Wer bin ich und wenn ja - wieviele?
Wer bin ich und wenn ja - wieviele?

Lebensplanung, Standorte
Sam_11
Beiträge: 23
Registriert: Di 10. Mai 2016, 11:06
Pronomen: Er
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Kontaktdaten:

Wer bin ich und wenn ja „ wieviele?

Post 1 im Thema

Beitrag von Sam_11 »

Hallo zusammen,

nach meiner etwas länger überlegten Anmeldung hier, falle ich dann doch gleich mal mit einem "Roman" und der obligatorischen Tür ins Haus. Seit einiger Zeit studiere ich diverse Foren zum Thema Transgender und allen Spielarten, die dieses kleine Wort zu bieten hat, weil ich je älter ich werde, immer mehr das Gefühl habe, dass bei mir die Kategorien Mann/Frau nicht ausreichen, nicht zutreffen oder wie auch immer man das formulieren möchte. Und weil es mir hier irgendwie am sympathischsten war — tadaa: here I am! :mrgreen:

Zu mir: Ich bin dreißig Jahre alt und biologisch eine Frau. Und da sind wir schon beim Thema. Meine Körperbiologie. Nichts, was mich extrem stört oder mich in echte Krisen stürzen würde, aber auch nichts, was sich vollkommen richtig und gut anfühlt. Und das ist eigentlich schon immer so. Immer latent da, als "komisches Gefühl" oder "Anderssein", aber nie als echtes Problem oder etwas, was mich unglücklich macht.

Als Kind hatte ich eine recht lange Phase, in der ich äußerlich wie auch verhaltenstechnisch, vollkommen als Junge durchgegangen bin. Das war im Prinzip nichts Forciertes oder extrem Gewolltes — es ist tatsächlich einfach so gewesen. Kurze Haare, neutrale bis hin zu jungenhafte Klamotten, hauptsächlicher Umgang mit Jungs und Jungensachen und keiner da, der es ernsthaft in Frage stellte. Lehrer/innen, Verkäufer/innen und andere "Fremde" hielten mich ohne Korrektur von mir selbst, meinen Freunden oder meinen Eltern über mehrere Jahre für einen Jungen. Für mich fühlte sich das so immer richtig an. Als die Pubertät kam und ich logischerweise immer weiblicher wurde, fühlte sich aber auch das nicht zwangsweise falsch an. Irgendwann stellte ich fest, dass meine Umwelt mich allein durch mein Verhalten (okay ich schminke mich nicht, ich trage eher neutrale bzw. männliche Kleidung, aber das ist jetzt ja kein allzu großes Indiz in der heutigen Zeit) meist sofort in die "Schublade" lesbisch schob. Das typische Mannweib. Obwohl ich für mich selbst nicht wirklich zu der Erkenntnis gekommen war, dass ich auf Frauen stehe.

Und hier wird es jetzt kompliziert. Ich nehme andere Menschen nicht direkt nach "Geschlecht sortiert" wahr. Also ich habe kein typisches Männerbild oder Frauenbild anhand dessen ich meinen Gegenüber einordne. Und somit habe ich mich über die Zeit in Männer wie auch in Frauen verliebt. Immer ohne Tendenz zu einem der beiden. Es waren die Menschen, die ich geliebt habe. Nicht ihr Geschlecht. Ihre Geschlechterrolle. Okay, bist du halt bisexuell, dachte ich mir nach den ersten erotischen Träumen über Frauen und der Gewissheit, dass ich den Typen aus der Oberstufe einfach nur zum Niederknien fand. Leider scheint das bei mir nicht ganz so einfach zu sein. Warum?

Zum einen kann und will ich nicht verleugnen, dass ich viele "typische Frauensachen" einfach nicht leiden kann und es mir oft genug gesagt wird, dass ich in Bezug auf viele Dinge "männlich denke". Sei es im Rahmen einer Shoppingtour oder tiefergehend bei der Beziehungsanalyse für meine Freunde. Irgendwie lande ich da immer eher in der "Männerecke" mit dem, was ich dazu zu sagen habe, wie ich Sachen wahrnehme und empfinde und wie ich handle. Zum anderen ist da der sexuelle Aspekt, der mich inzwischen dann doch reichlich verwirrt. Früher war es einfach. Ich verliebte mich, dann schwärmte man, kam vielleicht kurzzeitig zusammen — ein bisschen knutschen, ein bisschen fummeln, erster Sex. Alles irgendwie aufregend, neu und herrlich naiv. Dann wird man älter. Hat die erste(n) ernsthafte(n) Beziehung(en) und registriert, dass irgendetwas nicht ganz ins Schema F passt.

