Do-it-yourself Hormon-Medikation, Enbi-Version (nicht nur)
Do-it-yourself Hormon-Medikation, Enbi-Version (nicht nur)

Antworten
Jaddy
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 1006
Registriert: Fr 24. Okt 2014, 21:38
Geschlecht: Enby
Pronomen: <Name> / en
Wohnort (Name): Bremen
Membersuche/Plz: 28000
Hat sich bedankt: 170 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 1078 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Do-it-yourself Hormon-Medikation, Enbi-Version (nicht nur)

Post 1 im Thema

Beitrag von Jaddy » Sa 10. Mär 2018, 16:23

Mitte Dezember letzten Jahres habe ich mit meinem do-it-yourself Hormon-Experiment begonnen. Und so knapp 3 Monate auf dem Weg wollte ich mal das Thema Selbstmedikation und meine Hintergründe und Beobachtungen beitragen, ausdrücklich mit der Einladung an andere, sich zu beteiligen.

Ich weiss von einigen hier, dass sie auch mit dem Gedanken beschäftigen oder auch auf eigene Faust Medikamente beschaffen und einnehmen. Und meines Erachtens ist, wie bei allen Dingen, die man am besten mit Wissen, Überlegung und Reflektion machen sollte, Austausch untereinander sinnvoll für alle.

Eine Bitte noch: Kommentare in Richtung "Das ist unverantwortlich", "darf man doch nicht", "ihr werdet alle sterben" sind vollkommen zwecklos. Menschen machen das, ich zum Beispiel, und ich werde das schon rein aus Trotz überleben und Infos für andere eigenverantwortliche Menschen geben, damit die das auch gut (über)leben :)

So. Genug Vorrede. Mein Background zur Entscheidung:

Im Oktober und November letzten Jahres wurde das Thema nicht-binär und wie drückt sich das aus, etc. bei mir ziemlich prominent. Endlich ein Name meine Ecke im Spektrum. Natürlich haben meine Liebste und ich das auch intensiv besprochen und sie geht da mit meinen Vorstellungen voll d'accord, was ich richtig toll finde.

Als Enbi ("AFAB GQ/NB" im anglo-gender-newspeak) möchte ich keine vollständige Feminisierung, sondern körperlich weniger eindeutig erscheinen. Eher mit zarten Merkmalen aller Geschlechter als ohne jedes Merkmal. Schön wäre, so denk ich mir das aktuell, wenn ich auch ohne genderspezifisch markante Klamotten uneindeutig gelesen würde. Hence auch die Bilder von Hermaphroditos gestern.

Für eine solche körperliche Veränderung gibt es meines Wissens keine Standardprozedur. Weder medizinisch, noch vom bürokratischen "Trans-Prozess" her. Mal drastisch formuliert habe ich nach diversen Anrufen bei Medizinern eher den Eindruck, dass sie entweder ohne viel Tiefgang nach Schema F - bzw. T - ihr Programm abspulen, oder gleich ganz abwinken. Psychotherapie brauch ich auch keine. Auf den Gutachtenkram, Indikation und Kassenleistungen kann ich also eher nicht setzen.

Meine Liebste und ich mögen beide Experimente und Recherche, also haben wir uns schlau gemacht über Wirkungen, Nebenwirkungen, Risiken, Gegenanzeigen, Dosierungen. Und wir haben abgesprochen, dass sie ne rote Karte als Notbremse in der Tasche hat, wenn ich ihr zu komisch werde.

Ich beschränke mich auf reines Estradiol (kein konjugiertes, das bringt wohl nix). Keine Blocker irgendwelcher Art. Das reicht auch, wie Gendertreff: Kleines 1×1 der Hormone und andere Quellen beschreiben, und vermeidet die primär Medis wie Androcur zugeschriebenen negativen Emotionen (Deprischübe) und Libidoverlust.

Die Beschaffung ist seltsamerweise sehr problemlos. Ich bin echt baff, was EU-Recht da möglich macht.

Begonnen habe ich Mitte Dezember mit Östrogel. Täglich ca. 1mg (1 Hub a' 0,75mg plus ein bisschen). Das ist ca. die Hälfte der Standard-Trans-Dosierung zu Beginn, soweit ich weiss. Angewendet jeweils abends. Wenn irgendwelche Dinge kurz nach dem eincremen auftreten, wollte ich das daheim abfeiern.

