Hallo,
juhe...ich bin grad total glücklich, denn am Freitag Abend war Viktoria mal wieder aus. Davon möchte ich euch natürlich auch wieder berichten
Ich glaube, der Thread hier entwickelt sich nun langsam in Richtung Ausgehtagebuch: Auch wenn der ursprüngliche Titel damit nicht mehr stimmt, nutze ich diesen Thread weiter, weil ich dann a) alles gesammelt hab b) euch nicht mit verstreuten Threads nerve und c) wegen dem Ruf nach Freiheit, dem ich immer wieder nachgebe
So nun zum Ausflug:
Zu Weihnachten hab ich von meinen Lieben eine Karte für L'âme Immortelle in Oberhausen geschenkt bekommen. Schon kurz nach Weihnachten beschloss ich, dass Viktoria gern tanzen gehen möchte. Da niemand aus meinem Freundeskreis mit wollte, war das die perfekte Gelegenheit für einen Ausflug "en femme".
Soweit zu vorhaben: Die Umsetzung gestaltete sich etwas schwieriger, denn a) hatte Frau "nichts" zum anziehen, b) stellte sich die Frage nachdem Make up.
Problem A war durch Shopping leicht zu beheben: Ich bestellte mir im Internet ein schwarzes Spitzentop und einen Rock im viktorianischen Stil. Einen solchen hab ich schon immer schick gefunden
Etwas Schmuck kaufte ich ein paar Tage vorher noch bei Tedi. Der Rest konnte durch vorhandene Bestände ergänzt werden....by the way: Ich verstehe immer mehr warum Frauen so gern einkaufen gehen. Schließlich macht mir das auch Spaß
Problem B hingegen war etwas schwieriger: Da an dem Tag aus familiären Gründen keine Zeit war einen Profi zu besuchen und dies auch wegen den Kosten nicht in Frage kam, entschloss ich mich selbst zu schminken. Zwar glaube ich, dass ich das schon recht gut kann, aber seitdem ich bei dem Fotoshooting im Oktober einige Tipps vom Profi erhalten hatte, hatte ich nicht mehr die Gelegenheit diese zu üben. Erschwerend kam hinzu, dass ich noch nie ein Gothic Make Up versucht hatte. Da ich in dieser Frage sehr perfektionistisch bin, hatte ich also einige Bedenken, ob ich das so umsetzen kann, wie ich mir das vorstellte.
Hinzu kam das Problem, wo ich mich schminken sollte. Meine Frau will das nicht sehen und mein Kind sollte das natürlich auch nicht sehen...die Wohnung schied damit aus. Schminken im Auto war auch nicht möglich, da dort abends zumindest das Licht zu schlecht ist. Das Problem habe ich durch Keller aufräumen gelöst. Ich hab mir da eine Art Schminkecke eingerichtet.
Da ich am 18.1.frei hatte, wollte ich an dem Tag, wenn Frau arbeiten und Kind im Kindergarten ist, die Zeit für eine "Generalprobe" nutzen und all die neuen Schmicktechniken ausprobieren, die mir Kami empfohlen hat. Ich hatte grad die Foundation drauf und mit dem Contouring begonnen, als das Telefon klingelte. Meine Frau, sie weiß natürlich von allem, rief an und teilte mir mit, dass ich doch bitte unseren Sohn aus dem Kindergarten abholen möge, da alle Kinder wegen dem Orkan Friedericke nach Hause müssten. Ok...also hab ich alles wieder runter gemacht.
Am nächsten Tag hatte ich glücklicherweise auch frei. Nachdem ich allein war, konnte die "Generalprobe" starten. Mit Stoppuhr bewaffnet, legte ich los, trug Schicht für Schicht auf, gestaltete die Augen und probierte verschiedene Perücken. Ich entschied mich dann für die dunkelblond gelockte. Nach etwa 2 Stunden saß dann alles.
