Gestern hab ich wieder das getan, was mein ganz persönliches Fazit aus meiner eigenen Kritik ist:
Ich bin alleine in Berlin rumgelaufen und danach zu einer großen Motto-Party gegangen. Weil ich mich nicht nochmals umziehen wollte, war ich die ganze Zeit über im Charlestonkleid im Zwanziger-Jahre-Look unterwegs. Doch viel wichtiger als das Äußerliche ist gewesen, dass ich als Mensch unterwegs war. Genau so wurde ich behandelt. Manche sprachen mich auf mein Kleid an, wo ich das gekauft hätte. Wer offenbar ein Problem mit mir hatte, ignorierte mich. Na und? Genau das ist der richtige Weg: Nicht ich muss mich verkriechen und auf die ev. Intoleranz anderer Rücksicht nehmen, sondern mit erhobenem Kopf rausgehen. Mein Ego ist im Vergleich zu dem, was ich als identitätsloser Mann hatte, riesig.
Auf der Party hab ich mir meine Anerkennung quasi ertanzt, bin mit vielen Leuten ins Gespräch gekommen, hab Küsschen und Umarmungen eingeheimst. Dabei ging die Aktivität übrigens ausschließlich von anderen aus. Den CIS-Leuten (bitte nicht diskriminierend verstehen, dient nur der Unterscheidung) war es dabei komplett egal, ob ich nun TS, CD, TV oder TG bin. Kein Mensch hat mich das gefragt. Diese Schubladen-Diskussion scheint mir ein trans*hausgemachtes Hick-Hack zu sein, bei dem sich die Trans*Gemeinde so herrlich aufreiben und die Köpfe einschlagen kann - und dabei aus den Augen verliert, dass das dem hehren Ziel der Integration letztlich nicht essentiell dienlich ist. Die 'Normalen' interessiert das nach meiner Erfahrung keinen Deut, sondern nur - wie bei allen anderen Kontakten auch - wie auf sie zugegangen wird und wie man sich verhält. Ich lernte auch die Veranstalterin kennen, die mich zu ihrem nächsten Event einlud.
Zu diesem Thema greife ich gerne die Kritik von Mina auf:
Diese deutlichen Worte sind nach meinem Geschmack. Rückblickend weiß ich, dass mein erstes Mal ohne Hilfe nie zustande gekommen wäre. Dafür habe ich Simone inzwischen privat und öffentlich unzählige Male gedankt. Mein Ego ist auch nicht von Anfang an einfach dagewesen, sondern musste wachsen. Im März hätte ich niemals gedacht, dass ich schon im Mai alleine losziehen würde, um mich unters Volk zu mischen. Das beharrliche Nachfragen und die -Mina hat geschrieben: Fr 16. Jun 2017, 16:55 - Immerkehrende Fragen: Sehe ich aus wie.....? Bin ich wirklich......? Ich sehe es so: Wir sind was wir sind und darum sind wir hier. Wir wollen nicht hören wie andere uns in die eigene Tasche lügen, uns beschwichtigen, ja Du siehst schon aus wie...? Wer soll davon was haben ausser beim nächsten Gang durch die Stadt sich zu wundern warum alle komisch kuggen? Ehrlichkeit!!! Wäre angebracht, ebenso Aufrichtigkeit. Selbstbeweihräucherung hat noch niemanden Vortrieb gegeben.
Es ist verdammt schwer da draussen. Und verdammt nochmal noch schwerer sich das erste Mal rauszutrauen. Und tut man es, steigt aus dem Taxi aus und alle Leute an der Stelle gucken Dich wie ein Alien an, dir schlecht und unwohl wird, du beschließt der Situation dich zu entziehen und zwar sofort, im Regen nach Hause läufst, das Makeup verschmiert, Du weinst und zu Gott blickst, Deinen Frieden mit ihm machst und ihn fragst ob es nun genug sein soll....
- ob nun virtuell oder live - nutzen auf die Dauer nichts. Wer darauf vertraut, kann durchaus 'da draußen' eine böse Krise erleben. Die Bestätigung und Akzeptanz in der Gesellschaft kann eben nicht im brutkastenähnlichen Vakuum der vielen kleinen Trans*Welten aus speziellen Clubs und Treffen verdient werden, sondern nur in der Gesellschaft selbst. Mir ist klar, dass ich irgendwann mal eine auf die Nase kriegen kann. Aber als Mann musste ich mich auch schon öfter gegen tätliche Angriffe zur Wehr setzen. Dieses Risiko besteht leider immer.
Oh ja, das hatte mich zuerst abgeschreckt und beinahe hätte ich das Forum deshalb niemals betreten. Doch im Nachhinein eine neue Domäne zu kaufen (der Name ist ja leider nicht nur in der Überschrift, sondern im Domänen-Name verankert), bedeutet technischen und finanziellen Aufwand.Mina hat geschrieben: Fr 16. Jun 2017, 16:55 - Das erste Wort Im Banner "Crossdresser". Kann unglücklicher nicht laufen. Ich vermisse den Anteil an FzM, Queer, OG, und VQ. Den Titel allgemein halten. Transmänner können mit dem Begriff Crossdresser nicht so viel anfangen, wer es nicht glaubt fragt nach!
Von mir kommt zum Abschluss weder eine Entschuldigungs- noch eine Bittstellungs-Arie. Meine Abwesenheit vom Treffen hatte ich nur deshalb überhaupt öffentlich gepostet, weil ich mich öffentlich angemeldet hatte. Das gehört für mich zum höflichen und korrekten Umgang mit dazu. Die hochnotpeinliche Darlegung der persönlichen Gründe dagegen nicht.
Wenn unsere Chefin der Meinung ist hinzuschmeißen, dann muss sie es tun. Ich kann die Frustration ahnen. Es gibt zweifellos andere von euch, die sich berufen fühlen, weiterzumachen.
Für eine Rückzüglerin hab ich viel zu viel geschrieben. Eigentlich wollte ich mich nur bedanken ...
Liebe Grüße
Tara