Beobachtungen: Keine dramatischen in den ersten 2 Monaten... Auf einer Urlaubswoche mit vielen Freunden Anfang Frabruar wurde mir allerdings mehrfach gesagt, ich sei viel besser drauf, mehr mit anderen in Kontakt. Die Umstände waren dieses Mal aber auch aus anderen Gründen anders, inklusive meinem neuen Selbstverständnis als nicht-binär einen eigenen Platz zu besetzen, statt zwischen den einzigen zwei Stühlen im Raum zu hängen. Nicht zu vergessen auch eine erhöhte Sensibilität auf die erwarteten Wirkungen des Östrogens. Wo da reine Psychologie endet und hormonelle Einflüsse beginnen ist wohl kaum festzustellen.

Ich selbst fühlte mich auch "durchlässiger" und das Gefühl nimmt zu. Wo ich vorher meinen "man-shield" aktiv abbauen musste, um Gefühle an mich ran zu lassen, ist er jetzt mehr unten, aber ich kann ihn einfach wieder aufbauen. Disclaimer Psychologie vs. Biochemie wie oben.

Von Februar bis jetzt habe ich dann auf Estradiol Pillen (Hemihydrat) gewechselt. 2mg täglich abends unter der Zunge zergehen lassen sollte über den Daumen die gleiche Effektivdosis sein. Es gibt da eine interessante Tabelle plus Artikel zur Blutkonzentration bei schlucken vs. Aufnahme über die Mundschleimhaut.

Bisher immer noch keine Stimmungsschwankungen, dafür sind meine Nippel noch empfindlicher als eh schon. Ich dachte nicht dass das möglich wäre... Das sie immer schon ziemlich groß waren, kann ich da keine andere Veränderung feststellen. So langsam bauen sich aber zarte Brüstchen auf. In dem Tempo wäre ich in 6 Monaten wohl auf AA bis A-Körbchen. Und die Haut ist sichtbar und fühlbar zarter, nicht nur dank der Laser-Epi, die ich parallel mache.

Libido und körperliche Funktion: Vorhanden und nicht fühlbar weniger als vorher. Dazu muss ich allerdings anmerken, dass aktiv vögeln noch nie mein Ding war. Wir haben da andere Wege und die funktionieren nach wie vor.

Also alles sachte und langsam aber deutlich auf dem Weg, den ich mir ausgesucht habe.

Die nächste Anpassung habe ich vorgestern begonnen. Statt einmal täglich 2mg jetzt morgens und abends je 1mg, um die Spitzen raus zu nehmen. Inzwischen traue ich mich nämlich auch an eventuelle emotionale Änderungen im Alltag heran.

Parallel habe ich einige schöne Resourcen im Netz gefunden. Es gibt ja haufenweise andere auf dem gleichen (Enbi)Trip überall auf der Welt. Mit deren Berichten und Fragen gleiche ich meine Beobachtungen und Verfahren auch ab.

Persönliches Fazit: Östrogenpillen sind keine Smarties, aber so richtig plötzlich dramatisch sind die Wirkungen jedenfalls in meiner Dosierung auch nicht.

Mina
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 1295
Registriert: Mi 26. Apr 2017, 18:23
Pronomen:
Membersuche/Plz:
Hat sich bedankt: 518 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 838 Mal

Re: Do-it-yourself Hormon-Medikation, Enbi-Version (nicht nur)

Post 2 im Thema

Beitrag von Mina » Sa 10. Mär 2018, 16:57

Hallo Forum,

auch ich möchte mich einreihen in das Thema. Nach vielen Gesprächen, Momenten mit mir selbst, der Recherche hier an Board und natürlich offiziellen Quellen, habe ich beschlossen einen vernünftigen Weg zu gehen.

Vernünftig deshalb, es nicht per Vorschlaghammer zu tun sondern vielmehr in überwachter Umgebung. Will bedeuten, ich werde in kurzen und regelmäßigen Abständen meine Hormonwerte per Labor abfragen zu lassen und auch Risikofaktoren beobachten.

