Emanzipation und Anonymität
Emanzipation und Anonymität - # 2

Lebensplanung, Standorte
Lina
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Re: Emanzipation und Anonymität

Post 16 im Thema

Beitrag von Lina »

dahlia hat geschrieben:Falsch, wir sind nicht allesamt eingeschränkt im Beruf. Wenn man will geht es auch im Beruf in weiblicher Kleidung. Zugegeben ich musste am Anfang auch einiges über mich erzählen und Überzeugungsarbeit leisten bei meinen Vorgesetzten. Sie hatten wohl Angst um den guten Ruf der Firma....

LG Dahlia
Das hätte mein alter Chef bestimmt geglaubt. Und das obwohl min. 4 Kunden mich en femme kennen und die drei davon erst Kunden wurden, weil sich mich kennen. Einer beglückte uns mit einem Auftrag, die während der Beratung auf 15.000 EUR anstieg, wovon ein großer Teil meine Arbeit war (Bildbearbeitung - Ein Drucker mit einer Druckmaschine zu ca. 0,5 bis 1 Mio EUR muss zwei bis drei Stunden Arbeiten, um der Firma den gleichen Verdienst einzubringen wie die Firma durch eine Arbeitsstunde von mir verdient.)
Ich weiß nicht, ob er kapiert hat, dass ich T bin. War und ist mir eigentlich auch egal.
martina

Re: Emanzipation und Anonymität

Post 17 im Thema

Beitrag von martina »

dahlia hat geschrieben:Falsch, wir sind nicht allesamt eingeschränkt im Beruf.
bist du sicher, dass du meinen satz korrekt interpretierst?
woher nimmst du die überzeugung, mich so zu verstehen, als hätte ich geschrieben, dass ALLE in JEDEM beruf in ALLEN firmen eingeschränkt wären?

nochmal:
martina hat geschrieben:beruf lasse ich mal aussen vor, denn da sind wir allesamt eingeschränkt, die wir dort arbeiten.
es war sicher von mir ein bisschen schwammig ausgedrückt, aber das "dort" ist kein nichtssagendes füllwort, sondern steht synonym für "bei uns", "in unserer firma".
schau mal hier https://www.crossdresser-forum.de/phpBB ... =9&t=11344

liebe grüsse
martina
Lina
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Re: Emanzipation und Anonymität

Post 18 im Thema

Beitrag von Lina »

Martina:
@woher nimmst du die überzeugung, mich so zu verstehen, als hätte ich geschrieben, dass ALLE in JEDEM beruf in ALLEN firmen eingeschränkt wären?

Was ist denn das für eine Art zu fragen? "als hättest ich geschrieben ..."
Hast du ja. Das gibst du ja fünf Zeilen weiter unten zu. "Dort" und "bei uns" sind in dem Kontext definitiv zwei völlig verschiedene Aussagen.
JaquelineL
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Re: Emanzipation und Anonymität

Post 19 im Thema

Beitrag von JaquelineL »

Hallo Lina,
Lina hat geschrieben:Toleranz einforndern? Mindestens.
auch wenn es manchen auf den ersten Blick wie eine Ausrede für meine vermeintliche Feigheit erscheinen mag: Anders als bei vielen Menschen, die von meiner entsprechenden Forderung mangels Nähe wenig persönlich beeinflusst wären, nehme ich in meinem persönlichen Umfeld Rücksicht bereits auf ×mögliche× Konsequenzen. Übe also vorauseilenden Gehorsam, berücksichtige Mögliches, ohne das es bereits eingetreten ist... aus ×Rücksichtnahme×. Auch wenn es mich einschränkt. Und wer glaubt, dass es eine Ausrede sei, möge Bitte die SuFu bemühen und mir eine Beschwerde von mir darüber zeigen.
Lina hat geschrieben:Ich hoffe, dass einige zumindest die Frage für sich selbst beantwortet haben.
Haben das nicht alle, zumindest implizit?

Natürlich ist diese Frage ketzerisch gestellt. Ich freue mich für jede(n), die/der über den eigenen Schatten springen konnte und bedanke mich auch bei Dir für die entsprechende Unterstützung. Dennoch finde ich, dass wir dem direkten Umfeld gegenüber nicht das nötige Maß an Respekt vermissen lassen dürfen. Das beinhaltet für mich auch, dass wir manchmal mit dem outing leider zurückstehen müssen: Sei es, dass Kinder Opfer des gesellschaftlichen Mobbings würden oder dass Personen, die so gar nichts damit anfangen können, zu direkter Interaktion gezwungen werden. Ach ja, ich muss eine Einschränkung deutlich machen: Ich rede hier nicht über Vollzeit-Wechsler (z.B. TS), denn diese sind keine "mal so, mal so"-Irritationen der Umwelt, sondern konstant präsent.

Selbstvertändlich erhoffe auch ich mir von allen Mitmenschen Toleranz und meine auch, dass man es mir in den engen von mir genutzten Grenzen entgegenbringt. Ich erkenne aber genauso an, dass es ein Ausmaß an persönlicher Betroffenheit geben kann, das diese Toleranz sehr auf die Probe stellt. Und ich will diese Menschen nicht deshalb verteufeln.

Liebe Grüße
Jackie
ExUserIn-2026-04-08
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Re: Emanzipation und Anonymität

Post 20 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Mir geht es nicht um "Verteufelung". Mir geht es mit meinen zugegebenermaßen provokanten und auch ein wenig radikalen Thesen um eine Auseinandersetzung mit der eigenen, eben nicht fremd gesteuerten Situation.

