Sich selbst lieben - TS oder nicht?
Sich selbst lieben - TS oder nicht? - # 2

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Nicole Fritz
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Re: Sich selbst lieben - TS oder nicht?

Post 16 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

Hallo Mina,

vielleicht würde eine Therapie wirklich helfen, wenn nicht Psychotherapie und Psychiatrie als negative Schlüsselerlebnisse fest in meinen Hirn eingebrannt wären, was bei mir panische Angst erzeugt. Auslöser ist meine Tante. Sie wurde im Krieg bei einem Bombenangriff verschüttet und war davon stark traumatisiert. Da es keine Zeugen für diesen Vorfall gab, glaubte man ihr diese Geschichte nicht und hielt sie einfach nur für geisteskrank. Ein Jahrzehnte dauerndes Martyrium mit Tabletten, Alkohol und immer wieder geschlossener Psychiatrie waren die Folge.

Da ich schon als Kind spürte dass ich irgendwie anders war, entwickelte ich eine panische Angst davor, dass ich vielleicht verrückt sein könnte und man mich in der Psychiatrie weg sperrt. Also bemühte ich mich immer auf andere möglichst "normal" zu wirken. Das ist sicher einer der Gründe, warum ich nie ich selbst sein konnte. Dann war es so, wie es Simone 65 von sich beschreibt: Metallbaukasten, Moped, keine Freundin, usw. Mit "nur" gut 100 Kg ging es körperlich bei mir nicht ganz so weit.

Soll ich also die panische Angst überwinden und mich auf eine Therapie einlassen? Ich habe Karate gelernt. So etwas verlernt man nicht, auch wenn der Körper stark abbaut. Wenn nun der Psychologe tief in einer Wunde bohrt und ich deswegen ausraste, genügt ein Schlag und er ist tot. Und in den Knast will ich nicht. Es kann sein, dass auch das einfach wieder nur Angst ist. Muss ich es aber riskieren oder ausprobieren?

Anmerkung zum Thema Überreaktion: Wenn ich einige Entwürfe für Antworten hier im Forum abgeschickt hätte, wäre ich schon lange nicht mehr dabei. Anne-Mette hätte mich wegen extrem bösen, beleidigenden, zynischen und sarkastischen Äußerungen raus geschmissen. Ich habe mir aber angewöhnt eine Nacht zu schlafen, bevor ich brisante Dinge vielleicht äußere. Aus diesem Grund halte ich mich auch aus dem Chat raus.

Mein Cousin hat übrigens gesagt, dass ich viel ausgeglichener und freundlicher wirke, wenn ich als Nicole zu ihm herüber komme. ))):s Es ist wie Du es schreibst. Mit Nicole verbinde ich nicht diese ganzen negativen Schlüsselerlebnisse. Ob das nun irgendwie trans* ist, kann doch Sch..egal sein.

LG Nicole )))(:
Martin-a
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Re: Sich selbst lieben - TS oder nicht?

Post 17 im Thema

Beitrag von Martin-a »

Hallo Nicole und die anderen

Kenne das Gefühl aus eigener Erfahrung. In Rock und Kleid ist es mir angenehmer und wohler als in Hose oder erst Anzug. (moin) Letzteren lehne ich komplett an, weil der Anzug auch ein Symbol der Unterdrückung und Gleichschaltung ist. (ag)
Leider kann ich im Dorf oder Am Arbeitsplatz 1 noch keinen Rock/Kleid tragen. (ag) Und umziehen muss ich mich immer unterwegs oder am Arbeitsplatz 2.
Kunststück kann das in Depressionen und Frustfressen ausarten. (ag) Da begreife ich Euch komplett und kann mit Euch mitfühlen und mitleiden. (so) :shock:

Je nach Fall wäre eine Psychotherapie angebracht. Die muss aber so aufgebaut sein, dass sie auch ins gewünschte Ziel führt. Sonst ist sie kontraproduktiv und verschlimmert die Situation noch.

