Mein erstes Brautkleid
Mein erstes Brautkleid

Crossdressing und selbst Erlebtes... Erdachtes
cutie
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Mein erstes Brautkleid

Post 1 im Thema

Beitrag von cutie »

Wahnsinn, absoluter Wahnsinn. Ich habe Brautkleider anprobiert. Im Geschäft. Keine Boutique, bloß ein Outlet für Braut- und Abendmode. Aber immerhin. :)

In der Nähe in einer Nebenstraße geparkt. Vorbei an der Schaufensterfront. Geradewegs auf den Eingang zu. Moment mal. Aus dem Augenwinkel sehe ich, dass ein paar Kundinnen im Geschäft sind. Vielleicht doch lieber warten...? Egal. Nicht nachdenken, sonst kneife ich womöglich noch den Schwanz ein. Weiter zum Eingang. Noch einmal kräftig durchatmen und rein. Die Verkäuferin an der Kasse grüßt freundlich, ich grüße zurück.

Kurz orientieren. Rechts sind Coktail- und Abendkleider, ein paar Kundinnen schauen sich dort um, eine verschwindet gerade mit einem kurzen roten Kleid in der Umkleidekabine. Links sind Brautkleider. Kurze auf Ständern in der Mitte, lange auf Bügel an Kleiderstangen entlang der Wände. Niemand dort. Auweia, da falle ich ja noch mehr auf. :oops: Egal. Ich bin so weit gekommen, jetzt mache ich nicht kehrt! Erstmal zu den Kurzen in der Mitte. Einige schöne Kleider dabei. Doch immer wieder verstohlene Blicke zu den langen Kleidern am Rand. Die mit den weiten, gerafften Röcken - ein Traum! Wie gerne würde ich in so ein Brautkleid schlüpfen...

Aber ich traue mich einfach nicht näher heran. Und überhaupt: Was sagen die anderen Kundinnen, wenn ich mit einem der Kleider in einer Kabine verschwinde? Ob das okay ist? Ein Telefon klingelt. Die Verkäuferin - klein, hübsch, tolle Figur, langes schwarzes Haar, vielleicht Ende 20 - eilt an mir vorbei. Schaut kurz, sagt aber nichts. Sie öffnet eine Tür weiter hinten, scheint ein Büro zu sein. Das Klingeln verstummt. Sie hat den Anruf angenommen, spricht irgendwas mit irgendwem. Kurz darauf kommt sie wieder an mir vorbei. Jetzt oder nie: "Ähem, Entschuldigung. Ich hätte eine Frage zu den Kleidern." Ja, wie kann ich helfen. "Wegen der Größe..." Lieber eine Nummer größer nehmen, die fallen etwas kleiner aus. Am besten wäre es, wenn die Dame es selbst anprobiert. "Also, eigentlich soll das Kleid für mich sein." Ja, dann... nur zu, da vorn sind die Kabinen. Aber wie gesagt, lieber eine Nummer größer nehmen. "Danke für den Tipp."

Ich wähle zwei kurze Brautkleider zur Anprobe aus: Das eine oben eng und unten mit weitem Chiffonröckchen, das andere hauteng und durchgehend leicht geraffter Stoff. Mit den Kleidern überm Arm steuere ich die Kabinen an. Mein Herz klopft. Wie verrückt. Jetzt bloß nicht nach den übrigen Kundinnen schauen. Vorhang auf, rein, Vorhang fast zu, da sehe ich wie eine Kundin völlig verdutzt (empört? angewidert?) :shock: zu mir herüber blickt. Vorhang ganz zu. Durchatmen.

Die Kleider hänge ich an einen Haken. Mit leicht zittrigen Händen ziehe ich Schuhe, Jacke, Shirt und Hose aus. Und schaue mich im Spiegel an: Bügel-BH mit schlichten Cups, dazu passender String, Strumpfgürtel mit etwas Spitze, Strapsstrümpfe mit Spitzenabschluss. Alles in weiß. So wie es sich für eine Braut gehört. Wenn mich die Kundin jetzt so sehen könnte, würde sie wohl aus allen Wolken fallen. Ich muss ein wenig schmunzeln. :)

Zuerst das hautenge Kleid. Der Tipp der Verkäuferin war gut. Meine normale Größe hätte mir nicht gepasst. Das Kleid sitzt zwar nicht perfekt, aber recht gut. Dafür dass es eigentlich für die Proportionen einer Frau gefertigt worden ist. Nur leider rutscht es oben rum immer wieder runter - mir fehlt eben der Busen und dem Kleid die Träger, um es an Ort und Stelle zu halten.

