rika und die Metalle
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Crossdressing und selbst Erlebtes... Erdachtes
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rika
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rika und die Metalle

Post 1 im Thema

Beitrag von rika »

Hallo und guten Abend zusammen. Ich fange mal an zu schreiben, wobei die Überschrift zunächst ungewöhnlich klingt. Es wird eine Geschichte, die inhaltlich durchaus autobiografisch ist, ich mir in der Lyrik aber Schweife und Metaphern leisten werde. Da ich schon über 23000 Tage alt bin und nicht alles in einem "Buch" verfassen werde, wird es Abschnitte geben. Wenn ihr es nicht mehr lesen wollt, bitte ich um das Stoppschild, da ich niemanden belästigen oder gar die Zeit rauben will. Aber ich bin ermutigt zu schreiben, da es wohl ein paar Menschen mögen. Los geht's.

Im Oktober 1953 presste mich meine Mutter aus ihrem Bauch - ich war fast 60 cm groß und wog 5 kg, eine gute Basis für ein sattes Leben. Leider hatte mein Vater die "englische Krankheit", d.h. Kalziummangel, den die Kinderärztin bei mir früh entdeckte und dafür sorgte, dass ich trotz dieser Veranlagung stattliche 1,92 groß wurde. Neben den Brüdern - erwachsen auch über 1,90 m gab es noch die Halbschwester, geboren 1943 und der Vater vermisst. Über sie erzähle ich später. Die Kindheit war ärmlich: ein kleines Haus in einer nicht zerstörten Altstadt, die Großmutter mit im Haus ohne Bad. Aber da gab es einen Speicher...

Mein Vater war Herrenschneider und erfolglos, er musste in einem Metallwerk arbeiten, um seine 6-köpfige Familie durchzubringen. Aus seiner vorherigen Selbstständigkeit hatte er Kisten mit Knöpfen, die ich mit einer Spatzenschleuder gezielt auf das Dach des 30 m entfernten Pfarrhauses schoss :lol: Immer wenn ich traf, hörte ich den Knall.

Zum Schulanfang trug ich eine Pepitahose und eine Strickjacke mit grauem Kunstledereinsatz. Mein älterer Bruder musste immer eine kurze Lederhose mit Trägern tragen, ich fand sie schrecklich.

Auf dem Speicher stand eine Anziehpuppe in Damengröße, wahrscheinlich von oder für meine Mutter. Sie war aus Pappstücken zusammengesteckt und stand auf einem Holzständer. Ich öffnete die Nieten und versuchte, "einzusteigen", was misslang. Dann war auf der Frisierkommode noch der rote Lippenstift, den ich flächig auf mein Gesicht verteilte. Ich glaube, dass meine Mutter ziemlich entsetzt war, als sie mich sah.

Mit acht Jahren fuhren mein Vater, mein Bruder und ein Gast aus Spanien, den meine Schwester in ihrer Firma kennengelernt hatte, nach Oberscheld zum Hochofen. Die Schmelzer öffneten das Spundloch und das flüssige Eisen ergoß sich in die Formen. Ich war zutiefst beeindruckt, malte daraus ein Bild und bekam in Heimatkunde eine Eins. Fügung, Schicksal? Ich weiß es nicht. Ich erzähle später.

Zu meiner Schwester hatte ich immer eine besondere Beziehung. Sie war anders. Gut, als ich im Kinderwagen war, hat sie mich mal einen Berg herunter rollen lassen incl. Überschlag :lol: Als sie 18 und ich 8 war, spuckte sie in eine kleine schwarze Schale und tuschte sich mit einem Bürstchen die Wimpern. Ich war total fasziniert. Es war Anfang der 60er Jahre, sie trug Petticoats, hatte Dauerwellen und toupierte Haare. Später konvertierte sie und heiratete einen katholischen Mann - schrecklich in unserer Familie.