Was genau passt nicht? An sich fühle ich mich — wie gesagt — in meiner weiblichen Rolle nicht völlig unwohl, zumal ich ja ohnehin an Weiblichkeit "einspare" und meinen Mittelweg gefunden habe in Bezug auf meine Umwelt. Ich kann nicht sagen, dass ich meine Brüste und den Rest untenrum hasse oder so, wirklich mögen tun wir uns aber dennoch nicht"¦beim Sex mit einer Frau fühle ich mich momentan prinzipiell wohler. Ich habe ein besseres Körpergefühl und kann mich einfach besser fallen lassen. Beim Sex mit einem Mann ist schon gleich nach den ersten pubertären Erfahrungen ein Unwohlsein entstanden. Nicht weil ich mich mit dem Mann an sich nicht gut fühlte (also in Bezug auf meine sexuelle Orientierung), sondern weil ich ständig das Gefühl habe, dass mir etwas fehlt. Mir fehlt das Mannsein beim Sex mit einem Mann. Dessen bin ich mir inzwischen sicher.

Und jetzt sind wir am Punkt meiner Verwirrung angekommen. Ich fühle mich nicht akut im falschen Körper, solange es um mein "normales" Leben geht und den Sex mit einer Frau. Sobald ich aber mit einem Mann zusammen bin, will ich ein Mann sein. Und inzwischen habe ich auch oft beim Sex mit einer Frau den Gedanken daran, wie es wäre das Ganze als Mann zu erleben.

Beziehungstechnisch hat mich das letztlich in ein Fiasko geführt, da ich meiner lesbische Freundin zu männlich bin und meinem heterosexuellen Freund zu unweiblich. Ja, ich durfte mir Sachen anhören wie "wenn ich einen Kerl wollte, wäre ich nicht lesbisch" bzw. "wenn ich einen Kerl wollte, wäre ich wohl schwul geworden". Nicht nur in Bezug auf den Sex — um mal die schlüpfrige Seite des Themas wieder ein bisschen zu verlassen. Auch auf anderen Ebenen. Kommunikation. Ansichten zu bestimmten Themen. Verhaltensweisen. Wobei ich auf diesen Ebenen nie das Gefühl habe etwas ändern zu müssen, da ich ja einfach bin wie ich bin und mir darüber (bis dato) nicht sonderlich viele Gedanken gemacht habe. Aber in letzter Zeit häufen sich die Fragen und das Gefühl, das etwas nicht passt, nimmt zu. Wirklich etwas an meinem jetzigen Sein will ich aber gar nicht ändern...

Und nun sitze ich hier und suche nach Antworten.
Gibt es für das, was ich bin überhaupt eine Kategorie?
Und wenn ja, würde mir das helfen, wenn ich wüsste, was genau ich bin?
Gibt es andere Menschen, die ähnlich empfinden?
Dwt-Lilo-SL
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 461
Registriert: Mo 8. Apr 2013, 11:38
Geschlecht: Transgender 50%
Pronomen: Mensch
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Wer bin ich und wenn ja „ wieviele?

Post 2 im Thema

Beitrag von Dwt-Lilo-SL »

Hallo Sam,
ich begrüsse dich hier im Forum, (na) (na) (na)
klar gibt es auch Frau z. Mann Entwicklungen.(hier Forum aber wenige???)
" ich gehöre eher in die Teilzeit-Frauen-/Crossdresser-Bereich".
Aber nun zurück zu dir, klar wenn du deine Entwicklung/Erfahrungen mitteilst , wo bist, was bist, wohin geht der Weg.
Ist es für dich nicht ganz einfach da einen Weg zu finden.
Vielleicht kann dir da Anne-Mette weiterhelfen in unserer Flensburger SHG Gruppe
gab/gibt es auch einem Frau zum Mann Transgender und so wie Ich IHN erlebt habe ist er damit total glücklich (he) (he) (he)
und seine Frau auch.
einen Ganz lieben Gruß von Lilo (ki) (ki) (ki)
Seufzer gleiten die Seiten des Herbstes entlang,
Treffen mein Herz mit einem Schmerz dumpf und bang
ExUserIn-2026-04-08
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 3885
Registriert: Do 20. Nov 2014, 15:59
Pronomen:
Hat sich bedankt: 140 Mal
Danksagung erhalten: 1027 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Wer bin ich und wenn ja „ wieviele?