Das Chiffonkleidchen hat Träger. Aber hier war der Tipp der Verkäuferin leider falsch. Es ist viel zu weit. Schade. Denn es ist super süß. Und wie sanft das Chiffon meine bestrumpften Beine streichelt - herrlich! Als ich es ausziehe, höre ich eine Frauenstimme empört tuscheln: "Der hat sogar weiße Damenstrümpfe an!" Auweia. Der Vorhang reicht nicht bis auf den Boden. Kurz davor ist Schluss. Wohl genug, um meine Köchel und Füße von außen zu sehen. Das wird mir erst jetzt bewusst. :oops: Doch die Verkäuferin erwidert der Kundin ganz entspannt: "Ja, und? Es soll doch auch gut aussehen." Recht hat sie! 8) Mit Tennissocken probiert man so ein Kleid jawohl nicht an. Der alte Drachen vielleicht. Aber den möchte man sich in solchen Kleidern lieber gar nicht erst vorstellen. (ag)

Ich ziehe mich wieder an, öffne den Vorhang, hänge die Kleider zurück auf den Ständer. Während dessen fixiert mich ununterbrochen besagte Kundin - sie ist außer der Verkäuferin mittlerweile die einzige im Laden. Für einen Moment überlege ich, die Kundin richtig zu schocken und eins der langen Brautkleider auszuwählen. Leider verlässt mich der Mut. :( Dieser Blick ist aber auch echt fies. :evil: Ich verabschiede mich freundlich von der Verkäuferin: "Leider nichts Passendes dabei." Sie erwidert meinen Abschiedsgruß und ermuntert mich, ein anderes Mal wieder herein zu schauen. "Gern", sage ich und gehe weiter zum Ausgang. Die Kundin grummelt noch irgendwas, das ich aber - zum Glück? - nicht mehr verstehe... :roll:
Plisseedreher70
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Re: Mein erstes Brautkleid

Post 2 im Thema

Beitrag von Plisseedreher70 »

Hallo Cutie,

den Mut wie du hatte ich zwar nicht ganz, aber hier an meinem Wohnort habe ich ein Brautmodengeschäft, wo ich ungestört alle Kleider ansehen und anprobieren kann. Die Inhaberin weiß von meiner Leidenschaft und bedient mich zuvorkommend, zur Anprobe gehen wir allerdings in einen Nebenraum...anders wollte ich das auch nicht....natürlich NUR zum Anprobieren....grins! So schleppte ich über die Jahre manch schönes Stück mit nach Hause und auch meine Pumpe geht auf 180, wenn der raschelnde Satinstoff meine Haut umwallt. Hoffentlich hast du inzwischen ein berauschendes schönes Kleid ergattern können, viel Spaß damit!
LG vom Plisseedreher 70
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Sheila
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Re: Mein erstes Brautkleid

Post 3 im Thema

Beitrag von Sheila »

Wow!

Ein toller Erfahrungsbericht, und ich muss sagen... Soviel Mut hätte ich nicht aufgebracht. Ich finde es aber super, daß gerade die Verkäuferin Dich so toll behandelt hat - klar: einerseits ist es ihr Job. Andererseits sind Ihr wahrscheinlich Kunden wie "wir" es sind (he) lieber als besagte andere Kundinnen (ag) ......

Ich kenne auch ein Brautmodengeschäft... werfe höchstens mal ein paar verstohlene Blicke ins Schaufenster...

Habe dafür aber schon ein paar Kleider zuhause ... (na)

Liebe Grüße

Sheila
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Re: Mein erstes Brautkleid

Post 4 im Thema

Beitrag von Lina »

Sheila hat geschrieben:Wow!

..
Ich kenne auch ein Brautmodengeschäft... werfe höchstens mal ein paar verstohlene Blicke ins Schaufenster...