Dann musste erstmal alles runter, da ich noch Dinge als Mann zu erledigen hatte. Nachdem meine Frau von Arbeit gekommen war, hatten wir noch ein kurzes Gespräch. Ich a) überhaupt keine Lust dann auf ein Konzert zu gehen, denn ich war hundemüde. b) hatte ich keine Lust den ganzen Aufwand noch mal zu treiben. c) meine Frau, dass Sie es ich nicht vorstellen könne, dass man nicht als Mann erkannt wird. Sie befürchtete, dass mich jemand erkennen könne. Da keiner von unseren Freunden Lust hatte mitzukommen, war ich ganz sicher, dass mich niemand erkennen würde. Meine Frau überließ es mir, ob ich einen Abend enfemme möchte oder so gehen soll. Sie drängte mich auch nicht in eine Richtung, und dass obwohl sie es natürlich am liebsten gesehen hätte, wenn ich als Mann rausgehen würde.
Ich entschied mich dann doch für einen Abend enfemme...ich wusste wenn ich jetzt feige wäre oder wegen mangelnder Lust kneifen würde, dann würde ich es spätestens morgen bereuen...letztlich war dies auch die richtige Entscheidung, denn Viktoria hatte einen schönen Abend
Ich ging also in den Keller an meine improvisierte Schminkecke und legte los. 2 Stunden später war ich fertig. Mit dem Ergebnis war ich sehr zufrieden: Das Contouring sah gut aus, die Lippen waren perfekt (es war quasi das erste mal, dass ich Lippen mit dem Pinsel optisch vergrößerte) lediglich die Augenpartie (weißer Kayal und schwarzer Kayal) waren etwas unsauber. Der Lidstrich war nicht perfekt aber gut, die Smokey eyes waren auch in Ordnung...im großen und ganzen konnte sich Viktoria also so sehen lassen.
Da es schon dunkel war, ging ich durch den Keller ins Auto. Im Auto kam dann noch die Perücke drauf und der Rock an. So ging"™s also los Richtung Oberhausen. Nach der Parkplatzsuche wechselte ich noch meine männlichen Autofahrerschuhe in meine Stiefel mit 10cm Absatz.
Als ich aus dem Auto ausstieg, merkte ich quasi, wie im Kopf der Schalter umgelegt wurde: Im Vorfeld hatte ich mir so viel Gedanken gemacht, wegen der Warteschlage und dem Securitycheck am Veranstaltungsort. "Während des Warten wirst du doch sicherlich als Mann (nicht als Person) erkannt und du kannst nicht flüchten", sagte die Stimme im Kopf immer wieder. Als ich das Auto verließ, waren diese Sorgen wie weggeblasen. Ja Viktoria war jetzt am Steuer und sie hielt direkt auf den Eingang zu. Da es schon etwasspäter war und zumindest eine Vorband schon angefangen hatte, gab es auch keine Schlange mehr. Es gab auch keinen Securitycheck, sodass ich meine Karte vorzeigte und einfach rein bin.
Da es ganz schön voll war, blieb ich etwas weiter hinten stehen und schaute mir die erste Band an. Nebenbei beobachtete ich die Leute an den Tischen um mich rum. Die sprachen ganz normal miteinander oder hörten zu. Jedenfalls hatte ich nicht den Eindruck, dass mich jemand als Mann identifiziert hätte. Ich konnte jedenfalls keine Reaktion nach dem Motto registrieren: "Eh guck ma, da drüben steht ne Transe". Das bestärkte mich in meinem Auftritt.
Nachdem die erste Band vorbei war, erkannte ich etwas weiter vorn eine Arbeitskollegin. Gott sei dank war ich nach der ersten halben Stunde innerlich so gefestigt, dass ich nicht schreiend weglief. Meine Arbeitskollegin war mit einer Gruppe da. Sie standen etwa 2m entfernt von mir an der Bar. Später änderten Sie Ihre Position und Sie stand direkt hinter bzw. seitlich von mir in etwa einen Meter Abstand. Ich hab sie zwar noch nicht wieder gesehen, aber ich bin mir sicher sie hat mich nicht erkannt.
