Mal zurück zu den Kernthemen dieses Forums und ein paar Links dazu:
- "Wie die AfD eine ambitionierte Frau rausekelte - weil sie transsexuell ist" (huffpost)
- "AfD macht Wahlkampf gegen Homo- und Transsexuelle"(queer.de) Zitat:
Auch die offizielle Vertretung Schwuler und Lesben in der AfD hat keine Probleme mit der Homophobie ihrer Parteifreunde: Die sogenannten "Alternativen Homosexuellen" (früher: Homosexuelle in der AfD) orientieren sich vielmehr nach ganz Rechtsausßen: Sie stellten sich vor gut einer Woche auf ihrer Facebook-Seite sogar hinter ihren rechtsextremen Parteifreund Björn Höcke, der gerne persönlich gegen Schwule und Lesben hetzt, mit den Worten: "Wir hier sind einstimmig für Höcke. Gegen Genderpayday und Frauenquote."
- "AfD will Homosexuelle in Thüringen zählen lassen"(Queerspiegel) Und nicht nur Homosexuelle, sondern auch Bisexuelle, Trans* und Inter in jeder Form. Man darf wohl angesichts des restlichen Programms vermuten, dass es ihnen mit den Zahlen nicht um mehr Rechte und Gleichstllung geht.
- AfD Flyer "Gegen den "Tugendterror der Antidiskriminierung""(queer.de) Darin eine Reduktion auf biologisch determiniertes, binäres Geschlechterklischee inkl. aller alten Rollen und Lebensvorgaben. Ablehnugn jeglicher Gleichstellung und Rechte für LGBTI*. Schaut mal auf die Webseite zum Flyer. Da bliebe für uns kaum Raum. Nicht mal für binäre CD/TV/TS. Mit den noch gut bekannten Folgen bei Familie, Job, etc.
- "Wir haben überprüft, was das AfD-Wahlprogramm Homosexuellen zu bieten hat - das Ergebnis war sogar schlimmer als erwartet"(huffpost) Zitat:
- Keine LSBTI-Politik
- AfD-Politiker*innen äußern sich regelmäßig homophob
- Antidiskriminierungsgesetzgebung soll abgeschafft werden
- Diffamierung und Abschaffung von Bildungsplänen
- Familienpolitik lässt keine Vielfalt zu
- Eheverbot für gleichgeschlechtliche Paare
- Widersprüchliche Religionspolitik
- Gleichstellungspolitik zurückdrehen [das betrifft dann auch nicht LGBTI*...]
- Feindbild Gender
- Verbindungen zur Neuen Rechten und Rechtsextremen
- Instrumentalisierung statt Integration - Flüchtlingspolitik
- AfD-Positionen: Kein Programm für die Bürger (BR) Zitat:
Das Manifest kombiniert Marktradikalismus mit der Vision einer zutiefst illiberalen Gesellschaft. Es schließt alle aus, die nicht ins Weltbild passen.
Die Retro-Gesellschaft. Mit Lebensformen jenseits der "klassischen" Familie steht die AfD auf Kriegsfuß. "Gender Mainstreaming" sei die Erfindung einer "Umerziehungslobby", die sexuelle Vielfalt predige, aber die "naturgegebenen Unterschiede zwischen den Geschlechtern" einebne. Und die — ebenfalls "naturgegebene" — Homosexualität? Darauf geht die AfD erstaunlicherweise in den gesellschaftspolitischen Passagen nicht ein. Doch der Satz, man lehne die "Propagierung der Homo- und Transsexualität im Unterricht" ab, zeigt: Was im eigenen Weltbild nicht vorkommt, darf auch in der Realität der Retro-Gesellschaft à la AfD nicht vorkommen
Neokonservativer Roll-Back - ein Fazit. Liberales Waffenrecht, Klimaskepsis, Demontage des Sozialstaates, Aushöhlung des Rechtsstaates: Die Forderungen der AfD erinnern an den "Neokonservatismus" Margret Thatchers oder Ronald Reagans. Die Partei will eine an ultra-konservativen Leitbildern orientierte Gesellschaft schmieden, die alle Abweichungen von der gesetzten Norm verteufelt. Sie glaubt, den "gesunden Menschenverstand" und "das politische Urteilsvermögen ("¦) der mündigen Bürger" auf ihrer Seite zu haben. Die gesellschaftliche Illiberalität der AfD fällt mit einer radikalen wirtschaftlichen Liberalität zusammen. Diese Kombination fördert - entgegen aller Lippenbekenntnisse der AfD — die soziale Spaltung der Gesellschaft in Wohlstandsbürger und Abgehängte. AfD-Politiker stellen sich gerne auf die Seite des "kleinen Mannes", doch ihre Agenda spricht eine andere Sprache.