Post 3 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Hallo und willkommen Sam,

tauschen wir ? Was Du schreibst, klingt in manchen Dingen so, wie ich sie bei mir empfinde. Nur eben geschlechtlich umgedreht. Ich habe kein schlechtes Verhältnis zu meinem Körper, aber einem weiblichen wäre ich nicht abgetan.

Ich bin nun ein Vierteljahrhundert älter und habe auch viel über mich nachgedacht und was ich eigentlich bin. Ich habe nicht das Gefühl, dass etwas auf mich wirklich zutrifft. Ich pendle emotional zwischen den Geschlechtern. Aber warum ein Wort oder Kategorie dafür finden ? Zum einen wehren wir uns dagegen kategorisiert zu werden und dann suchen wir uns die Schublade selber aus ? Das ist doch ein Widerspruch. Ich bin dazu übergegangen, mich so zu nehmen, wie ich mich gerade fühle. Also raus aus Schema F und hinein in das eigene Leben. Wo liegt das tiefere Problem ?

Beziehungstechnisch ist das natürlich nicht einfach. Auf Dauer gesehen, sehe ich den Sex aber als Folge einer guten Beziehung und nicht als deren Voraussetzung. Unter guten Beziehung verstehe ich das Zusammensein mit einem Menschen, dem ich vertraue, Nähe spüre, Respekt erfahre und akzeptiert werde. Der Sex kommt von alleine und geht auch auf meine Bedürfnisse ein. Auf der anderen Seite gebe ich das, was ich mir vom anderen wünsche. Das Rücksichtnehmen auf die Bedürfnisse des Anderen ist dann von beiden gewollt. Ich hatte das Glück und habe mehrere Frauen intensiv kennen lernen dürfen. Bei aller Leidenschaft und Faszination habe ich gerade bei der die tiefste Verbundenheit gespürt, bei der ich am meisten von mir gezeigt habe. Ich hoffe, wir sind noch recht lange zusammen.

Klar, man findet den oder die besonders faszinierend, aber die Frage ist, wird er oder sie mir gut tun ? Kann ich ihm oder ihr gut tun ? Die Lösung komplexer Fragen kann viel einfacher sein als man denkt. Ich meine, dass die Verschiebung der eigenen Perspektive manchmal zu sehr überraschenden Ergebnissen führen kann. Klar ist, das Leben zwischen den Geschlechtern ist nicht einfach, aber es ist auch nicht so kompliziert, wie man manchmal denkt. Und es macht einen reicher. Es ist Dein Reichtum. Ich möchte diesen Reichtum leben. Deshalb umgebe ich mich bevorzugt mit Menschen und Dingen, die mir gut tun. Kennst Du das Gedicht von Charlie Chaplin http://www.zeitblueten.com/news/als-ich ... en-begann/ ? Mir hat es die Augen geöffnet.

Viele Grüße
Vicky
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
steffiSH
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 882
Registriert: Di 22. Jul 2014, 08:44
Geschlecht: mennchen
Pronomen: wasauchimmer
Wohnort (Name): Berlin
Hat sich bedankt: 126 Mal
Danksagung erhalten: 48 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Wer bin ich und wenn ja „ wieviele?

Post 4 im Thema

Beitrag von steffiSH »

Sam_11 hat geschrieben: ... dass bei mir die Kategorien Mann/Frau nicht ausreichen, nicht zutreffen oder wie auch immer man das formulieren möchte.

Nichts, was mich extrem stört oder mich in echte Krisen stürzen würde, aber auch nichts, was sich vollkommen richtig und gut anfühlt.

Gibt es für das, was ich bin überhaupt eine Kategorie?

Und wenn ja, würde mir das helfen, wenn ich wüsste, was genau ich bin?
Hallo Sam,