Der Grund für mich, es auf eigene Verantwortung zutun, wie schon Jaddy beschrieben hat, es gibt schlicht kein ärztliches Fundament auf welches wir zurückgreifen können. Zumal die Hormone nicht eine gänzliche Verschiebung bewirken sollen. In meinem Falle einfach nur dezitiert in die Richtung welche durch meine DNA fehlt, hinsichtlich meines inneren Spiegelbildes.

Und auch ich warne: Hormone sind keine Spielzeuge! Es sollte sichergestellt sein das die Zeit des Beginnes es auch erlaubt, Veränderungen anzunehmen. Auch meine Partnerin wird eine rote Karte in der Hand halten um mögliche Fehlentwicklung aufzudeuten. Oft bemerkt is es nicht selbst. Deswegen sind ärztliche und soziale Abklärung wichtig.

Dazu sei noch gesagt, eine Zugabe von Hormonen stellt "immer" ein relatives Risiko dar. Aber es geht um Leben, es geht um sein und es geht um "angekommen" sein.

Den Zeitpunkt zum Start meiner "Mini-HRT" habe ich noch nicht festgelegt. Werde es hier aber mitteilen und auch natürlich die Fortschritte innerhalb des Prozesses.

Reise - Ziel - ankommen.

Liebe Grüße
Mina
Ziel: Human being -> Ist Dein Ziel erreicht, war es zu niedrig angesetzt -> Der Weg ist das Ziel!

Tatjana_59
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 3327
Registriert: So 1. Jan 2012, 20:07
Geschlecht: Frau
Pronomen: Sie
Membersuche/Plz: 86343
Hat sich bedankt: 3997 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 2267 Mal
Gender:

Re: Do-it-yourself Hormon-Medikation, Enbi-Version (nicht nur)

Post 3 im Thema

Beitrag von Tatjana_59 » Sa 10. Mär 2018, 17:34

Hallo Jaddy,

ich werde zu den ganzen Thema nichts sagen außer.....
Dein Libidoverlust wird kommen, nicht in der kurzen Zeit wo du mit Estradiol experimentierst.
Aber du wirst es feststellen, oder deine Frau.
Ob du es dann zugibst ist die andere Frage.
Mehr sage ich wirklich nicht, denn du hast es gewissermaßen verboten im ersten Teil deines Postings.
Also ein reiner pro Thread.

LG Tatjana

Nachtrag: falls dein Profilbild noch stimmt wird es auch mit Brüsten oder anderer Fettverteilung schwer werden weiblicher wahrgenommen zu werden.
Zuletzt geändert von Tatjana_59 am Sa 10. Mär 2018, 17:38, insgesamt 1-mal geändert.
Der Kopf denkt und gibt Rat.
Das Bauchgefühl gibt Rat.
Doch das Herz spricht, höre auf dein Herz!

Jenina
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 524
Registriert: Sa 26. Aug 2017, 10:45
Geschlecht: männlich
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Jena
Membersuche/Plz: Jena
Hat sich bedankt: 112 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 595 Mal
Gender:

Re: Do-it-yourself Hormon-Medikation, Enbi-Version (nicht nur)

Post 4 im Thema

Beitrag von Jenina » Sa 10. Mär 2018, 17:36

Jaddy,

Danke dass Du uns teilhaben lässt an Deinem Experiment. Sehr schön, dass Du auf die Gefahren hinweist, das ist wichtig, denn es geht um die Gesundheit.

Ich bin für sowas schon zu alt. Es gibt ja glücklicherweise auch sowas wie Wechseljahre. Die haben bei mir ganz gut in eine Richtung gewirkt die ich gut finde. Nachdem ich schon etwas abgenommen habe kommen auch langsam wieder die Formen zum Vorschein die ich als junger Mensch hatte. Und die sind zum Glück nicht so sehr "männlich".

Es ist schon seltsam, aber selbst ich strebe nach einem Körper, der meinem nicht-binären Wesen entspricht. Ich kann dadurch auch verstehen wenn andere Transgender das für sich anders definieren. Es ist wohl nach dem Motto gelebt, dass in einem gesunden - passenden - Körper der gesunde Geist - meine Identität - leben kann.

Ich werde Eure "Experimente" (eine unglückliche Bezeichnung...) interessiert verfolgen. Es ist mal etwas anderes als Hormontagebücher und Operationsgeschichten, die man sonst so liest.