- Wer mal nachlesen will, hier zum Beispiel die AfD-BW zum Gender Mainstreaming. Oder AfD-Bayern:
Die AfD fordert die Offenlegung aller bislang zur Durchsetzung von angeblichen Gleichstellungsvorhaben geflossenen Gelder der EU. Schluß mit undemokratischem Gender-Mainstreaming. Die AfD fordert Chancengleichheit für Frau und Mann, lehnt jedoch Quotenregelungen ab. Die vor allem durch "Rot-Grün" ideologisch gesteuerte Verzerrung der Geschlechterrollen darf nicht Ziel staatlicher Politik sein.
- "Warum die AFD schlimmer ist als die NPD"(Enno Park) Zitate:
Allerdings geht die AFD noch weiter als die NPD und behauptet: "Die Propagierung der Homo- und Transsexualität im Unterricht lehnen wir ebenso entschieden ab wie die ideologische Beeinflussung durch das "Gender Mainstreaming".
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ganz ähnlich sieht es in der Familienpolitik aus. Die NPD schreibt: "Die auf Dauer angelegte Lebensgemeinschaft zwischen Mann und Frau ist zugleich die einzige Familienform, die Förderung und besonderen staatlichen Schutz verdient, denn nur in ihr können Kinder geboren werden." Das deckt sich mit dem Passus bei der AFD: "Die Familie aus Vater, Mutter und Kind als Keimzelle der Gesellschaft zu verstehen und den Bedürfnissen der Kinder und Eltern gerecht zu werden, muss wieder Mittelpunkt der Familienpolitik werden." Der zunehmende Anteil Alleinerziehender ist nicht nur Ausdruck zunehmender gesellschaftlicher Verwerfungen ("¦) und partnerschaftlicher Beliebigkeiten, sondern auch Ausdruck von Bindungsunfähigkeit infolge eigener unsicherer Bindungen im Kindesalter." Sie möchte deshalb die klassische Familie stärker fördern. Die AFD ist hier ein Stück radikaler und lehnt "eine staatliche Finanzierung des selbstgewählten Lebensmodells "Alleinerziehend" ("¦) ab".
[...]
Der wesentliche Unterschied zwischen den Parteien ist also nicht, dass die AFD nennenswert weniger rechtsradikal wäre, sondern lässt sich so auf einen Nenner bringen: Während die NPD ihren Sozialdarwinismus weitgehend nur an Migranten und Behinderten auslässt, wendet sich das AFD-Programm gegen alle Menschen, die im Kapitalismus nicht mithalten können. Die AFD will systematisch die ohnehin Starken fördern. Sie kombiniert autoritäre und rassistische Ideen, die direkt aus der NPD stammen könnten, mit wirtschafts- und sozialpolitischem Neoliberalismus und kann somit als eine Art Turbo-NPD betrachtet werden. Anders gesagt: Im klassischen Parteiensystem steht die AFD noch weiter rechts als die NPD. Selbst wenn die AFD wegen der geforderten nach Qualifikation regulierten Einwanderung etwas weniger rassistisch und kulturchauvinistisch wirkt, könnte man der NPD noch irgendwie zugute halten, das Wohlergehen "des kleinen Mannes" im Blick zu haben, solange es halt ein biodeutscher kleiner Mann ist.
Diese Mischung aus neoliberalen bis libertären Ideen einerseits und autoritären Vorstellungen andererseits wirkt nur so lange seltsam, bis man sich klar macht, dass die AFD diese autoritären Vorstellungen sehr stringent nutzen möchte, um ihre libertären Ideen gegen sozial niedriger stehende umso rücksichtsloser durchzusetzen. Das ist der rote Faden in ihrem Programm. Nur scheinbar erwecken Widersprüche im AFD-Programm den Eindruck, sie wisse selber nicht so genau, was sie will. So schreibt sie beispielsweise: "Die Freiheit von Forschung und Lehre sind unabdingbare Grundvoraussetzungen für wissenschaftlichen Fortschritt. Deshalb müssen die Hochschulen über Art und Umfang ihres Studienangebotes frei entscheiden können." nur um wenige Sätze später das Gegenteil zu fordern, nämlich: "Die Gender-Ideologie erfüllt nicht den Anspruch, der an seriöse Forschung gestellt werden muss. ("¦) Sie darf deshalb nicht weiter gefördert werden, und ist abzuschaffen."