In meiner Nachbarschaft lebt auch ein Mann, der am liebsten eine Frau wäre. Doch er hat einen Job, den er nicht verlieren möchte. Somit ist er/sie quasi zwischen drin gefangen. (ag) Ist sehr hart für ihn. :( (wo) Er kleidet sich auch zwischen drin.

LG Martin(-a?)
Zuletzt geändert von Martin-a am Mi 5. Jul 2017, 11:51, insgesamt 1-mal geändert.
Eigentlich schwimme ich nicht gegen den Strom. Ich stehe am Rand des Stromes und schaue den anderen Normalos zu, wie sie der Masse hinterherschwimmen und der erste in einem Wettbewerb sein wollen, den sie nicht gewinnen können.
Mina
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Re: Sich selbst lieben - TS oder nicht?

Post 18 im Thema

Beitrag von Mina »

Nicole Doll hat geschrieben: Di 4. Jul 2017, 11:53 vielleicht würde eine Therapie wirklich helfen, wenn nicht Psychotherapie und Psychiatrie als negative Schlüsselerlebnisse fest in meinen Hirn eingebrannt wären,
Nicole Doll hat geschrieben: Di 4. Jul 2017, 11:53 Soll ich also die panische Angst überwinden und mich auf eine Therapie einlassen?
Huhu Nicole,

ich kann Dir nicht sagen was Du tun sollst. Zuhören und ein Wegweiser sein vielleicht aber schon. )))(:

Und genau darum dreht es sich, wenn Du bereit bist Hilfe anzunehmen, wirst Du es merken. Das kommt von innen heraus. Vielleicht fühlst Du dich wohler dabei, wenn Du Nicole auslebst und positive Erfahrungen sammelst. Das Du die schönen Seiten im Leben verinnerlichst und es Dir leichter fällt, zu einem späteren Zeitpunkt eine Entscheidung zu treffen. ))):s

Was meinst Du? Das Feedback hast Du durch Dein Umfeld bereits (Cousin).

Liebe Grüße
Mina
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Re: Sich selbst lieben - TS oder nicht?

Post 19 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Hallo Nicole,

in einer Therapie wird heute keiner "weggesperrt".
Wenn nun der Psychologe tief in einer Wunde bohrt und ich deswegen ausraste, genügt ein Schlag und er ist tot.
Problematisch wird es aber, wenn man zur Gefahr für sich und andere wird. Dein Jähzorn wie Du ihn beschreibst, klingt nach Kontrollverlust. Für mich ist das ein viel ernsteres Thema als T*. Hier wäre es vielleicht sinnvoll, Hilfe zu suchen.

Grüße
Vicky
Viele Grüße
Vicky

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ab08
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Re: Sich selbst lieben - TS oder nicht?

Post 20 im Thema

Beitrag von ab08 »

Hallo Nicole,

Jähzorn-Angst-Überreaktionen...das kann auch andere Gründe haben.
Hast Du einen guten Endokrinologen ? -> Früher (vor circa 15 Jahren) hatte ich nämlich ähnliche Symptome.
Nach meiner Kehlkopfoperation schickte mich eine kluge Amtsärztin 2004 dann zu einem Endokrinologen (Prf. Heinen/Nürnberg inzwischen im Ruhestand)

-> Bei mir hatten die Erregungszustände(incl. Schlafprobleme) mit meiner Schilddrüse(!) zu tun.
Seit ich richtig eingestellt bin (bei mir Euthyrox 100ug/ täglich) ist das weg und es geht mir gut.
Die gleiche endokrinologische Praxis betreut übrigens auch seit 2008 meine HET. *)

Liebe Grüße
Andrea

P.S. Bei psychiatrischen Einrichtungen ist es ähnlich wie bei anderen Kliniken auch.
Es gibt welche, die Dir sehr gut helfen können und welche, die bisweilen weniger effektiv sind... :oops:
*) http://hormone-nbg.de/
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Re: Sich selbst lieben - TS oder nicht?