Jenina
Disclaimer: Dies ist eine persönliche Meinung, sie ist möglicherweise inkompatibel mit Deinem Glauben/Lifestyle/Parteiprogramm!

biene38
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 330
Registriert: Di 12. Feb 2013, 13:18
Geschlecht: Bio-Mann /Vegetarier
Pronomen: egal
Membersuche/Plz: z.Zt. -----
Hat sich bedankt: 33 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 75 Mal

Re: Do-it-yourself Hormon-Medikation, Enbi-Version (nicht nur)

Post 5 im Thema

Beitrag von biene38 » Sa 10. Mär 2018, 17:52

was mich in dem Zusammenhang interessieren würde, Frauen haben eine feinere Haut, anderes Bindegewebe, und sind auch beweglicher als Männer. Dass sich das Hautbild durch Hormoneinnahme ändert habe ich schon gelesen. Aber wie sieht es mit der Beweglichkeit aus?
Gibt es da auch eine Verbesserung?

Mina
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 1295
Registriert: Mi 26. Apr 2017, 18:23
Pronomen:
Membersuche/Plz:
Hat sich bedankt: 518 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 838 Mal

Re: Do-it-yourself Hormon-Medikation, Enbi-Version (nicht nur)

Post 6 im Thema

Beitrag von Mina » Sa 10. Mär 2018, 18:01

Tatjana, bitte nicht so harsch mit den Beurteilungen.

Es geht uns um das gleiche wie einer MzF Person. Das Ankommen und vermeiden von Leid.

Ein binär denkend und fühlender Mensch tut sich oft schwer damit. Es zu verstehen bedeutet es zu leben. Für so manche ist unsere Situation: Joa, ein Kerl welcher Titten haben will.

Wenn das so wäre, könnte es auch per Skalpell gelöst werden. Darum geht es aber nicht. Zwei Geschlechter zu fühlen, zu spüren und leben zu wollen, entspricht Vorallem eines: Emotionen!

Ein dazwischen ist selbst innerhalb der Transszene schwer zu behandeln. Dennoch gibt es viele von uns. Aber es fehlt oft der Mut, die Neutralität aus dem Druck der binären Gesellschaft heraus, um ehrlich und wahr leben zu können.

Libido mag wichtig sein, für mich ganz besonders, dennoch aber werde ich versuchen auf dem schmalen Grad zu gehen um mein Leben zu verstehen.
Ich wäre nicht ich, wenn ich nicht ich bin. Die Evolution hat einen Fehler gemacht, es liegt an mir ihn auszugleichen.
Die Medizin kann es nicht. Es gibt keine Indikatoren für uns. Wir wären auf uns gestellt und wollen keinen Endo in die Verantwortung drängen etwas zu tun, was medizinisch nicht verifizierbar wäre. Oder der MDK anerkennt.

Es ist ein Stück weit Wunsch und es ist ein Stück weit Verzweiflung. Gemischt und gepaart miteinander.

Mehr schon nicht auch.

Ich bitte nachdrücklich darum keine „Glaskugelprognosen“ abzugeben. Stattdessen vielleicht Hoffnung und Zuversicht.

Friedvoll
Mina
Ziel: Human being -> Ist Dein Ziel erreicht, war es zu niedrig angesetzt -> Der Weg ist das Ziel!

Tatjana_59
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 3327
Registriert: So 1. Jan 2012, 20:07
Geschlecht: Frau
Pronomen: Sie
Membersuche/Plz: 86343
Hat sich bedankt: 3997 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 2267 Mal
Gender:

Re: Do-it-yourself Hormon-Medikation, Enbi-Version (nicht nur)

Post 7 im Thema

Beitrag von Tatjana_59 » Sa 10. Mär 2018, 18:10

Hi Mina,

ich gehör nun wirklich nicht zur Stänkerfraktion.
Deshalb hab ich auch gleich vorausgeschickt dass ich dazu nicht mehr sagen werde.
Ich kann zum Teil durchaus verstehen was man erreichen möchte.
Was ich nie verstehen werde ist mit der eigenen Gesundheit spielen.
Deshalb belasse ich es auch dabei nichts mehr zu sagen.

