Wer bin ich und wenn ja - wieviele?
Wer bin ich und wenn ja - wieviele? - # 2

Lebensplanung, Standorte
Lina
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Re: Wer bin ich und wenn ja „ wieviele?

Post 16 im Thema

Beitrag von Lina »

Ich habe öfter, wenn diese Problematik erwähnt wurde, gesagt, dass es wahrscheinlich keine endgültige Antwort auf die Frage gibt wer bin ich/was bin ich. Das gilt für Leute die trans sind, genau so wie für Leute die cis sind. Leute die trans sind kommen nur häufiger darauf, die Frage laut auszusprechen. Zu dem Thema habe ich auch immer wieder die Anschauungsweise des "Inneren Teams" erwähnt.

Hier könnt ihr selber genauer darüber lesen:

http://www.schulz-von-thun.de/files/kar ... s_team.pdf
Sam_11
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Re: Wer bin ich und wenn ja „ wieviele?

Post 17 im Thema

Beitrag von Sam_11 »

Huhu ihr Lieben,

ich dachte ich berichte mal wieder über meine "Suche nach mir selbst". ;)

Vor einiger Zeit hatte ich Besuch von einem Freund, seines Zeichens schwul und daher von mir ausgewählt, als "Opfer" für meine "Outingattacke" bzgl. des "Mannes in mir" und dessen sexuelle Orientierung. Und was soll ich sagen? Er war nicht wirklich überrascht. Nicht mal von der Tatsache, dass der Mann in mir vermutlich schwul ist. Er hat mir unser Kennenlernen und die Zeit danach aus seiner Sicht geschildert und meinte auch, dass sein "gaydar" angesprungen sei im ersten Moment. Allerdings hat er mich nie für eine "typische Lesbe" gehalten, sondern scheinbar unterbewusst das "Schwule" in mir wahr genommen. Ich kann das gar nicht so genau und sinnvoll erklären, aber es war ein Aha-Erlebnis für mich und ihn. :) Jedenfalls war es mal sehr interessant seine Sichtweise genau erklärt zu bekommen und daraus auch viel über mich und mein "Wirken" zu lernen.

In meiner angehenden Beziehung zu einem Mann ist der Stand weiterhin positiv. Ich hab mir jetzt einfach vorgenommen mit ihm über alles offen zu sprechen - den alles andere hat keinen Sinn - und bisher funktioniert das ganz gut. Letztes Wochenende hat er mir tatsächlich mein bisher präferiertes Duftwässerchen in der Herrenvariante mitgebracht mit dem Kommentar, dass das besser zu mir passen würde. Das mag jetzt irgendwie albern klingen, aber das war echt ein total toller Moment. Weil diese kleine Kleinigkeit (die letztlich ja kaum eine Rolle spielt - Duft ist Duft und nur weil "for men" drauf steht, heißt das ja gar nichts) mir gezeigt hat, dass er sich Gedanken macht. *freu*

Grundsätzlich nähere ich mich jetzt für mich dem Ansatz, dass wohl beide Teile (mein biologisch vorgegebener und mein mental vorhandener) gleich stark sind und auch stark von meinem Gegenüber abhängen. Bin ich mit einer Frau zusammen, die mich auch sexuell interessiert, bin ich tendenziell Frau - bin ich mit einem Mann zusammen, der mich auch sexuell interessiert, bin ich tendenziell Mann. Bei allen anderen bzw. im Alltag bin und bleibe ich ein "Mischwesen". Aber das war ja eigentlich schon immer so und wirklich geändert hat sich nur meine Sicht auf bestimmte Aspekte der Zwischenmenschlichkeit und ein Teil meiner Selbstwahrnehmung.

Es scheint, als habe ich einen Weg gefunden, der bisher ganz gut passt.
Gerne berichte ich weiter über neue Erkenntnisse/Erlebnisse etc. pp
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Re: Wer bin ich und wenn ja „ wieviele?

