Valeries unübersehbarer Zuwachs an Oberweite veränderte nicht nur die eigene persönliche Grundstimmung dauerhaft hin zum Positiven, nein, ihre körperlichen Veränderungen wurden auch von den Bürokollegen und -Kolleginnen wahrgenommen und riefen dort mancherlei Reaktionen hervor, die aber durchaus nicht alle nur positiv waren. Innerhalb einer so großen Büroorganisation wie der XXXXler-Marketingabteilung existieren bekanntlich zahlreiche verschiedene Kommunikationsebenen, offizielle wie auch inoffizielle, die auch mal gegeneinander und durcheinander laufen, und gemeinhin als der "informelle Flurfunk" bezeichnet werden. Oft überlagert dieser zweite informelle Informationskanal, also die Ebene, in der sich die Gerüchte hin- und her bewegen, sogar die normalen und offiziellen Nachrichtenstrukturen in einer Firma, und zwar meistens dann, wenn im Hause etwas so Aufregendes passiert, wie es Valeries neuer Auftritt (konkret: ihre gewachsene Oberweite) wohl darstellte.
Nun sind es aber sicherlich nicht die paar Zentimeter allein, die Valerie neuerdings mehr vor sich hertrug, welche die ganze Aufregung verursachten. Wir kennen das Mädel inzwischen gut genug um zu wissen, dass sie selbst von sich aus auch ein klein wenig dazugetan hat, um das Thema ins Gespräch zu bringen und quasi dauerhaft am Köcheln zu halten.
Man muss eigentlich immer zur Wahrheit stehen, und die Wahrheit ist diese: Ihr neuer Busen gefiel ihr selbst so gut, dass sie nicht umhin konnte, ihn auch nach außen zu zeigen, so oft und gut das eben möglich war, und ihn gewissermaßen auch vorzuführen. Eine Frau, die solches vorhat, findet in einem modernen Büro heute genügend Gelegenheiten, ihre Absicht in die Tat umzusetzen. Sie kann zum Beispiel im Kollegenkreis ab und zu mal so tun, als ob ihr heiß wäre, und dann ihren korrekten Blazer ablegen. Schon kommt zur Geltung, was sie oben herum vorzuweisen hat. Oder: Sie kann im Büro nur noch stark taillierte Blusen tragen, oder, was auch sehr gut wirkt: sie kann beim Sitzen und Gehen immer darauf achten, den Oberkörper stets gerade und aufrecht zu halten, damit die neuen hübschen Möpse auch entsprechend zur Geltung kommen.
Valerie hatte von ihren Chef Dr. Schmidt den Auftrag zur Leitung eines Arbeitskreises übertragen bekommen, der sich mit dem Thema der Verkaufsförderung für die Diesel-PKW der Firma XXXXler beschäftigen sollte. Wie bekannt, hat ja gerade das Taxigewerbe einen hohen Bedarf an Dieseln. Also trafen sich in diesem Arbeitskreis turnusmäßig alle Spezialisten, welche diesen besonderen Markt bearbeiteten, unter anderem war dabei auch ihr Kollege Charly (der damals in Frankfurt in dieser Disco mit dabei war). Gelegentlich wurden von diesem Arbeitskreis auch Großkunden eingeladen, und hier kommt, was nicht verwunderlich ist, noch einmal der Frankfurter Taxiverband ins Spiel und damit auch der uns gut bekannte Karl-Heinz (zumindest kennen regelmäßige Leser dieser Story diesen Karl-Heinz). Den anderen Lesern ist wirklich anzuempfehlen, sich das entsprechende ältere Kapitel noch einmal vorzunehmen. Anders ist die volle Tragweite der Intrige, um die es in diesem Kapitel geht, nur schwer zu verstehen.
