Hallo Mädels, Suchende und Forschende, Mitreisende auf dem Weg zu ihrem Selbst!
Danke für Eure ermutigenden Worte, die mein Vorhaben bestärkt haben, Euch in Form von einzelnen markanten Episoden, Stück für Stück meine doch schon recht lange währende LifeStory zu schildern.
Kapitel 1: "Der Anfang"
Wie hat eigentlich alles begonnen? Seit wann, fühlte ich, dass es da noch ein "anderes Teil-Ich" in mir gab, das sich Raum und Beachtung verschaffen wollte? -- Ich kann es heute nicht mehr exakt datieren, aber es war etwa in der "Hoch-Pubertät", also gegen Ende des Teenager-Chaos, das wir alle durchlebt haben. Nachdem ich mich bereits als Kind völlig selbstverständlich und ohne jede Hintergedanken, für alles Musische, Creative und ergo auch für das Thema Mode interessiert habe, weit über das üblicherweise bei Jungs (damals) wenig beliebte Klamotten Shopping hinaus, kamen öfters Wünsche von FreundInnen, ich möge sie doch beraten beim Styling / Einkauf. Das fand ich schmeichelhaft und erfüllte gerne dieses Ansinnen. Gerade auch die "Mädels" waren damals schon recht angetan, weil ich eher wie eine
gute Freundin mich wohl bewährte, als die sonst üblichen Jungs-Kontakte, die frau so eher schnell mit dergleichen Ansinnen in die Flucht schlug.
Irgendwann, stellte sich mir die bohrende Frage, warum eigentlich Jungs / Männer mit den seit Jahrzehnten (wenn nicht länger) kaum veränderten Schnitten, Farben, Designs, Stoffen, Materialien, Formgebungen, etc. zu "Stiefkindern der Selbstdarstellung" verdonnert wurden, von der Modeindustrie wie Aschenputtel von Jahr zu Jahr langweiliger eingekleidet und beworben wurden; die Outfits zwar von der Werbung als "innovativ, frisch, männlich und modisch" angepriesen, aber letztlich das Gleiche mit ein paar "Faceliftings" -- wie das in der Automobilbranche heißt --, abgespeist wurden. Während im gleichen Zeitraum, die Vielfalt an Gestaltungsvarianten, Ideen und Selbstausdrucks-Möglichkeiten für die Mädels explosionsartig sich erweiterten, ja sogar
ehedem TYPISCH männliche Elemente der Bekleidung von den Damen okkupiert / vereinnahmt wurden -- ja irgendwann sogar als
"girls only" galten. (Bsp: Hochschaft-Stiefel, enge Hosen, elastische Wäsche, angenehme Materialien auf der Haut, Pflegefreundlichkeit, fließende Oberbekleidung, glänzende Materialien, kräftige Farben, praktische Accessoires, usw.)
Als dann auch noch die Farbpaletten für Herren auf "All-Shades-Of-Gray" reduziert, in den Modehäusern die Herren-Abteilungen auf etwa 1/6 (!!) des Angebots für Damen reduziert wurden, ohne dass sich die Mannsbilder auch nur leise beschwerten, ist für mich die Klappe endgültig gefallen. Bis dahin hatte ich mich mit den wenigen Nischen des Marktes beholfen, die noch bis in die 70er/80er existierten. Aus und vorbei. Heute enthalten ja viele Mode-Kataloge nicht einmal mehr einige wenige Seiten Herrenfashion!
Ich tat also den damals noch ziemlich recht einsamen, weil mutigen Schritt, ins andere "Lager", kramte all meinen Mut und das Selbstvertrauen zusammen, begann konsequenter Weise in den Damen-Regalen und Mode-Ständern zu wildern, versuchte zu eruieren, was und welcher Stil zu mir passen könnte, was ich als "androgyner Mann" sogar öffentlich ohne gesteinigt zu werden tragen könnte. Dabei wurde ich von Saison zu Saison mutiger, was nicht selbstverständlich war. Wir hatten damals ja noch nicht die positive Resonanz durch das WWW, gar das ÖR-TV, das uns "Verrückte" allerhöchstens mal als Exoten oder schräge Spinner abhandelte.
"Mann tut so etwas einfach nicht. Basta."
Im Laufe der Zeit, wollte ich das gute Gefühl, das mir Materialien, Auswahl und Optik weiblicher Kleidung bescherten immer weniger missen, weshalb ich dazu überging, auch unter noch unisex-tauglicher Kleidung, immer öfter schöne Wäschestücke, Dessous zu tragen, wobei mir an dem erotischen Reiz, oder gar der auto-erotischen Stimulation, sehr wenig gelegen war. Das war und ist bei mir immer ein sehr kleiner Nebenaspekt gewesen. (Sorry, an all die leidenschaftlichen DWTs hier im Forum!)
So mit etwa Anfang/Mitte Zwanzig hatte ich meine erste langjährige Beziehung zu meiner großen Jugendliebe etabliert, die sich als äußert offene und experimentierfreudige Partnerin erwies. Glück für mich! Wir hatten sogar die annähernd gleiche Konfektionsgröße, konnten also beim Shoppen und Stylen die Klamotten oftmals tauschen, was einen riesigen Spass machte, vor allem keine Heimlichkeiten erforderte, die ich stets als enorm belastend empfunden hätte. Ich erinnere mich noch gut daran, dass wir gerade im Fasching manchmal die Rollen tauschten, also SIE als Mann und ich als FRAU uns ins Getümmel stürzten. Mit gemischten Reaktionen des Umfelds.
Aber der Einstieg war vollzogen, zu einem Zeitpunkt, wo weder ich, noch andere überhaupt das Wort
CROSS_DRESSING kannten. Da war damals noch jenseits des großen Teichs oder in GB zuhause. Nicht bei uns in "Good Old Germany". Hier galt der Wunsch sich der Kleidung des anderen Geschlechts (in Teilen oder gänzlich) zu bedienen, noch als "psychiatrische Persönlichkeits-Störung" und war im Katalog der behandlungsbedürftigen Erkrankungen gelistet ...
-- Ende Kapitel 1 --