Zweifel
Zweifel - # 2

Lebensplanung, Standorte
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Laila-Sarah
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Re: Zweifel

Post 16 im Thema

Beitrag von Laila-Sarah »

Hi Vicky,
Vicky_Rose hat geschrieben: Fr 15. Jun 2018, 13:53 mein spontaner Gedanke bei diesem Satz war: "Wer versucht, es allen Recht zu machen, macht es niemandem Recht."
ich kann dich sehr gut verstehen und dieser Gedanke steht ja ziemlich am Anfang und kommt gleich nach der großen Erkenntnis aber sie ist für mich mehr als inspirierendes Motto als eine diplomatische Lösungsformel zu verstehen. Das Leben ist und bleibt ein riesiger Kompromiss. Das fängt bei A and und hört bei Z auf. Den wir sind nicht allein, wir leben in einem sozialen Umfeld als soziales Wesen mit Freunden, Familie und eine Vergangenheit die wir uns mühsam aufgebaut haben. Das völlige ignorieren dieser Tatsache für viel zu oft zum übertriebenen Egoismus und endet auch so oft in absoluter gesellschaftlicher Isolation.

Dennoch stand in meinem Betrag ein detailliertes Bild drin mit vielen weiteren Zweifeln und Erkenntnissen. Ich versuche nochmal zusammenzufassen:

Ich vertrete halt die Meinung, man muss realist bleiben und abwägen. Zwischen den gesundheitlichen Risiken, den Möglichkeiten was man erreichen kann und was ein Traum bleibt, was verloren und was gewonnen wird. Letzten Endes ist es immer eine persönliche Entscheidung und fällt für alle Beteiligten anders und individuell aus.

VlG
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Anja
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Re: Zweifel

Post 17 im Thema

Beitrag von Anja »

Moinsen,
Christine75 hat geschrieben: Fr 15. Jun 2018, 13:55 Wie ja schon einige angemerkt haben, wird man ja trotzdem nie ganz als Frau anerkannt werden, das wir als Mann körperliche sowie auch stimmliche Eigenschaften haben, die uns draußen immer wieder als Mann identifizieren lassen.
Der Leidensdruck hört für mich also nach der GAOP nicht auf sondern geht weiter.
Also bei mir hat der Leidensdruck aufgehört, als ich begonnen habe als Frau zu leben. Unabhängig davon, was sich bei mir durch die HT verändert hat. Ich konnte einfach ich sein und braucht mich nicht mehr verstecken. Die optische Angleichung an eine Frau ist das Sahnehäubchen.
Die Anerkennung von außen ist nicht wichtig, man muss sich selbst im Spiegel ertragen können ;-)
Ob andere in mir eine Frau sehen, ist mir egal. Wichtig ist, das ich in mir die Person sehe die ich bin.
Deswegen macht der von dir zitierte Satz für mich keinen Sinn. Es sei denn, es ist einem wichtig was fremde Menschen von einem Denken. Da sollte man drüber stehen, ob man Trans ist oder nicht.

Grüße
die Anja
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Re: Zweifel

Post 18 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Ich habe nichts gegen Kompromisse. Ich meine etwas anderes. Ich kenne es von mir, dass ich in vielen Bereichen eine Schere im Kopf hatte und mich so verhalten müsse, wie ich es tat. Das hat aus heutiger Sicht für mich nichts mit Diplomatie zu tun. Es führte mich letztlich dazu, dass ich mich nicht genügend Ernst nahm. Ich habe erst dann die Menschen gefunden, die mir gut taten als ich zu mir stand. Das ist kein übertriebener Egoismus.