Später nutzte ich einen Ausflug zur Toilette um mir einen anderen Platz zu suchen. Die Band versus spielte als zweites. Bei einem Lied riefen sie zur Toleranz für LBGT-Menschen auf und hissten eine Regenbogenfahne. Ich fand das ein tolles und freute mich innerlich.
Die Hauptband, wegen der ich eigentlich da war, war auch super. Nach drei Stunden stehen, begannen mir auch die Füße in meinen Stiefeln weh zu tun und ich hatte Durst. Dummerweise hab ich mich wieder nicht getraut etwas zu bestellen oder mit jemanden zu sprechen, denn an der Stimme würde man ja erkennen, dass ich nicht "echt" bin. Halb eins war Schluss. Da ich am nächsten Tag arbeiten musste, hieß es nun leider gehen. Auf die eine Art war schön, denn endlich bekamen die Füße etwas Bewegung, auf der anderen Seite nicht, denn ich wäre gern noch geblieben.
Am Ausgang gab es wie immer Gedränge, da man am Ausgang seine Getränke zahlen musste. Es hat etwa 15 Minuten gedauert, bis ich raus war. Auch während dieser Zeit auf engem Raum hatte ich nicht den Eindruck, dass ich "enttarnt" worden wäre. Insofern lief Abend perfekt
Fazit:
1. Alles in allem scheint es, dass ich wohl als Frau durchgegangen bin und niemand erkannt zu haben scheint, dass ich nicht "echt" bin. Nur einmal hab ich mit bekommen, dass über mich gesprochen wurde: soweit ich das wahrgenommen habe ging es aber um meine Stiefel, eine Frau, die mit Ihrem Mann/Freund etwa 2m an der Bar stand, hat auf meine Stiefel gezeigt. So wie ich das wahrgenommen habe, hat sie ihm wohl gesagt, dass sie schick seien. Die Situation erledigte sich auch ganz schnell, danach wurde ich von denen nicht mehr beachtet. Auch hier hatte ich nicht den Eindruck, dass ich erkannt worden wäre.
2. Make Up üben: mein Perfektionismus sagt mir, dass das Augenmakup verbessert werden kann. Vor allem der Kayal die Smokeyes sowie die Abdeckung der Augenbrauen. Hier hilft nur üben üben üben...Objektiv gesehen war das gut und ausreichend, aber ich bin sicher das geht besser
3. Mein Eyeliner muss ersetzt werden: Das mag jetzt banal klingen. Bisher hab ich nur zugekauft und musste noch nie was ersetzen. Das wird das erste werden, was ersetzt werden muss.
4. Bilder....hmm... die Kamera meine Telefons ist definitiv mist. Hier muss ich mal überlegen, was man machen kann. Die Bilder sind pixelig und verwackeln leicht. Mehr als unscharfe Selfis im Spiegel sind nicht drin. Natürlich hätte ich gern ein paar bessere Fotos.
5. Beleuchtung im Keller ändern: Zwar war es hell genug zum Schmicken, aber insgesamt zudunkel oder das Licht war im falschen Winkel platziert. Insgesamt war es sehr anstrengend bei den Lichtverhältnissen ein akzeptables Ergebnis zu erzielen.
6. Wiederholung dringend geboten ... es war definitiv die richtige Entscheidung den geplanten Ausflug durchzuziehen, auch wenn ich nicht wirklich getanzt habe. Das kann ich schon als Mann nicht. Jedenfalls möchte ich das unbedingt widerholen
edit: oben ein Bild von unterwegs, unten von der Probe
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I`m not ashamed to dress "like a woman" because I don`t think it's shameful to be a woman. - Iggy Pop -