Post 18 im Thema

Beitrag von Cassy »

Also ich kann verstehe was du meinst und sich wenn das jetzt wieder wie ein 0815 Spruch klingt... Sei wie du glücklich bist. Wegen deinem Beziehungsproblem... vielleicht versuchst du jemanden zu finden der selber mehr einen Mittelweg lebt. zB einen femininen Mann, dem es gefällt wenn Frau die rolle des Mannes übernimmt.

Ich finde bei dem was du schreibst liest man sehr schön raus "es gibt nichts was es nicht gibt"

Du bist bi priorisierst dabei Frauen. Nichts was schlimm ist. Finde es schön wie offen du das beschreibst und wünsche dir das du das Gegenstück zu deinem mittelweg findest (ki) (flo)
Sam_11
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Re: Wer bin ich und wenn ja „ wieviele?

Post 19 im Thema

Beitrag von Sam_11 »

Hallo ihr Lieben,

nach über einem Jahr, melde ich mich hier auch mal wieder.

Viel ist passiert. Vieles ist mir klarer geworden.
Auch dank den Statements hier und dem vielen stillen Mitlesen der vielen unterschiedlichen Geschichten.

Es ging mir jetzt wirklich monatelang stetig schlechter. Ich war nur noch krank (eine Erkältung jagte die nächste, dann Magen-Darm, dann wieder Stirnhöhlenentzündung usw.) und habe mich immer mehr zurück gezogen, weil sich einfach nach und nach alles falsch angefühlt hat. Das Feedback der Menschen um mich herum, meine Selbstwahrnehmung, meine Gefühle - einfach alles. Und ich habe immer mehr gemerkt, dass ich das Ganze nicht länger in die Kategorie "kann man nicht ändern, ist halt so, akzeptiere es" schieben kann.

Mein tatsächlich erster Schritt war ein Gespräch mit meinen Eltern. Warum? Keine Ahnung. Vielleicht weil die mich am längsten kennen und auch meine Entwicklung miterlebt haben. Ich weiß noch, als ich mich so mit 14 oder 15 als lesbisch geoutet habe (weil das damals die für mich einzig logische Erklärung dafür war, dass ich mit Jungs auf sexueller Ebene nicht klarkomme und bei Mädchen wenigstens das komische Gefühl nicht so groß war), da wurde das abgetan und mit dem typischen "das geht vorbei, ist nur eine Phase" bedacht. Danach wurde der Umstand einfach ignoriert, dass es auch immer wieder Frauen in meinem Leben gab. Und dann sitze ich da und stammle herum und versuche in Worte zu fassen, dass ich in letzter Zeit immer mehr das Gefühl habe keine Frau zu sein, sondern ein Mann. Noch dazu ein schwuler Mann. Und was sagen meine Eltern? Klingt logisch. Hast du dir schon überlegt wie du das jetzt angehen willst? Joa, da bin ich erst mal aus allen Wolken gefallen. Irgendwie hatte ich mit einer komplett anderen Reaktion gerechnet.

Und was soll ich sagen? Ich bin losgegangen. Wenn alles gut geht habe ich schon einen kompetenten Therapeuten in meiner Nähe gefunden. Mit einer weiteren Therapeutin, die auch als Gutachterin arbeitet, stehe ich ebenfalls in Kontakt und hatte schon Termine bei ihr. Termine, die mir übrigens mehr als geholfen haben und echte Aha-Erlebnisse waren. Alleine durch fragen und nachhaken an bestimmten Stellen meines Lebenslaufes, wurde mir plötzlich klar, dass ich so viele Dinge gar nicht als zusammenhängend begriffen habe, obwohl sie tatsächlich mehr als zusammen hängen. Ich habe einen scheinbar sehr typischen Lebenslauf und auch meine Ignoriertaktik (was ich nicht ändern kann, muss ich halt hinnehmen) ist nicht unbedingt selten. Manche bekommen davon sofort eine echte psychische Krise und setzen sich damit viel früher und intensiver auseinander, andere machen es tatsächlich wie ich und merken nur ganz schleppend, dass irgendetwas nicht stimmt, nicht passt, nicht gut ist.

