Wahrnehmungsproblem
Wahrnehmungsproblem

Intergeschlechtliche Menschen, Crossdresser, Transgender, Transidente: Diskussionen über partnerschaftliche Aspekte, Rat und Tat für PartnerInnen und Familie
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Ninakadin
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Re: Wahrnehmungsproblem

Post 1 im Thema

Beitrag von Ninakadin »

Hallo Anni,

die Erfahrungen vieler, vieler Transgender zeigen: Egal wie oft Du die Klamotten noch entsorgst, dieses Verlangen wird sich nicht verflüchtigen. Es ist ein Teil von Dir. Du solltest versuchen, diesen Teil von Dir zu akzeptieren. Das "Ich liebe es ein Mann zu sein und bin sehr glücklich mit meinem Geschlecht" klingt schon etwas nach Selbstbeschwörung.

Ich kenne einen TV, der es schon seit 28 Jahren vor seiner Frau verbirgt, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass man da nicht permanent ein schlechtes Gefühl dabei hat.

Ja, es besteht ein gewisse Gefahr, dass Deine Partnerin mit diesem Teil Deiner Persönlichkeit nicht klar kommt und sich trennt. Aber zu einer Partnerschaft gehört nun mal Vertrauen, willst Du ewig lügen? Übrigens ist es meist genau das, was die Beziehung kaputt macht, der Vertrauensverlust. Wenn der Mann jahrelang verheimlicht, gelegentlich Frauenkleidung zu tragen, fühlen sich die Partnerinnen betrogen. Je früher Du darüber redest, je eher Du sie in diesen Teil von Dir einbeziehst, desto besser kann die Partnerin damit umgehen.

Also, Warten erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Trennung.
Ich kenne übrigens auch einige Paare, die sehr gut damit klar kommen, dass der Mann ab und zu mal einen Abend ganz die Frau ist, wo die Partnerin mit zum Stammtisch kommt, usw. Das ist dann eine glückliche Beziehung.

LG,

Nina
Julia65

Re: Wahrnehmungsproblem

Post 2 im Thema

Beitrag von Julia65 »

Hallo Anni,

hm, also, die Situation die du beschreibst ist gut nachvollziehbar. Ähnliche Gedanken habe ich mir früher auch mal gemacht. Das war zu Zeiten, in denen ich noch glaubte, ein Mann zu sein.

Das mit den 90% und 10% finde ich schlüssig und auch richtig, aber:
Was, wenn sie es denn dann doch mal herausfindet? Du kannst nie sicher sein, ob sie dich eines Tages dann doch mal erwischt. Mir ist das früher nie passiert, ich haber aber auch wirklich sehr gut aufgepasst. Aber eine Garantie bekommt man nie. Und das spricht DAFÜR, sich bei seiner Freundin zu outen. Obwohl das Wort outen da ja eigentlich gar nicht passend ist. Du musst dich ja nicht als Transvestit, oder Transsexuell outen. Auch nicht als bisesuell oder sowas. Es ist ja lediglich so, dass du eine gewisse Neigung deiner Frau anvertrauen würdest.
Trennungen von Paaren geschehen aber meist erst dann, wenn aus der Neigung mehr wird. Oft wird es zu einem Dauerzustand in der Freizeit oder es entwickelt sich sogar zu einer Transidentität mit allen Konsequenzen. (bzw. die schon immer vorhandene TS wird dann erst erkannt). Und oft zeigen Partnerinnen Angst genau davor.
Alleine das Gestehen, gelegentlich Frauenkleider mal zu tragen, und in die Rolle zu schlüpfen führt selten zur Trennung.

Ich würde dir diesbezüglich empfehlen, zunächst mal nachzuforschen, wie deine Frau zu solchen Dingen steht. Schalt mal den TV auf den entsprechenden Sender, von dem du zuvor heimlich recherchiert hast, wann da wo etwas über Transgender, Crossdersser, Travestie o.ä. geht und sag einfach mal etwas dazu. Frag einfach mal, was sie dazu sagt... z.B. "Hui, was würdest du sagen, wenn du mich so hier antreffen würdest? ", und deutest dabei auf den Bildschirm. Vielleicht wirst du überrascht sein, dass du dann erst erfährst, dass sie da ganz tollerant und neugierig mit umgeht.