...
Liebe Grüße

Sheila
Warum das denn. Nach deinem Avatar zu schätzen würdest du doch in einem Brautkleid super aussehen.
Plisseedreher70
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Re: Mein erstes Brautkleid

Post 5 im Thema

Beitrag von Plisseedreher70 »

Aber wohl ja...., da gebe ich Lina vollkommen recht!
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cutie
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Re: Mein erstes Brautkleid

Post 6 im Thema

Beitrag von cutie »

Plisseedreher70 hat geschrieben: Hallo Cutie, den Mut wie du hatte ich zwar nicht ganz, aber hier an meinem Wohnort habe ich ein Brautmodengeschäft, wo ich ungestört alle Kleider ansehen und anprobieren kann. Die Inhaberin weiß von meiner Leidenschaft und bedient mich zuvorkommend.
Das ist natürlich klasse, wenn man so eine verständnisvolle Verkäuferin/Ladenbesitzerin gefunden hat. Glückwunsch! (yes)
Plisseedreher70 hat geschrieben: Hoffentlich hast du inzwischen ein berauschendes schönes Kleid ergattern können, viel Spaß damit!
Leider nein. :( Aber ich gebe nicht auf. Entweder ich probiere noch mal im Outlet mein Glück, zu Zeiten wo etwas weniger Kundschaft da ist. Oder ich gehe gleich in ein Brautmoden-Fachgeschäft. Am besten in eine kleine Boutique. Da ist man, glaube ich, etwas ungestörter. Auch wenn die Verkäuferin im Outlet von der Freundlichkeit her wirklich 1A war...
Sheila hat geschrieben: Ich kenne auch ein Brautmodengeschäft... werfe höchstens mal ein paar verstohlene Blicke ins Schaufenster...
missydaniela hat geschrieben: In selbst hatte bis jetzt weder den Mut in ein Brautmodengeschäft zu gehen, noch der Verkäuferin offen zu sagen, dass das Kleid für mich ist. Ich kenne aber das Herzklopfen und die zittrigen Hände nur zu gut. ;-)
Nur Mut, ihr beide. Beim nächsten Streifzug nicht bloß ins Schaufenster schielen, sondern einfach mal reingehen. Freundlich sagen, wie es ist: Ihr sucht ein Brautkleid - für euch. Klar, ich hatte auch erst tierisch Schiss. Aber jetzt weiß ich: Es kann absolut nichts passieren (und hey, ich habe sogar die Begegnung mit einem Drachen überlebt). :lol:

Wenn die Verkäuferin/Inhaberin nur ansatzweise etwas von ihrem Job versteht, wird sie euch willkommen heißen. Und wenn es euch zu heikel ist, weil vielleicht gerade Kundschaft im Geschäft ist, fragt ihr einfach höflich, ob ihr später noch mal reinschauen dürft. Damit tut ihr euch einen Gefallen: Wenn man sich unwohl fühlt, ist die Brautkleidanprobe nicht das schöne Erlebnis, das sie sein sollte. Ihr tut der Verkäuferin einen Gefallen: Sie muss sich nicht um zwei Kunden gleichzeitig kümmern. Und ihr tut der Kundin einen Gefallen: Sie hat weiterhin allein die volle Aufmerksamkeit der Verkäuferin.

Euren Avataren nach seht ihr übrigens bestimmt richtig klasse aus in einem Brautkleid... (yes) Da kann man (und frau) schon ein bisschen neidisch werden.:wink:
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Re: Mein erstes Brautkleid

Post 7 im Thema

Beitrag von Plisseedreher70 »

Hallo Cutie,

da kommen mir fast die Tränen, wenn du mit einem begehrten Brautkleid noch nicht zum Zuge gekommen bist. Wenn du Gr. 42 benötigst und dir ein Satinbrautkleid zusagen sollte, dann schreibe mir doch eine PN, ich könnte dir da weiterhelfen...habe genug davon!
Geb dir einen Ruck...,denn zittrige Hände bekommst du eh beim Anziehen davon...oder brauchst du den Kick im Brautmodengeschäft?

Liebe Grüße vom verrückten Plisseedreher 70
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Re: Mein erstes Brautkleid

Post 8 im Thema

Beitrag von cutie »

Hallo Pd70,

nettes Angebot, aber Gr. 42 ist zu groß für mich. Habe eher KF40, manchmal auch 38.

Und natürlich ist ein Brautkleid aussuchen und anprobieren im Geschäft mit verständnisvollen, professionellen Verkäuferinnen, die beratend zur Seite stehen, viel schöner. Online bestellen, zuhause ein Paket aufreißen, Kleid anprobieren und keinen Plan haben, ob es richtig sitzt oder ob und wie man es ändern könnte, damit es besser sitzt, ist doch nicht wirklich prickelnd. Und wenn man richtig viel Glück hat, erwischt man vielleicht ja sogar eine Verkäuferin, die ehrlich sagt, welcher Schnitt einem am besten steht und eben nicht bloß schnell, schnell irgendwas verkaufen will.

