Hach ja, die Hormone - gut ein Jahr später...
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nicole.f
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Hach ja, die Hormone - gut ein Jahr später...

Post 1 im Thema

Beitrag von nicole.f »

Ich bin ja immer eine die sagt, ich merke gar nicht so viel, klar, ein bisschen Brust, etwas weniger Bauch, aber keine krassen Unterscheide. auch hatte und habe ich keine seltsamen Stimmungsschwankungen oder überhaupt irgendwelche psychisch/mentale Veränderungen gespürt. Meine einzige wirklich starke mentale Veränderung hatte nichts mit den Hormonen zu tun, doch das ist eine andere Geschichte :)

Gestern Abend merkte ich dann aber doch eine klare Veränderung, leidlich! Und diese hat ziemlich sicher mit den Homonen zu tun.

Denn gestern Abend habe ich einem Freund bei der Wohnungsrenovierung geholfen. Nichts Aufregendes, habe schon schließlich selbst drei ganze Häuser saniert. Dachte ich. Unsere Hütten waren aber *vor* der HET. Vor der HET war das auch anstrengend, klar war man am Abend rechtschaffen müde und hatte am nächsten Tag etwas Muskelkater und hier und da etwas Schmerzen. Aber 6, 7, 8 oder 9-10 Stunden körperliche Arbeit waren keine Seltenheit und möglich.

Gestern Abend kam ich erst spät dazu, so gegen 2000h. Machte dann noch eine Stunde Kleinkram und dann verlegten wir Vinyl Boden - so ähnlich wie dieses Klick-Laminat Zeug. Solchen Kram habe ich auch früher schon verlegt, tonnenweise und viele viele Quadratmeter. Das war auch immer anstrengend, weil man sich ständig hinkniet, wieder aufsteht, wieder hinkniet etc.

Jetzt habe ich soetwas auch schon ein paar Jahre nicht mehr gemacht und bin allgemein eher ein Büro-Mensch, ich sitze viel und mache wenig körperlich. Doch das war früher auch nicht anders.

Gestern Abend war der reichliche Hammer. Ich habe zum ersten mal gemerkt, wie wenig körperliche Kondition ich nur noch habe und wieviel Kraft mir jetzt fehlt. Ich kann es schlecht quantifizieren, aber 1/3 weniger Kraft und 50% weniger Kondition könnte das schon sein? Nach gerade einmal vier Stunden war ich völlig am Ende - und die waren noch nichteinmal zügig gearbeitet, das war recht gemütlich, verglichen zu meinem früheren Tempo. Ich merke jetzt deutlich, das ich an körperliche Leistungsgrenzen komme. Früher habe ich oft weiter gemacht, bis ich schlicht zu müde wurde, aber körperlich ging da immer noch etwas. Gestern war nach den 4 Stunden das endgültige Ende erreicht.

Schlimmer noch als das, gestern merkte ich auch schon, wie mir die Kraft, vor allem in Beinen und Rücken, entschwand. Zum Schluss war ich nur noch mit Mühe in der Lage, mich gerade zu halten und zu gehen. Es tat nicht wirklich weh, es war nur schlicht keine Kraft mehr da. Und was es noch ein bisschen blöder macht, das ist bis heute nicht viel besser! Ich habe keinen Muskelkater, sondern schlicht immernoch nicht wieder Kraft in den Beinen! Besonders lustig beim Treppensteigen :(

Apropos Kraft. Allgemein fiel mir auch auf, dass meine Kraft ordentlich nachgelassen hatte. Die Pakete mit den Panelen kamen mir relativ schwer vor, was sie aber nicht wirklich waren. Endgültig fiel es mir auf, als es darum ging, mit der Hand mal die Fugen einzurasten, also etwas drauf zu hauen. Ich schlug darauf, bis mir die Hand weh tat, es tat sich aber nichts am Panel. Mein Freund schlug drauf und zack, mit einem Schlag drin.

