Zur Person: Fredrick Federley
Persönliches:
Fredrick Federley, geboren im Mai 1978 in Köping, lebt mit seinem Partner in Stockholm. Dort eröffnete er 2007 gemeinsam mit dem Popstarlet Dominika Peczynski (von der Popband Army of Lovers) eine Salatbar, ging jedoch schon nach zwei Monaten pleite. Im Nebenberuf ist er freier Unternehmer und tritt als Dragqueen Ursula auf - "rein aus Spaß". 2009 verdiente seine Rollenfigur umgerechnet 1500 Euro.
Politisches:
Federley studierte Staatswissenschaften, arbeitete als Behindertenpflger und Journalist. Seit 1998 ist er lokalpolitisch tätig, von 2002 bis 2007 als Vorsitzender der Zentrumsjugend. 2006 wurde er in den Reichstag gewählt und ist dort Mitglied im Sozialausschuss.
Fredrick Federley ist ein freundlicher junger Mann, der auch als Finanzberater durchgehen könnte, als Wohnungsmakler oder Politiker. Was er auch ist. Sehr seriös in seinem Auftritt, ein bisschen durchschnittlich vielleicht: zurückgekämmtes Haar, Hornbrille, Jacke, Hemd, dezente Krawatte, tadellos gebunden. Meistens.
Manchmal nämlich setzt er lange Wimpern auf seine Augenlider, pappt sich dicke Schminke ins Gesicht, malt die Lippen knallrot oder eisig blau. Trägt Minirock und lange weiße Stiefel. Oder Stöckelschuhe zu wallender Schärpe. Drei Stunden dauert die Verwandlung. Dann ist er nicht mehr Fredrick. Dann ist er Ursula.
Das ist ein ungewöhnliches Hobby für einen schwedischen Politiker, zumindest wenn er es öffentlich betreibt. Untypisch vor allem für einen Parlamentarier von der Zentrumspartei, einer wertkonservativen Bauernpartei, deren Stammwähler meist alt sind, vom Land und sehr bürgerlich. Seine Parteiführung hat schon jede Menge Zores gehabt seinetwegen, aber nicht wegen seiner Neigungen. "Was ein Politiker in seiner Freizeit tut, ist seine Sache, solange es nicht illegal ist", verteidigt ihn der Parteisekretär Roger Tiefensee, "niemand stellt ihn wegen seiner Drag-Persönlichkeit als Parlamentarier infrage."
So hätte sich auch niemand um das doppelte Ego des 31-jährigen Abgeordneten gekümmert, wenn aus seinem Doppelleben nicht eine Doppelrolle geworden wäre. Die Schweden sind streng, wenn es um die Bestechlichkeit von Amtsträgern geht; wer sich von Firmen einladen lässt, muss höllisch aufpassen, um nicht den Anschein zu erwecken, er werde gesponsert. Federley, stolzer Träger des Titels "Mr. Gay", ließ sich von einer Billigfluggesellschaft und einem Schwulenmagazin auf Gran Canaria einladen, um anschließend in der Zeitschrift "Hanky" von Flug, Hotel und einem bevorstehenden Homo-Festival zu schwärmen. Gefragt, wie er dies mit seiner Eigenschaft als Parlamentarier in Einklang bringe, erwiderte Federley: "Das war nicht ich. Das war Ursula."
Nicht als Reichstagsmitglied sei er eingeladen gewesen, sondern als Dragqueen, erläuterte er. Daher kein Interessenkonflikt. Nur erinnern sich nun Medien, dass Ursula auch Reklame für eine Wodkamarke gemacht hat und dass der Abgeordnete Federley wenig später im Parlament einen Antrag auf Senkung der Alkoholsteuer stellte. Er bestreitet, dass er sich habe kaufen lassen. Doch wichtig sei nicht, wie er selbst seine Rolle sehe, sondern was seine Auftraggeber mit seinem Engagement bezweckten, meint die Staatsrechtlerin Gullan Gidlund.
Federley ist ein Politiker von beachtlicher Kapazität und großem Durchschlagsvermögen: immer offen, immer gut vorbereitet, oft mit unkonventionellen Ideen. "Ich bin kein typischer Zentrumsparteimann", sagt er. Er ist für Atomkraft, gegen Kündigungsschutz, für einen Einheitssteuersatz von 20 Prozent: alles wider die Parteilinie. Er ist für eine Legalisierung der Prostitution und eine liberalere Rauschgiftpolitik. Er gestand, Haschisch geraucht und Kokain geschnupft zu haben, als er schon Politiker war. Er propagierte die Wiedereinführung des Adels aus Protest gegen "republikanische Tendenzen" in der Parteijugend.
Die Schweden seien klug genug, zwischen einem Politiker im offiziellen Auftrag und einem für eine Party angeheuerten Künstler zu unterscheiden, ist er überzeugt, und er sei "nicht in die Politik gegangen, um mich zu ändern". Aus seiner Homosexualität machte er nie ein Hehl, Transvestit sei er nicht, sagt er: "Ursula ist eine Galadiva, die in Europas besten Klubs auftritt." Seit einer Pride-Parade in Hamburg vor acht Jahren zelebriert Federley sein Alter Ego. "Manche Parlamentarier sind dick, manche Diabetiker, manche Einwanderer. Ich bin Drag", sagt er. Und dann auch wieder ganz bürgerlich. Jetzt plant er eine Vaterschaft, weil er sich nach Kindern sehnt. Er will sie gemeinsam mit einer "Kumpelfreundin" haben, per Heim-Insemination. Das werde Schule machen, sagt er: "Kumpelpaare", auch heterosexuelle, die Kinder bekämen. Für die Kinder sei das prima, weil sie dann nie fürchten müssten, dass sich die Eltern scheiden lassen.
Aufmerksamkeit ist er absolut nicht abgeneigt, Nein sagen fällt ihm schwer, auch wenn es um Auftritte in TV-Unterhaltungsshows geht. "Wie viele der 349 Abgeordneten kennt man denn mit Namen?", fragt er. Ihn kennt man. "Schwedische Politiker sind zu feig", spottet Federley. Oder war das Ursula?
Fredrick Federley: Schwedens "Mr. Gay" der PolitikFredrick Federley: Schwedens "Mr. Gay" der Politik
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