gerda joanna hat geschrieben: Mo 17. Sep 2018, 10:49
Hallo Wally,
Wie Du in Deinem Profil und auch weiter unten schreibst bist Du die meiste Zeit im "Männermodus". Jetzt glaube ich für mich, dass das kein vollständiges "Frausein" ist und Du irgendwie doch noch dazwischen steckst und Dein männlicher Anteil an der Verwandlung den Reiz empfindet.
Das stimmt TEILWEISE - ist aber eben nur ein Teil (und zwar inzwischen eindeutig der kleinere Teil!) der wohligen, erotischen Gefühle, die ich auch nicht nur bei der "Verwandlung", sondern erst recht beim Zeigen im Alltag empfinde - egal, ob vom oberflächlichen Outfit her in der männlichen oder weiblichen Rolle.
Meine Brüste habe ich ja nun schon seit 20 Jahren als Implantate unter der Haut, die wechsle ich nicht, die gehören wie bei jeder erwachsenen cis-Frau längst selbstverständlich zu mir; ich empfinde sie auch schon sehr lange nicht mehr als etwas "neues", "anderes" oder "gemachtes", sie sind für mich keinerlei Gefühlssensation mehr, sondern integraler Bestandteil meines Körpers. Würde man mir heute die Implantate herausnehmen, dann empfände ich denselben Zustand als Amputation

- der für jeden Mann inklusive TV einfach nur der gewohnte Normalzustand ist. Auch der BH, den ich schon seit Jahrzehnten tagsüber IMMER trage, hat deshalb für mich schon längst rein gar nichts mehr von "Verwandlung", sondern trägt einfach nur meiner konstanten, ständigen Körperform Rechnung und optimiert halt - zusammen mit den kleinen, zusätzlichen Silis, die ich im Alltag zu tragen pflege - Form und Volumen der Oberweite.
Gerade weil sie mir so selbstverständlich geworden sind, würde ich meine Brüste unter gar keinen Umständen mehr missen wollen, bin aber doch - wie so viele cis-Frauen auch - mit ihrer Größe und Form unzufrieden und helfe da etwas nach. Die meisten cis-Frauen machen das derzeit mit dick gefütterten Pushups; wenn man sich momentan in den Geschäften umguckt, kriegt man schon fast nix anderes mehr

Ich habe da anatomisch etwas andere Voraussetzungen, die Pushups passen mir nicht, also mache ich's halt mit Silis. Grundsätzlich vom Tun und von der Gewöhnung her sehe ich da jetzt keinen gravierenden Unterschied zu der Selbstverständlichkeit, mit der cis-Frauen im Alltag mit ihren Brüsten umgehen.
Trotzdem empfinde ich dabei auch Lust - nach wie vor und tagtäglich immer wieder und oft sogar sehr intensiv. Ein euphorisches, kribbelndes, wohliges Gefühl bei dem permanenten Verstecke-und-Zeige-Spiel mit den Brüsten - auch im "Männermodus", den ich ja im Alltag die meiste Zeit beibehalte! Mit dem Rollenwechsel ändert sich zwar der Rahmen drum herum, aber in beiden Fällen bleibt es vom Gefühl her dieselbe pikante, lustvolle Gratwanderung. Als "Mann" halte ich meine Brüste für die meisten Leute knapp an bis leicht über der Wahrnehmungsgrenze (wozu "mann" sie übrigens schon SEHR sichtbar machen muß - ich staune selbst nach Jahrzehnten immer noch oft darüber, wie wenig die Leute bereit sind, Offensichtliches überhaupt wahrzunehmen, wenn es nicht in ihr gewohntes Weltbild passt - wenn sie also nicht ERWARTEN, es zu sehen). Wichtig ist mir in diesem Fall, dass meine Brüste als echt, als organisch wahrgenommen werden, nicht als Fake - weshalb mir hier ein natürliches Bewegungsbild viel wichtiger ist als eine präsentierende Verpackung. Als Frau zeige ich die Brüste gar nicht mal unbedingt deutlicher (trotzdem werden sie dann sehr zuverlässig wahrgenommen, weil in diesem Fall ja auch erwartet); aber da liegt die Betonung darauf, dass sie hübsch und sexy aussehen sollen, ohne dabei unnatürlich, indezent oder gar ordinär zu wirken. In beiden Fällen fühle ich mich dann am wohlsten und habe es optimal getroffen, wenn ich schon öfters mal interessierte Blicke auf mich ziehe - aber gerade noch NICHT angegafft werde.
Die erotisch kribbelnde Lust, die ich bei diesen Gratwanderungen (im Männer- wie im Frauenmodus gleichermaßen) empfinde, ist ein VÖLLIG ANDERES Gefühl als die schwanzzentrierte, mit Erektion verbundene, männliche Geilheit, die ich zwar sehr wohl auch kenne, die bei mir aber gerade in diesem Zusammenhang kaum noch (und wenn überhaupt, dann nur sehr schwach und untergeordnet) vorkommt. Ich habe keine Ahnung, ob Frauen da Ähnliches empfinden; aber ich teile mit cis-Frauen offensichtlich die seltsame, für Männer kaum nachvollziehbare, schon fast suchthafte Manie, Kleidung einzukaufen (mein Kleiderschrank quillt über von Blusen, Pullis, BHs und Damenschuhen...), sich hübsch zu machen, am Outfit zu feilen, sich darzustellen - meist gar nicht mal nicht auf eine bestimmte Gelegenheit hin oder um jemand ganz Bestimmtem zu gefallen, sondern einfach nur als alltäglicher Selbstzweck. Deshalb liegt für mich die Vermutung nahe, dass dieses wohlige Kribbeln eine Form (vermutlich aber auch wieder nur ein kleiner Ausschnitt) WEIBLICHER Sexualität ist, die eben auch als gemeinsames Motiv hinter diesem so typisch weiblichen Kleidungsverhalten steckt.
Nun wurde das auch schon wieder eine längere Abhandlung (wer zum Teufel soll denn das überhaupt alles lesen, wenn er/sie noch berufstätig ist?) - wo ich doch eigentlich bloß schnell ein paar Zeilen dazu tippen wollte. Ist halt ein kreuzkompliziertes Thema und dazu verbal schwierig darzustellen. Ich hoffe, der Text spricht Euch wenigstens so weit an, dass Ihr ihn bis zum Ende lest
Herzliche Grüße
Wally