Ich denke gerade ein Brautkleid muss man einfach im Geschäft kaufen. Möchte mir gar nicht vorstellen, dass angehende Bräute sich ihr Kleid im Internet bestellen...wie schrecklich!

Liebe Grüße,
Cutie
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Re: Mein erstes Brautkleid

Post 9 im Thema

Beitrag von Plisseedreher70 »

Hallöchen Cutie,

aber klar doch, ein Kleid kaufen mit allem Drum und Dran ist manchmal so prickelnd wie ein "Vorspiel", das kann ich voll nachvollziehen. Aber wenn du irgendwann mal fündig geworden bist, erzähl uns alles ausführlich, wie es gelaufen ist....! Versprochen?
Bleib dran!
LG vom Plisseedreher
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Re: Mein erstes Brautkleid

Post 10 im Thema

Beitrag von cutie »

Hallo Pd70 und Simone,

trau' mich, kein Sorge. Erst recht nach den mutmachenden Berichten. Muss nur ausreichend Zeit dafür finden. Zwischen Tür und Angel lassen sich Brautkleider ja schlecht anprobieren... :wink: Und berichte dann auch, wie es war. (yes)

LG Cutie
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Re: Mein erstes Brautkleid

Post 11 im Thema

Beitrag von cutie »

Jetzt habe ich Zeit gefunden für eine Brautkleidanprobe in einer Boutique. Die Verkäuferin war hilfsbereit und bemüht, ein wirklich schönes Erlebnis war es leider trotzdem nicht. :(

Doch der Reihe nach: Nach kurzer Suche habe ich einen Parkplatz in der Nähe des Brautmodengeschäfts entdeckt. Ich steige aus und gehe darauf zu. Die Pumpe geht deutlich schneller mit. Langsam am Schaufenster entlang, kurze Blicke auf die ausgestellten Kleider. Vorbei an der Eingangstür. Niemand im Laden zu sehen. Vielleicht geschlossen wegen Urlaub? Wieder zurück zum Eingang. Leichtes Drücken am Türgriff. Es ist offen, es klingelt. Ich trete ein.

Erstmal nur Abendmode zu sehen... ah, da hinten sind die Brautkleider! (he) Und wo ist die Verkäuferin? Die Klingel war doch kaum zu überhören. Eine schon etwas ältere Dame kommt aus einem Nebenraum. Guten Tag, wie kann ich helfen. "Guten Tag. Ich suche ein Brautkleid." Sie brauchen einen Termin für Ihre Frau? Oder möchten Sie ein Kleid kaufen? "Ich möchte ein Kleid haben." Und in welcher Größe? "40, denke ich. Das sollte passen." Dann schauen wir mal. Haben Sie an etwas bestimmtes gedacht? Ich zeige ihr an einem Kleid, wonach ich suche: "Gern eins, das bis hier eng geschnitten ist und erst dann weiter wird. Also etwa ab den Knien."

Sie zeigt mir ein paar Kleider. Schöne Stücke, edle Stoffe. Nur absolut nicht das, wonach ich suche. Die von ihr gezeigten Kleider werden ab der Hüfte weit, manche sogar schon knapp unterhalb der Brust. Neuer Anlauf: "Das Kleid soll bis zu den Knien eng anliegen. Und ab da soll der Rock sich weiten." Sie zeigt mir unbeirrt weiter alle möglichen Kleider, die sie persönlich für schön hält. Vielleicht auch bloß wegen des Preisschildes?! :roll:

Nachdem sie mir gefühlt alle Kleider in meiner Größe gezeigt hat, sind immerhin drei darunter, die meiner Vorstellung in etwa entsprechen. Und welches wollen Sie nun kaufen? "Die Kleider sehen alle schön aus." Sie wiederholt: Ja, und welches wollen Sie kaufen? "Das kann ich doch unmöglich einfach so entscheiden. Ich weiß doch nicht mal, welches passt." Dann müssen Sie mit Ihrer Frau wiederkommen. "Nein, nein. Das Kleid soll für mich sein." Sie möchten das Kleid tragen? "Ja. Dürfte ich die Kleider denn anprobieren?" Da vorn sind die Kabinen. Missverständnis aus dem Weg geräumt. Jetzt sollte es besser laufen.