Also Leute, MzF Hormone sind nicht nur Spaß ;)
Man gewinnt zwar einiges, aber man verliert auch - Kraft und Ausdauer zum Beispiel.
Ich dachte immer, das wären nur so Erzählungen, ja ja, wird schon nicht so werden. Aber gestern habe ich es nach nun 14 Monaten auch zu spüren bekommen.
Wieder etwas Neues, mit dem ich nun lernen muss, umzugehen. Ich muss nun also damit rechnen, schneller nicht mehr leistungsfähig zu sein und weniger Kraft zu haben. C'est la vie.

Liebe Grüße
nicole
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Anke
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Re: Hach ja, die Hormone - gut ein Jahr später...

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Beitrag von Anke »

Hallo,

bei mir ist es zwar noch nicht so weit wie bei Nicole, aber meine Erfahrungen sind ähnlich. Sprudelkisten sind plötzlich viel schwerer und ich muss mir meine Kräfte viel sorgfältiger einteilen. Bei uns steht jetzt auch eine Renovierung an und ich habe vorsichtshalber schon mal mehr Zeit eingeplant.

Mit der Veränderung komme ich recht gut zurecht. Vielleicht deshalb, weil ich mir das Vorfeld wirklich klar gemacht und auch bewusst in Kauf genommen habe. Vielleicht aber auch, weil mein Leben so viel an Qualität und Freude gewonnen hat, dass ich den Verlust an Kraft gut verschmerzen kann.

Liebe Grüße

Anke
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ReaGirl

Re: Hach ja, die Hormone - gut ein Jahr später...

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Beitrag von ReaGirl »

Jap, das die Kraft nachläßt ist zwangsweise so ^^

Ich hab auch schon nach der kurzen Zeit jetzt in den Oberschenkeln und Schulter/Nackenbereich weniger Muskeln bzw. Kraft. Etwas mit dem ich aber gerechnet habe, man kann es sich nur vorher nicht so wirklich vorstellen wies sich anfühlen wird. Naja nun weiß ich es schön langsam ^^
Michelle_Engelhardt
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Re: Hach ja, die Hormone - gut ein Jahr später...

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Beitrag von Michelle_Engelhardt »

Ich habe nach 25 Monaten auch schon einiges eingebüßt und müßte eigentlich ein wenig Training betreiben.....eigentlich^^
Brauchst Du Hilfe oder einfach jemanden zum quatschen? Schick mir 'ne PN!

Weihnachtsmarkt ist das Wacken für Büroangestellte!
Bianca D.
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Re: Hach ja, die Hormone - gut ein Jahr später...

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Beitrag von Bianca D. »

LaraC hat geschrieben:Bist du dir sicher, dass es nicht einfach das Alter ist? ;) :-D
Moin,

nee,ganz sicher ist es nicht das Alter. Sicher, der Aspekt spielt da jenseits der Fünfzig stärker mit rein als in jüngeren Jahren,aber den Einfluß der HRT hab ich auch sehr deutlich gespürt. Und zwar schon sehr viel schneller als Nicole es beschrieben hat. Schon nach einem halben Jahr habe ich gespürt,daß die Winterräder plötzlich schwerer zu händeln waren. Und das,wo ich durch den täglich Umgang damit eigentlich im Training bleiben sollte. Mittlerweile ist so weit,daß ich für bestimmte Tätigkeiten einen meiner männlichen Kollegen zu Hilfe bitten muß,was vor vier Jahren noch ganz easy von der Hand ging.
nicole.f hat geschrieben:Ich dachte immer, das wären nur so Erzählungen, ja ja, wird schon nicht so werden.
Geschichten aus dem Leben! Testo ist nun mal der Energiespender der Männer,fällt der der weg,geht es uns nicht anders wie jede Cis Frau.

LG Bianca
Ick wees nüscht,kann nüscht,hab aba jede Menge Potenzial
Anni
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Re: Hach ja, die Hormone - gut ein Jahr später...