ich habe Deine Post gelesen und ein paar Punkte, die ich für wichtig fand mal in einem Zitat zusammengefasst. Für mich stellt sich Dein Problem so dar, daß Du immer wieder (immer noch) nach einer Mainstream Schublade suchst, in die Du hineingehörst, aber die Wenigsten oder vielleicht sogar Niemand passt in die gesellschaftlich genormten Schubladen rein.
Bei den Mitgliedern hier, die ja schon eine ganz besondere Gruppe Menschen beinhaltet ist es ähnlich inhomogen: die Einen wollen voll und ganz Frau sein, die Anderen nicht; die Einen gehen in Frauenkleidung unter die Menschen, die Anderen nicht. Die Grundlage für unsere Gruppe hier ist Toleranz.
Seit ich weniger versuche es den Leuten Recht zu machen (ohne sie zu verletzen) habe ich mehr Raum für mich und mir geht's besser.
Natürlich gibt es auch für mich Konventionen nach denen ich mich richte weil es einfach sinnvoll ist für mich: Warum sollte ich meinem Vater erzählen, daß ich gerne mal einen BH trage? Der kriegt 'n Schock fürs Leben.
Mein Tip: Versuche Frei zu sein und so lange Du andere Leute nicht verletzt ist alles Gut und Dir gehts besser.
:D
sum sum sum - no Latein
Sam_11
Beiträge: 23
Registriert: Di 10. Mai 2016, 11:06
Pronomen: Er
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Kontaktdaten:

Re: Wer bin ich und wenn ja „ wieviele?

Post 5 im Thema

Beitrag von Sam_11 »

Danke für die schnellen Antworten und die freundliche Aufnahme!

@Lilo: mein Haupt"problem" ist eigentlich, dass ich mich nicht wie ein "echter" Frau-zu-Mann-Transgender fühle bzw. das für mich - nach längerem Recherchieren und Reflektieren - nicht wirklich der richtige Weg zu sein scheint. Ich habe logischerweise das Buch von Balian Buschbaum gelesen, jede Doku zum Thema, die ich finden konnte angesehen und auch sämtliche Filme und weitere Bücher mit der Thematik "durchgearbeitet". Mit dem Ergebnis, dass mir zum endgültigen Mannseinwollen dann doch das stetige Unwohlsein fehlt. Und die komplette Ablehnung meiner biologischen Geschlechtsmerkmale. Und einfach die finale Erkenntnis, dass das Falschfühlen mit dem Mannsein behoben wäre. Ich glaube nämlich nicht, dass das so ist.

Ja, ich könnte mich jetzt damit zufrieden geben, eine lesbische Frau suchen, die mit meinem "Männlichsein" kein Problem hat und als Klischeelesbe glücklich werden. Das ist aber auch nicht mein Weg. Ich habe mich gerade aktuell wieder in einen Mann verliebt und stehe - mal wieder - vor mir selbst und versuche mich und meine Empfindungen zu ergründen. Und vor allem das, was dahinter steht. Ich habe mich in einen Menschen verliebt. Der tut mir gut. Trotzdem würde ich mich in genau dieser Konstellation besser fühlen, wäre ich ein Mann...verdreht, ich weiß.


@Vicky: Tauschen? Sofort! ;) Aber eben nicht für immer...das ist es ja, was mich so verrückt macht. Das ich mit dem finalen Ergebnis F2M vermutlich das Gleiche wieder andersherum fühlen würde.

Was den Sex angeht hast du sicher recht. Nur ist es für mich einfach schwer das Ganze überhaupt in Worte zu fassen. Nicht weil ich verklemmt wäre oder so, sondern weil ich selbst manchmal nicht weiß, was sich in welchem Moment richtiger anfühlen würde. Und vor dem Sex kommt ja auch einiges, worüber man recht schnell reden sollte bzw. was von Anfang an klar ist. Oder eben nicht.

Ich lerne jemanden kennen, wir verstehen uns gut - die berühmte Wellenlänge passt und alles andere auch. Dann irgendwann sieht man sich häufiger, unternimmt etwas zusammen, verbringt Zeit miteinander. Und genau an diesem Punkt scheitert es dann oftmals schon, weil ich nicht in das "Erwartungsbild" der jeweiligen Person passe, einfach weil deren Wahrnehmungsschablone schon an meinen schwammigen Umrissen scheitert...man will mich als Frau wahrnehmen, bekommt aber in gewissen Teilen einen Mann. Und ich will für die jeweilige Person Frau sein, kann aber in manchen Momenten nur Mann sein, weil ich die "passende" Denkweise schon gar nicht hinbekomme. Und so kommt man sich immer wieder ins "Gehege"...und Sex hatten man dann noch lange nicht.