Leider nicht. Das Drama nimmt seinen Lauf. Ziehen Sie Ihr Hemd aus. Den Rest können sie anlassen, das macht nichts. Wie jetzt?! Brautkleider probiert man mit Hose an?! Das ist mir neu. Man probiert doch auch keine Hose mit Hose an. Was soll's. Behalte ich eben die Hose an. Vielleicht ist es ihr unangenehm. Oder sie glaubt, mir könnte es unangenehm sein... Aber warum? Ich bin ja nicht nackt darunter, sondern habe einen Brazilian mit blumiger Spitze in offwhite und halterlose Strümpfe mit breitem Spitzenabschluss in der gleichen Farbe an. Ich möchte die Verkäuferin aber nicht in Verlegenheit bringen. Also ziehe ich nur das Hemd aus. Zum Vorschein kommt mein zu Slip und Strümpfen passender Spitzen-BH.

Aber nur einen kurzen Augenblick. Dann hat sie mir schon das erste Kleid übergestülpt und lässt mich auf ein kleines Podest steigen. Das Kleid sitzt in Po und Hüfte wirklich gut, oben ist es zu eng. So weit ich das eben beurteilen kann. Denn zu sehen bekomme ich es nur von vorn. Bei Rücken und Profil muss ich mich auf das Urteil der Verkäuferin verlassen. Eigentlich auch egal, denn der Reißverschluss geht nicht zu. Bei den anderen beiden Kleidern ist es genauso. Das erste ist sehr verspielt, mit gerafftem Stoff und Stickereien von oben bis unten, das zweite hat eine leicht transparente Spitzencorsage mit eingearbeiteten Stäbchen, das dritte ist eher schlicht und glatt mit einer sehr süßen Schleife im Rücken.

Man könnte den Reißverschluss jeweils durch eine Schnürung ersetzen, empfiehlt die Verkäuferin. Dann würden alle Kleider passen. Und wieder: Welches wollen Sie denn jetzt kaufen? :roll: Eigentlich keins. Denn ich fühle mich kein Stück wie eine Braut. Wie auch mit Hose und Herrenschuhen unterm Kleid? Wer tritt denn so vor den Altar? Am besten noch mit Wathose und Gummistiefeln, weil man in der Freizeit so gern angelt...also wirklich! :lol:

Aber statt zu sagen, was ich denke, bleibe ich höflich: "Am schönsten ist das Kleid mit der Schleife." Der Preis ist allerdings stattlich: 1400 Euro! Die anderen Kleider sind sogar noch teurer. Es gebe auch günstigere Kleider, sagt sie. Die seien aber von schlechterer Qualität. Die habe sie, weil manche Leute eben wenig ausgeben möchten für die Hochzeit. "Manche Leute haben es vielleicht auch einfach nicht ganz so dicke - sollen die etwa nackt heiraten?", denke ich mir. Aber gut, ihr Job ist Verkaufen. Und 1400 Euro in der Kasse sind mehr als 400. Muss man wohl auch irgendwo verstehen...

Ich bedanke mich für die Beratung und verabschiede mich. Viel mehr als den guten Tipp, den Reißverschluss gegebenenfalls durch eine Schnürung zu ersetzen, nehme ich nicht mit. Ach ja, die Erkenntnis, dass mir Kleider im - wie ich inzwischen gegoogelt habe - Mermaid-Stil (he) saugut stehen, habe ich auch gewonnen. Immerhin.
Sheila
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Re: Mein erstes Brautkleid

Post 12 im Thema

Beitrag von Sheila »

Huhu Cutie,

Interessante Geschichte, wenn auch nicht mit erhofftem Ausgang...
Ich persönlich habe noch nie Kleider bzw. weibliche Kleidung in einem Geschäft probiert. Alle Schätze, die ich so in meinem Kleiderschrank horte, habe ich bei eBay meist privat ersteigert. Und meistens hatte ich Glück, sogar richtige Schnäppchen gemacht, z.B. mit Schuhen und so.

Naja... passend ist es natürlich nicht immer alles, aber für den Hausgebrauch eben o.k. (888)

LG Euch allen,

(na) Sheila (na)
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Re: Mein erstes Brautkleid

Post 13 im Thema

Beitrag von Plisseedreher70 »

Hallo Cutie,

so wie du diese Sache angehst wird es schwierig werden und ca. 1000 € für ein tolles Kleid, wer hat das schon. Ich handhabe es heutzutage wie Sheila, wenn es auch unpersönlich und unromantisch ist! Aber vielleicht hast du doch mal etwas Glück, ich wünsche es dir!
Grüße von einem, der schon öfters zugeschlagen hat....!
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Re: Mein erstes Brautkleid

Post 14 im Thema

Beitrag von cutie »

Bin neulich nochmal auf Brautmodenschau gegangen. Das erste Geschäft ist mir zu öffentlich gewesen. Im zweiten bin ich abgeblitzt. Aber im dritten bin ich richtig toll aufgenommen worden.