Mit 10 kam ich auf's Gymnasium, der Klassenlehrer hatte es empfohlen. Die Eltern mächtig stolz und ich der Erste aus der Gasse. Vorpubertär war eigenltich alles egal. Sport wie immer schwach, die starken Jungs mir fremd, aber zu den meisten Mädchen hatte ich auch keine wirklichen Draht obwohl einige ganz nett waren. Keine Zeit, die Spuren hinterlassen hat außer dass ich die Quarta wiederholen und nach der Untertertia die Schule verlassen musste und in der Handelsschule aufschlug. Zunächst unsicher wurde ich immer stärker, da die Mitschüler inhaltlich zurück waren. Ich wurde Klassen- und Schulsprecher und in den 60er war ja auch alternative Kleidung angesagt: Cordjeans in 29/34, lange Pullover und breite Gürtel, ja da war schon das erste Mal die rika. Auf einer Schuldisko - die gab es im Gebäude - kam eine Kameradin mit oberschenkellangen Stiefeln. In mir flogen die Sicherungen heraus. Ich spürte längst, dass da etwa ist.

In der Zeit knutschten wir, es "gingen" mal immer wieder die/der oder mit der/die.

16, fast 17. Ich beginne meine Ausbildung zum Kaufmann im Stahlwerk in Wetzlar. Alles ist riesig, gewaltig, wirkt gefährlich, der Hochofen aus der Kindheit wird lebendig. Die Blicke in die Hallen, die ich nicht betreten darf, machen Angst. Die Menscher wirken winzig. Gelbglühende, riesige Stahlblöcke liegen unter Pressen, andere in Walzen und werden zu Bändern gewalzt. Neben der Angst die Faszination. Endlich darf ich sehen, wie ein gigantischer Schmelzofen seine flüssige Brut in einen darunter hängenden Topf füllen kann - es sind 80 to flüssigen Stahls! Sie werden in Kokillen = Formen gegossen. Später bin ich all diesen gigantischen Maschinen immer wieder nah: dem Walzwerk, der Schmiede, dem Stahlwerk. Ich erlebe wieder aus meiner Kindheit das Leben des Metalles, dem Eisen. In der Mythologie steht der Gott Mars dafür. Der Krieger, der Mann. Das wir sich ändern.

Soweit für heute.

rika
Svenja80
schau
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Re: rika und die Metalle

Post 2 im Thema

Beitrag von Svenja80 »

Ich lese solche Geschichten gerne, also von mir schon mal kein Stopschild ;)
Das mit den Overknees kennen ich, die gefallen mir heute noch gut.
Angelique
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Re: rika und die Metalle

Post 3 im Thema

Beitrag von Angelique »

Ich freu mich schon auf die Fortsetzung (hoffentlich bald)

LG
Angelique
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rika
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Re: rika und die Metalle

Post 4 im Thema

Beitrag von rika »

Na gut, die Resonanz ist riesig )))(: und die Stadtverordneten kommen erst um 19:00 h zusammen.

Natürlich wird sich der Mars und das Eisen nicht ändern...Wie auch immer, wir 60 kaufmännischen Lehrlinge wurden im 3-4 Monatsrhytmus in andere Abteilungen versetzt und die Ausbilder mussten Bewertungen über die Eignung schreiben. Die Abteilungen in der Buchhaltung habe ich weitgehend durch Arbeit in der Jugendvertretung und Kantinengänge ersetzt :lol: Irgendein älterer Buchhalter in der Nachkalkulation fragte, wo ich die letzten 4 Wochen gewesen sei. Ich hatte keine plausible Antwort....
Schon im zweiten Lehrjahr war ich im Verkauf für kaltgewalzte Bänder, lernte meine Angebote per zentraler Diktatanlage zu diktieren und mir wurde bescheinigt, dass ich am besten für den Verkauf geeignet sei - und so kam es auch. Ich verkaufte große Stahlblöcke für Kunststoffformen - wisst Ihr, eine Autostossstange wird fast genauso geformt wie eine Waffel, nur ist das Eisen etwas größer. Die Tätigkeit machte Freude, aber mitsamt meinem kleinen Gebiet "HSS-Stähle" (das heißt Hochleistungsschnellarbeitsstähle) kam ich in eine andere Abteilung, in der Schweißdrähte verkauft wurden. Die Drähte wurden mein berufliches Schicksal.

Mit 21 habe ich meine Tanzabschlusspartnerin Monika geheiratet; ich glaube es war eine gemeinsame Flucht aus häuslicher Enge. Sie war 18. Naja, 21 und 18 heißt nicht wirklich erwachsen, "rika" war weit weg, obwohl ich meiner Frau hin und wieder Kleidung schenkte, die ich mir intuitiv an mir wünschte. Wir lebten kleinbürgerlich in einem 9-Familienhaus, ich baute das Bad um, um mich darin wohlzufühlen und war bestimmt etwas "anders".