Es gibt auch Partnerinnen, die das dann sogar richtig interessant finden. Im Alter von ca. 30 Jahren begann ich, meine Partnerinnen nach einigen Wochen oder Monaten der Beziehung, einzuweihen. Eine fand das so toll und erregend, dass sie mich immer wieder drängte zu crossdressen, was regelmässig im Bett endete. ^^.
Es ist also alles offen.

Was deine Selbstwahrnehmung angeht und dein Drang alles zu entsorgen:
Du hast ja schon selber festgestellt, dass es im Prinzip letztendlich das selbe ist, als die Geldscheine gleich ins Klo zu spülen, mit dem Unterschied, dass die Klospülmethode zumindest Zeit und Mühen einsparen würde. :lol:
Sieh dich nicht als Minderwertig an,wenn du Frauenkleider trägst. Sieh es als das was es ist: Ein Geschenk. Denn es ist doch eine prickelnde Sache oder? Du bist deswegen kein Stück weniger ein Mann.
Ich denken, wenn ein Kleid einen Mann entmannt, dann ist er nie einer gewesen.

Als ich früher crossdressing betrieben habe, in den eigenen 4 Wänden, habe ich auch oft beim Blick in den Spiegel mit der Nase gerümpft und mir so gar nicht gefallen. Oft habe ich dann die Frauenkleidung abglegt. Aber das lag, wie mir erst später klar wurde, nicht daran dass ich mich durch die Frauenkleider entmannt gefühlt hätte, sondern daran, dass ich mit einem Kleid, Perrücke und Pumps nicht aussah wie eine Frau, sondern wie ein Mann im Kleid und das ist ein sehr grosser Unterschied.
Ich denke, Crossdresser kennen das Problem: Der Blick in den Spiegel ist oft ein Aufruf zu grosser Tolleranz mit sich selbst und eine Aufforderung zu einem Komprommiss und Defizite auszublenen. Man(n) muss beim Blick in den Spiegel nämlich den mühsam, (aber nicht wirklich effektiv) überschminkten Bartschatten übersehen. Man muss die buschigen Augenbrauen übersehen, die Körpergrösse, das markante Kinn... die knubbeligen Brüste, die aus Socken bestehen und so weiter. Und DAS hat mir manchesmal die Lust am Crossdressen genommen.

In so einem Moment stand mal meine damalige Freundin hinter mir: Sie schaute über meine Schulter in den Spiegel und sah mein Gesicht. Sie streichte mir liebevoll über die Perückenhaare und sagte: "Schatz, wenn du Brüste hättest, und einen wirklich weiblichen Körper überhaupt, dann wärst du glücklich, stimmts?" Ich sah sie an und nickte. Die Bereitschaft meine Transidentität anzuerkennen war geboren.

Geniesse das Crossdressen. Stell den Spiegel so ein, dass du ggf. den Kopf nicht siehst. ^^. Du musst es deiner Frau nicht sagen, finde ich. Du darfst auch intime private Dinge für dich behalten. Aber eine Öffnung wäre von vorteil, weil dann die Gefahr des Erwischtwerdens vereitelt ist.
Besonders doof ist es, wenn die Partnerin Utensielien findet und zunächst von Betrug ausgeht. Oft wird dann vom Crossdresser der Verwurf fremdzugehen als noch schlimmer angesehen und es kommt dann zum Outing. Und dann darfst du dir anhören: "..... das finde ich gar nicht so schlimm, aber das du mich all die Jahre belogen hast... das ist ja wohl schlimm. Und willst du nun ganz Frau werden? ..... "

Wenn du das nächste Mal alles entsorgen willst, schenk es einem armen Crossdresser aus dem Forum. ^^

LG
Julia
Regina
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Re: Wahrnehmungsproblem

Post 3 im Thema

Beitrag von Regina »

Hallo Anni,

viel wurde Dir bereits geschrieben und besonders den Beitrag von Julia fand ich in dem Zusammenhang sehr gut.

Ich bin jedoch der Meinung, das Du auf Dauer nicht darum herum kommst es Deiner Partnerin zu sagen. Sicher steht Dir in einer Partnerschaft auch ein Teil an Privatleben zu. Es ist jedoch viel Häufiger das mangelnde Vertrauen, dass zu einer Trennung führt als der Umstand des Crossdressens an sich.

