Letztendlich ist es ja nichts anderes als die klassische Spitzdachposition der Hände - nur vor der unteren Körperhälfte gehalten.
Spitzdachposition: Fingerspitzen zeigen nach oben, berühren sich. Kommt meistens, wenn der sprechende sich in seiner Aussage oder Meinung sehr sicher fühlt und nicht wirklich Gegenargumente erwartet.
Mann könnte vielleicht mutmaßen, dass sie bei Angela Merkel eine abgeschwächte Version der Selbstsicherheitspose sein könnte, da Unsicherheit wiederum Leute dazu veranlässt, die Hände eher Richtung Unterleib zu halten.
Was der Typ in dem o.g. Video sagt stimmt nicht ganz. Schon vor evigen Jahren mit dem nicht so vorteilhaften Styling hatte Angela Merkel die Gewohnheit der bekannten Rautengeste.
Auf jeden Fall wirkt es selbstsicherer als der Herr ab Minute 4:24 in diesem Video:
https://www.youtube.com/watch?v=ofzaUYODTtI
Er verfällt zu einem Hybrid der sogenannten "Priesterhaltung" und der "Raute", zwar fast unter Tischhöhe, aber immer noch sichtbar. Aber vielleicht bemüht er sich, die arme Bewerberin nicht zu verunsichern.
Falls es jemanden interessiert, wer welche Gesten einfach machen, weil sie sie von Rethoriktrainern gelernt haben oder ob die natürlich kommen, ist es einfach zu sehen.
Man muss nur auf Eines achten: Das Timing. Körpersprache wird weiträumig vom Limbischen System gesteuert. Einiges ist kulturell angeeignet und zum Reflex geworden, einiges ist angeboren. Reflexe sind schnerller als bewusst gesteuerte Handlungen. Gesten müssen also Synchron mit dem gesprochenen Wort kommen, vielleicht sogar ein Bruchteil einer Sekunde früher kommen, nicht hinterher. Wenn die hinterher kommt ist die angelernt und nicht natürlich.