Kapitel 68: Liebe am Nachmittag (1)
Erica war nicht sehr überrascht, als Valerie nach dem Termin hastig zu ihr ins Zimmer trat um schnell mal über das Gespräch mit Dr. Schmidt zu berichten. Sie musste das gleich loswerden. Sie musste jetzt reden. Und zwar darüber, dass sie, Valerie, keine richtige Zukunft in der Firma mehr erkennen würde, die Perspektive sei einfach nicht mehr da, alles sei viel undurchschaubarer geworden für sie, das ganze Drum und dran und auch die persönliche Situation, so ihre Klagen. Und die Konsequenz sei naheliegend: Sie wollte einfach was Neues machen. Also, logo, was stünde anderes an als die Kündigung, die sie mehr und mehr ins Auge fasste.
"Du, ich habe das eigentlich erwartet, Süße". Irgend so was in der Art musstest du schon tun. Das stand im Raum. Nach allem, was du so erlebt hast hier mit deinen Taxifuzzis und so. Aber auch mit den eigenen Kollegen. Also, ich denke es war eigentlich nur konsequent von dir, so zu reagieren"
sagte sie, und nach einer kleinen Pause fügte sie noch hinzu:
"Dein Ruf in der Firma ist doch sowieso weitestgehend ruiniert. Darüber solltest du dir schon klar sein. Und ich denke, das hat weniger mit dir selbst zu tun als damit, dass die Kollegen halt in der Mehrheit zu doof sind, um das was du gemacht hast, zu verstehen. Von "akzeptieren" will ich jetzt mal gar nicht reden. Die Leute, die Kollegen sind halt einfach überfordert damit, verstehst du das?" Sie schaute die Kollegin an.
Beide schwiegen, Valerie schaute zu Boden und sagte dann nichts mehr. Natürlich hatte sie die Freundin verstanden. Und ja, es musste auch nichts weiteres mehr gesagt werden, es stimmte einfach, was Erica gesagt hatte, es war die pure Wahrheit, so simpel, so klar, aber auch so hart. So waren sie halt im Allgemeinen, die Kollegen, die Menschen, die Leute da draußen.
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Valerie nahm sich anschließend den Nachmittag frei, sie wollte den Kopf klar bekommen und brauchte dafür dringend einen Tapetenwechsel. Sie rief noch vom Büro aus Gunnars Nummer an. Studenten, oder besser gesagt Praktikanten oder Volontäre im angehenden Schuldienst haben eine sehr variable Arbeitszeiteinteilung, und deshalb, logo, hatte Gunnar auch sofort Zeit für sie, und man würde also den Nachmittag miteinander verbringen können. Valerie ließ auch gleich ein wenig durchblicken, dass sie Trost und Zuspruch bräuchte, und er verstand sie sofort, denn sie waren ja schon von Beginn an ein ziemlich kongeniales Paar, also auf der gleichen Wellenlänge liegend, wie aus der bisherigen Geschichte ja auch ersichtlich ist. Man würde sich also in etwa einer Stunde in Gunnars Bude treffen, später könnte man ja eventuell ins Kino gehen, je nachdem...
Sie überlegte sich, ob sie sich noch umziehen sollte, denn sie war ja immer noch in ihrem offiziellen Bürooutfit. Nach einem kurzen Blick auf die Armbanduhr schien ihr aber die Zeit zu kurz, deshalb blieb sie wie sie war, und nahm nur einen kurzen Umweg über die Kantine wo sie noch einen kleinen Salat zu sich nahm. Danach stöckelte sie ins Parkhaus hinüber, um ihr Auto zu holen. Allzu langes Gehen in hohen Absätzen fiel ihr immer noch nicht leicht, zumal sie wie üblich im Büro den engen Rock trug, der nur kleine Schritte erlaubte. Deshalb war sie froh, als sie schließlich im Parkhaus die Fahrertür ihres kleinen weißen Löwen öffnen konnte und sich - den Po voran - in den Fahrersitz plumpsen ließ. Sie fuhr los, es hatte zu dieser frühen Nachmittagsstunde kaum Verkehr auf den Straßen der Stadt, und glücklicherweise fand sie auch ganz in der Nähe des Studentenwohnheims, in dem Gunnar wohnte, einen Parkplatz, wo sie ihren Peugeot abstellen konnte. Parkscheibe rein und fertig.
Beleuchtete Schminkspiegel sind eine feine Sache, Frauenautos wie dieser Peugeot 204 haben so etwas, und im Nu hatte sie sich die vom Salat verschmierten Lippen perfekt nachgezogen und die Frisur zurechtgezupft. Gunnar erwartete sie unter der Tür seines Zimmers. Die Umarmung fiel enger und länger aus als sonst, denn man hatte sich ein paar Tage lang nicht gesehen. Schließlich schob sie ihn aber mit Nachdruck ins Zimmer hinein, denn sie wollte nicht, dass man sie so sah, beim Knutschen im Flur.
Er schaffte es dann, mitten in der neuen Umarmung mit einer Hand die Zimmertüre zuzuwerfen, es machte rumms hinter ihrem Rücken und die Tür war zu.
Noch während sie sich weiter heftig und ausdauernd küssten, bemerkte sie wie er anfing, an der Knopfleiste ihrer Bluse herum zu nesteln. Sie half ihm schließlich dabei, war dann im Nu aus ihrer weißen Bluse heraus und obenrum nur noch im BH. Männer können so was nicht, sie finden Knopflöcher an Blusen immer zu klein und brechen sich was ab dabei wenn sie sie öffnen wollen, sie stellen sich aber auch wirklich ungeschickt an bei solchen Dingen. Aus der eigenen Jeans fand er dagegen sofort heraus, sie fiel samt Hosengürtel zu Boden und er kickte das ganze textile Gewirr mit einer geübten Fußbewegung zur Seite und in eine Ecke des Zimmers. Sie fasste mit dem rechten Arm kurz hinter ihren Rücken, fand den Verschlussknopf ihres engen Rocks, öffnete ihn, und mit einer kurzen Handbewegung war auch der darunter liegende Reißverschluss geöffnet und ihr dunkler Rock glitt samt Unterrock mit einem leisen Rascheln zu Boden. Sie stieg aus den Röcken heraus und stand dann vor ihm in High Heels, Nylons, Höschen, schwarzem Strumpfhaltergürtel mit langen Strapsen. Der fliederfarbene BH passte eigentlich nicht dazu, aber was soll's, es würde ja keine Modeschau werden, sondern etwas anderes. Sie lächelte ihn erwartungsvoll an.
Soviel für heute, ich hoffe, ihr werdet jetzt nicht ungeduldig, denn ich werde voraussichtlich erst in zwei Wochen weitererzählen können, nach meinen Ferien in den Bergen.
Liebe Grüße bis dann, eure Valerie