Abends lernte ich 2-3 x in der VHS pro Woche Englisch und Französisch, später auch Schwedisch. Dieser Sprachmix ging völlig schief.

1979 warb eine hiesige Firma in der Zeitung um einen Sachbearbeiter Export und ich bewarb mich in völliger Selbstüberschätzung. Kaum zu glauben: ich wurde eingestellt und meine Gehaltsvorstellung = abgesichert K5 und DM 2500 erfüllt :o

Ich musste sehr weit unten beginnen, da die Firma völlig verkrustet und alt war. Mein hoher Chef war ein theoretischer Marketingexperte mit humanistischem Abschluss - er wurde zu meinem Ziehvater. Diese Firma produzierte Kabel und Drähte aus Kupfer und Kupferlegierungen. (dies sind Messinge = CuZn, Bronzen = CuSn, Neusilber = CuNiZn etc.) Mir wurde die Gießerei gezeigt: was für mickerige, kleine Öfen :lol: So etwas gab es im Stahlwerk als Versuchsofen. Aber da waren Leute, die ihr Metier verstanden: Metallurgen, Techniker, Meister. Ich lernte die Faszination, die aus einem Draht kommen kann und vor allem, wie und wo er verwendet wird. Die Firma war fast am Ende aber wir waren ein paar junge Leute im Verkauf, die nichts zu verlieren hatten und der Geschäftsführer fragte immer nach der Tonnage.

Diese Element Kupfer - es ist übrigens schwerer als Eisen - begann mich zu interessieren. Die Anwendung der Drähte wurde immer spannender: in jeder Zahnbürste ist Draht enthalten! Winzige Chips halten die Borsten in den Bohrungen. Ich verkaufte einmal hochreinen Kupferdraht in die Schweiz. daraus wurden Verhütungsspiralen. Kupferoxid ist nunmal keimtötend. Es waren oft sehr feine Drähte, teilweise kleiner als ein Haar. (damit werden Gewebe hergestellt). Ich lasse bewusst das wichtigste Produkt außen vor, denn die Technik der Drahterodierens ist für den Laien nicht vorstellbar. In der Mythologie ist Kupfer die Venus - omen est nomen.

Zurück zum Privaten: die Ehe ging zu Ende und die Firma bot an, dass ich meinen Kunden in USA begleite, nachdem der Gründer verstorben war. Im Mai 1986 flog ich mit einem Touristenvisum nach New York und brach alle Kontakte hier ab. Aus der "mal sehen, was da wird" wurden 2 1/2 Jahre auf Long Island mit Besuchen von über 30 Staaten, Kanada und Mexiko. Bei US Air hatte ich über 200.000 Meilen auf dem Konto.

Bei Bader konnte man auch nach USA bestellen und so füllte sich langsam der Schrank. Aber das Leben dort war und ist bis heute eher prüde. Ich erinnere mich gut an eine Maschinenmesse in Los Angeles. Abends hatten wir mit einigen Leuten meines Alters in zwei T-Birds auf dem Wislhire Boulevard ein kleines Rennen veranstaltet, was ich verlor, da ich nicht links abbog. Aber ich war "Eric" aus Deutschland, der King und cool. Morgens kam ich in einer typisch hiesigen knappen Badehose zum Pool. Die Kollegen waren nur noch :o :oops: :roll: :shock:

Die kleine Wohnung in dem Privathaus auf Long Island wurde das erste Refugium, indem sich rika entwickelte. Allerdings hatte ich auch eine Freundin in Queens, die bei der UN tätig war und mit der ich die vielen Meilen bis nach Neuseeland abgeflogen habe. Ich habe sie nie wieder gehört oder gesehen und glaube, dass mein Tun nicht ok war.

Auch in USA fiel ich auf: schicke Krawatten, gute Kleidung und Douglas hatte sogar nahe N.Y. eine Versuchsfiliale, in der es Cool Water gab.

Da der Laden brummte, konnte ich in guten Hotels = Hyatt und Marriott logieren, was meine Kunden zutiefst beeindruckte.