LG von der genauso friedvollen Tatjana.
Der Kopf denkt und gibt Rat.
Das Bauchgefühl gibt Rat.
Doch das Herz spricht, höre auf dein Herz!

-Alexandra-
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 441
Registriert: Di 16. Feb 2016, 16:27
Geschlecht: TS MzF
Pronomen: sie
Wohnort (Name): westlich von München
Membersuche/Plz: Bayern
Hat sich bedankt: 476 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 266 Mal
Gender:

Re: Do-it-yourself Hormon-Medikation, Enbi-Version (nicht nur)

Post 8 im Thema

Beitrag von -Alexandra- » Sa 10. Mär 2018, 18:56

Hi :)
Da ich meine HET auch mit Selbstmedikation begonnen hatte (mittlerweile bekomme ich aber seit Ende letzten Jahres ein Rezept), möchte ich das auch niemandem ausreden.
Aber jede/r wer mit dem Gedanken spielt das zu machen, sollte wirklich regelmäßig einen Hormontest (Bluttest) machen lassen (kostet so weit ich weiß um die 50 € wenn man es selbst bezahlen muss)
Am besten auch BEVOR man anfängt einen "ausführlichen" mit Chromosomenanalyse. Weil falls der seltene Fall einer bisher unentdeckten Intersexualität besteht, kann das mit den Hormonen noch viel gefährlicher werden, als wenn man "ganz normal" xy oder xx Chromosomen hat.
Also zusammengefasst gesagt: Die ärztliche Kontrolle nicht vernachlässigen. Es ist (auch mit ganz niedriger Dosierung) ein richtig heftiger Eingriff in einen gesunden Körper.
Und bitte genau informieren welche Medikamente dafür geeignet sind und wo die herkommen. Also nicht bei irgendwelchen zwielichtigen Quellen besorgen!
Die Auswirkungen (ich denke da ist die Dosierung sogar nebensächlich) kommen sehr schleichend. Es kann sich auch die gesamte Persönlichkeit, Verhalten, Empfindungen stärker verändern als man eigentlich erwartet hatte oder vor hatte.
Aber wenn das alles beachtet wird, sehe ich persönlich nichts was dagegen spricht.

LG, Alex

Mina
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 1295
Registriert: Mi 26. Apr 2017, 18:23
Pronomen:
Membersuche/Plz:
Hat sich bedankt: 518 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 838 Mal

Re: Do-it-yourself Hormon-Medikation, Enbi-Version (nicht nur)

Post 9 im Thema

Beitrag von Mina » Sa 10. Mär 2018, 19:19

Tatjana, Du hast das Spiel der gesundheitlichen Waagnisse begonnen in dem Moment als Du die erste Dosis der HRT begonnen hast. Zwar hat Dein Endo alles nach seinem besten Wissen und Gewissen eingestellt und überprüft, dennoch bleibt für einen jeden Menschen ein nicht überschaubares Restrisiko.

Das ist Fakt und kann nicht umargumentiert werden.

Es obliegt immer der Eigenverantwortung.
Ziel: Human being -> Ist Dein Ziel erreicht, war es zu niedrig angesetzt -> Der Weg ist das Ziel!

Tatjana_59
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 3327
Registriert: So 1. Jan 2012, 20:07
Geschlecht: Frau
Pronomen: Sie
Membersuche/Plz: 86343
Hat sich bedankt: 3997 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 2267 Mal
Gender:

Re: Do-it-yourself Hormon-Medikation, Enbi-Version (nicht nur)

Post 10 im Thema

Beitrag von Tatjana_59 » Sa 10. Mär 2018, 20:35

Mina hat geschrieben:
Sa 10. Mär 2018, 19:19
Tatjana, Du hast das Spiel der gesundheitlichen Waagnisse begonnen in dem Moment als Du die erste Dosis der HRT begonnen hast. Zwar hat Dein Endo alles nach seinem besten Wissen und Gewissen eingestellt und überprüft, dennoch bleibt für einen jeden Menschen ein nicht überschaubares Restrisiko.

Das ist Fakt und kann nicht umargumentiert werden.

