Moinsen,
ich finde es generell unfair, immer von "der Gesellschaft" zu sprechen. Wir reden nämlich von Individuen, die alle unterschiedlich agieren. Ich gehöre zu "der Gesellschaft", möchte aber nicht mit solchen Gewalttätern in einen Topf geworfen werden. Und ein paar Millionen andere sicher auch nicht.
Genauso wenn von "den Flüchtlingen" gesprochen wird, die hier bei uns dann vergewaltigen und einbrechen usw. Es sind nicht "die Flüchtlinge", es sind einzelne Täter. Dafür kann man aber dann nicht die Gruppe verantwortlich machen.
Ich hatte in meiner CD Zeit auch schon einen, ich sag mal Zwischenfall, wo ich in einer Unterführung von einem Jugendlichen aus einer Gruppe heraus "angemacht" wurde. Er meinte zu seinen Kumpels "Boah, ist die hässlich". Persönliche Anmerkung: Ich freute mich darüber, das er
die gesagt hatte
Die Bemerkung aufgrund meines Aussehens hinterließ keine Spuren bei mir, wen interessierts was ein fremdes Pubertier denkt?
Jedenfalls ging ich meines Weges und der Typ folgte mir auch noch. Allerdings war der Ausgang nahe und gegenüber ein Supermarkt (mein Ziel) mit entsprechender Laufkundschaft und Leuten auf dem Parkplatz usw. So ging ich dann über die Straße in den Supermarkt und der Typ verfolgte mich nicht weiter. Keine Ahnung was der vor hatte.
Nun komme ich zum Punkt:
Erst als ich wieder zu Hause war fiel mir ein, wie dumm das eigentlich
von mir gewesen war. Jede (geborene) Frau wäre vermutlich niemals alleine da unten lang gelaufen. Das kommt davon, wenn man noch wie ein Mann denkt...
Frauen gehen solchen Situationen, im Wortsinn, aus dem Weg. Gehen im Dunkeln nicht alleine nach Hause, vermeiden dunkle Ecken, machen einen Bogen um komische Leute...
Das haben sie im Laufe ihres Lebens gelernt und das musste ich auch erst lernen.
Das fällt dann quasi unter die Verteidigungsstrategie "Weglaufen". Also ein Gefühl dafür zu entwickeln, welche Situationen unbequem werden könnten und diese zu vermeiden suchen. In meinem früheren Leben haben mich solche Gedanken eher nicht beschäftigt...
Zum Thema Waffen, egal welcher Art. Die juristische Seite lasse ich mal außen vor. Bei einem Zweikampf hat man nicht gerade den Kopf frei, sich darum Gedanken zu machen.
Jede Waffe kann einem weggenommen werden und dann natürlich auch gegen einen verwendet werden. Wenn man im Umgang nicht entsprechend geschult ist, erst recht. Oder man verletzt sich im Eifer des Gefechts selbst damit.
Da kann ich nur dringenst von abraten.
Weglaufen ist immer noch die Beste Option.
Sollte das nicht möglich sein, ist die zweit-beste Option sich zurückzuziehen. Sind andere Menschen in der Nähe? Kontakt suchen! Geht der Angreifer auf mich zu gehe ich zurück. Übrigens auch ein guter Moment mit dem Smartphone Fotos vom Angreifer zu machen. Da hat er noch mal Gelegenheit, sein Vorhaben zu überdenken. Mit flinken Fingern kann man das Foto noch versenden, so nutzt es ihm auch nix, das Handy abzunehmen.
Versuche auszuweichen, Gegenstände zwischen mich und den Angreifer zu bringen, quasi Schutzschilde.
Ein Kampf ist eine hoch-dynamische Situation, da lohnt es in keinster Weise, sich Gedanken darüber zu machen. Wie heißt es doch so schön beim Boxen? "Bis er zum ersten Mal getroffen wurde, hatte er ne Taktik"
Im Ernstfall übernimmt eh das Adrenalin die Steuerung für uns.
Ist man Kampfunerfahren sollte man eine längere Auseinandersetzung vermeiden, da man vermutlich den kürzeren zieht. Gewalttäter haben Erfahrung beim Anwenden derselben und sind einem somit voraus. Ist weglaufen und zurückziehen ausgeschlossen und bleibt nur die Verteidigung als Option, ist das Überraschungsmoment hierbei von großer Bedeutung. In der Regel gehen solche Menschen davon aus, das das Opfer allein durch die Anbahnung einer Auseinandersetzung eingeschüchtert ist und nicht viel Gegenwehr leisten wird (größere, breitere Gegner als man selbst sucht man sich ja nicht aus), besonders bei Frauen.
Hier empfehle ich eins von drei Zielen auszusuchen Augen, Kehlkopf, oder Schritt. Bei gutem Gleichgewicht vielleicht noch ein Tritt ans Knie. Ansonsten aber keine Experimente.
Bei einem (gutem) Treffer von einem der besagten 3 Ziele ist der Gegner sofort außer Gefecht. Da die Ziele weich sind besteht für einen Selbst kaum Verletzungsgefahr.
Aber wie gesagt, ein Kampf ist immer die schlechteste Option.
Und natürlich spielt auch die persönliche Situation in dem Moment eine Rolle. Habe ich z.B. meine Kinder dabei, kann ich schlecht weglaufen...
Ich wünsche trotzdem jedem hier, der das liest, das er niemals so eine Situation durchleben muss.
Grüße
die Anja