1988 dachte ich, dass meine Arbeit gemacht sei, ein Kollege folgte und nach der 30-tägigen Reise nach Neuseeland und Tahiti kam ich in Frankfurt an. Mein Bruder musste die 5 Kisten in Frankfurt abholen und wunderte sich mit seiner Frau über die Inhalte )))(:

Ich suchte und fand zunächste eine moblierte Wohnung und kaufte wenig später ein kleines Haus - rika hatte jetzt ihr kleines Schloss mit 60 m-² und 800 m-² Garten.

Und damit begann die nächste Zeit, über die ich schreiben werde - sie war mehr als prägend.

Bis bald.

rika
NanaVistor
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Re: rika und die Metalle

Post 5 im Thema

Beitrag von NanaVistor »

bei dem vielen Metal, was dich umgibt oder umgeben hat, müsstest du eigentlich auf Heavy Metal stehen (gitli)
Auch Vordenker müssen nachdenken.
maia
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Re: rika und die Metalle

Post 6 im Thema

Beitrag von maia »

Das liest sich spannend. Ich warte auf die Fortsetzung!

Beste Grüße
Maia
"Bewahre mich vor der Einbildung, bei jeder Gelegenheit zu jedem Thema etwas sagen zu müssen!" Teresa von Ávila (1515-1582)
Plisseedreher70
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Re: rika und die Metalle

Post 7 im Thema

Beitrag von Plisseedreher70 »

Hallöchen,
Plissi ist auch ein Metaller, trotz 10 Jahre älter als rika. Mein Leben ist lange nicht so fasettenreich abgelaufen wie bei rika...aber trotzdem bin ich oft um die Ecken "gefräst", habe manches Ding "gedreht" und habe mir dabei die Hacken "abgeschliffen". Mit anderen Worten: ich bin heute noch ein begeisterter Metallbearbeiter , die letzten Jahre hauptsächlich Schleiftechnik...und helfe immernoch öfters in meiner Firma aus.
Tolles Thema rika, interessiert mich.
LG Plissi
Bin Mann, bleibe Mann, aber festliche Glanzkleider überziehen ist für mich berauschend!
rika
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Re: rika und die Metalle

Post 8 im Thema

Beitrag von rika »

April 1989: ich habe das Haus gekauft und schwöre mir, es nie wieder zu verlassen.

Hier und ganz selten im Garten blühte rika auf, beruflich ging es steil aufwärts - ich war oft der Herr W. unterwegs in Europa, Asien und USA. 1990 wurde eine neue Kollegin eingestellt; sie schrieb für mich (damals wurde noch diktiert) und übersetzte, hatte 3 Kinder und war sehr nett. Naja, wir kamen uns näher und am 9.2.91 waren wir unterwegs und es "knallte" so richtig. Ich war sicher: sie ist es und ich werde das "Anderssein" überwinden. Weit gefehlt. Aber vielleicht mochte sie mich gerade weil ich bin wie ich bin.

Kurzum: wir zogen zusammen, das Haus wuchs von 60 auf 80 auf 150 m-² und am 9.2.92 kam unsere Tochter zur Welt. GLÜCK bis heute. Die Ehe ging 2002 zu Ende, leider oder besser so, denn die rika war immer da: mit Leggings usw.

Ich hatte mich 1994 selbstständig gemacht und war oft unterwegs bei Kunden, versuchte sie zu überzeugen, dass ich die besseren Produkte habe. Das Hauptprodukt ist ein sehr feiner Draht aus Messing oder anderen Metallen, teilweise mit dünnen Schichten.

So langsam komme ich auf die Gerade "rika und die Metalle".

Dieser besagte dünne Messingdraht - er ist ca. 0,25 mm im Durchmesser - wird eingesetzt, um Stähle und andere Metalle zu "schneiden", obwohl es kein mechanisches Schneiden, sondern ein erosiver Abtrag ist. Der Draht wird dabei auch zerstört und ständig nachgeführt. Wer Interesse hat, einfach mal bei Google unter Drahterodieren suchen.

Es war wie eine Welle: mein früherer Lieferant ernannte mich zum regionalen Händler, aus wenigen Kilo wurden über 200 to pro Jahr. Alles lief prächtig, ich hatte 8 Leute beschäftigt, bereiste mit meiner Tochter die Welt und konnte die rika auch gut leben mit feinen Sachen von Wolford oder Madeleine.

Leider blieb der Erfolg nicht stetig und heute arbeite ich wieder alleine.