Seit dem habe ich etwas gegen faule Kompromisse. Und die sind manchmal schwer zu entdecken. Was ist denn ein Realist ? Da wir nicht in der Lage sind, die Wahrheit zu erkennen, geben wir uns mit der konstruierten Wirklichkeit im Kopf zufrieden. Aber was ist, wenn diese scheinbare Wirklichkeit so gar nicht existiert ? Was ist, wenn ich bemerke, dass ich mit dieser Wirklichkeit in einer Sackgasse stecke ? Die Realität wird dann schnell zerbrechlich. Und weil wir Menschen Angst davor haben, unseren Maßstab zu verlieren, halten wir uns mit Macht daran fest. Und lügen uns in die Tasche.

Nicht falsch verstehen, ich meine nicht Dich persönlich. Das kommt mir immer dann hoch, wenn jemand überall ein wenig richtig machen will. Der macht auch für sich selbst nichts ganz richtig. Mir ist das zu wenig. Ich glaube nicht, dass das übertriebener Egoismus ist. Zweifel haben die Rolle, mich auf den möglichen Umstand hinzuweisen, dass etwas in meinem Denken oder meiner Wahrnehmung verbogen ist. Andere können/wollen damit leben. Das ist auch i.O. Man muss sich halt entscheiden ...
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
Laila-Sarah
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Re: Zweifel

Post 19 im Thema

Beitrag von Laila-Sarah »

Hallo Vicky,
Vicky_Rose hat geschrieben: Fr 15. Jun 2018, 16:25 Seit dem habe ich etwas gegen faule Kompromisse. Und die sind manchmal schwer zu entdecken. Was ist denn ein Realist ? Da wir nicht in der Lage sind, die Wahrheit zu erkennen, geben wir uns mit der konstruierten Wirklichkeit im Kopf zufrieden. Aber was ist, wenn diese scheinbare Wirklichkeit so gar nicht existiert ? Was ist, wenn ich bemerke, dass ich mit dieser Wirklichkeit in einer Sackgasse stecke ? Die Realität wird dann schnell zerbrechlich. Und weil wir Menschen Angst davor haben, unseren Maßstab zu verlieren, halten wir uns mit Macht daran fest. Und lügen uns in die Tasche.
Vicky, ich kann dich sehr gut verstehen. Aber ich habe halt Zweifel daran ob ich damit aus der einen Sackgasse rauskomme oder vielleicht in eine andere evtl. noch größere Sackgasse gerate. Obwohl ich mich für deine Klarheit freue kannst du von mir nicht erwarten, dass ich all meine Zweifel und Ängste ignoriere und einfach mal so deinem Bespiel folge. Es könnte sein, dass ich niemals HT mache oder eine OP anstrebe, Es könnte auch sein, dass ich es mache aber jetzt noch nicht soweit bin. Wichtig ist, es selber so zu empfinden, es richtig zu durchdenken, Gewissheit zu haben und nicht blind einer romantischen Vorstellung oder einem Credo zu folgen. In meiner Familie gibt es so viele Krebs Fälle. HT im fortgeschrittenen Alter soll das Krebs Risiko steigern (habe ich gelesen). Davor habe ich einen riesen Schiss. Auch davor meine Familie, meine Kinder zu verlieren. Sie bedeuten mir einfach viel zu viel. Bei Job und Freunden gebe ich dir völlig recht: Wo eine Tür sich schließt, öffnet sich bestimmt eine/mehrere andere.

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Re: Zweifel

Post 20 im Thema

Beitrag von Exuser-2019-01-04 »

Laila-Sarah hat geschrieben: Fr 15. Jun 2018, 13:10 Seit dem ich aber Gedanken an Transition etc. hatte wurde ich durch die Erkenntnis, das mir sehr viel Unrecht im Leben widerfahren ist immer bitterer und irgendwann auch maßlos egoistisch. Das ging dann so weit, dass meine Welt an meiner Nasenspitze anfing und am Popo aufhörte. Ich muss gestehen, diese Bitterkeit und Egoismus steht mir nicht und mein Umfeld kriegt den Fett ab für den sie nichts kann.
Hallo Laila-Sarah,

ich kann Deine Gedankengänge gut nachvollziehen.
Als Antwort auf die Unstimmigkeiten mit meiner Umwelt habe ich über die Jahrzehnte hinweg eine "Mauer" um mich herum gebaut und vieles ausgeblendet. Aber die Vergangenheit holt einen ein; man erinnert sich an vieles, was man verdrängt hatte und dann beginnen diese Zweifel, wie weit man nun gehen kann oder soll, um die bisher gespielte Rolle des "Mannes" abzustreifen. Das ist harte Arbeit...

