Mir geht es nicht um "Verteufelung". Mir geht es mit meinen zugegebenermaßen provokanten und auch ein wenig radikalen Thesen um eine Auseinandersetzung mit der eigenen, eben nicht fremd gesteuerten Situation.
Ich möchte die Situation hinterfragen, in der viele stecken. Da wird von vielen lamentiert, das es so viele Gründe gäbe, dass sie nicht leben könnten, wie sie wollten. Ich finde, dieses Gejammere fürchterlich, nicht zuletzt für die Menschen, die es betrifft. Ich habe sie auch gelebt. Und ich binde heute auch nicht jedem auf die Nase, wie ich ticke. Aber ich beklage mich auch nicht darüber und suche mir getreu nach dem Satz "wer etwas will, findet Wege, wer etwas nicht will, findet Gründe", meinen Weg. Und ich kann nur feststellen, es gibt so viele Möglichkeiten, so zu leben, wie ich es will. Man muss es nur tun.
Jaqueline, Du sprichst das Thema Kinder als Opfer an. Ich stimme Dir zu, das ist kein einfaches Thema. Und die Möglichkeit des Mobbings ist gegeben. Ich habe sie selber erfahren, wenn auch nicht wegen T*. Aber Gegenfrage: was wäre, wenn die Eltern ein T*-Leben offen leben, bevor das Kind auf die Welt kommt ? Wenn sie in ihrem sozialen Umfeld anerkannt sind ? Es gab vor einiger Zeit ein Film, in dem ein Uni-Prof., ich glaube er war aus Konstanz, sein Leben zwischen den Geschlechtern offen lebt und dafür akzeptiert wird. Er hatte zwar keine Kinder, aber was wäre wenn ? Welches Signal geben wir den Kindern mit, wenn wir signalisieren, dass sie sich verstecken müssen, wenn es darum geht, ungewöhnliche Lebensweisen zu leben ? Das ist tiefstes Biedermeier und Duckmäusertum.
Ich weiß, dass es Kreise in unserer Gesellschaft gibt, in denen genau das zu echten Problemen führt. Aber ich sehe es auch als Zivilcourage, zu sich selber zu stehen. Das heißt nicht, dass jetzt jede/r bei jeder Gelegenheit en femme auf die Straße gehen muss. Es soll aber zeigen, dass jede/r viel mehr Möglichkeiten hat, als er/sie denkt. Es ist ein Prozess, den jede/r mit eigenem Tempo gehen kann. Es gilt zu allererst die geschlossenen Türen im eigenen Kopf aufzustoßen. Die "undenkbaren Dinge zu denken und zu tun. Das ist für mich die Emanzipation und Befreiuung. Wenn das jede/r von uns macht, passieren zwei Dinge: Wir kommen als Gemeinschaft Stück für Stück vorwärts auf dem Weg der Akzeptanz, die dann nicht "gewährt", sondern erarbeitet ist, und wir spüren in uns viel mehr Selbstvertrauen zu uns selber und zu dem, was wir tun.
Und genau das ist ein richtig gutes Gefühl.
Nachtrag: Hier sind Links zum genannten Professor in Konstanz:
http://www.suedkurier.de/region/kreis-k ... 48,4471650
http://www.swr.de/-/id=8466176/property ... 110920.pdf
Noch ein Nachtrag, den ich gerade in "Wer schrieb was ?" gefunden habe (weil's so schön passt):
Man braucht vor niemand Angst zu haben.
Wenn man jemanden fürchtet, dann kommt es daher,
daß man diesem Jemand Macht über sich eingeräumt hat. (Demian)
Hermann Hesse