Da mich die Metalle schon immer beschäftigt hatten, ging ich tiefer in die Suche: wie sind sie, wo kommen sie her, was haben sie für Eigenschaften und was wird aus ihnen, wenn sie benutzt wurden. Mein Schwerpunkt wurde das Kupfer. Fast 30 % der Vorkommen werden in Chile abgebaut, in einem Tagebau mit mittlerweile 11 Kubikkilometer Krater und einer Mine mit 2700 km unterirdischen Straßen. Wer Kupfer berührt, wird feststellen, dass es warm bleibt. Seine Farbe ist rötlich, weiches Kupfer kann man mit einem Messer einritzen. Aber es ist schwer: 8,9 kg wiegt ein dm-³, mehr als Eisen - das bleibt länger kühl. Veredelt und mit anderen Elementen legiert, kann es zu rostfreien, harten usw. Stählen werden.

In der Mythologie stand Kupfer für die Venus oder andersherum. Sie ist warm, rot, weich, formbar, feminin und trotzdem stark. Das Weiche formt das Harte ohne es zu berühren. Mit Geduld und Ausdauer. Erodieren dauert sehr lange.

Lange suchte ich einen Maler, der dies in ein Bild umsetzte, welches längst in meinem Kopf war. Nach 2 Fehlschlägen lernte ich Gabriel Schirmer in Frankfurt kennen, der nach vielen Gesprächen, in denen er auch rika kennenlernte, meine Gedanken und mein Sein in ein großes 1,60 x 1,10 Bild umsetzte: Mars steht in seiner Rüstung in einer Gießereihalle und reißt ein Tuch von einem Spiegel. Venus strahlt in an und wirft ihre Wärme auf seine Rüstung. Als ich den Entwurf sah, war ich völlig überfordert: er hatte meine Ichs bildlich dargestellt.

Ich komme zum Schluss:

bestimmt wurden in meiner Kindheit Weichen gestellt und ich folgte den Lebensgleisen. Es brauchte lange, um mich in den Metaphern zu finden, aber damit kam auch eine große Erfüllung: Beruf, Materie, mit der ich täglich zu tun habe und die mich fasziniert und das Erkennen: ohne rika wäre ich nur Herr W. und Herr W. wäre ohne rika niemals so weit gekommen.

Beruf und sein wurde zur Metamorphose.

Danke für Euer Lesen.

rika
Kerstin
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Re: rika und die Metalle

Post 9 im Thema

Beitrag von Kerstin »

Hallo Rika
Vielen Dank für deinen Bericht. Und großes Lob für deinen Schreibstil, es macht immer wieder Spaß deine Berichte zu lesen.

LG Kerstin
Ich brauche Informationen - eine Meinung bilde ich mir selbst.
Angelique
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Re: rika und die Metalle

Post 10 im Thema

Beitrag von Angelique »

Hallo Rika,

Ich kann Kerstin nur zustimmen, es macht wirklich Spaß Dich zu lesen.
Schade das es schon vorbei ist...oder?

(Ich wünsch mir das es weitergeht)
Angelique
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rika
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Re: rika und die Metalle

Post 11 im Thema

Beitrag von rika »

Die Geschichte ist geschrieben und in sich beendet.

Allerdings hatte ich vor wenigen Tagen ein sehr nettes Erlebnis. Ich war unterwegs, das Bürotelefon weitergeleitet und ein Mann rief an, um nach den Preisen für seine feine Wolframdrähte (0,02, 0,03 und 0,05 mm) zu fragen. Ich nannte ihm den Preis: ca. 400 € pro 3000 m-Spule. Er legte auf. Eine halbe Stunde war er wieder dran und fragte, wie schnell er den Draht bekommen könne. Ich fragte, was er denn damit machen will: darf er nicht sagen.