Post 6 im Thema

Beitrag von Anni »

Hallo Mädels (moin)

... nun ja - ist einer der Gründe , warum ich bis dato nur " Nahrungsergänzungs - Drops " einwerfe :wink:

Jenseits der 50 ist der Kräfte-Abbau ohnehin schon spürbar - 'ne HRT würde mich innerhalb kürzester Zeit zur " Vollzeit - Büro - Mietze " degradieren :lol:

was ich nicht wirklich schlimm fände (smili) - aber allein davon kann ich den Lebensunterhalt ( noch ) nicht bestreiten :x

LG von frecher Anni
Der einzige Mensch, der sich vernünftig benimmt, ist mein Schneider. Er nimmt jedesmal neu Maß, wenn er mich trifft, während alle anderen immer die alten Maßstäbe anlegen in der Meinung, sie paßten auch heute noch. George Bernard Shaw
Ellen1975
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Re: Hach ja, die Hormone - gut ein Jahr später...

Post 7 im Thema

Beitrag von Ellen1975 »

Hallo Nicole,

und dennoch herzlichen Glückwunsch zu einem Jahr Hormone und damit ein Jahr mit dem "richtigen" Treibstoff für den Körper. Und wieder merke ich, dass wir doch alle völlig unterschiedlich auf die externe Zuführung der Hormone wirken. Den Kraftabbau habe ich ziemlich schnell gespürt und mit spüren, meine ich wirklich spüren. Ich hatte ziemlich schnell nachdem Beginn der Therapie heftigstes Ziehen in den Oberarmen. Genauer gesagt in den Muskeln. Es fühlte sich auch wie ein Muskelkater an. Allerdings war es genau das Gegenteil.

Richtig gespürt habe ich es erst, als wir mal wieder in der IKEA waren und ich versucht habe ein Regal aus dem Fach zu holen. Na ja, es blieb bei dem Versuch.. Zu Zweit haben wie es dann auch geschafft. Ein halbes Jahr vorher konnte ich das gleiche Regal ganz alleine bewegen. Aber wie Du schon sagst.

Hormone sind eben kein Spaß und jede sollte sich vorher gut überlegen ob sie diesen Schritt gehen will oder nicht. Mir war es vorher schon bewusst, dass es passieren wird, aber mir so schnell (1,5 Monate) hab ich dann doch nicht gerechnet. Andereseits sind die Arme nun wieder dünner, was vielleicht ein Passing leichter macht, gerade wenn Frau im Sommer etwas luftigere Sachen trägt.


In diesem Sinn wünsche ich Dir ein weiteres tolles Jahr mit den Hormonen und dass sich noch so einiges zum positiven verändern wird.

Liebe Grüße
Ellen
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Re: Hach ja, die Hormone - gut ein Jahr später...

Post 8 im Thema

Beitrag von Beatrix »

Jetzt verstehe ich langsam die versteckten Hinweise meines Hausarztes, mal wieder ins Fitnessstudio zu gehen. Im Moment bin ich dabei meine überflüssigen Pfunde los zu werden, um die dann irgendwann mit der HRT wieder zuzunehmen (aber an anderen Stellen). Da kann ein bisschen mehr Sport, abgesehen vom wandern und schwimmen, nicht schaden. Da ich in meinem Job lange nicht mehr so viele und schwere Kisten schleppen muß, wie noch zu Zeiten der Röhrenmonitore, habe ich schon jetzt nur noch einen Oberarmumfang von 28cm.

Liebe Grüße
Beatrix
Nachdem Gott mich geschaffen hatte, sagte er: "Ups, da ist mir doch
ein Fehler passiert. Na egal, den müssen andere wieder ausbügeln. :-)"
Andrea-Yvette
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Re: Hach ja, die Hormone - gut ein Jahr später...

Post 9 im Thema

Beitrag von Andrea-Yvette »

Hallo Nicole,

vielen Dank für diesen Beitrag und die daraus folgenden Antworten.

Gelesen und gehört habe ich davon schon öfter, habe irgendwie etwas Angst davor, wie es genau ist, welche ausser den positven Auswirkungen die HET so alles mit sich bringt.

Trotzdem geht mir der Gedanke daran im Kopf herum.

LG Andrea-Yvette
ab08
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Re: Hach ja, die Hormone - gut ein Jahr später...