Es obliegt immer der Eigenverantwortung.
Hallo Mina,

Alex hat es vor deinem Posting sehr gut auf den Punkt gebracht wie wichtig die Vorabuntersuchung ist.
Stimmt, erst nach dieser habe ich mit der HRT begonnen.
Mir ist auch bewusst das ein Restrisiko immer bestehen wird.
Irgendwie war mir schon bewusst dass ich da etwas lostreten könnte, hab ich anscheinend getan.
Vergesst einfach was ich schrieb.
Jaddy möchte ja sowieso keine kontra Diskussion die durch mich dummerweise begonnen hat.
Entschuldigung an alle die sich auf die Zehen getreten fühlen.
Macht eure Experimente und versucht dabei gesund zu bleiben.

Tatjana
Der Kopf denkt und gibt Rat.
Das Bauchgefühl gibt Rat.
Doch das Herz spricht, höre auf dein Herz!

ExuserIn-2018-07-15

Re: Do-it-yourself Hormon-Medikation, Enbi-Version (nicht nur)

Post 11 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2018-07-15 » Sa 10. Mär 2018, 21:30

Alex hat geschrieben:
Sa 10. Mär 2018, 18:56
Hi :)
Da ich meine HET auch mit Selbstmedikation begonnen hatte (mittlerweile bekomme ich aber seit Ende letzten Jahres ein Rezept), möchte ich das auch niemandem ausreden.
Aber jede/r wer mit dem Gedanken spielt das zu machen, sollte wirklich regelmäßig einen Hormontest (Bluttest) machen lassen (kostet so weit ich weiß um die 50 € wenn man es selbst bezahlen muss)
Am besten auch BEVOR man anfängt einen "ausführlichen" mit Chromosomenanalyse. Weil falls der seltene Fall einer bisher unentdeckten Intersexualität besteht, kann das mit den Hormonen noch viel gefährlicher werden, als wenn man "ganz normal" xy oder xx Chromosomen hat.
Also zusammengefasst gesagt: Die ärztliche Kontrolle nicht vernachlässigen. Es ist (auch mit ganz niedriger Dosierung) ein richtig heftiger Eingriff in einen gesunden Körper.
Hi Alex,

da stimme ich dir grundsätzlich zu, nur dein Kostenansatz ist arg niedrig. Ich weiß nicht, welche Labore für solche Dumpingpreise arbeiten?
Alleine die labortechnische Blutentnahme kostet mindestens 50 €, die Ermittlung und Auswertung des Hormonspiegels und der relevantesten Blutwerte (GOT, ALAT, ALT, Gamma-GT, Cholesterine, LH, FSH, SHBG usw.) kostet mindestens 150 €, macht unterm Strich monatlich 200 € statt 50 € für eine minimale Überwachung ohne Inaugenscheinnahme durch einen Arzt. Das sind meine monatlichen Kosten bei der HET (ohne Medikamente).

Die Voruntersuchungen sind wesentlich teurer! Die Blutentnahme im Labor kostet knapp 100 € (weil ziemlich viel abgezapft wird), das große Blutbild mit allen Werten kostet dann locker 1.000 €, die postnatale Chromosomenanalyse kostet incl. DNA-Sequenzierung zwecks Feststellung eines ev. Faktor-V-Leidens (Mutation) um die 1.200 €. Diese Beträge durfte ich erst vor wenigen Monaten vorfinanzieren (PKV).

Wer auf die genetische Voruntersuchung verzichtet und eine Faktor-V-Mutation hat, spielt bei ärztlich nicht genehmigter Hormoneinnahme mit seinem Leben. Punkt. Aber das muss jede_r selbst wissen.
Tatjana_59 hat geschrieben:
Sa 10. Mär 2018, 18:10
ich gehör nun wirklich nicht zur Stänkerfraktion.
Da bin ich anderer Meinung, zumindestens was meine Postings betrifft. Aber es ist mir zu albern, auf deine sinnfreien Nörgeleien einzugehen :roll:
Tatjana_59 hat geschrieben:
Sa 10. Mär 2018, 20:35
Vergesst einfach was ich schrieb.
Das mach ich bei deinen Beiträgen regelmäßig, falls ich sie überhaupt lese.