Die AFD kommt also immer doppelbödig daher, behauptet zunächst etwas konsensfähiges, nur um es später wieder einzuschränken oder in sein Gegenteil zu verkehren. Genau diese Doppelbödigkeit erlaubt der AFD ihr scheinbar bürgerliches Auftreten, das sie so gefährlich macht. Ich habe tatsächlich den Eindruck, dass etlichen AFD-Wählern wirklich nicht klar ist, wen sie da eigentlich gewählt haben. Was es nicht besser macht. Im Gegenteil.
Zusammengefasst: In einer nach AfD-Weltsicht dominierten Gesellschaft hätten wir alle hier echt schlechte Karten. Das beginnt bei Anfeindungen, Ausgrenzungen, Problemen mit Freunden, im Job, bei Familie, bei Behörden, Schulen, Jungendämtern - und das nicht nur für Vollzeit-Trans*Menschen. Bei allen wären plötzlich die Konsequenzen einer "Entdeckung" viel drastischer. Nix da mit "mal einkaufen im Kleid" oder einfach so Klamotten kaufen. Stellt euch da mal auf ständige Kommentare und Rausschmisse ein, wenn deren Weltbild weitläufig propagiert wird. Sich den Nachbarn zeigen oder von Kollegen erkannt werden? Dann gleich mal Job und Stadt wechseln - wenn das in Zeiten des Internets mal reicht. Und als "Transe" das Sorgerecht für die eigenen Kinder behalten? Nope. Kannst mal froh sein, wenn du nur verprügelt wirst und nicht eingewiesen und zwangsbehandelt. Und komm nicht auf die Idee, eine Anzeige bei der Polizei zu machen ohne Antidiskriminierungsgesetze.
Und da sind wir noch nicht bei den Hürden, den Kosten und den überhaupt vorhandenen Möglichkeiten zur Transition. Guckt euch an, was da an Gleichstellung, Aufklärung (auch über die Möglichkeiten) etc. gestrichen werden soll. Kostenübernahmen? Pah. Alles "Gender-Gaga". Ganz zu schweigen von nicht-binären Geschlechtseinträgen, neutralen Toiletten, usw.
Wie gestern schon mal gesagt: Nach deren Ansicht sollten wir alle hier am besten überhaupt nicht existieren. Auf jeden Fall aber unsichtbar und rechtlos sein, die Klappe halten und von jeder Hilfe ausgeschlossen. Egal ob oder wie wir daran leiden.
Was ich dann aber nicht auf die Kette kriege sind Menschen, die eigentlich direkt von den Ausgrenzungsplänen betroffen wären, wie der AfD-ganz-Rechtsaussen Alexander Tassis aus Bremen, selber schwul, der mit den Identitären u.a. kuschelt, und ganz besonders Menschen wie Sybill Constance de Buer aus Bremen. De buer ist trans* und hatte heftigste Probleme bei der Anerkennung, wie sogar in der
taz berichtet. Und was macht sie aktuell? "Gemeinsam mit dem AfD Bürgerschaftsabgeordneten, Alexander Tassis, sowie dem Diepholzer AfD Kreisverbandsvorsitzenden, Michael Schnieder, versuchte De Buer die Hetzkampagne "Kandel ist Überall", bzw. einen sogenannten "Frauenmarsch", zu initiieren", wie
afdwatchbremen.de berichtet.
Andersrum, an die Nichtwählenden: Ich kann verstehen, wenn einen Politik und Parteien erst mal nicht interessieren oder gar widerwärtig sind. Leider funktioniert dieses ignorieren nicht gegenseitig. Genauso gut könnte man versuchen, den Winter zu ignorieren. Wer immer nur die Klappe hält, darf sich nicht wundern, wenn er irgendwann aufs Maul kriegt. Es wird dann einfach niemand anders mehr da sein.
Deshalb, auch wenn man eigentlich lieber nichts wählen würde, sollte man wenigstens jenen weniger Stimmkraft zugestehen, die einem direkt an den Kragen wollen. Und das heisst, dass man wenigstens irgendjemandem von den anderen ankreuzt. (Heisser Tipp: Die Linken sind in den meisten Bundesländern nicht in der Gefahr, Regierungspolitik zu machen, aber jedey linke Abgeordnete ist ein AfD-Stuhl weniger).