Katharina hat geschrieben:Na ja, das kann schon ein Thema sein, was überlegt sein will. Es kommt sicherlich sehr auf die Branche an, in der man tätig ist. In manchen Berufen ein No-Go, in anderen eher "flippigen" Tätigkeiten gut unterzubringen. Zwar gibt es in großen Unternehmen inzwischen zunehmend Policies, die sich mit Anti-Diskriminierung von u.a. geschlechtlicher Ausrichtung befassen, es gibt Regenbogen-Gruppen in Unternehmen. Aber die Realität vor Ort kann trotz Anti-Diskriminierung-Policy etc. schon sehr erdrückend werden. Zumeist wird ja von den Kollegen nicht der grobe Keil bedient, sondern das geht alles sehr subtil - quasi die versteckte Form des Mobbing. Dem ist nicht jeder gewachsen, und dann hilft es nicht, sich mit Gewalt dagegen zu stemmen und noch mehr Schaden zu nehmen.
Irgendwie sollte man einen Kompromiss mit sich selbst eingehen können. Mal eine Auswahl: Wäsche jedweder Art lässt sich eigentlich unproblematisch tragen, Haare wachsen von selbst und werden ganz allmählich offener, fraulicher getragen. Morgens vielleicht eine leicht duftende Tagescreme und der Verzicht auf After-Shave wären ein weiterer Ansatz. Das ist dann eher die Philosophie von dem Spatz und der Taube, möglicherweise Teil meines persönlichen Charakters. Aber: keine Theorie, alles selbst langjährig (erfolgreich) probiert.
Ich kann mir schon vorstellen, dass der Wunsch, doch einmal komplett en-femme gestylt zu sein, übermächtig wird. Wäre der Kompromiss nicht ein Weg (ich weiß, meine en-femme-light-Masche, aber sie hat mir den Weg ziemlich stressfrei bereitet)?
Denn der Weg, dies mit Hilfe eines geeigneten Studios zu machen und dann nur stundenweise mit der Aussicht, dass um ... Uhr doch wieder alles vorbei sein wird, verbirgt für mich von Anfang an zu viel Enttäuschung in sich. Jeder muss für sich persönlich entscheiden, was geht und was geht nicht. Ich muss versuchen, dies selbst zu akzeptieren, es sei denn ich kalkuliere Schäden im Beruf oder der Familie bewusst ein. Bin ich jetzt vom Thema abgekommen? Ich hoffe nicht!
LG Katharina
Da hast du schon Recht, Katharina. In der Werbebranche ist man ziemlich schmerzfrei. Aber die Firma, wo die alle Bescheid wussten bei mir, war eine typische mittelständische Handelsfirma - richtig schön hanseatisch, mit einem Chef der ziemlich verstaubt und grau war. Sein deutlichster Kommentar zu den Bildern von mir war einfach: "Ach, sieht ja süß aus."
Ich glaube nämlich, dass die wirkliche Mobbinggefahr, die damit ausgelöst werden könnte, wirklich damit zu tun hat, ob man Angst davor hat oder nicht. Mobbing entsteht ja nicht von heute auf morgen, ohne dass Einzelpersonen irgendetwas finden kann, den Psychoterror steigern und andere mit reißen - wodurch sie zu einem Mob werden. Wenn aber diese Einzelperson, die es vielleicht gibt oder auch nicht, anfängt zu sticheln - dass man wohl schwul sei oder in der Freizeit in Damenschuhen rum läuft - und dann merkt, dass es keine Wirkung hat, wird auch kaum Mobbing daraus.
Und wenn man tatsächlich weiß, dass man so eine Person in der Firma hat - der ja auch durch Zufall hinter etwas kommen könnte - ist das Allerbeste eigentlich wenn man sich "tröpfchenweise" bei allen anderen geoutet hat, aber diese Person weiß von nichts. Es kann dann besonders witzig sein, wenn diese Person von etwas Wind bekommt und versucht so - tuschel tuschel - den anderen KollegInnen davon zu berichten. Da lachen die Andern sich nämlich schlapp ...
Man muss nur sein Umfeld gut kennen und sich - wenn es nicht von selbst kommt - bewusst ein Netz "Allierten" aufbauen. Das sollte man sowieso, den Mobbing kann überall und ohne jeglichen Anlass, den man selbst verursacht, passieren.