VG Sasha
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Re: Zweifel

Post 21 im Thema

Beitrag von Tatjana_59 »

Christine75 hat geschrieben: Fr 15. Jun 2018, 13:55 Der Leidensdruck hört für mich also nach der GAOP nicht auf sondern geht weiter. Es gibt ja eine Statistik, die zum einen besagt das ca. 1% der Transgender ihre OP nach einem Jahr am liebsten wieder rückgängig machen würden.
Stimmt es gibt dieses 1%
Ich kenne aus Foren zwei Mädels denen es so geht.
Bei einer weil alles verpfuscht wurde was zu verpfuschen ging. Bei der andern weil sich außer dem Genital körperlich nichts änderte.
Trotzdem verbleiben 99% die froh sind den Weg bis zum Schluss gegangen zu sein.
Ich kann mir kaum vorstellen dass jemand den kompletten Weg der Transition geht auf Grund von äußeren Einflüssen.

LG Tatjana
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Re: Zweifel

Post 22 im Thema

Beitrag von Aria »

Also ich mache das alles ganz bestimmt nicht, weil ich ein anerzogenes Frauenbild im Kopf habe. Es gibt nun mal eindeutige Identifikationsmerkmale für Mann und Frau.
Und wenn ich mich als Frau fühle, möchte ich auch den dementsprechenden Körper haben. Dass ich das niemals zu 100% erreichen werde, ist völlig klar, muss aber auch
gar nicht sein. Denn ich bin nun mal ein geborener Mann, da führt kein Weg dran vorbei. Doch um das weibliche Gefühl stark zu unterstreichen, brauche ich die köperliche
Angleichung. Andernfalls bräuchte ich ja gar nichts machen und könnte so weiterleben wie bisher. Das geht aber nicht, weil es einfach belastet, eine weibliche Psyche und
eine männliche Physis zu haben. Wenn es Leute gibt, die sich dem allen unterziehen, nur um in der Gesellschaft als Frau anerkannt zu werden, dann lief generell mit ihrem
Selbstwertgefühl schon was schief. Das bekommen die dann aber mit Sicherheit auch nicht nach der Angleichung in den Griff. Da liegt der Hund dann wo ganz anders begraben!
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Re: Zweifel

Post 23 im Thema

Beitrag von Christine75 »

Laßt mich das mal anders formulieren. da steckt eine Frau in dir. Die möchte auch von denen da draußen als Frau angesehen werden. Passiert aber nicht weil du einen männlichen Körper hast. Also sagt die Frau zu dir: mach was.
Und du machst. Phsychologische Gutachten, Haare lang wachsen, Namens und Personenstandsänderung, Hormontherapie, Bart lasern und schließlich die Gaop. Die Frau in dir sagt, so jetzt ist alles richtig. Aber für die da draußen bist du immer noch keine Frau wegen dem markanten männlichen Gesicht, Adamsapfel, Körpergröße, große Füße , noch recht tiefe Stimme, Hände wie Baggerschaufeln, breites Kreuz. Es kommen immer noch die Fragen: warst du mal ein Mann. Bist du eine Frau oder ein Mann. Und die Frau in dir ist enttäuscht und fragt sich wofür hab ich das jetzt alles auf mich genommen.