Ich werde jetzt einfach sehen, wohin mich der Weg trägt. Was ich sagen kann ist, dass es sich soweit wirklich gut anfühlt. Situationen nicht auszuweichen oder sie nach Schema F zu lösen, weil man das als Frau eben so macht, sondern intuitiv zu reagieren, immer mehr die neutralen Klamotten austauschen gegen ersichtlich männliche, dauerhaft Brustbinder tragen und eben ausbrechen aus den ganzen antrainierten Verhaltensmustern, die das eigentliche Verhalten überdecken.

Wenn Interesse besteht, kann ich gerne weiter berichten... :)
ExUserIn-2026-04-08
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Re: Wer bin ich und wenn ja „ wieviele?

Post 20 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Hallo Sam,

(yes)

Ich bin beeindruckt, klingt super. Wenn nur nicht das ewige Hin und Her wäre. Aber das steckt, wie Du gemerkt hast, im eigenen Kopf.
Situationen nicht auszuweichen oder sie nach Schema F zu lösen, weil man das als Frau eben so macht,
"Als Frau" ? Ich denke, Du bist auf einem anderen Weg, Deinem Weg ? Mach's als Mann und schau, was dabei heraus kommt und wie Du Dich auf Dauer dabei fühlst. Aber letztlich sind wir alle Menschen, die ihren Weg nach ihrer eigenen Facon gehen sollten. Da ist die Frage der Geschlechtlichkeit oder besser gesagt, deren Ausdruck nur ein Aspekt.

Aber es gibt so viele Charaktereigenschaften und Talente, die mehr oder weniger in der Gesellschaft geschlechtlich konnotiert sind (z.B. Empathie, Durchsetungsvermögen etc.), aber letztlich nur wenig bis gar nichts mit Geschlecht zu tun haben. Jeder hat in gewissem Umfang diese Eigenschaften. Ich denke, es ist mindestens ebenso wichtig, dass Du diese Möglichkeiten bewusst in Dein Leben einbeziehst. Auch das gehört zur Zufriedenheit. Das Kreisen der Gedanken um Deine Geschlechtlichkeit ist wichtig, jetzt vielleicht besonders wichtig. Aber auf Dauer wirken sie lähmend, zumindest nach meiner Erfahrung.

Du hast Power, lass' sie raus...
Viele Grüße
Vicky

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Sam_11
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Re: Wer bin ich und wenn ja „ wieviele?

Post 21 im Thema

Beitrag von Sam_11 »

Hallo Vicky,

danke für deine Antwort!

Dass mit dem Schema F und "als Frau" meinte ich gar nicht so "geschlechtsorientiert" wie es sich vielleicht anhört. Ich habe nur in letzter Zeit gemerkt, dass ich mir über die Jahre angewöhnt habe vor allem Konfliktsituationen mit einem bestimmten Mechanismus zu lösen, der eben in das Schema F passt, dass "die Gesellschaft" von mir als Frau erwartet. Meine intuitive Reaktion ist jetzt nicht unbedingt "männlich" - zumal ich das wie du sehe, dass eben viel zu viel kategorisiert wird, wo man eigentlich gar nicht kategorisieren sollte - aber eben anders als das, was ich mache um größeren Stress zu vermeiden.

Als Beispiel eine Situation aus meinem Arbeitsalltag: Stress mit dem Chef. Meine bisherige Reaktion, gegen argumentieren, Standpunkt erläutern und wenn er dann doch einen chefmäßigen Ausraster bekommt, geordneter Rückzug. Gleiche Situation, intuitive Reaktion - ich verändere sofort meine Körperhaltung, Schultern breit, aufrecht, Kopf hoch. Und mein Chef fühlt sich sofort bedroht. Eine sehr abstruse Situation. Er kann es nicht einordnen, ich fühle mich mega gut, er wird käseweiß und haut ab. Ich bin sonst auch selbstbewusst, lasse mir die Butter nicht vom Brot nehmen, aber eben immer in dem Rahmen, den ich mir antrainiert habe um nicht aufzufallen, weil ich eben verwirre/irritiere, wenn ich reagiere wie ich eben bin. Sein Fazit nach zwei Zigaretten und zwei Stunden Sendepause "Ich hätte dir vorhin fast eine reingehauen und weiß nicht warum."