Meine beste Freundin ist so ziemlich der einzige Mensch, der meine "beiden Seiten" zu schätzen und erkennen weiß. Wenn ich mit ihr unterwegs bin, kann ich auch recht offen einfach "dem Mann in mir" Platz geben. Ihr gegenüber habe ich auch das erste Mal darüber gesprochen, was und wie ich fühle. Für alle anderen bin ich weiterhin die "Hardcorelesbe"...und das stimmt so einfach nicht...*seufz*
Sam_11
Beiträge: 23
Registriert: Di 10. Mai 2016, 11:06
Pronomen: Er
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Kontaktdaten:

Re: Wer bin ich und wenn ja „ wieviele?

Post 6 im Thema

Beitrag von Sam_11 »

@Steffi: sorry, dich hat es mir erst angezeigt, als ich schon auf "Absenden" gedrückt hatte.

Ja, ich weiß, dass ich mich nicht einkategorisieren kann und das auch nicht tun sollte.

Aktuell ist es bei mir halt einfach gerade wieder akut geworden mit dem Suchen und Forschen, da ich mit einem Mann zusammen gekommen bin (bzw. wir befinden uns noch in der "Übergangsphase" ;) ) und dieses Zusammensein sich in allen Punkten richtig und gut anfühlt - außer in dem Punkt, dass ich eben selbst kein Mann bin. Ich habe das Thema auch schon dezent angesprochen - und ihn anscheinend nicht gleich in die Flucht geschlagen - aber er ist da halt noch unsicherer als ich...deshalb suche ich jetzt wahrscheinlich einfach Leute, die mir sagen "Alles wird gut"... :)
Sus_Pender
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 200
Registriert: Di 2. Feb 2016, 08:58
Geschlecht: männlich
Pronomen:
Wohnort (Name): Sachsen
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Kontaktdaten:

Re: Wer bin ich und wenn ja „ wieviele?

Post 7 im Thema

Beitrag von Sus_Pender »

Hallo Sam,

ein liebes Willkommen von mir und

ich kann sehr gut nach empfinden was Du schreibst und was Du meinst.
Auch bei mir ist es ebend nur genau anders herum. Ich mag aber beides in und an mir.
Beides möchte ich nicht her geben, da ich mich immer auf das einlasse, was mir gerade gut tut.
Ich möchte das von meinen Vorrednerinnen nicht alles wiederholen, aber
meine Zustimmung geben.
Im Moment möchte ich Dir aber sagen, ich bin ganz bei Dir und werde mich sicherlich,
wenn ich mehr Zeit dafür habe, auch noch einmal in ausführlicherer Form dazu äußern.
Bis dahin kannst Du ja auch die Beiträge von mir und den anderen Mädels durchlesen,
um auch einen Blick für jede von uns zu bekommen, die Dir hier antworten.

Bis Später und liebe Grüße
von Susi (flo)
Von Nichts kommt Nichts
Sam_11
Beiträge: 23
Registriert: Di 10. Mai 2016, 11:06
Pronomen: Er
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Kontaktdaten:

Re: Wer bin ich und wenn ja „ wieviele?

Post 8 im Thema

Beitrag von Sam_11 »

@Susi: entschuldige, dich hat es auch unterschlagen...danke auch an dich und deine Worte! Es ist schon mal schön zu lesen, dass ich mit dieser Nicht-ganz-das-Eine-aber-auch-nicht-das-Andere-Empfindung nicht alleine bin. Habe wohl bisher tatsächlich die "falschen" Leute dazu befragt...
ExUserIn-2026-04-08
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 3885
Registriert: Do 20. Nov 2014, 15:59
Pronomen:
Hat sich bedankt: 140 Mal
Danksagung erhalten: 1027 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Wer bin ich und wenn ja „ wieviele?

Post 9 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

(moin)
Aber eben nicht für immer...das ist es ja, was mich so verrückt macht. Das ich mit dem finalen Ergebnis F2M vermutlich das Gleiche wieder andersherum fühlen würde.
Ja genau so sehe ich das auch für mich... Außer, dass es mich nicht mehr verrückt macht oder besser gesagt, dass ich mich verrückt machen lasse ...
Ich lerne jemanden kennen, wir verstehen uns gut - die berühmte Wellenlänge passt und alles andere auch. Dann irgendwann sieht man sich häufiger, unternimmt etwas zusammen, verbringt Zeit miteinander. Und genau an diesem Punkt scheitert es dann oftmals schon, weil ich nicht in das "Erwartungsbild" der jeweiligen Person passe, einfach weil deren Wahrnehmungsschablone schon an meinen schwammigen Umrissen scheitert...
Was soll ich sagen ? Lass' es laufen, spiel' mit offenen Karten und schau was passiert. Ein Partner muss Dich nehmen wie Du bist, zumindest in den Grundsätzen. Anders herum ist es ja auch nicht anders. Aufeinander zugehen kann man dann immer noch. Etwas anderes kann gar nicht funktionieren, denn Verbiegen hilft nicht auf Dauer. Das kann schmerzhaft werden, aber Du bleibst Dir treu. Das ist mMn sehr wichtig.