Diesen Absatz aus Deiner Vorstellung fand ich sehr gut:
SweetAnni hat geschrieben: Ich liebe es ein Mann zu sein und bin sehr glücklich mit meinem Geschlecht. Nichtsdestotrotz überkommt mich desöfteren die Lust für ein paar Stunden oder Tage Frau sein zu wollen. Jedes mal jedoch wenn ich es tue fühle ich mich Entmannt und nicht mehr wie ein richtiger Mann. Desweiteren habe ich eine Freundin, sie ist ein wundervoller Mensch und alles ist perfekt. Ich liebe sie als Mann und sie ist meine Frau. Wenn es jedoch um das Thema Crossdressing geht, habe ich Angst wenn ich es ihr gestehen würde, dass es die Wahrnehmung von mir als Mann gänzlich zerstören würde.
Wenn Du zu deiner Partnerin auch so ehrlich bist zeigst Du ihr gegenüber Achtung und Vertrauen.

Letztendlich musst Du natürlich selbst entscheiden was Du tust. Was einmal gesagt wurde lässt nicht wieder zurück nehmen. Ist die Büchse der Pandora erst einmal offen weiß man nicht was geschieht.

Ich habe mich gegenüber meiner Frau, meinen Kindern, meinen Eltern und meinen Nachbarn geöffnet. Das alles hat natürlich seine Zeit gedauert, aber heute fühle ich mich dadurch befreit.

Mache Dich erst einmal frei von Deinem schlechten Gewissen. Du tust ja prinzipiell nichts böses. Verspielst oder vertrinkst nicht Haus und Hof. Manche Frauen müssen da mit ihren Männern leider ganz andere Dinge durchmachen. Da sind wir mit unserem "Hobby" vergleichsweise harmlos.

Liebe Grüße,
Regina
Die höchste Form des Glücks ist ein Leben mit einem gewissen Grad an Verrücktheit. (Erasmus von Rotterdam)
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Re: Wahrnehmungsproblem

Post 4 im Thema

Beitrag von Lina »

@Ich denken, wenn ein Kleid einen Mann entmannt, dann ist er nie einer gewesen.


Das erinnert mich ganz schlimm an eine Replik aus "Car Wash", wo jemand eine T* beschimpft, die sich gerade auf der Toilette der Waschanlage umgezogen hat. Und sie antwortet:

"I am more man than you are. And more woman than you'll ever get!"



Und das bringt mich gleich weiter zu der Aussage, der lieben Threadstarterin - du seist zufrieden Mann zu sein. Aber was konkret ist es denn, das du in der Frauenrolle ausleben willst? Ich sage ja nicht, dass es zwangsläufig ein widerapruch sein muss. Aber wahrscheinlich ist es doch. Es scheint mir zumindest, dass du dir nicht wirklich klar gemacht hast, was du eigentlich willst.

Das kann durchaus ein Problem werden, denn was willst du dann eigentlich deine Freundin sagen?
gaby37
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Re: Wahrnehmungsproblem

Post 5 im Thema

Beitrag von gaby37 »

Hallo SweetAnni,

dein erstes "Problem" 90% Mann zu 10% Frau ist mir nicht neu. Bei mir liegt es eher bei 95/5 (Aufs Jahr gerechnet) - und das seit frühester Jugend.
Es hat immer mal wieder etwas geschwankt (und wird das auch in Zukunft tun).
Ich habe mir immer wieder mal (und tue es manchmal auch heute noch) die Frage gestellt: Will ich komplett auf die andere Seite wechseln:
Aber die Antwort ist nach kurzer, aber heftiger Abwegung, immer wieder dieselbe: Ich bin fast immer glücklich als Mann.

Und JA, es war ein sehr langer Prozess bis ich akzeptiert hatte, das ich bin, wie ich bin. Ich habe zwar nie den "Umweg" übers wegwerfen gemacht - aber die

Fragestellung war schon immer wieder mal da. Die Lösung war einfach: Alle Sachen in eine Kiste verräumen und: aus den Augen aus dem Sinn. Aber nach einiger

Zeit, manchmal auch erst nach einem Jahr, war der Wunsch wieder da und dann war nun die Frage: Wo habe ich beim letzten mal die Kiste versteckt :lol:


Dein zweites "Problem": die Freundin einweihen.
Das ist sehr schwer zu sagen. Tatsache ist aber, je länger du wartest, um so heftiger die Reaktion und im Zweifel die Folgen:
Ich habe bis 6 Jahre nach der Hochzeit und nach dem zweiten Hausbau gewartet - aus diversen Gründen.
Einer war, das ich, wie du, nicht dachte das es für sie wichtig ist - es sind ja nur ein paar mal im Jahr, wenn sie nicht da ist.
Aber irgendwann kamen dann halt doch immer mehr Sachen hinzu. Das Verstecken wurde schwieriger.
Die Gefahr etwas liegen zu lassen, was dann gefunden würde, größer.
Und nicht zuletzt wollte ich endlich raus. Also weitere Gefahr durch schlechtes Abschminken, Nachbarn, die nachfragen, wer da aus dem EFH kommt....
Eine wirklich gute Idee war das lange Verschweigen nicht. Die Probleme, die sich dann beim "Outing" ergeben können/sind imens.
Vor Allem stellt sich immer wieder die Frage des "Mangelnden Vertrauens" bzw. wenn sie damit gar nicht klarkommt und es zur Trennung kommt, ist das nach vielen Jahren des Zusammenlebens für beide "nicht schön" und der Neuanfang schwierig, da ja schon viele Jahre ins Land gegangen sind.

Natürlich ist das Problem beim Erzählen immer, weswegen ich es auch immer wieder "geschoben" hatte: was will ich / was bin ich / wo will ich hin/ wie geht es weiter.....

etc, etc...darüber sollte man zumindest einige Vorstellungen haben, damit man auf die unvermeidlichen Fragen etwas anderes antworten kann als "Ich weiß nicht"

Natürlich kann auch ein gemeinsames Erkunden eine Variante sein, aber dazu muss der andere Mensch bereit sein.....

Soweit erstmal - du bist nicht alleine mit deiner Einstellung

Ganz lieben Gruß
Gaby
_______________________________________________________________________________________________
Frauen werden aus Blumen geboren, Männer aus Kohlköpfen. Ich bin aus einem Blumenkohl.
Lina
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Re: Wahrnehmungsproblem

Post 6 im Thema

Beitrag von Lina »

SweetAnni hat geschrieben:Das ist ein sehr gutes Zitat und es gefällt mir wirklich gut. Ob es nun wirklich so ist, dass ich Probleme mit meiner Männlichkeit habe weiß ich nicht, ...

Ich würde es meiner Freundin wenn ich es ihr erzähle anschließend so sagen wie es ist nämlich, ich mag es für eine gewisse Zeit in eine andere Rolle zu schlüpfen und gleichzeitig erregt es mich. Natürlich würde ich das schöner formulieren aber so ist es auf den Punkt gebracht.


Ich würde es auch nicht so ausdrücken, dass du ein Problem mit deiner Männlichkeit hätte. Das Problem ist wahrscheinlich eher, dass es dir schwer fällt zu akzeptieren, dass es vielleicht für dich eine ganz eigene und abgewandeldte Form der Männlichkeit gibt. Du willst also in eine ganz andere Rolle schlüpfen: Das tust du ja in unterschiedlicher weise täglich, oder mindestens mehrmals der Woche wechselnd. Wenn du eine andere Rolle haben willst, könntest du z.B. jeden Sonntag das Schiedsrichteroutfit anziehen und jungen Menschen der Sportausübung erleichtern indem du den Unparteiischen machst. Oder du könntest den Stetson und die Cowboystiefel anziehen und mit deiner Freundin Line-Dance üben. Oder du könntest in einer Theatergruppe sein. Es gibt da viele Möglichkeiten. Wie F. von Thun es auslegt - wir sind wie ein ganzes Team von Persönlichkeiten, die irgendwie miteinander zusammenarbeiten müssen. Nun, mindestens ein Mitglied deines inneren Teams ist weiblich, wie es scheint. Das hat einen Grund. Das oder diese Teammitglieder wollen etwas damit.

Ich garantiere dir; das zu wissen ist viel wichtiger als eine Menge theoretischen Quatsch über mögliche Urasachen zu TG zu lesen. Und nur eine Person kann die Antwort finden ...
Lina
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Re: Wahrnehmungsproblem

Post 7 im Thema

Beitrag von Lina »

@Wenn ich Crossdresse kleide ich mich nicht nur wie eine Frau sondern versuche auch so zu fühlen. Sensibel zu sein, Gefühle zu zu lassen, versuchen sehr auf mein Aussehen zu achten und vielleicht für kurze Zeit auch einfach mal die Machomäßige männliche Dominanz ablegen und sich in weiblicher Devotion treiben zu lassen.