Solche Situationen gibt es seit ich mich nicht mehr verstelle immer öfter. Also nicht, dass mir jetzt jeder eine reinhauen will ;) - die Leute bekommen ein Feedback zu mir, dass augenscheinlich nicht zu dem passt, was sie sehen und kennen. Eine gute Freundin sagt, dass ich solche Reaktionen schon immer hatte. Immer dann, wenn ich mich bedroht fühlte oder es wirklich brenzlig war. Ich wirke auch sonst sicher und selbstbewusst, aber sie sagt, wenn ich plötzlich da stehe wie ein Baum, das sei was ganz Anderes. Oder auch, dass meine Stimme sich dann verändert. Tiefer wird, die Betonung wird anders. Bisher immer unbewusst in Situationen, die ich nicht kontrollieren konnte (oder schon immer im Umgang mit meinen Hunden - da habe ich schon vor 10 Jahren gesagt bekommen, dass ich eher führe wie ein Mann), inzwischen bewusst um wieder zu mir selbst zu finden und dem, was mich ausmacht.


Und was das Kreisen der Gedanken angeht - ja die letzten Monate/Jahre wurde das immer schlimmer. Zumal ich mir ja viele Dinge erfolgreich eingeredet habe. Z.B. dass ich lesbisch bin. Ja ich mag Frauen. Und manche ganz besonders. Ich finde sie auf gewisse Weise anziehend. Aber wirkliche verliebt war ich tatsächlich nie in eine Frau. Ich habe da tiefe Freundschaft und auch freundschaftliche Liebe mit dem verwechselt, was wirkliches Verliebtsein ist. Das weiß ich jetzt. Wirklich verliebt war ich immer nur in Männer. Zuletzt war ich ja mit einem Mann zusammen, der recht offen war für alles, was mich so bewegt hat und der auch kein Problem damit hatte, dass ich keinen "normalen" Heterosex haben wollte. Wir haben viel ausprobiert. Und genau deshalb wurde mir auch immer klarer, dass ich schwul bin. Und je mehr mir das klarer wurde und je mehr ich, ich selbst war, desto schwieriger wurde es für ihn mit mir. Er hatte schon mal was mit einem Mann, sagt von sich selbst, dass er bisexuell ist, aber ich war ihm dann auf Dauer einfach "zu männlich und zu schwul". Eine der vielen Ansagen, die mich dann immer mehr ins Chaos gestürzt haben und wegen derer ich nun hier stehe und mit Sicherheit sagen kann "Ich bin ein schwuler Mann.".

Natürlich bleiben auch die Zweifel. Das in Frage Stellen. Das Rotieren um das, was man die letzten 30 Jahre gelebt hat und warum. Ich für mich kann aber sagen, dass ich seit dem ich es einfach mal ausgesprochen habe und mich ernsthaft auf den Weg begeben habe hauptsächlich Erleichterung verspüre. Selbstverständlich renne ich jetzt nicht los und kremple alles um, stürze mich wahllos drauf los und stifte weiter Chaos. Aber ich will mich endlich damit befassen wer ich wirklich bin. Und wenn ich dann doch nicht da ankomme, wo ich im Moment hin möchte, dann ist das auch richtig, Hauptsache ich fühle mich dabei gut. Oder nicht?
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Re: Wer bin ich und wenn ja „ wieviele?

Post 22 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Eine sehr abstruse Situation.
Willkommen in der Welt der Männer ... :roll: :)
Viele Grüße
Vicky

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Maliang Qing Long
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Re: Wer bin ich und wenn ja „ wieviele?