Valerie und Charly managten diesen Arbeitskreis nun schon einige Zeit, und regelmäßig am letzten Freitag des Monats fanden dann auch größere Sitzungen mit Taxikunden statt, die dann nach Stuttgart in die Zentrale des Werks eingeladen wurden. Valerie und Kollege Charly leiteten diese Konferenzen, so auch heute. Die Besprechung im großen Konferenzraum gestaltete sich heute als nicht so einfach, es gab von Kundenseite ein paar begründete Widersprüche, und folglich war das Klima im Raum ein wenig angespannter als sonst. Valerie hatte nach vielleicht zwei Stunden (weil ihr wirklich heiß war) die Jacke ausgezogen und die Blusenärmel umgeschlagen (Männer tun das ja auch) und vielleicht den obersten oder auch noch den zweiten Blusenknopf von oben geöffnet. Sie war engagiert bei der Sache, voller Konzentration dabei, und so fiel ihr erst zu spät auf, dass unter den anwesenden Männern einige Blicke hin- ,und hergingen und danach auch einige halbseidene Bemerkungen fielen, die sie zunächst nicht verstand. Sie war dann aber Profi genug, um die Sache bis zum Ende der Besprechung dann auch zu überspielen und so gut es ging auch zu ignorieren. Sie ließ sich auf jeden Fall nichts anmerken, und ehrlich: Eigentlich verstand sie erst später, was dort gespielt wurde.
Der Hammer an der ganzen Sache kam dann allerdings später auf den Tisch. Nachdem sie und Charly ihre Kunden verabschiedet hatten und die übriggebliebenen Papiere zusammenräumten um klar Schiff im Konferenzraum zu machen, fiel Charly ein etwas zerknittertes Stück Papier in die Hand, das offenbar vorher bei den Besprechungsteilnehmern bereits durch viele Hände gegangen war und dort auf dem Tisch noch herumlag. Es war die Farbkopie eines Fotos, das eine junge Frau mit dunkelbrauner Bobfrisur zeigte, sie war barfuß und steckte in einem enorm kurzen und engen Etuikleid, das ziemlich hochgerutscht war, und sie bewegte sich offenbar rhythmisch-exaltiert zur Musik auf der Tanzfläche einer Disco. Es handelte sich ganz offensichtlich um Valerie in diesem Frankfurter Tanzschuppen TRAVOLTA, sie hatte die Augen geschlossen, die Arme in der Luft, ihr Körper war scheinbar in totaler Ekstase, die Haare flogen wild, und das Bild war (klar!) im Geheimen aufgenommen worden von unserem "Frankfurter Freund" Karl-Heinz. Ein absolut persönliches und indiskretes Foto, das man wirklich nicht herumzeigt. Auf Deutsch gesagt: Es war eine gottverdammte Gemeinheit, ein solches Foto zu schießen und es dann auch noch allgemein herumzuzeigen.
"Ich glaube, ich erinnere mich, wie dieser junge Kerl damals ein paar Fotos gemacht hat von dir, der Sohn dieses Taximoguls, dort im TRAVOLTA", sagte Charly schließlich und machte ein unglückliches Gesicht dabei, weil er sogleich bemerkte, wie sauer Valerie über das Foto war.
"Ziemliche Schweinerei, so was herumzuzeigen, aber ich habe mir nichts gedacht dabei als er dich geknipst hat" fügte er dann noch hinzu und schwieg dann.
Valerie war ziemlich schockiert über das Bild und wußte zunächst nicht, was sie sagen sollte. natürlich handelte es sich um eine fiese Art von Karl-Heinz, um seine gemeine Art von Rache, weil er es schlussendlich doch nicht geschafft hatte, richtig dauerhaft bei Valerie zu landen, selbst nach dieser bewussten Nacht dort im Hotelzimmer des INTERCONTI in Frankfurt.
Weil dann doch noch so viele Fragen ungeklärt im Raum blieben, entschloss sich Valerie, ihren Kollegen nur in allgemeinen Worten über ihr Verhältnis zu Karl-Heinz aufzuklären. Und das auch deswegen, weil ihr wirklich nicht mehr klar war, wie diese Nacht damals weiter verlaufen war, und wie viel Charly von ihr und Karl-Heinz eigentlich wusste. Charly, ein wirklich netter Kollege, reagierte aber dann sehr fair, bohrte keineswegs nach, sondern blieb diskret, wir alle wissen, er ist ein anständiger Kerl und er wird nichts weitererzählen. Valerie allerdings beruhigte sich nicht so schnell, nein, in ihr wuchs eine Art heiliger Zorn auf den ehemaligen Frankfurter Lover, den sie damals bei sich gehabt hatte, und sie beschloss, es ihm irgendwie heimzuzahlen.
Wieder einmal haben wir gesehen, das Leben ist kein Ponyhof, auch nicht in der Autoindustrie, und Intrigen entstehen manchmal unbemerkt, aber wachsen dann insgeheim und kommen immer im unpassenden Moment ans Licht.
Soviel für diese Woche. Einen schönen zweiten Advent wünscht
Eure Valerie