Lina
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 3556
Registriert: Di 25. Jan 2011, 00:34
Pronomen:
Membersuche/Plz: 20099
Hat sich bedankt: 15 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 361 Mal
Gender:

Re: Do-it-yourself Hormon-Medikation, Enbi-Version (nicht nur)

Post 12 im Thema

Beitrag von Lina » Sa 10. Mär 2018, 21:50

Jaddy hat geschrieben:
Sa 10. Mär 2018, 16:23
...

Ich selbst fühlte mich auch "durchlässiger" und das Gefühl nimmt zu. Wo ich vorher meinen "man-shield" aktiv abbauen musste, um Gefühle an mich ran zu lassen, ist er jetzt mehr unten, aber ich kann ihn einfach wieder aufbauen. Disclaimer Psychologie vs. Biochemie wie oben.
...
Hast du dir Gedanken darüber gemacht, woran das liegt - bzw. was dich verhindert hat dein man-shield einfach so wegzulassen?

Für mich kam das einfach von selbst immer mehr, je nachdem wie ich auch spürte, dass ich von Leuten als Frau wahrgenommen wurde. Das wiederum machte es noch leichter noch mehr als Frau wahrgenommen zu werden usw. Eine selbstverstärkende Wirkung sozusagen, die irgendwann auch auf mein Leben, wenn ich nicht en femme bin, übergriff.

Hast du dir überlegt, ob die Hormone ursächlich sind, oder ob es eher durch die Entscheidung, das Experiment zu machen, die zu einer Änderung in deiner inneren Überzeugung - dein Weltbild geführt hat?

Auch wenn ich normalerweise auch davon abrate in Eigenregie Medikamente zu benutzen, die u.U. gefährlich sein können, finde ich es super OK, wenn jemand gut überlegt sich entscheidet etwas herauszufinden, was sonst nicht möglich wäre. Jeder ist für sich selbst verantwortlich.

Laura1981
Beiträge: 9
Registriert: Fr 28. Okt 2016, 09:15
Geschlecht: Mann
Pronomen:
Wohnort (Name): Neuenhagen
Membersuche/Plz: Berlin
Hat sich bedankt: 3 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 8 Mal

Re: Do-it-yourself Hormon-Medikation, Enbi-Version (nicht nur)

Post 13 im Thema

Beitrag von Laura1981 » Sa 10. Mär 2018, 23:04

Hallo zusammen :)

Danke für das Thema, Jaddy! Das hat mich immer schon interessiert.

Ich habe in die Richtung auch schon mal experimentiert. Aber anders als ihr, eher die "Bio Variante". Ich hatte mich im Internet belesen was es für Östrogene als Alternative gibt und ich bin da auf Phytoöstrogene gestoßen. Das sind zwar keine echten Östrogene aber wohl ähnlich und so können die an die Östrogenrezeptoren andocken und eine ähnliche wenn auch schwächere Wirkung entfalten. Da spielt auch der Körperfettanteil im Körper eine Rolle, weil es wohl irgendwie Fett zur Umwandlung braucht.

Jedenfalls ist das viel in Soja und Leinsamen enthalten. Ich hab meine Ernährung sehr dahin umgestellt und ich kann euch sagen wenn man zu schnell umstellt hat die Verdauung "Party" von Verstopfung bis Durchfall geht alles. Nach einer gewissen Zeit hatte ich mich daran gewöhnt und ich hab es dann auch mehrere Monate durchgezogen.

Zur Wirkung: ähm...NÜSCHT, jedenfalls nichts messbares. Ich hatte zwar nach einer Weile ein Spannungsgefühl in den "Brüsten" aber das hat sich nicht in cm beim messen widergespiegelt. Vielleicht war es auch nur Einbildung und Wunschdenken. So nach dem Motto: jetzt passiert was. Ich hatte obenrum ja schon immer mehr als andere Männer aber das änderte sich durch Gewichtsveränderungen mehr als durch die Sojageschichte.
Vielleicht war der Zeitraum auch zu kurz. Denn eins ist ja wissenschaftlich bewiesen: Männer mit hohem Bierkonsum können durch das im Bier enthaltene Phytoöstrogen kleine Brüste bekommen, Gynäkomastie nennt sich das.

Ach so...auch mit Selbsthypnose hab ich es schon probiert.

