triona hat geschrieben:Allerdings waren in unserer Gegend im Allgemeinen schon passende und für die Jahreszeit geeignete Schuhe für alle Kinder üblich. Wobei ich von Bildern aus nicht weit entfernten Dörfern weiß, daß die Zeit auch dort erst wenige Jahre zurücklag, in der Kinder aus ärmeren Familien im Sommer noch barfuß zur Schule gingen.
Das dürfte aber auch in den 1950-er-Jahren schon recht selten geworden sein.
Bei der Suche nach dem "Beweisfoto", an das ich mich erinnere, habe ich gerade mal mindestens 20 umfangreiche einschlägige Fotobände aus dieser Zeit (*) durchgeblättert. Und ich hab das Bild nicht mehr gefunden.
Alle Kinder hatten auch in den entlegensten Landgebieten in Bayern, Franken, Schwaben, Hessen und Westfalen bereits ordentliches Schuhwerk an, auch auf Bildern aus den 1930-er und 40-er-Jahren. Und das nicht nur auf mehr oder weniger gestellten "Repräsentationsfotos" wie Schulanfang, Klassenbilder, Konfirmation oder Kommunion. Es sei denn, es handelte sich um sommerliche Bade- und andere Freizeitbilder. Das wird wohl aber auch damit zusammenhängen, daß es nicht so einfach gewesen sein dürfte, solche Kinder aus ärmeren Familien zu fotografieren. Armut stellt niemand gerne zur Schau.
Ulrike-Marisa hat geschrieben:... bei meiner Geografie-Lehrprobe beim Staatsexamen mein links zeichnen an der Tafel als ungewöhnlich und unangemessen betrachtet wurde; 1981 war das!
Ja, manche Dinge haben sich noch merkwürdig lange erhalten.
Als ich in der Mitte der 1970-er-Jahre eine Lehrerausbildung gemacht (aber aus gutem Grund nicht beendet) habe, wurde auf den Hochschulen schon die Abkehr von solchen "pädagogischen Lernzielen" gelehrt. Aber einig waren sich die Ausbildungslehrkräfte damals noch nicht über diese für viele noch "revolutionäre" Neuorientierung.
Die alten Knochen ("Lehrmeinungsauthoritäten") hatten da noch für einige Zeit einiges zu sagen. Und bei der - damals noch auf Lebenszeit verbeamteten Schulaufsicht, wie auch bei der noch nicht ganz ausgestorbenen "Altlehrerschaft" aus den ersten Jahrzehnten der Nachkriegszeit - haben neuere Erkenntnisse schon immer etwas länger gebraucht, bis sie sich durchgesetzt haben, als anderswo.
Und bis die "68-er" auch auf diesem Feld "durch die Instanzen marschiert" waren, sind noch einigeJahre ins Land gezogen - zeitweilige "Berufsverbote" (Stichwort: "Radikalenerlasse") mit eingeschlossen.
liebe grüße
triona
*) Anmerkung:
Diese Werke sind sehr zu empfehlen für Leute, die sich für Heimatforschung, Trachtenforschung, jüngere Geschichte u.ä. interessieren. Auf Wunsch gerne Literaturlisten, Quellennachweise und Bezugsquellen.