Das kannst du doch auch nur, weil es ein integraler Teil von dir ist, der immer da ist.


und die männliche Dominanz:

@Mal nicht der Steuermann des Schiffes zu sein, sondern einfach nur mit zu fahren. Keine Verantwortung tragen zu müssen, sondern einfach mal genießen, sich den eigenen Gefühlen hingeben. Schwäche zeigen und sensibel sein. Ich glaube für all dies nutze ich das Crossdressing als Ventil.


usw. Mit anderen Worten, das komplette Spektrum an Glaubenssätzten bez. wie ein Mann sein muss. Ich meine mit "Glaubenssätzen" nicht, dass die unbedingt unwahr sein müssen. Dass ich, wenn ich jetzt aus dem Fenster springe, mich verletzten werde, ist z.B. ein ganz nützlicher Glaubenssatz - ich habe kein Bedürfnis ihn auf Wahrheitsgehalt zu prüfen. Es ist aber etwas, was ich annehme aber nicht ausprobiert habe.

Aber eine ganze Menge der Glaubenssätze sind möglicherweise nur geringfügig warhrheitsbeladen ...

Ich fange ganz sanft an - sage aber gleich, das was mir gerade vorschwebt lässt sich nicht so einfach in einer linearen Diskussion klären, aber machen wir mal den Anfang:

Mann:
Fels in der Brandung
Beschützer der Frau
Dominiert möglicherweise die Frau
darf daher nicht zu sensibel sein

Erste Fragen dazu:

Stimmt es überhaupt?
Wenn es stimmt, was ist das genaue Ziel?
Ist es wirklcih zielführend?
Wer sagt, dass es so sein muss?
Die, die es sagen, erfüllen die selber diese Kriterien - natürlich ist das ihr eigenes Problem, aber können die als Vorbilder dienen?

Wenn es wirklich so ist, was sind dann die weiterreichenden Konsequenzen?
Orlando

Re: Wahrnehmungsproblem

Post 8 im Thema

Beitrag von Orlando »

Wouv, welche in spannendes Thema. Er berührt unser aller Grundproblem: Dem Zwiespalt zwischen der subjektiven Wahrnehmung (unseres Ichs) und den objektiven Tatsachen. Wer, Was bin ich? Wer sagt mir, dass ich es bin der gerade hier am Computer sitzt und diese Zeilen schreibt (frei nach Fichte). Ich ist ein Anderer (Rimbaud) etc. etc.
Seit dem Ende 18. Jahrhunderts geistern diese Fragen durch Philosophie und Literatur, von den Romantikern bis zu den Existenzialisten.
Das Ich, dem alle transzendente Bestimmung abhanden gekommen ist, muss sich selbst erfinden, bestimmen und verwirklichen.
All dies geistert auch durch dieses Forum.
Auf die aufgeworfenen Fragen, ob outen oder nicht, wahrhaftig sein gegenüber Frau/ Partnerin oder nicht, darauf gibt es keine allgemeingültigen Antworten.
Bei Max Frisch (Gantenbein) las ich: "Erst das Geheimnis, das ein Mann und ein Weib voreinander hüten macht sie zum Paar".
Vielleicht weis meine Frau schon lang um mein Geheimnis, doch sie lässt mir mein Spiel nur aus Liebe (frei nach Frisch).
Wie langweilig wäre es, in vollkommener Wahrheit (sollte man sie kennen) zu leben.

Orlando
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Re: Wahrnehmungsproblem

Post 9 im Thema

Beitrag von Lina »

Orlando hat geschrieben:Wouv, welche in spannendes Thema. Er berührt unser aller Grundproblem: Dem Zwiespalt zwischen der subjektiven Wahrnehmung (unseres Ichs) und den objektiven Tatsachen. Wer, Was bin ich? Wer sagt mir, dass ich ...

Vielleicht weis meine Frau schon lang um mein Geheimnis, doch sie lässt mir mein Spiel nur aus Liebe (frei nach Frisch).
Wie langweilig wäre es, in vollkommener Wahrheit (sollte man sie kennen) zu leben.