Ich möchte die Situation hinterfragen, in der viele stecken. Da wird von vielen lamentiert, das es so viele Gründe gäbe, dass sie nicht leben könnten, wie sie wollten. Ich finde, dieses Gejammere fürchterlich, nicht zuletzt für die Menschen, die es betrifft. Ich habe sie auch gelebt. Und ich binde heute auch nicht jedem auf die Nase, wie ich ticke. Aber ich beklage mich auch nicht darüber und suche mir getreu nach dem Satz "wer etwas will, findet Wege, wer etwas nicht will, findet Gründe", meinen Weg. Und ich kann nur feststellen, es gibt so viele Möglichkeiten, so zu leben, wie ich es will. Man muss es nur tun.

Jaqueline, Du sprichst das Thema Kinder als Opfer an. Ich stimme Dir zu, das ist kein einfaches Thema. Und die Möglichkeit des Mobbings ist gegeben. Ich habe sie selber erfahren, wenn auch nicht wegen T*. Aber Gegenfrage: was wäre, wenn die Eltern ein T*-Leben offen leben, bevor das Kind auf die Welt kommt ? Wenn sie in ihrem sozialen Umfeld anerkannt sind ? Es gab vor einiger Zeit ein Film, in dem ein Uni-Prof., ich glaube er war aus Konstanz, sein Leben zwischen den Geschlechtern offen lebt und dafür akzeptiert wird. Er hatte zwar keine Kinder, aber was wäre wenn ? Welches Signal geben wir den Kindern mit, wenn wir signalisieren, dass sie sich verstecken müssen, wenn es darum geht, ungewöhnliche Lebensweisen zu leben ? Das ist tiefstes Biedermeier und Duckmäusertum.

Ich weiß, dass es Kreise in unserer Gesellschaft gibt, in denen genau das zu echten Problemen führt. Aber ich sehe es auch als Zivilcourage, zu sich selber zu stehen. Das heißt nicht, dass jetzt jede/r bei jeder Gelegenheit en femme auf die Straße gehen muss. Es soll aber zeigen, dass jede/r viel mehr Möglichkeiten hat, als er/sie denkt. Es ist ein Prozess, den jede/r mit eigenem Tempo gehen kann. Es gilt zu allererst die geschlossenen Türen im eigenen Kopf aufzustoßen. Die "undenkbaren Dinge zu denken und zu tun. Das ist für mich die Emanzipation und Befreiuung. Wenn das jede/r von uns macht, passieren zwei Dinge: Wir kommen als Gemeinschaft Stück für Stück vorwärts auf dem Weg der Akzeptanz, die dann nicht "gewährt", sondern erarbeitet ist, und wir spüren in uns viel mehr Selbstvertrauen zu uns selber und zu dem, was wir tun.

Und genau das ist ein richtig gutes Gefühl.

Nachtrag: Hier sind Links zum genannten Professor in Konstanz:
http://www.suedkurier.de/region/kreis-k ... 48,4471650
http://www.swr.de/-/id=8466176/property ... 110920.pdf

Noch ein Nachtrag, den ich gerade in "Wer schrieb was ?" gefunden habe (weil's so schön passt):

Man braucht vor niemand Angst zu haben.
Wenn man jemanden fürchtet, dann kommt es daher,
daß man diesem Jemand Macht über sich eingeräumt hat. (Demian)

Hermann Hesse
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
martina

Re: Emanzipation und Anonymität

Post 21 im Thema

Beitrag von martina »

hallo vicky_rose,
ich will es mal so sagen: zwischen toleranz und intoleranz sehe ich hunderte von graustufen, nämlich desinteresse, gleichgültigkeit. diese gleichgültigkeit anderer reicht mir als basis. ich erlebe keine wirkliche intoleranz in dem sinne: "der ist ja wohl schwul". da intoleranz durch eine negative haltung definiert ist, da es dazwischen ein weites feld neutraler haltungen gibt, heisst toleranz also: anerkennung, bestätigung finden. so brauche ich für mich nicht mehr toleranz einzufordern. selbst wenn der begriff toleranz weiter gefasst wird, an die grenze zur intoleranz stösst und also die neutrale haltung umfasst, brauche ich für mich nicht mehr toleranz einzufordern. es reicht mir, so wie es ist.
liebe grüsse
martina
JaquelineL
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Re: Emanzipation und Anonymität

Post 22 im Thema

Beitrag von JaquelineL »

Hallo Vicky,
Vicky_Rose hat geschrieben:Ich möchte die Situation hinterfragen, in der viele stecken. Da wird von vielen lamentiert, das es so viele Gründe gäbe, dass sie nicht leben könnten, wie sie wollten. Ich finde, dieses Gejammere fürchterlich, nicht zuletzt für die Menschen, die es betrifft. Ich habe sie auch gelebt. Und ich binde heute auch nicht jedem auf die Nase, wie ich ticke. Aber ich beklage mich auch nicht darüber und suche mir getreu nach dem Satz "wer etwas will, findet Wege, wer etwas nicht will, findet Gründe", meinen Weg. Und ich kann nur feststellen, es gibt so viele Möglichkeiten, so zu leben, wie ich es will. Man muss es nur tun.
dem kann ich einfach nur zustimmen! (yes)

Liebe Grüße
Jackie
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