Laura (888)

Jaddy
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 1006
Registriert: Fr 24. Okt 2014, 21:38
Geschlecht: Enby
Pronomen: <Name> / en
Wohnort (Name): Bremen
Membersuche/Plz: 28000
Hat sich bedankt: 170 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 1078 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Do-it-yourself Hormon-Medikation, Enbi-Version (nicht nur)

Post 14 im Thema

Beitrag von Jaddy » So 11. Mär 2018, 02:46

Lina hat geschrieben:
Sa 10. Mär 2018, 21:50
Hast du dir Gedanken darüber gemacht, woran das liegt - bzw. was dich verhindert hat dein man-shield einfach so wegzulassen?

Für mich kam das einfach von selbst immer mehr, je nachdem wie ich auch spürte, dass ich von Leuten als Frau wahrgenommen wurde. Das wiederum machte es noch leichter noch mehr als Frau wahrgenommen zu werden usw. Eine selbstverstärkende Wirkung sozusagen, die irgendwann auch auf mein Leben, wenn ich nicht en femme bin, übergriff.

Hast du dir überlegt, ob die Hormone ursächlich sind, oder ob es eher durch die Entscheidung, das Experiment zu machen, die zu einer Änderung in deiner inneren Überzeugung - dein Weltbild geführt hat?
Ich habe über diese und andere Faktoren mehrfach nachgedacht, aber ich kann derzeit keine belastbare Antwort geben. Ein Weg wäre, das Östrogen jetzt für vier Wochen oder so abzusetzen und dann zu vergleichen. Allerdings haben wir auch kein reproduzierbares Testsetting.

Von meinem Gefühl her ist die neue Selbstverortung als Enbi schon ein wesentlicher Teil. Ich habe in den letzten Jahren häufig vergeblich nachzuvollziehen versucht, was das heisst, sich "als Frau" zu fühlen - oder "als Mann". Aber jetzt? Der Druck zu und der Vergleich mit binären Menschen ist weg. Andere Enbis zu kennen hilft auch. Und die stetige Achtsamkeit und manchmal Abwehrhaltung gegen falsche Zuweisung hat abgenommen. Da allerdings unterstützen meines Erachtens die körperlichen Veränderungen, die ich sehe und fühle, dass ich anders bin. Und ich denke, dass andere es eben bald auch sehen. Mit anderen Worten: Ganz ähnlich wie bei Dir.

Beim Man-Shield... keine Ahnung. Da bin ich noch überfragt. Ich sag Bescheid, wenn mir was dazu einfällt :)

dunkles_sternchen
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 272
Registriert: Sa 30. Jul 2016, 04:01
Pronomen:
Membersuche/Plz:
Hat sich bedankt: 2 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 85 Mal

Re: Do-it-yourself Hormon-Medikation, Enbi-Version (nicht nur)

Post 15 im Thema

Beitrag von dunkles_sternchen » So 11. Mär 2018, 03:25

Also ich kann jetzt nur zum medizinischen Teil etwas schreiben.

Tatsächlich ist es so, dass alles weit unter 4mg wenig Wirkung erzeugt. Mal völlig unabhängig ob oral oder transdermal. Und man muss ja auch irgendwie ehrlich zu sich selbst sein - auch mit 4mg wird man in einem gewissen Alter immer uneindeutig bleiben. Eigentlich ist das ja genau das, was du möchtest. Es ist ja keineswegs so, dass man irgendwie 6mg nimmt und dann "mehr Frau" wird oder so ... da sind viele Prozesse, die man nicht umkehren kann.

Bei viele unterstreicht eben dann das Auftreten, Makeup, Kleidung usw. das Gesamtbild. Aber völlig anatomisch gesehen vollbringen da Hormone keine Wunder - auch nicht ansatzweise. Meine Erfahrung ist eher die, dass man nach Jahren Nuancen wahrnimmt und selbst dann nicht sicher ist, ob es eben das Alter ist oder so - vor allem eben auch die Figur, die ganze Körpererscheinung. Und wenn du tatsächlich vor hast irgendwie ein "Zwischending" zu fahren, sollte man da die Gunst des Hausarztes haben - für die Rezepte und eben auch für Blutbilder.

Antworten

Zurück zu „Nicht-Binär, nicht Frau, nicht Mann, trotzdem ICH“