Nicht jede von uns ist schon als Mann mit schon recht weiblichen Aussehen gesegnet. Von daher frage ich mich ob man es in Kauf nimmt und das Risiko, trotz der Angleichung nie als Frau anerkannt zu werden, oder ist es egal, hauptsache man fühlt sich selbst körperlich als Frau? Ich denke nicht, das es jedem egal ist, wenn er nicht auch gesellschaftlich als Frau anerkannt wird.
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Re: Zweifel

Post 24 im Thema

Beitrag von Aria »

Gerade entdeckt und passt sehr gut zum Thema
Externes Bild, es gelten die Datenschutz- und Nutzungsbestimmungen der ausgewählten Seite.Quelle: https://scontent-frx5-1.xx.fbcdn.net/v/ ... e=5BB39B38
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Re: Zweifel

Post 25 im Thema

Beitrag von Exuser-2019-01-04 »

Hallo,

wie ich ja schon mehrfach schrieb, befinde ich mich auch in einem ständigen Dilemma und Zweifel darüber, wie ich damit umgehe. Ich fühle zwar eine weibliche Seele in mir, die ich ausleben möchte aber habe dennoch kein Problem damit, daß man mich als Mann wahrnimmt und dementsprechend behandelt. Das Dilemma besteht darin, daß mir eigentlich nur weibliche Kleidung gefällt, die ja auch ein Ausdruck meiner Selbstwahrnehmung ist, und damit die Aussenwirkung entsteht: der Mann in Frauenkleidung. Niemand sieht mir an, daß ich hauptsächlich weiblich denke und fühle, mir es aber nicht wichtig genug ist, meine männliche Physiologie zu verleugnen. Ich muß also in Kauf nehmen, falsch zugeordnet zu werden: als CD, als Mann, der auf Männer steht usw. usf.

Das wiederrum passt mir garnicht, denn DAS bin ich eben nicht (ich bin mit der Zeit "asexuell" geworden...). Ich hätte zwar gerne keinen Bart, aber die notwendigen Maßnahmen kommen für mich ebenso wenig in Frage wie eine GAO (Gesundheitsrisiko, Kosten). Allein die Vorstellung, mich dem Diktat eines Passings unterwerfen zu müssen, schreckt mich ab (Bequemlichkeit). Deswegen versuche ich es ja ständig, meine Wahrnehmung auf meine innere Burgmauer zu beschränken, um die eigentlich falschen Zuordnungen der Welt da draussen erst garnicht zur Kenntnis nehmen zu müssen.

Also: entweder ich zeige mich so, wie ich mich fühle und nehme in Kauf, daß andere mich falsch einordnen, oder ich "verkleide" mich weiterhin als Mann, als der ich mich nicht fühle. Zur Zeit habe ich mich für Ersteres entschieden, aber die Zweifel über die "Richtigkeit" meines Weges bleiben unverändert intensiv - und ich fürchte, das wird auch lange Zeit so bleiben...

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Re: Zweifel

Post 26 im Thema

Beitrag von Tatjana_59 »

Anja hat es sehr schön beschrieben.
Sie möchte für sich selbst eine Frau sein, aus ihr selbst ihr eigenes Schönheitsideal finden, und hat es gefunden.
Damit ist sie zufrieden.
Mir geht es exakt genauso.
Ich werde weitestgehend als Frau wahrgenommen, was ich speziell am Geschäft immer merke, da ich ständig mit neuen fremden Kunden zu tun habe.
Ich werde als Frau angesprochen.
Wenn ich dann den Mund aufmache kommt manchmal ein verwirrter Blick, das ist mir aber egal.
Ich bin mir auch bewusst das ich immer einen Männerschädel haben werde, zumindest sehe ich diesen jeden Tag im Spiegel.
Auch wenn die Bartepilation langsam wirkt, der Bartschatten halbwegs weg ist.
Die Gesichtszüge sind weicher.
Wenn ich Bilder von vor drei/vier Jahren vergleiche ist der Unterschied tatsächlich krass.
Für mich war die Transition wichtig, auch die Gaop.
Ich sehe mich als Frau, und denke schon lange nicht mehr darüber nach. Ich lebe selbstverständlich als Frau, ich bin Frau!
Wie ich von anderen erkannt werde ist mir egal, was die in mir sehen ist mir egal, was die über mich reden ist mir egal.
Ich werde nur noch höchst selten diesbezüglich angesprochen.
Somit bin ich zufrieden.
Wenn ich mir ständig Gedanken machen musste und würde ob ich perfekt bin, wie mich die Umwelt wahrnimmt, würde ich kaputt gehen.
Somit zweifel ich keine Minute an mir, oder daran IB mein Weg der richtige ist, bzw war.