Post 10 im Thema

Beitrag von ab08 »

Hallo Nicole und andere Leidensgefährtinnen,

herzlichen Dank für das wichtige Thema. ==> Deine bzw. Eure Erfahrungen kann ich (HET seit 2008) nur ausdrücklich bestätigen!
Letzten Sommer wurde es bei mir, aufgrund zuviel Sitzen/Arbeit + keine Gymnastik + kein Golf *) plötzlich ziemlich schlimm.
Sogar Jahrzehnte ältere Frauen überholten mich spielend und Treppen waren anstrengend. ( + Das rechte Bein bekam ich kaum hoch und humpelte...)
Seitdem meide ich Rolltreppe/Lift und nutze konsequent Treppen, wo möglich! Zusätzlich mache ich öfter(!) bewußt Übungen.

Auf Rat von Tochter und Logopädin begann ich (Alter 65!) mit leichter, mich wenig anstrengender, Gymnastik.
Es dauerte, bis sich was änderte... aber inzwischen, über fünf Monate später, wird es langsam wieder besser.
Nun schaffe ich Treppen schneller, mach intensivere Übungen und hoffe, dass es irgendwann wieder normal wird.
Der Testosteronspiegel, der bei MzF meist geringer als bei anderen Frauen ist, macht sich hier bemerkbar. :oops:

Liebe Grüße
Andrea

P.S. Einigen Freundinnen und Kolleginnen geht es ähnlich...
Also auch, um gesund zu bleiben, machen viele Frauen irgendeine Art von Gymnastik!! :wink:
*) Dem Sport bin ich seit 1967, einem Schottlandaustausch, verfallen. --> Da läuft man einige Kilometer und bewegt sich.
FÜR: Respekt, Menschenrechte und eine gelebte, demokratische Zivilgesellschaft, die Minderheiten schützt
ERGO: Umfassende Bildung für alle, effektive Regeln in Alltag und Netz, eine gut ausgestattete Polizei/Justiz
Inga
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Re: Hach ja, die Hormone - gut ein Jahr später...

Post 11 im Thema

Beitrag von Inga »

Hi, Nicole,

eben gut, dass du auch die anderen Seiten, Schattenseiten, der Hormontherapie ansprichst !

Ich meinerseits spüre den Rückgang meiner Kräfte ganz ohne Hormone, was wohl altersbedingt sich bei mir mit einem Leiden verstärkt. Solange ich alles in meinem Tempo mache und auch mal schwitze, one aus der Puste zu geraten, ist alles gut.

Dir wünsche ich noch ein paar weniger kräftezehrende Tage zwischen den Jahren!

Liebe Grüße
Inga
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Re: Hach ja, die Hormone - gut ein Jahr später...

Post 12 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Also auch, um gesund zu bleiben, machen viele Frauen irgendeine Art von Gymnastik!! :wink:
Männer auch ... )))(:

Danke Nicole für Deine Beschreibungen. Das erinnert mich an eine junge Kollegin, die mit dem Kajakfahren anfing. Sie hatte Probleme ihre Kraft einzusetzen und wirkte immer etwas schwach. Ich hatte immer den Eindruck, es hat mehr mit Willen, als mit Kraft zu tun. Als ich ihr sagte, sie sollte doch ihre Wut in die Paddelschläge stecken, ging es auf einmal besser. Heute ist sie eine sehr gute Kajakfahrerin, die auf echten Wildwasserstrecken unterwegs ist.

Deshalb stelle ich mir die Frage, ob es wirklich die Kraft ist, die fehlt oder nicht doch auch viel mit dem inneren Antrieb, hormonell gesprochen, dem Testosteron zu tun hat. Durch das Testosteron können erst die Kräfte mobilisiert werden. Dazu kommt, wenn man das Gefühl hat, weniger Kräfte zu haben auch dazu führen kann, die vorhandenen nicht voll einzusetzen. Ähnlich wie bei dem Mathetest der Psychologie, bei dem die Mädchen auf einmal viel besser abschnitten, nur weil man es ihnen zutraute.
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
Anke
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Re: Hach ja, die Hormone - gut ein Jahr später...

Post 13 im Thema

Beitrag von Anke »

Hallo,

den physischen Effekt spüre ich auf jeden Fall. Wenn ich etwas schweres heben will, dann ist das schwieriger, als früher.