Das erste Geschäft. Es liegt unweit einer stark frequentierten S-Bahn-Haltestelle. Es ist von überschaubarer Größe. Gemessen daran ist die Schaufensterfront riesig. Und die erlaubt Passanten leider das gesamte Geschäft von außen einzusehen. Ich weiß nicht so recht... Wenn ich da im Brautkleid aus der Kabine trete, stehe ich wie auf dem Präsentierteller. :shock: Das mag manche Frau sicher nicht. Und mir als eher heimlichem Transvestiten bereitet so viel Öffentlichkeit noch viel mehr Unbehagen.

Wie ich das so denke, bleibt eine ältere Frau vorm Schaufenster stehen. Sie schaut mit mal von links nach rechts, mal auf und ab wippendem Kopf ungeniert zwischen den paar Schaufensterpuppen hindurch, was im Laden denn so los ist. (ag) Gut, es könnte ein Heidenspaß sein, wenn so eine neugierige Dame schnallt, dass da ein Kerl im Brautkleid aus der Kabine stolziert. :lol: Aber ich fühle mich derzeit eben noch sehr viel wohler, wenn die Zahl derer, die mich in Frauenkleidung sehen, klein bleibt. Und vor allem, wenn es nicht jeder x-beliebige Passant ist.

Das zweite Geschäft. Es liegt an einer großen Straße. Auf der wird gerade gebaut. Trotzdem fahren die Autos schnell vorbei. Der Gehweg vorm Geschäft ist breit, aber nirgends ein Passant zu sehen. Die Schaufensterfront ist lang, hineinblicken kann man von außen trotzdem nicht. Denn es ist saudunkel darin. Kein einziges Licht an! Stromsparen? Oder Stromausfall (wegen der Baustelle vielleicht)? Nur weil die Tür halb geöffnet ist, versuche ich trotzdem mein Glück.

Die Verkäuferin, womöglich die Inhaberin, sitzt direkt neben dem Eingang auf einem Sessel und telefoniert. Sie nimmt das Handy vom Ohr, hält eine Hand übers Mikro und schaut zu mir hoch. Wie sie mir helfen könne? "Ich suche nach einem Brautkleid", sage ich. Nein, das gehe nicht. Nicht ohne Termin. Und auch nur in Begleitung einer Frau. Männer allein bediene man nicht. :o Das sagt sie freundlich, aber bestimmt. Ich bedanke mich für die Auskunft, verabschiede mich und gehe. "Ja, schade. Tut mir leid. Aber das ist nunmal so", sagt sie noch. Ob es ihr wirklich leid tut? Ich weiß es nicht. Vielleicht ist es ihr auch zu unsicher so ganz allein mit einem fremden Mann im fast stockdunklen Geschäft... irgendwie verständlich. Eine Freundin, die ich zum Brautkleid-Shopping mitnehmen möchte, fällt mir aber nicht ein. Also kann ich das Geschäft von meiner Liste streichen. Schade, denn die Auswahl scheint dort gewaltig zu sein.

Das dritte Geschäft. Ein kleiner Laden in einem alten Gebäude. Ein winziges Schaufenster mit drei oder vier Schneiderpuppen in Braut- und Abendkleidern. Leichter Druck an der Tür. Es klingelt, ich trete ein. Vorne hängen Abendkleider so, dass sie den Blick durchs Schaufenster hinaus auf den Gehweg verhindern. Umgekehrt natürlich genauso den Blick hinein. Das ist schon mal sehr angenehm. :) Im hinteren Teil sind Brautkleider in einer für die Größe des Geschäfts durchaus beachtlichen Zahl.