Post 23 im Thema

Beitrag von Maliang Qing Long »

Hallo Sam,

gerade habe ich Deinen Beitrag hier gelesen. Leider habe ich ihn erst heute entdeckt, da ich erst seit ungefähr Dezember 2016 hier im Forum lese.

Durch Deine Schilderungen aus dem vergangenen Jahr hatte ich den Eindruck, dass Du versuchst Dich selbst, Deine Gefühlswelt zu verstehen. Und dies - so dachte ich - versuchtst Du, indem Du Deine Gefühle und Empfindungen in Schubläden, Kategorien - in Worten suchst. Deine Gedanken kreisten um diese Worte. Und mit diesen Worten hast Du dann Dir nahe stehenden Menschen beschrieben, was Dich ausmacht. Ich hatte den Eindruck, dass Du Dich - durch dieses viele Nachdenken und Kreisen-um-Worte - vielleicht immer weiter von Dir selbst entfernst. Und in mir stieg der Gedanke auf, auch wenn Du unendlich viele Worte findest, mit denen Du versuchst, Deine Gefühlswelt zu beschreiben, um sie zu verstehen, bleibt alles doch nur eine Beschreibung, die nie genau das ausdrücken kann, was Du fühlst. Deine Gefühlswelt wirst Du in Worten nicht finden können. Sie ist in Dir. Du kannst sie nur fühlen. Und am besten geht das, ohne zu denken. Ja und was soll ich sagen, ich dachte, vielleicht wäre es gut, mit dem Denken aufzuhören und den Gefühlen nachzufühlen, nachzugeben. Also das zu tun, was Deine Gefühlswelt tun würde. Oder besser, was Du tun würdest, denn Du bist Deine Gefühlswelt.

Bitte verstehe mich nicht falsch. Ich weiß, dass das nicht so einfach ist, wie ich es geschrieben habe. Es ist ein sehr komplexer Prozeß der Veränderung, bei dem Du Hilfe benötigst. Und deshalb habe ich mich sehr gefreut, als ich Deine Beiträge hier von gestern und heute las. Es hat sich seit Juni 2016 sehr viel in Deinem Leben getan. Der Knoten beginnt sich zu lösen. Du hast Dir professionelle Hilfe gesucht. Und die anderen hier im Forum scheinen Dir auch gut zu tun.

Worüber ich mich für Dich auch sehr freue, ist, dass Du die Dinge nun immer öfter intuitiv angehst. Also aus dem Bauch heraus. Also gefühlsmaßig, instinktiv, unbewusst. Sehr schön. Das Bauchgefühl ist meistens das richtige. Das ist meine Erfahrung, je öfter ich meinen Bauch sprechen lasse. Wenn ich darf: Meine Empfehlung für Dich, lasse oft Deinen Bauch sprechen und höre empathisch zu.

Der Titel Deines Betrages "Wer bin ich und wenn ja - wieviele" lässt mich vermuten, dass Du gerne oder gelegentlich philosophische Literatur liest. Wenn dies richtig ist, würde ich Dir gerne ein Buch empfehlen. Solltest Du Interesse haben, lass es mich hier in einem Beitrag wissen.

Ich wünsche Dir alles Gute und einen glücklichen Weg

Lächelnde Grüße
Maliang
Sam_11
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Re: Wer bin ich und wenn ja „ wieviele?

Post 24 im Thema

Beitrag von Sam_11 »

Hallo Maliang,

danke für deine Antwort!

Und nein ich verstehe dich nicht falsch, keine Sorge. Ich weiß ja selbst, dass ich einfach viel zu theoretisch, zu kopfig und zu engstirnig an die Sache rangegangen bin. Vielleicht einfach aus Angst, vielleicht aber auch nur, weil das schon immer meine Art ist. Rational sein, Emotionalität so gut es geht vermeiden. Und wie du sagst verheddert man sich dadurch eigentlich nur noch mehr und entfernt sich tatsächlich von dem, was man ist bzw. dem was einen ausmacht, als dem was man fühlt.