Die Bestellung kam von der Firma Ehrlich Entertainments. Der gute Mann entwickelt die Tricks für die Show der Ehrlich Brothers und will an diesen "unsichtbaren" Drähten etwas dranhängen, um die Illusion zu erzeugen, dass es schwebt. Leider hält der 0,03 mm Draht nur ca. 250 g, zu wenig für die schwebende Jungfrau :lol:

Die Drähte ermöglichten mir, viele Länder zu besuchen und festzustellen, dass Gewerbebiete keine wirkliche Touristenattraktionen sind - nirgendwo. Auch hatte ich viele ausländische Besucher hier, wobei ich "Neulingen" gerne eine kleine Fibel vorab sandte mit Informationen, z.B. dass wir 230 Volt haben. Ein junger Mann aus USA schaffte es, innerhalb von kürzester Zeit einen ganzen Hotelflur ins Dunkel zu stürzen - wahrscheinlich durch einen Rasierer. Wir hatten auch mal ein Paar aus Arkansas hier - auch sie zum ersten Mal in Deutschland. Der Bill kam zum Frühstück und berichtete lachend in seinem schönsten Südstaatenenglisch, dass der Haartrockner von seiner Linda wie eine F17 beim Start geklungen hätte, aber dann verglüht sei. :lol:

In Mexiko hatten wir ein nettes Abendessen, zum Glück sprachen die Leute sehr gutes Englisch. Es ist ziemlich schwer, Witze zu übersetzen, da oft die Pointe nicht übertragbar ist. Einer ging dann doch: "warum sitzen im Theater die Männer mit Glatze in der ersten Reihe? Damit die Einarmigen in der zweiten Reihe Beifall klatschen können". Es wurde sehr gelacht; am nächsten Morgen erkannte ich warum. Der Präsident der Firma hatte eine makellos glänzende Glatze :lol: Später sprachen meine Gesprächspartner nur über ihn, indem sie mit der rechten Hand auf den linken Handrücken schlugen.

Mein Japanischer Kunde war mal wieder hier und ich hatte die Idee, etwas Rohes servieren zu lassen - schließlich ist man in Japan ja auch rohen Fisch (ich auch sehr gerne). Wir waren in einem schönen Restaurant mit Tatar auf der Karte. Flugs zwei Portionen bestellt, der Service kommt mit dem Wägelchen, die Zutaten fein getrennt und mischt sie fachmännisch zusammen. Er teilte die Menge gerecht und servierte die Teller. Mein Japaner meinte: "nett, medium bitte". Ich sagte: "Nein, das bleibt so". Er war völlig schockiert :shock: und stammelte nur "can't eat". Er probierte dann doch eine ganz kleine Menge auf der Gabel.

Unsere beiden Geschäftsführer und der Betriebsleiter kamen gerne zu mir in die USA. Einmal hatte ich ein Missverständnis ausgelöst, da ich sie darauf hingewiesen hatte, ein paar Ein-Dollar-Noten mitzubringen - für das übliche Trinkgeld der Kofferträger usw. Der Betriebsleiter war vorsichtig und hatte einen Brustbeutel - mit 100 Ein-Dollar-Scheinen. Während dieser Reise waren sie mutig und vor mir zum Frühstück gegangen. Als ich folgte, saßen sie wie begossene Pudel und die Dame vom Service schaute auch konfus drein. Sie hatten Continental Breakfast bestellt, was nun mal nicht so viel ist. Ich muss dazu sagen, dass die Herren entweder nur weitgehend vergessenes Schulenglisch hatten oder gar keins.

Der Gebrauch von landestypischen Ess-Bestecken war oft bemerkenswert: viele Amerikaner schneiden die Speisen zu Rauten, legen danach den linken Unterarm auf den Oberschenkel, sodass der Weg vom Teller zum Mund verkürzt wird. :lol: Im Gegenzug war es in Asien spannend, Nudelsuppen mit den Stäbchen in den Mund zu befördern. (geht, klingt aber etwas ungewöhnlich und sieht auch so aus).

Manche Abende waren nicht nur fröhlich sondern durchaus auch vom lokalen Alkohol geprägt. Ich weiß wirklich nicht, was das in Taiwan war. Jedenfalls haben wir im Lokal auf der Karaoke-Anlage gemeinsam das Westerwaldlied geschmettert und größte Aufmerksam erzeugt. )):m

So, jetzt reicht's erstmal, Sonne und Garten warten.

rika
rika
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Re: rika und die Metalle

Post 12 im Thema

Beitrag von rika »

...ich habe da noch etwas gefunden, wenn auch nur sehr mittelbar im Bezug zu den Metallen. Die Geschichte habe ich geschrieben und während meiner Feier zum 60. Geburtstag erzählt.

Es war ungefähr an einem Tag im Januar 1953, dokumentiert ist leider nichts.

