.

Vielleicht ist Weiblichkeit gar keine Eigenschaft, sondern eine Art Gefühl oder eine Selbstwahrnehmung. Sie ist nicht greifbar, weil sie nicht definierbar ist. Deshalb kann es mir auch keiner absprechen, wenn ich so empfinde(n will).
Viele Grüße
Vicky

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Re: Ich als Frau - Wer ist das eigentlich?

Post 34 im Thema

Beitrag von ChristinaF »

Hallo Vanessa,
du wirst nach weiteren Monaten der HRT feststellen, dass sich deine Gedanken und Gefühle weiter hin zur frau entwickeln. War bei mir genauso. Das Rollenbild das ich mir als Frau vorstellte, änderte sich anfangs der HRT immer mal wieder. Ob bei Kleidung oder Gefühlen und Gedanken. Erst nach zwei, drei Jahren stellte ich fest, dass sich meine Frauenrolle irgendwie manifestierte. Und heute lebe ich damit sehr glücklich. Ich kann (nicht muss) mich kleiden, wie mir zu mute ist, meine Sprache wurde weicher und trotzigem Machogehabe kann ich heute mit einem entzauberten Lächeln entgegensehen. Also gibt dir noch ein wenig Zeit, die heilt tatsächlich viele deiner Fragen.
LG Christina
ExUserIn-2026-04-08
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Re: Ich als Frau - Wer ist das eigentlich?

Post 35 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Wenn ich auf die letzten Jahre und Jahrzehnte zurück blicke, fällt mir auf, dass der Wechsel zwischen den Geschlechtern mir immer selbstverständlicher wird. Damit verbunden ist auch ein legerer Umgang mit den Äußerlichkeiten. Grundsätzlich empfinde ich das angenehm, den sowohl der innere Druck als auch die "Übertreibungen" werden deutlich reduziert. Es ist einfach selbstverständlich.

Dabei schlich sich mir ein Gedanke in meinen Kopf. Er ist zwar nicht neu, aber für mich hat er eine neue Bedeutung erfahren. Da wir im Ursprung ohne ein bestimmtes Geschlecht sind und erst später durch ein Gen in bestimmte Wege gesteuert werden, liegt es doch nahe, dass wir doch immer beide Geschlechter in uns tragen, egal welche Form wir später annehmen. Oder anders gesagt, DIe Gemeinsamkeiten sind bei weitem stärker als die Unterschiede. Es sind die Menschen, die dem Geschlecht eine besondere Bedeutung geben. Man könnte auch Menschen auch nach Augenfarbe oder Körpergröße unterscheiden.

Vanessas Beobachtung, dass sie als Frau wesentlich weniger auf Äußerlichkeiten Wert legt, scheint mir in die gleiche Richtung zu gehen. Es sind nicht die Äußerlichkeiten, die wichtig sind, sondern dass wir so leben, wie es uns gemäß ist. Ich bin sogar davon überzeugt, wenn das Geschlecht nicht eine so große Bedeutung hätte, würden viel mehr Menschen im Bereich genderfluid unterwegs sein. Es wäre viel selbstverständlicher, wenn wir uns als ein Geschlecht in unterschiedlichen Formen sehen würden, eben ein Menschengeschlecht.
Viele Grüße
Vicky

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Re: Ich als Frau - Wer ist das eigentlich?

Post 36 im Thema

Beitrag von Joe95 »

Ich konnte noch nie wirklich "männlich" oder "weiblich" definieren, selbst jetzt noch nicht. Ich behelfe mich immer mit Einschätzungen.
Wenn ich versuche mich selbst objektiv einzuschätzen lande ich ziemlich in der Mitte zwischen "männlich" und "weiblich".
Hier kommen jetzt zwei Argumente zum tragen:
1. Meine Abneigung gegen das männliche.
2. Meine Zuneigung zum weiblichen.
Das hat dazu geführt dass ich mich selbst irgendwann als weiblich definiert habe und siehe da - es ist vieles an Problemen und Druck abgefallen.
Heute erlebe ich z.B. Situationen, in denen ich mir wie ein Kerl vorkomme. Unangenehm, aber nicht dramatisch. "Na und? Die meisten sehen mich eh als Mann in Frauenkleidern, kann mir doch egal sein so lange ich weiß wie es wirklich ist!" Früher haben mich solche Situationen ganz schön runter gezogen, heute komme ich damit viel besser klar, einfach weil ich meine Identität gefunden habe.
Ich bin Frau, weil ich mich selbst so definiere. Wie mich andere sehen ist zweitrangig.
Sei vorsichtig mit deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen.
Natürlich ist das wahr, es steht doch im Internet!

Du hast ne Frage, brauchst Rat oder Hilfe?
Ohren verleih ich nicht, aber anschreiben darfst du mich jederzeit...
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