Und es kann weh tun. Davor haben wir Angst. Aber kennst Du eine Alternative ? Ich nicht.
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
ExuserIn-2017-11-07

Re: Wer bin ich und wenn ja „ wieviele?

Post 10 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2017-11-07 »

Hallo,

in vielem was du schreibst finde ich mich wieder. Zwar aus der anderen Perspektive. Aber immerhin. Auch bei mir empfinde ich letztlich so, dass ich nicht denke, dass eine Geschlechtsumwandlung nicht die Lösung aller Probleme darstellt. Zudem ich mich auch durchaus als Mann definiere, der nur zeitweise gerne eine Frau wäre und nicht für immer. Und dieses Empfinden vor allem im Sexuellen seinen Ausschlag findet und eher weniger bis gar nicht im "normalen" Leben außerhalb. Mit meiner Freundin war ich mehrere Jahre bis zur Trennung zusammen und beim Sex mit ihr dachte ich meist daran, dass ich eine Frau wäre. Was dann kommt ist das schlechte Gefühl oder Gewissen, dass etwas in der sexuellen Beziehung fehlt bzw. man dem Partner nicht das komplett geben, was dieser gerne hätte. In anderen Worten der Sex war eher langweilig. Aber natürlich besteht das Leben aus mehr als nur sexuellen Aspekt und in dieser Hinsicht funktionierte meine Beziehung wiederum bis fast zum Schluss ganz gut.

Viele Grüße...
Nicola
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 145
Registriert: Di 17. Nov 2015, 20:14
Geschlecht: non-binär
Pronomen: alles ausser er
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Wer bin ich und wenn ja „ wieviele?

Post 11 im Thema

Beitrag von Nicola »

Hallo Sam, auch von mir ein herzliche Willkommen. Wie auch von anderen beschrieben, sehe ich Parallelen zu mir, jedoch von der anderen Seite aus. Bezüglich Sexualität kann ich dir nicht gross Tipps geben, ich bezeichne mich zwar als bi, bin jedoch schon seit 20 Jahren mit meiner Frau zusammen und unsere Beziehung hat nach einer grösseren Kriese an Intensität gewonnen. Ich bin schon einiges älter wie du, Anfang 50 und habe vor einem Jahr begonnen mich in meinem ganzen Umfeld zu outen als Mensch zwischen den Geschlechtern, nicht binär, intertrans oder was auch immer. Zu deiner am Anfang gestellten Frage eine Kategorie zu finden was du bist, denke ich es ist fliessend, ich versuche auch immer wieder Umschreibungen und Begriffe zu finden, letztendlich bin ich einfach ein Mensch der sich weder der Kategorie Mann noch Frau zuordnen kann sondern von beiden etwas hat.
Liebe Grüsse Nicola
darkwood

Re: Wer bin ich und wenn ja „ wieviele?

Post 12 im Thema

Beitrag von darkwood »

Hallo Sam,

ich will hier nur auf deinen letzten Absatz eingehen,
ich galube es macht keinen Sinn alles zu kategoriesieren oder den Versuch dies herbeizufuehren.
Die Erlebnisse mit deinen Partnern beiden Geschlechts zeigen, dass jene Dich nicht als das wahrgenommen haben was Du bist; jemanden der sich nicht klar einer Geschlechterrolle zugehoerig fuehlt.
Liebe beeinhaltet allerdings die Akzeptanz jemanden anzunehmen und eben nicht zu versuchen ihn in eine Schublade zu stecken.
Ich hoffe dass Du jemanden begegnest der Dich liebt wie Du bist (eben nicht nur auf sexueller Ebene) und die Vorzuege zu schaetzen weiss, die Du mitbringst.