LG Tatjana
Zuletzt geändert von Tatjana_59 am Sa 16. Jun 2018, 21:33, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Zweifel

Post 27 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

Hallo Christine,

ich habe gestern eine längere Antwort vorbereitet, aber nicht ins Forum gestellt, weil ich erst einmal weg musste. Heute habe ich zunächst die vielen Beiträge gelesen, die dazu gekommen sind. Jetzt würde ich mit meinem Beitrag vieles von dem dort Geschriebenen nur wiederholen. Also mache ich es kurz mit einer Zusammenfassung.

Es ist offensichtlich ein sehr großer Unterschied, ob man bereits in der Jugend oder Kindheit erkennt, dass man trans* ist, oder wie ich erst im fortgeschrittenen Alter. In der Jugend ist die Chance groß, dass man nach Hormonen und OP völlig unauffällig mit dem anderen Geschlecht leben kann. Und entsprechend groß ist auch die Bereitschaft, diese zu nutzen um endlich in das Schema unserer Gesellschaft hinein zu passen und so seinen inneren Frieden zu finden.

Wie viel Frau würden aber Hormone und OP noch aus mir machen? Hier kann ich doch nur zwischen einem zu erwartenden Gewinn an Wohlbefinden und den gesundheitlichen Risiken abwägen. Und da haben die Risiken bei mir eindeutig mehr Gewicht. Also wird vermutlich eine Nadelepilation meines Bartes der größte Eingriff an meinem Körper bleiben - wenn ich diese überhaupt machen lasse.

Vielleicht macht es einfach nur mein Alter, dass bei mir bei der Bemerkung ".. und dann bin ich endlich eine richtige Frau .." die Alarmglocken klingeln. Ich weiß, dass das bei mir niemals so sein wird, und urteile aus diesem Blickwinkel. Mit unserer spießigen Gesellschaft bin ich fertig. Wer mich nicht als Frau sehen will, der braucht es nicht. Was ich also an meinem Körper verändere, mache ich einzig und alleine für MICH!

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Re: Zweifel

Post 28 im Thema

Beitrag von Steffi-BLN »

Hallo

Anja und Aria haben es schon sehr gut beschrieben aber ich will doch noch etwas dazu schreiben.

Ich stehe ja noch am Anfang meiner Transition, aber in den 4 Monaten hat sich schon soviel getan. Ich lebe nun endlich wie ich will. Lebe zwar noch als Mann, trage aber keine Männersachen mehr. Nur noch schön enge Damenjeans, viel pink(Ich liebe pink xD) und endlich kann ich mich auch mit einem kleinem Lächeln im Spiegel betrachten. Also ich passe mich Stück für Stück an und das mache ich nur für mich. Weil so manch komische Blicke kassiere ich schon da ich Halsabwärts doch wie eine Frau aussehe(ohne Brüste natürlich^^). Aber mir geht es blendend dabei und das ist doch dass was zählt oder? Was irgendwelche fremden Leute von mir denken ist mir inzwischen so egal geworden. Vielleicht liegts auch am Alter?(30 Jahre nun)

Klar wird man bei mir immer irgendwie den Mann erkennen(Stimme, Hände und meiner Größe von 183cm)da ich leider erst jetzt mit 30 anfange mit Hormonen und so. Aber fühle mich endlich wohl so. Meine Freunde, Familie wissen Bescheid das ich mich jetzt Stück für Stück verändere.