Durch einen Türspalt in der Rückwand sehe ich schon vom Eingang aus eine attraktive, junge Frau - wie sich später herausstellt: die Inhaberin! :o - auf einem Stuhl sitzen. Als die Klingel ertönt, sagt sie irgend etwas wie "Oh, Kundschaft!" zu irgend jemand. Sie dreht den Kopf zu mir, während ich ein paar Schritte auf sie zugehe. Sie ergänzt leicht irritiert: "Ein junger Mann?" - wieder zu irgend jemand im Hinterzimmer. Sie steht auf, kommt zu mir und fragt, was sie für mich tun könne. "Ich möchte gern mal nach Brautkleidern schauen." Sie erwidert, ob ich einen Termin für meine Zukünftige machen möchte. Oder für wen soll das Kleid sein? "Es soll für mich sein", gebe ich zu. :oops:

Ganz unaufgeregt fragt sie, ob ich schon eine Vorstellung habe, wie es aussehen soll. Welcher Schnitt? Welche Farbe? Um mir die Auswahl zu erleichtern, zeigt sie mir ein paar Farben (weiß, champagner, hellbraun, rosé, sogar blau!) und erklärt mir an Beispielkleidern auch, welche Schnittformen es gibt. Sehr umsichtig. Da fühle ich mich gleich ernst genommen und wirklich gut aufgehoben. Ein schönes Gefühl, willkommen zu sein. (ap) Nun bin ich, seit ich so ein Kleid anprobieren durfte (siehe Posting weiter oben), ein ausgemachter Freund des Meerjungfrauen-Schnitts. Und champagner mag ich auch lieber als weiß. Das schränkt die Auswahl in meiner Größe (die sie übrigens ohne nachzufragen, exakt abgeschätzt hat!) auf ziemlich genau ein Kleid ein. :cry:

Bedauerlich ist das nur im ersten Moment. Denn das Kleid, das sie vom Ständer nimmt, ist schön. Traumhaft schön. Himmlisch schön. Zum Dahinschmelzen schön. (he) "Wenn Sie möchten, können Sie es gern mal anprobieren", sagt sie. Und winkt mich, ohne meine Antwort abzuwarten, hinter sich her zur Umkleide. Meine Augen haben beim Anblick des Kleides wohl dermaßen geleuchtet, dass ihr sofort sonnenklar war, wie sehr ich hineinschlüpfen möchte.

Die Kabine entpuppt sich als kleiner, fensterloser Nebenraum mit gefühlt sehr niedriger Decke. An der hängt eine schwache Lampe. Vom Verkaufsraum ist die Umkleide nur durch einen Vorhang getrennt. "Dann ziehen Sie ihre Sachen mal aus", sagt sie, während sie das Kleid zur Anprobe vorbereitet. Ich lege meine Jacke ab. Und ziehe meine Schuhe aus. Unterm Hosenbein blitzen meine halterlosen Feinstrümpfe hervor. Darauf sie: "Ah, ja." Damit wäre dann wohl auch geklärt, warum es gern ein chamagnerfarbenes Kleid sein soll, schließlich haben meine Strümpfe die gleiche Farbe. Erwischt. :oops: Die Hose ziehe ich als nächstes aus. Mein schlichter, hautfarbener Slip mit violetten, gestickten Blümchen am Bund ist nur kurz zu sehen, dann rutscht das Shirt wieder drüber. Das lege ich als nächstes ab. Und stehe nun in zueinander passendem Bügel-BH und Slip sowie champagnerfarbenen Halterlosen vor ihr.

"Soso", sagt sie und lächelt ein wenig verschmitzt. :wink: Mit "Dann wollen wir mal" streift sie mir das Kleid über. Ich soll es oben herum festhalten. Und sie beginnt, es im Rücken zuzuschnüren. Die Tür klingelt. Auweia, denke ich. Was nun? "Warten Sie kurz, ich sage nur schnell meiner Praktikantin, dass sie nach vorn gehen soll", sagt sie. Vorhang auf, Vorhang zu. Sie grüßt die Kundin, bittet sie, sich einen Moment zu gedulden. Und spricht dann kurz mit ihrer Praktikantin. Die Kundin hat nicht so viel Geduld und fragt einfach mal in den Raum hinein, ob man die Abendkleider auch ohne Termin anprobieren könne. Die Inhaberin eilt zurück zu der scheinbar doch recht forschen Kundin. Ein paar Minuten länger und die resolute Dame wäre wohl mit einem Kleid überm Arm munter zu mir in die Kabine gestiefelt. Ja, man könne die Kleider auch ohne Termin anprobieren, erklärt die Inhaberin ihr. Nur derzeit sei es ungünstig: "Ich habe gerade einen... Termin hier", kriegt sie elegant die Kurve, um nicht "einen Kunden" zu sagen. Sehr diskret, das gefällt mir. (ap)