Gott stand inmitten derriesigen, nie versiegenden Trögen des Lebens.
Er schuf wie immer unaufhörlich die Menschen, aus dem einen Trog die Weiblichen, aus dem anderen die Männlichen.
Ständig tauchte er den Schöpflöffel, wechselnd links und rechts.

Er war müde geworden und freute sich auf den freien Sonntag.

Trotzdem reichten ihm die Engel frische, gesäuberte Kellen; sie waren in Eile und das Reinigen mühsam.
Vorsichtig goss er den Inhalt in die Schalen des Lebens und fügte in sie aus vielen Karaffen, Körben, Kalebassen, Flaschen und Krügen um ihn herum die Eigenschaften des Menschen hinzu.
Es waren die Guten und die Bitteren.
Mal war es nur eine Prise, eine Messerspitze oder wenige Tropfen - dann wieder eine Handvoll oder ein kräftiger Schwapp.
Die Rezeptur kannte nur er.
All die Zutaten streute und goss er in Schalen der Wesen, um das Einzigartige zu schaffen.

Die Engel füllten tagein tagaus all diese Gefäße; sie kamen kaum nach.
Es gab großen Bedarf nach dem Guten, denn vor nicht allzu langer Zeit hatte eine Mixtur schreckliche Folgen gehabt und ein Volk, welches auch ihn glaubte, fast vernichtet.

Ab und an waren die Engel nicht schnell genug und schauten auf den Feierabend - schließlich waren sie auch nur Menschen.
So blieb der eine oder andere Krug oder Korb, manche Karaffe oder Flasche leer oder es waren nur noch Reste in ihnen.

Gott füllte mit dem nach, was ihm zur Verfügung stand. An jenem Donnerstag füllte er meine Schale. Manche Krüge und Karaffen waren leer, zum Beispiel die für das Talent zum Musizieren oder Malen. Er füllte auf mit der Gabe zu Reden und des Genusses. Die mangelnde Genauigkeit glich sie mit der Freude am Bauen und Gestalten aus. Der Korb für die Namenserinnerung hatte wenig Inhalt, der mit dem Gedächtnis für Zahlen war gut gefüllt.

Auf der Milchstraße gibt es keine Geschwindigkeitsbeschränkung und Gott saust gerne mal über sie hinweg, das gab sie mir mit für die irdischen Autobahnen.

Dem Positiven und der Begeisterung fügte er einen großen Bund des Zweifelns und der Ängste hinzu, den phantastischen Träumen die schlaflosen Nächte.
Aus dem Topf der Eitelkeit hat sie zuviel genommen, sodass den Engeln aufgetragen wurde, die Bescheidenheit im Leben nachzuliefern.

Neben ihm stand der Engel, der ihn beriet und und die Listen führte. Er rief:

"Wir brauchen Kaufleute, die die Waren bewegen und den Menschen bringen."

Gott antwortete:

"Du hast recht, wir geben diesem hier die Gaben. Er soll Handel mit Metallen treiben, die Welt braucht Stahl und Eisen, der Mars soll ihn leiten."

Der Engel:

"Das ist wahr, auch das weiche Metall hat seinen Platz und die Venus formt das Harte ohne Härte. Gebe dem Eisenpulver die Kupferperlen hinzu, sie brauchen sich, auch wenn sie oft nicht harmonisch sind"

Gott:

"Gut, so lass' ihn erst das Harte lernen um das Weiche zu erkennen. Dies ist mein Plan für dieses Wesen. Du wirst nach ihm schauen, immer wenn 10 Jahre vergangen sind."

So würzte er das Leben auf ihre Art - verbunden mit den großen Überprüfungen desselben.

Heute erkenne ich manche Korrekturen und Erfahrungen, bin froh über die Vermischungen, die ich erlebe. Ich habe Euch erzählt und manches ist nicht gleich zu verstehen - so wie ich mich auch nicht immer verstanden habe.


Das war meine Geschichte zum 60.

rika
ab08
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Re: rika und die Metalle

Post 13 im Thema

Beitrag von ab08 »

Danke, liebe rik, spannend (gitli)
LG Andrea
FÜR: Respekt, Menschenrechte und eine gelebte, demokratische Zivilgesellschaft, die Minderheiten schützt
ERGO: Umfassende Bildung für alle, effektive Regeln in Alltag und Netz, eine gut ausgestattete Polizei/Justiz
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