100 Prozent wie eine Frau aussehen, das schaffen wohl nur die wenigsten. Außer sie starten sehr früh mit den Hormonen was aber bei den meisten von uns nicht der Fall ist. Aber wie heißt es so schön? Besser spät als nie. ;)


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Re: Zweifel

Post 29 im Thema

Beitrag von ChristinaF »

Christine75 hat geschrieben: Fr 15. Jun 2018, 20:24 Laßt mich das mal anders formulieren. da steckt eine Frau in dir. Die möchte auch von denen da draußen als Frau angesehen werden. Passiert aber nicht weil du einen männlichen Körper hast. Also sagt die Frau zu dir: mach was.
Und du machst. Phsychologische Gutachten, Haare lang wachsen, Namens und Personenstandsänderung, Hormontherapie, Bart lasern und schließlich die Gaop. Die Frau in dir sagt, so jetzt ist alles richtig. Aber für die da draußen bist du immer noch keine Frau wegen dem markanten männlichen Gesicht, Adamsapfel, Körpergröße, große Füße , noch recht tiefe Stimme, Hände wie Baggerschaufeln, breites Kreuz. Es kommen immer noch die Fragen: warst du mal ein Mann. Bist du eine Frau oder ein Mann. Und die Frau in dir ist enttäuscht und fragt sich wofür hab ich das jetzt alles auf mich genommen.
Das trifft jedoch nicht auf alle zu. Ich kenne einige, bei denen frau/man schon sehr genau hinschauen muss, um zu erkennen, dass sie transgender sind.
Und Fragen können immer kommen, wenn nicht vom Aussehen her, dann vielleicht wegen der Stimme. Nur hilft hier ein gesetztes Selbstbewusstein, zu dem zu stehen, dass man eigentlich eine Frau ist. Damit habe ich für mich gesehen, keine Probleme mehr mit meinen Mitmenschen.

Christine75 hat geschrieben: Fr 15. Jun 2018, 20:24 Nicht jede von uns ist schon als Mann mit schon recht weiblichen Aussehen gesegnet. Von daher frage ich mich ob man es in Kauf nimmt und das Risiko, trotz der Angleichung nie als Frau anerkannt zu werden, oder ist es egal, hauptsache man fühlt sich selbst körperlich als Frau? Ich denke nicht, das es jedem egal ist, wenn er nicht auch gesellschaftlich als Frau anerkannt wird.
Wo im Leben ist etwas ohne Risiko? Es kommt, so finde ich, immer darauf an, wie man sich selbst sieht. Und natürlich, dass frau sich zu dem bekennt, was sie darstellen und wie sie leben will.
Gesellschaftlich bin ich voll und ganz als Frau akzeptiert und anerkannt. Und Fragen oder Anmerkungen wie: "Du bist ja eigentlich keine echte Frau" oder " bist du wirklich eine Frau" habe ich bislang noch nie zu hören bekommen.
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Re: Zweifel

Post 30 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

Hallo Kati und alle anderen,

das Video hat mich inspiriert, einen Vorher-Nachher-Vergleich von mir zu zeigen. Nur als Foto, ein ähnliches Video gibt es von mir nicht. Ich bin erstaunt, was bei Sona möglich war. Aber: Sie ist (gemäß Kanalinfo bei YouTube) 32, ich bin aber 59 Jahre alt. Was also wäre bei mir mit Hormonen noch möglich? Egal - Ich fühle mich so recht wohl, und dann soll es - zumindest für eine absehbare Zeit - erst einmal gut sein.

LG Nicole

PS: Auf dem rechten Foto trage ich keine Silis und keine Perücke.
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