Die Kundin verlässt das Geschäft. Die Inhaberin kommt zurück in die Kabine und schnürt das Kleid weiter zu. "Oben herum passt es wirklich toll. Da muss man nichts mehr dran machen", sagt sie. Ja, das stimmt. "Hier kann es ruhig etwas enger sein. Und hier. Und hier auch", erklärt sie und setzt gekonnt Wäscheklammern. Jetzt passt es überall. (yes) "Das Kleid steht Ihnen richtig gut. Der Schnitt passt zu Ihnen. Auch die Länge ist mit kleinem Absatz okay", sagt sie. Ein Blick in den Spiegel bestätigt ihren Eindruck. (he) "Welche Schuhgröße haben Sie?" 40 in etwa. "Probieren sie die mal mal", sagt sie und reicht mir ein paar offene Pumps mit vielleicht drei oder vier Zentimeter Absatz. Ich hebe den Rock ein wenig an und steige mit meinen bestrumpften Füßen in die Schuhe. Sie macht die Verschlüsse am Fußgelenk zu. Blick in den Spiegel: Jetzt sieht das Kleid an mir noch gleich viel besser aus! (he)

"Wenn Sie möchten, können Sie mal mit nach vorn kommen. Dann sehen Sie auch, wie es im Rücken aussieht", sagt sie. Ich nehme all meinen Mut zusammen: "Ja, gern." Und folge ihr aus der Kabine nach vorn. Zu den Abendkleidern. Direkt am Eingang. Da ist eine große Spiegelwand. Die Geschäftsinhaberin positioniert einen zweiten Spiegel, so dass ich sehen kann, wie gut das Kleid im Rücken dank der Klammern sitzt. Ich fühle mich, wie eine richtige Braut - einfach großartig. (he)

Wir gehen zurück zur Kabine. Sie hilft mir aus dem Kleid. "So, dann können Sie sich jetzt wieder anziehen", sagt sie, verlässt die Kabine und zieht den Vorhang hinter sich zu. Das Shirt habe ich schon wieder an, da kommt sie mit einem anderen Kleid zurück: "Das wäre vielleicht auch noch etwas für Sie?" Ein schönes Kleid. "Das erste gefällt mir viel besser. Darauf habe ich mich jetzt irgendwie schon festgelegt", sage ich. Sie lächelt wissend. :wink: Wieder angekleidet komme ich aus der Kabine. Ob sie mal eben durchrechnen soll, wie teuer mein Kleid kommt? "Ja, gern." Mit 30 Prozent Nachlass wegen des Sommerschlussverkaufs (wie krass ist das denn: SSV bei Brautmoden!) läge es bei gut 560 Euro. Ob die Änderungen im Preis inbegriffen seien, frage ich. "Leider nein. Aber wissen sie was? Ich gebe es Ihnen für 500 Euro." Mit Änderungen läge es dann wohl bei 540 Euro, meint sie.

Das kommt schon deutlich anders als im ersten von mir besuchten Brautmodengeschäft, wo damals für kein Kleid unter 1000 Euro (ohne Änderungen!) aufgerufen worden sind. Das hier ist wirklich ein Superpreis. (yes) Trotzdem empfiehlt mir die Inhaberin, mich nicht sofort zu entscheiden: "Schlafen Sie erstmal drüber. Und schauen Sie sich ruhig noch woanders um." Wenn ich das Kleid dann immer noch haben möchte, bekomme ich es für den vereinbarten Preis, versichert sie mir. Toll von ihr! (ap)

Was soll ich sagen? Das Kleid ist wirklich ein ganz, ganz heißer Kaufkandidat. Nicht zuletzt weil ich in dem Brautmodengeschäft wirklich das Gefühl hatte, als Mann absolut willkommen zu sein. :)
Zuletzt geändert von cutie am Do 10. Sep 2015, 17:15, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Mein erstes Brautkleid

Post 15 im Thema

Beitrag von Plisseedreher70 »

Hallo Cutie,
und nun...wirst du das begehrte Kleid kaufen? Oder war die ganze Geschichte nur ein Test?
Das fände ich schade...auch weil dich die Verkäuferin so nett bedient hat!
Bitte berichte darüber weiter!
Grüßle aus dem Süden
Bin Mann, bleibe Mann, aber festliche Glanzkleider überziehen ist für mich berauschend!
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