Bei mir ist das nicht aehnlich, da ich mich nicht zu beiden Seiten hingezogen fuehle (sexuell); allerdings habe ich eine stark "weibliche" Seite, was im Verlauf meines Lebens dazu fuehrte dass meine engsten Freundschaften "Frauenfreundschaften" sind und meine Partnerin eine sehr ausgepraegte "maennliche" Seite aufweist. Einige Jahre zuvor war ich eher geneigt ueber mich selbst zu denken, dass da etwas "nicht richtig" sein koennte und ich vielleicht im "falschen Koerper" geboren wurde; der Fakt das meine Partnerin so ist wie sie ist und ich mich nicht so verhalte wie es die Gesellschaft mir abverlangt hat dazu gefuehrt das diese Fragen verschwunden sind.

Es ist also (zumindest gilt das fuer mich) auch davon abhaengig wie sich die Menschen die einem am naechsten sind verhalten: ob jene mich bestaerken oder aber mir Vorwuerfe machen, die zu einer erhoehten Unsicherheit in mir fuehren koennen.

Ein Partner sollte einem niemals vorwerfen was wir sind; in dem Falle solle er/sie sich fragen warum er/sie nicht erkannt hat wen er vor sich hat:
mangelndes Interesse/Aufmerksamkeit; Egoismus

))):s
Sam_11
Beiträge: 23
Registriert: Di 10. Mai 2016, 11:06
Pronomen: Er
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Kontaktdaten:

Re: Wer bin ich und wenn ja „ wieviele?

Post 13 im Thema

Beitrag von Sam_11 »

@Vicky: gut verrückt machen ist vielleicht die falsche Wortwahl - es ist jetzt keine Dauerdenkschleife oder so. Es ist nur die unlogische Suche nach Logik oder so...*lach* Momentan mache ich mich halt verrückt bzw. verrückter als sonst, weil ich eben auch Fragen gestellt bekomme von "außen" - also nicht nur Selbstreflektion, sondern auch Reflektion durch andere Menschen. Und gerade aktuell werde ich einfach - mal wieder - mit der Hoffnung anderer konfrontiert, dass man mich irgendwo "einsortieren" kann. Also fange ich an zu suchen...auch wenn das in meinem Fall wohl oder übel zu nichts führt...und im Grunde weiß ich das auch. Ich bin wie ich bin. Punkt. Aber...*lach*

@Barbara: es freut mich, dass auch du gewisse Empfindungen nachvollziehen kannst - das ist mir schon sehr viel wert. Ich klinge jetzt vielleicht so "auf den Sex konzentriert", weil das bisher immer das Hauptproblem war. Neben den Dingen, die dann eben im Alltag "auffallen". Und weil es eben gerade wieder langsam aber sicher in den Fokus rückt das Thema. Ja mag sein, dass ich auch dieses Mal nicht "den Richtigen" gefunden habe, aber ich kann es ja nur rausfinden, wenn ich offen bin, ausprobiere und dann mit ihm darüber rede...und ja bei einem Heteromann (meinetwegen mit Bi-Tendenzen) ist es trotzdem nicht ganz einfach das Thema "schwuler Sex" anzusprechen und für mich ist das ein Aspekt der mich einfach beschäftigt und den ich für mich noch ergründen muss - was genau will ich? Was brauche ich? Was ist möglich und wie? Und da ich kein Biomann bin kommen dann noch all die körperlichen Aspekte und Nicht-Aspekte hinzu... *hört jetzt auf zu jammern*

@Couchlöwe: Danke auch für dein Statement! So "verzweifelt" wie ich mich anhöre, bin ich gar nicht. *lach* Ich denke auch, dass ich iwann den/die Richtige/n finde. Und dann sollte sich das auch passend anfühlen. Ich bin nur einfach aktuell etwas aufgewühlt und "orientierungsloser" als sonst, weil ich es eben nicht nur mir "erklären" muss, sondern auch jemand anderem. Und das ist schon bei Sachen wie "Ich fühle mich mit deinem Verhältnis zu deiner Exfreundin unwohl" schwierig bzw. nicht mal eben erklärt. Bei Sachen wie "Ich fühle mich zu manchen Teilen eher als Mann denn als Frau" wird es dann schon echt komplex und man muss eben herausfinden wie man es am Besten deutlich macht. Alleine der Input hier hat mir bei manchen Erklärungsansätzen schon gut geholfen!