Post 21 im Thema

Beitrag von Eisfee »

Ein Problem für viele von uns könnte die gesellschaftlich und gesetzlich bedingte, nahezu zwanghafte Suche nach der Definition für Transsexualität sein.
Ich nenne es übrigens gerne die Suche nach dem Wohlfühlgeschlecht.
))):s

Man könnte es übrigens auch mal anders herum versuchen anzugehen:

Natürlich hatte ich mich auch oft gefragt, ob ich nun wirklich transsexuell sei im psychologischen und medizinischen Sinne. Und ich habe auch sehr ernsthaft nach alternativen Lebensmodellen für mich gesucht.
Schließlich hatte ich dann aber irgendwann doch beschlossen den Rest Männlichkeit für immer abzulegen und fortan nur noch weiblich zu leben.
Und das übrigens ganz unabhängig davon, ob irgendein Arzt, Psychologe oder sonst irgendein Mensch auf der Welt mir überhaupt jemals den Status transsexuell anerkennen würde.
Das weiß doch am Ende eh niemand so ganz genau.
:shock:

Fragt Euch doch einfach mal ganz unbefangen, wie ihr gerne leben wolltet, wenn es keinerlei spezielle gesellschaftliche/gesetzliche Anforderungen gäbe.
Fragt Euch unter welchen Lebensumständen oder in welcher temporären oder dauerhaften Geschlechterrolle ihr zufrieden sein würdet.
Trennt Euch gedanklich dabei am besten von Eurem ganzen Verwandten-, Bekannten- und Freundeskreis.
Stellt Euch vor, ihr wäret allein in einer neuen Gegend, niemand kennt Euch.
Jeder würde Euch tolerieren, egal wie ihr lebt.
(na)

Mir ist natürlich auch klar, dass sich einfach so gegen jegliche gesellschaftliche Konventionen oder Anforderungen dem Wohlfühlgeschlecht zuzuordnen, ein deutliches Selbstbewusstsein voraussetzt.
Aber die ewige Suche nach der Wahrheit hinter der eigenen Transsexualität ist eben auch nicht immer die beste Lösung.
ExUserIn-2026-04-08
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Re: Sich selbst lieben - TS oder nicht?

Post 22 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Die lieben Begrifflichkeiten... Wer die Deutungshoheit hat, hat die Macht... Und um die wird manchmal heftig gerungen. Da hilft es manchmal nur, sich zu distanzieren und selber zu definieren.

Ich gebe ich mit Deinem Statement völlig Recht, Sandra, und möchte noch einen Schritt weiter gehen. "Wohlfühlgeschlecht " kann eben auch als eine Schublade verstanden werden. Nämlich die, in die ich mich selber stecke. Aber tatsächlich schwingen meine Emotionen beim Thema Geschlecht, so dass ich gar keine feste Position habe. Seit ich denken kann, habe ich in mir den Wunsch gespürt, das Geschlecht immer so wählen zu können, wie ich mich gerade fühle. So sähe dann meine Phantasie zum Thema aus.

Aber es kann passieren, dass man dafür wieder diskriminiert wird. Denn wer sich keiner Gruppe zugehörig bekennt, wird schnell als suspekt betrachtet. Warum legen denn viele TS so viel Wert darauf, sich von anderen T* abzugrenzen ? Warum sind so viele CD darauf bedacht, den sexuellen Aspekt zu leugnen ? Fehlt uns denn der Mut, einfach nur zu uns selber zu stehen, ohne dass wir uns in Relation zu anderen betrachten ?

Liebe Grüße
Vicky
Viele Grüße
Vicky

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Nicole Fritz
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Re: Sich selbst lieben - TS oder nicht?