Ich verstehe aber auch, was Vicky sagt, den psychologischen Effekt spüre ich an mir selbst. Meine Einstellung ist auch anders. Heute bin ich eher bereit mich zu fragen, ob ich die Kräfte für dieses oder jenes tatsächlich mobilisieren soll. Und offen gestanden, geht es mir damit wesentlich besser, weil entspannter.

Liebe Grüße

Anke
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Re: Hach ja, die Hormone - gut ein Jahr später...

Post 14 im Thema

Beitrag von nicole.f »

Ja Anke, diese Entspannung kenne ich auch :) Das fing bei mir schon mit den Antiandrogenen an (in meinem Fall Spironolacton) und ich empfand dies als äußerst angenehm.

Grundsätzlich bin ich das ganze Thema Hormone völlig ergebnisoffen angegangen. Ich hatte keinerlei konkreten Ziele oder Wünsche, die ich erreichen wollte und entsprechend auch keine Vorstellung wohin mich das alles führen würde. Mit den Antiandrogenen hatte ich angefangen, weil ich selbst wissen wollte, praktisch als Experiment, wie das denn mit weniger wirksamem Testosteron sein würde. Versprochen habe ich mir davon nichts. Bekommen habe ich Beruhigung, größere Gelassenheit, Entspannung eben. Es war wie Druck vom Kessel zu nehmen, in allen Lebenslagen. Oftmals ärgerte ich mich selbst über meine Aktionen und Reaktionen in bestimmten Lebenslagen. Es kam mir manchmal fast so vor, als handelte ich nicht wirklich selbst. Es platzte einfach heraus, mit viel Druck und Macht, aus dem ständig brodelnden Kessel. Oft genug wusste ich schon im Moment als die Worte meinen Mund verließen, dass es falsch war, wusste aber nicht, warum ich es dennoch tat. Mit dem geringeren Druck auf dem Kessel ist dies nun sehr angenehm, entspannt eben, ich habe die Ruhe abzuwägen, halte mehr aus und kann auch einfach mal den Mund halten, um des Friedens willen. Das ist großartig!

Damit war dann recht bald für mich klar, dass ich das Testosteron loswerden musste. Es war ein Fremdkörper in mir, tat mir nicht gut, machte mich zu einem schlechteren Menschen. Ohne Testosteron-Substitution, also ganz ohne Geschlechtshormone, ist aber auch nicht gut, nicht gut für den Stoffwechsel, den Knochenbau und vieles mehr. Also war dann recht bald klar, dass sobald das Testo endgültig weg ist, ein Ersatz zugeführt werden muss und das waren dann eben Östrogene. Auch dies habe ich wieder völlig ergebnisoffen begonnen, ohne Wünsche, Hoffnungen oder konkrete Ziele. Nunja, natürlich schon mit der gewissen Hoffnung, dass sie irgendwelche positiven Auswirkungen haben würden, hielt mich aber selbst mit konkreteren Vorstellungen dazu sehr zurück, denn dann können sie auch nicht enttäuscht werden ;)

Der Prozess der Veränderungen ist langsam und schleichend, weshalb es mir selbst immer schwer fällt, diese Veränderungen überhaupt zu bemerken. Es fällt immer dann erst auf, wenn man mal wieder etwas vergleichbares aus der Vergangenheit hat, wie eben diese ganz zu Anfang beschriebene Renovierungsaktion oder wenn sich auf einmal unter der Kleidung auch ohne entsprechende Wäsche Formen abzeichnen, wo vorher keine waren - Ihr wisst, was ich meine :) Aber auch das geht alles so irre langsam von statten, von Stunde zu Stunde, von Tag zu Tag, Monat zu Monat. Zumindest mir fällt es extrem schwer, die tatsächlichen Veränderungen konkret zu benennen, bis auf die praktisch messbaren.