Du kannst mir gerne einen Buchvorschlag machen. Bin immer offen für neues Lesematerial!

Heute Abend ist mein Kennenlerntermin bei dem Therapeuten "umme Ecke" und er wird mir dann auch schon ungefähr sagen können, wann ein Therapieplatz frei wird. Wenn ich Glück habe schon Anfang September oder sogar früher. Sollte die Chemie so gar nicht stimmen, muss ich mir natürlich was überlegen, aber ich bin ganz zuversichtlich, da die Telefonate schon mal sehr angenehm waren. Nächste Woche bin ich dann wieder bei der Dame, die sich in meinem Fall dann als Gutachterin betätigen würde um auch mit ihr einfach noch weiter am Kennenlernen und Aufarbeiten zu werkeln. Und von weiteren Anlaufstellen (Endokrinologe, weiterer Gutachter etc.) habe ich auch schon Kontaktdaten und werde da zeitnah mal vorbeischauen.

Ziemlich krass, wie schnell das jetzt alles ging nachdem ich einfach mal die Pobacken zusammen gekniffen habe und losmarschiert bin. Und ich bin immer noch verdammt überwältig wie unglaublich gut es mir damit geht.

Manchmal ist man echt ein ziemlicher Trottel, wenn man sich so dämlich selbst im Weg rumsteht, dass es einem nur noch elend geht...aber wem sag ich das? Ist einfach schwer sich selbst zu finden und dann die Kraft zu haben wirklich was zu ändern... *seufz*
Maliang Qing Long
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Re: Wer bin ich und wenn ja „ wieviele?

Post 25 im Thema

Beitrag von Maliang Qing Long »

Hallo Sam,

hier bin ich wieder. Leider ging es nicht früher. Es tut mir leid, daß ich Dich habe warten lassen. Bitte entschuldige dies.

Und nun zu meinem Buchvorschlag. Wie ich schon andeutete, handelt es sich um philosophische Literatur. Über das Buch möchte ich nichts schreiben, da eine noch so gute und umfangreiche Beschreibung nicht wiedergeben könnte, wie ich es erlebte. Es wären nur Worte, die bei Dir sicherlich einen Eindruck erzeugen würden, aber dieser wäre nicht der, den ich beim Lesen hatte und habe. Und was noch wichtiger ist, der Autor soll selber zu Dir sprechen. Nur eins möchte ich hier erwähnen. Ich lese das Buch immer wieder einmal, wie jetzt zur Zeit auch. Also ich finde es gut bzw. das, worüber geschrieben wird.

Ja, und jetzt willst Du hoffentlich noch wissen, wie das Buch heißt und wer"™s geschrieben hat. Bitte schön:

Autor: Alan Watts

Titel: Der Lauf des Wassers

Alan Watts stellt in dem Buch den philosophischen Taoismus dar. Ob es z. Z. im Handel erhältlich ist, weiß ich nicht. Aber ich möchte Dir sowieso empfehlen, das Buch in einer Bibliothek auszuleihen. Wenn es Dich anspricht, könntest Du es später ja auch noch kaufen.

Wie war der Kennenlerntermin "umme Ecke"? Wenn Du möchtest, kannst Du ja kurz was schreiben.

Und zum Schluß noch ganz kurz. So wie ich Dich verstehe, scheint es Dir durch das Zulassen Deiner Emotionen immer besser zu gehen. Dann wünsche ich Dir, daß Dir dies immer mehr gelingen mag. Und wenn Du erlaubst, möchte ich Dir in diesem Zusammenhang empfehlen, Dein Denken dabei nicht abzulegen und eventuell ins Gegenteil zu verfallen. Denn wir Menschen sind Wesen, zu deren Wesen Denken UND Gefühle - Gefühle UND Denken gehört. Wir sind fühlende Denkwesen und denkende Gefühlswesen. Beides - Denken und Gefühle - in Harmonie miteinander zu leben, das ist die große Kunst.

Das war es für heute.

