Michelle_Engelhardt hat geschrieben: Mo 7. Aug 2017, 00:36
Lina hat geschrieben: Mo 7. Aug 2017, 00:10
Ich verstehe, was du meinst. Ich würde zwar schon auch noch gender fluid akzeptieren - würde vielleicht sogar bei mir zutreffen - aber die bei den ca. 33 anderen Ausdrücken oder weitere Buchstaben außer LGBT mache ich auch nicht mehr mit. Da blickt wirklich kaum jemand durch und wenn nur wenige durchblicken, tragen die vielen Wörter auch nicht zu einer besseren Kommunikation bei. Und gerade das war doch mal Sinn und Zweck mit Sprache, soweit ich mich erinnere.
Seh ich auch so! Ich bin ich und du bist du und fertig. Bei den ganzen Bezeichnungen blickt doch echt keiner mehr durch und ehrlich gesagt hab ich auch gar keine Lust, mich da großartig mit den unterschiedlichsten Begrifflichkeiten auseinanderzusetzen. Da kann ich meine Zeit echt sinnvoller nutzen.
Liebe Grüße
Michelle
Jetzt hoffe ich, dass die Journalistin hier auch mit liest. - Ich überlege mir nämlich, was eigentlich der Grund ist, dass noch weitere Labels ausgedacht werden und was die Leute meinen, damit anfangen zu können. Es ist ja nicht wie bei den Autos wo es erst mal eine 2- und 4-Türer Limousine, ein Sportwagen und ein Geländewagen gab, wo dann neue Begriffe notwendig wurden um z.B. einen SUV oder einen Cross-Over von einem Geländewagen und einer Limousine zu unterscheiden. Da geht ja auch die sprachliche Handhabung davon in die entgegengesetzte Richtung: Da siehst du erst das Auto. Es ist vom Aufbau her wie ein SUV, nur kleiner und hat weniger Freigang, ist also nicht so geländegängig wie ein SUV aber ist beestimmt auch kein Mini Van oder Kompakt-Komibwagen - wie nenne man so ein Tier: Nennen wir ihn einfach ein "Crossover", und
- zack - wissen wir was wir Autos wie BMW X1 oder Renault Captur bezeichnet werden können, und Leute, die sich für ähnliche Autos interessieren, wissen auch sofort, was wir meinen. So funktioniert Sprache auch meistens.
Aber bei den 36+ Gender-Bezeichnungen ist es ja genau umgekehrt: Da steht eine Person vor dir, die offensichtlich klassische männlich und weibliche Konventionen vermischt hat, vielleicht auch so, dass ich das physiologische Geschlecht nicht erraten kann - was mich übrigens auch völlig egal ist - und dann erzählt "zee" mir "zee" sei non-binary-gender-queer-something ...
Ich wünschte, dass Leute die mit so was kommen, sich auch mal selber überlegen würden, was ich mit der Information anfangen soll! Ich glaube nicht, dass Menschen ein verändertes oder so differenziertes Verhalten eingebaut haben, dass sie sich einem weiblich aussehenden gender-queer-bloody-something anders verhalten oder eine andere Art Respekt zeigen als einer jeglichen anderen Frau gegenüber - CIS oder trans - tun würden. Die einzige Differenzierung, die statt finden kann ist also in dem Kopf von dieser Person - wo ich nicht rein schauen kann. Und sagt etwa jemand, dass ich dazu überhaupt lust habe?
So warum haben diese Leute so einen Drang dazu, sich mit Bezeichnungen zu versehen, die über 95% der Gesellschaft nicht verstehen und die wahrscheinlich nicht mal von 80% der LGBT-Community verstanden werden? Hat jemand eine Idee ... ich hätte verschiedene, aber die können alle total daneben sein.
Mit gender fluid ist es ein bissschen anders. Bei jemandem der gender fluid ist, wird es ja ziemlich schnell klar, dass etwas nicht in die cis Ecke passt, und auch wenn es irgendwo unter den Transgender-Oberbegriff-Regenschirm passt, dann werden die Meisten nicht sofort wissen wo. An einem Tag wird man von anderen für Transsexuell gehalten an anderen Tagen für gay männlich. Das kenne ich bestens, ich bin durch einigen Jahrzehnte gekommen, ohne dass es ein Wort dafür gibt, ich hätte auch die nächsten Jahrzehnte geschafft ohne. Aber ich habe bestimmt keine Einwände dagegen, dass es jetzt ein Wort dafür gibt.
Dass ich kein Wort dafür gebraucht habe ist einfach. Wenn ich en femme bin, werde ich einfach so akzeptiert - die Dame da ist Lina, eine Freundin, oder was immer, ich kleide mich und benehme mich in einer Art die zu meiner Persönlichkeit passt und kann so ausgezeichnet durchs Leben gehen, ohne dass "Gender" in meinen Umgebungen thematisiert wird. Und im Männermodus - nur die dümmsten oder unsensibelsten von den Heten haben nicht kapiert, dass ich bi bin, und die dürfen meinetwegen auch dumm sterben. Oder wollen es nicht kapieren, weil es ihr Weltbild stört - kann auch sein. Es gibt auch Zeiten, wo ich überhaupt keine Lust habe en femme zu sein - wo ich einfach mich um meine Kreativ-Projekte kümmere oder wo ich lieber eine alte Cargo-Hose anziehe und lieber einige Runden Sparring mit leeren Händen oder mit irgendwelchen Waffen - meistens Stöcke oder Messer - mache. In den Kreisen, wo ich das mache habe ich den ruf "bad-ass" zu sein. ABER: Wenn da jemand ihr Weltbild gestört sähen, wenn sie wüssten, dass ich auch in eine sehr feminine Seite rüber gleite, dann glaube ich kaum, dass ein Wort wie "gender fluid" viel helfen würde. Auch nicht wenn man es erklären würde, denn ihr Problem ist ja eher etwas mit ihrer eigenen Männlichkeit. Die kommen da mit ihren Tattoos und aufgepumpten Muskeln, 25-30 Jahre Alt - und zeige ihnen mit einer schnellen Bewegung, wie verletzlich sie sind - und dann sollten die auch noch damit Leben, dass eine LGBT-Person das mit ihnen machen kann?
Ich habe aber trotzdem nichts gegen das Wort "gender fluid" - ich finde es super, auch wenn ich es nie explizit vermisst habe.