Doch das aller wichtigste bei der ganzen Sache ist auch gar nicht irgendeine spezielle der ganzen Veränderungen, nicht ein spezielles Gefühl oder eine spezielle neu gefundene Eigenschaft oder Eigenheit. Das aller aller wichtigste ist aber, dass ich mich damit gut fühle. Es geht mir gut, viel besser als zuvor und das ist alles, was für mich dabei zählt. Dafür verzichte ich gerne auf etwas körperliche Kraft und Ausdauer, dafür gewann ich seelisch-geistige Kraft und Ausdauer. Aber nicht nur das. Es geht mir auch körperlich besser, meine ich feststellen zu können. Mein Immunsystem war nie das beste, ich habe eine ganze Reihe von Allergien, Neurodermitis. Erkältungen und grippale Infekte haben mich regelmäßig für einige Tage außer Gefecht gesetzt, nur ein wenig erkältet zu sein, gab es bei mir nicht, es wurde fast immer fiebrig.

Jetzt ist das doch recht anders. Ob das etwas mit den anderen Hormonen zu tun hat? Keine Ahnung. Ich habe nach wie vor Allergien, aber fast keine Neuroderminitis mehr. Erkältungen habe ich auch noch, aber es bleiben Erkältungen, nach einem Tag Rotznase ist es wieder gut. Die Tage hatte ich einen grippalen Infekt, eine Nacht ordentlich Fieber und dann war auch dieser Spuk (fast) vorbei, was mich sonst mindestens eine Woche auf die Bretter geschickt hätte.

Man sagt ja, Frauen seien gesundheitlich etwas stabiler als Männer. Liegt das an den Hormonen? Oder liegt es speziell bei mir daran, dass mein Körper zuvor gegen die falschen Hormone anzukämpfen versuchte? Da waren und sind auch ein paar Dinge körperlich anders bei mir, denke ich. Oder rede ich mir das nur ein?

Es fing damit an, dass ich schon immer in der Familie auffiel. Aus meinem Bruder oder Vater hätte man jeweils locker zwei meiner Statur machen können. In der Pubertät schwollen meine Brustdrüsen stark an, das ging aber wieder zurück - zum Glück, ich hatte, damals völlig unwissend, große Angst, dass das etwas Schlimmes sein könnte. Trotz Sport und sogar explizitem Krafttraining konnte ich nie wirklich Muskeln aufbauen. Mein Stimmbruch verlief schleppend über Jahre, typisch männliche Köperbehaarung hatte ich immer schon nur wenig und auch der Bart war nie sonderlich dicht - es brauchte viele Jahre, bis es überhaupt Bart zu nennen war. Alles recht untypisch, wie es schien, und diametral zu meinem Bruder. 2014 kam dann ja auch noch das Untersuchungsergebnis nach der Orchiektomie, das ich hier beschrieb: viewtopic.php?f=16&t=8792&hilit=intersex Hat das etwas zu bedeuten? Ich habe es nach dem Klinefelter-Ausschluss nicht weiter verfolgt. Es gibt noch Dutzende nachweisbare "Abweichungen", doch die Tests sind unerfreulich teuer und ohne konkreten Grund, wie körperliche Beschwerden, kaum zu rechtfertigen.

Alle Ärzte prophezeiten mir nach dem Wegfall des Testosterons Stimmungsschwankungen und Antriebslosigkeit bishin zu Depressionen. Mir ging es jedoch blendend, von den Hitzewallungen und plötzlichen Schweißausbrüchen abgesehen. Nach dem Ersatz durch Östrogene sind die Hitzewallungen verschwunden, doch die gute Stimmung blieb. Meine Epilations-Behandlerin ist etwas "enttäuscht" von mir, sie sagte mir gerade, mit mir wird sie leider nicht reicht werden. Wir haben jetzt 32 Sitzungen mit nicht einmal 40 Stunden innerhalb von 16 Monaten, die letzten nur noch mit 30-45 Minuten, weil danach einfach nichts mehr zu finden ist. Nächstes Jahr werden wir es auf monatliche Nachbehandlungen reduzieren, sonst lohnt sich die Anfahrt nicht mehr. Sie macht das seit vielen Jahren und findet das schon sehr ungewöhnlich. Oder möchte sie mir damit einfach nur etwas nettes sagen?

Gibt es da vielleicht doch einen physiologischen (körperlichen) Grund für das alles? Wer weiß.
Und wer will das schon wissen? Muss ich das wissen? Warum nur mache ich mir darüber überhaupt Gedanken?
Liegt bestimmt nur an der dunklen Jahreszeit :)

Liebe Grüße
nicole
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