Post 23 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

Hallo Vicky-Rose und Andrea,

was ist so schlimm daran, wenn ich nicht gegen meine panische Angst - die bekanntlich im Extremfall zu einem Kontrollverlust führen kann - ankämpfe und Hilfe bei einem Austausch hier im Forum suche. Meine Verzweiflung hat mich böse und sarkastisch gemacht, was ich immer wieder einmal hinaus brülle (wenn ich nicht eine Nacht darüber schlafe). Mit der Schilddrüse hat das bestimmt nichts zu tun, was ich auch überhaupt nicht wissen will. Eigentlich kann ich keiner Fliege etwas zu Leide tun. Da trifft es mich hart, wenn man von Jähzorn und einer Gefährdung für sich und andere spricht. Ich habe gestern vor Wut getobt und antworte deshalb erst jetzt. Ist das etwa Kontrollverlust?

LG Nicole
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Re: Sich selbst lieben - TS oder nicht?

Post 24 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Ist das etwa Kontrollverlust?
Wie soll ich die Frage beantworten ? Ist das nicht Deine Aufgabe ?

Und dass Du mit Antworten einen Tag wartest, ist doch ein guter Ansatz. Was ich meinte, war etwas anderes. Wenn Dich Deine Ängste so sehr belasten, dass sie im Extremfall zu einem gravierenden Problem für Dich und auch für andere werden kann, dann erscheint es mir so, als wäre Hilfe für Dich in dieser Frage sehr wichtig.
was ist so schlimm daran, wenn ich nicht gegen meine panische Angst - die bekanntlich im Extremfall zu einem Kontrollverlust führen kann - ankämpfe und Hilfe bei einem Austausch hier im Forum suche.
Gar nichts und mit dem Austausch im Forum machst Du ja schon einige Schritte. Nur fürchte ich, ein Forum kann Dir bei tief sitzenden Problemen nur sehr begrenzt helfen. Letztlich kannst nur Du Dir helfen und da ist professionelle Unterstützung sicher nicht der schlechteste Weg. Es geht darum, dass Du in Deinem Leben besser leben kannst. Wenn man nur alleine in seinem eigenen Saft schmort, kann es leicht passieren, das man den Weg aus seinen Problemen nicht findet. Aber Du bist es, der/die bestimmt, wann Hilfe erforderlich ist.

Vielleicht hilft Dir folgender Gedanke: Stelle Dir vor, Deine Ängste wären viel kleiner oder verschwunden, wie viel entspannter könntest Du dann leben ? Wenn ja, wie kommst Du an diesen Punkt ? Was hindert Dich daran ?

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass der Prozess dorthin alles andere als einfach ist. Es gibt Schmerzen, wenn man erkennt, was man falsch gemacht hat. Es gibt Wut, wenn man erkennt, was einem angetan wurde und wird. Und es gibt immer wieder Rückschläge. Für mich war meine Wut und mein Fehlverhalten nichts anderes als den Schmerzen und der Ängste aus dem Weg zu gehen. Sie haben sich hinter der Wut versteckt. Und hinter den Ängsten stand nichts anderes als das Vermeiden, die Ursachen genau zu betrachten. Als ich die Ursachen genau betrachtet habe, wurde mir nach und nach klar, dass ich die Ängste nicht mehr berechtigt sind. Und damit gab es auch keine Ursache mehr für die Wut. Ich habe gelernt, mit meinen Verletzungen umzugehen und Angst als eine Anzeige für eine Gefahr zu betrachten. Dann betrachte ich die mögliche Gefahr und kann Entscheidungen treffen, die für mich gut sind. Damit geht es mir heute richtig gut.

Für mich kann ich sagen, dass es sich gelohnt hat, auch wenn meine Situation bei weitem nicht so schwer war, wie Deine (es hat mir trotzdem gereicht). Ich brauchte keine professionelle Hilfe, aber viele Stunden Gespräch mit vielen Menschen, die mir wichtig waren und sind. Auch die Auseinandersetzung in Foren war hilfreich (aber nicht entscheidend). Dort habe ich meine Überlegungen aufgeschrieben und geschaut, ob ich mit den Reaktionen etwas anfangen kann.

Viel Glück
Vicky
Viele Grüße
Vicky

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