@Nicola: ich denke die Umschreibung "Mensch zwischen den Geschlechtern" passt schon ganz gut. Aber wie du eben aufzählst gibt es so viele Begrifflichkeiten und Definitionen, da bin ich schon teilweise verwirrt - vor allem, wenn mich dann jemand auf den Kopf zu fragt ob ich XY bin. Aber ich sehe schon, dass ich mit eurer Hilfe sicher bald zu einer plausiblen, individuellen Erklärung kommen werde und wer die nicht kapiert...selber schuld. :P

@darkwood: danke auch für deine Worte! Sicher ist es falsch alles kategorisieren zu wollen. Das geht ja gar nicht. Vielleicht liegt es bei mir tatsächlich daran, dass ich außer meiner besten Freundin niemanden habe, der es "ernst" nimmt, wenn ich versuche mich zu erklären. Meine Eltern ignorieren schon die Tatsache, dass ich auch mit Frauen zusammen war/bin seit Jahren stoisch. Ein "Outing" in Bezug auf meine männliche Seite würde somit gar nichts bringen - beim Rest der Familie noch viel weniger. Mein bester Freund weiß es auch - wobei ich bei ihm auch immer das Gefühl habe er meidet das Thema, weil er keine Ahnung hat wie er damit "umgehen" soll, obwohl es ja an mir und meinem Sein nichts ändert. Ich bin ja weiterhin ich. Auch wenn er sich mit "dem Mann in mir" auseinander setzt...

Ich bin jedenfalls froh, dass ich hier her gefunden habe! :)
JaquelineL
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 860
Registriert: So 24. Nov 2013, 20:45
Geschlecht: Bio-TS
Pronomen: sie
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Wer bin ich und wenn ja „ wieviele?

Post 14 im Thema

Beitrag von JaquelineL »

Hallo Sam,

ich habe da eine Schublade für Dich gefunden: Das steht als Etikett "Sam_11" drauf :-P Wobei ich, im Gegensatz zu manch' anderen hier, nicht auf dem Kriegsfuß stehe mit solchen Etiketten: Mir haben sie geholfen, durch den Vergleich "Ich <-> Schublade" die Unterschiede und Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten und dadurch Facetten an mir zu entdecken, die davor unbemerkt blieben.

Und wenngleich meine Selbstdefinition sehr von Deiner abweicht: Die von Dir weiter oben beschriebenen Kriterien wie Ablehnung des eigenen Körpers, Lebenskrise usw. treffen auf mich auch nicht zu und dennoch stufe ich mich mittlerweile in einer Kategorie ein, für die diese Merkmale quasi zementiert zu sein schienen. Das hat mich ein wenig Zeit gekostet, da ich daraufhin Optionen ausgeschlossen hatte, die sich heute als der anscheinend richtige Weg darstellen. Insofern Vorsicht bei Büchern, Medien und Berichten anderer Betroffener: Das Leben ist sehr vielfältig :)

Liebe Grüße
Jackie
Today is the first day of the rest of my... forget it.
Sam_11
Beiträge: 23
Registriert: Di 10. Mai 2016, 11:06
Pronomen: Er
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Kontaktdaten:

Re: Wer bin ich und wenn ja „ wieviele?

Post 15 im Thema

Beitrag von Sam_11 »

@Jackie: Danke auch für deine Antwort!

Wirklich auf der Suche nach einer "Schublade" bin ich ja gar nicht. Nur nach Erklärungsansätzen, die auch für Menschen verständlich sind, die eben nicht nachvollziehen können wie genau ich mich fühle und warum. Einfach weil ich für mich jetzt nicht mehr ignorieren kann und will, dass ich eben in bestimmten Punkten "anders ticke".

Bücher, Medien und Berichte nutze ich eigentlich hauptsächlich dazu, dass ich meinen Horizont erweitere. Nur dank Balian Buschbaum begann ich überhaupt in diese Richtung nach Antworten für mich zu suchen. Es war ja nichts falsch bisher oder komisch - es fühlten sich nur bestimmte Sachen auf lange Sicht immer seltsamer an. Und mit seinem Buch eröffnete sich für mich dann nochmal eine ganz neue Sichtweise auf die menschliche Biologie und Psyche. Dass sein Weg nicht mein Weg ist, war mir eigentlich recht schnell klar. Dass gar kein Weg aber auch nicht passt, war aber auch schnell klar. Und deshalb bin ich nun schlussendich auch hier gelandet. Und ja, schon nach zwei Tagen habe ich für Vieles nochmal einen perspektivischen Input bekommen, der mir bisher fehlte. Vor allem in Bezug auf den großen Bereich der "Grauzone", die ja hier deutlich in der Überzahl ist, im Gegensatz zu denen, die tatsächlich in eine "vorgefertigte Schublade" passen.
Antworten

Zurück zu „Körper - Gefühle - Empfindungen“