Lächelnde Grüße
Maliang
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Re: Wer bin ich und wenn ja „ wieviele?

Post 26 im Thema

Beitrag von Sam_11 »

Hallo Maliang,

das Buch kenne ich sogar. *lach* Bzw. es steht im Bücherregal eines guten Freundes von mir, der sich im Bereich Taoismus gut auskennt. Ich hatte es auch schon ein, zwei Mal in der Hand und habe drin geblättert. Das nächste Mal werde ich es dann wohl mitnehmen und lesen. Sofern ich mich jetzt nicht komplett vertue und es doch ein anderes Buch mit ähnlichem Titel ist...

Der Kennenlerntermin war super. Eine ganzheitliche Einschätzung der Passung kann ich natürlich noch nicht geben, aber ich habe mich wohl gefühlt und freue mich auf den ersten offiziellen Termin und somit den Beginn der Therapie. Das wird Anfang September sein.

Ansonsten habe ich meine Euphorie genutzt ein paar Dinge zu ordnen und auch ein paar Gespräche zu führen, die dringend nötig waren. All das hat mich nochmal zusätzlich bestärkt und ich habe weitere, wertvolle Beurteilungen und Meinungen sammeln können.
Maliang Qing Long
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Re: Wer bin ich und wenn ja „ wieviele?

Post 27 im Thema

Beitrag von Maliang Qing Long »

Hallo Sam,

Du machst ja riesengroße Schritte. Hast Du Siebenmeilenstiefel an? Sagenhaft. Ein Teil kommt zum anderen und Du bist glücklich auf Deinem Weg. Ich sag mal: Weiter so. Schön den Bauch reden lassen und aktiv zuhören. Dann wird das Aufblühen immer leichter und wie von selbst gehen. Viel Euphorie also - auf Deinem Weg.

Das ist ja wunderbar, daß das Buch höchstwahrscheinlich bei einem guten Freund in deiner Nähe steht. Na dann, hurtig hin und befreie es von dem Staub, der sich vielleicht angesammelt hat. Was auch sehr schön ist: Dein Freund wird Dir das Buch sicherlich länger ausleihen als eine Bibliothek. Du kannst es also in aller Ruhe lesen und auch einmal beiseitelegen, um es wirken zu lassen. Wunderbar! Viel Spaß, wünsche ich Dir, und leuchtende Augenblicke. Aber das wirst Du haben, da bin ich mir ziemlich sicher. Natürlich interessiert es mich, wie es Dir mit den Sichtweisen der alten Chinesen geht. Wenn Du also etwas schreiben möchtest, wär es schön. Wenn nicht, dann ist das auch gut. Fühle Dich nicht unter Zugzwang. Also zwinge es nicht, sondern wenn, dann soll es Dein innerer Wunsch sein, dann lass das Schreiben fließen.

Da ich nicht jeden Tag hier im Forum unterwegs bin, sondern nur hin und wieder, manchmal zwei- bis fünfmal in der Woche, manchmal nur einmal in der Woche, kann es sein, daß ich nicht gleich antworte. Sehe dies bitte nicht als Desinteresse. Es ist einfach so, daß ich hier nur bin, wenn ich mir genügend Zeit nehmen kann. Besonders, wenn ich hier meine Gedanken schreibe, nehme ich mir die Zeit, die es braucht. Und ich möchte hier nicht einfach etwas hinhauen, nur, um hier etwas hinzuschreiben. Meine Gedanken, die auch aus irgendeinem kleinen Gefühl erwachsen können, lasse ich gerne etwas gären und dann kann es fließen. Gleichsam wie Wasser, mal schnell, mal langsam, mal vor, mal zurück. Und das braucht seine Zeit. Wenn ich die nicht habe, dann fange ich erst gar nicht an. Also, wenn ich mich hier eine Weile nicht melde, habe etwas Geduld. Ich werde mich melden.

Und nun:

Ich wünsche Dir einen glücklichen Weg und gute Freunde, die Dich begleiten.


Lächelnde Grüße
Maliang
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