Orlando
Oder es fällt ihr genauso schwer, das Thema anzusprechen, wie das Coming Out einigen unüberwindbar scheint. Das wäre nicht erstmalig. Sie weiß ja nicht, was dahinter steckt oder was passieren wird, wenn sie es anspricht.
Nadja Sarah
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Re: Wahrnehmungsproblem

Post 10 im Thema

Beitrag von Nadja Sarah »

Hallo,

vielleicht liegt es daran, dass ich Max Frisch in meiner Jugend als Schriftsteller verschlungen habe, aber ich kann die Einstellung nachvollziehen, dass das Geheimnis voreinander ein Paar erst zu einem Paar macht. Den Partner vor unangenehmen Wahrheiten bewahren. Meine Frau hat mir einmal vor Jahren gesagt, wenn sie einen Seitensprung hätte, würde sie es mir nicht sagen. Wozu sagen, wenn der Seitensprung nichts mit mir zu tun hätte und solange sie unsere Beziehung nicht ändern möchte würde die Wahrheit zumindest mehr Vertrauen zerstören, als das sie Vertrauen aufbauen würde.
Jetzt ist die Sehnsucht nach Frauenkleidern vielleicht nicht unbedingt mit einem Seitensprung gleich zu setzen, zumal sie von Dauerhaftigkeit zu sein scheint, aber solange ich glaube beurteilen zu können, dass meine Frau mit dem Thema überhaupt nicht umgehen kann, ist es klüger sie vor der Wahrheit zu bewahren. Zumal meine Belohnung für die Wahrheit, nämlich die Freiheit meine weibliche Seite mit ihr gemeinsam ausleben zu können, soweit ich das nach einigen Versuchen und Erfahrungen beurteilen kann in keinem Verhältnis zur Gefahr steht, dass sie sich abwendet.

Also denke ich, dass jede von uns, das mit sich selbst ausmachen muss und das kluge Ratschläge über Wahrhaftigkeit und Vertrauen in einer Beziehung von Anderen nur die Summe der eigenen Erfahrungen der Ratgebenden sein kann und bei der Einen ist es eben gut gegangen und bei der Anderen eben nicht.

Und am Ende der Offenlegung dann Tage definiert zu haben, an denen ich Frau sein dürfte und welche an denen nicht, brächte mich dann auch wieder schnell dahin, dass ich mir meine eigene Form von Freiheit selbst zu definieren versuchen würde. Auch wäre es mir dann unangenehm, wenn ich einerseits wüsste, sie will das nicht und ich täte es trotzdem, weil das Verlangen in mir so groß ist, dass ich gar nicht anders kann. Und wenn ich alleine unterwegs wäre, würde ich dann nicht denken, sie glaubt jetzt, dass ich als Frau unterwegs bin und es nagt an ihr und somit an unserer Beziehung.

Da halte ich es dann doch lieber mit Frisch, dass ein Paar sich auch über seine Geheimnisse definiert.

Liebe Grüße Nadja
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Re: Wahrnehmungsproblem

Post 11 im Thema

Beitrag von Lina »

SweetAnni hat geschrieben:@Lina

Du hast vollkommen recht. Natürlich sind es meine Glaubenssätze welche verzerrt und teilweise unrealistisch sind, ...

Nun komme ich an den Punkt den Lina eben erwähnt hat und zwar der Tatsache diese Glaubenssätze zu ändern und zu bearbeiten.

....
Super - sieht aus, als hätten meine Fragen in etwa das ausgelöst, was ich wollte. Aber denk noch daran - nicht alle Glaubenssätze sind grundsätzlich falsch. Einige sind sogar lebenserhaltend. Obtimal ist, wenn man die selber genauer betrachtet und nach Wahrheitsgehalt. Vielleicht ist es genau das, was du schon tust, wenn du ausprobierst: Wie wäre ich eigentlich, wenn ich eine Frau wäre? Oder, wie funktioniert das, was ich bin, wenn es in einem weiblichen Äußeren der Welt präsentiere.
Inga
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Re: Wahrnehmungsproblem

Post 12 im Thema

Beitrag von Inga »

Hallo,SweetAnni,

ich mööchte nicht mit vorschlägen zu deinem Verhalen gegenüber deiener Partnerin schreiben. Da haben andere dschon genug geschrieben, was du nachdenken magst.

Ich möchte nur ein paar andere Aspekte erwähnen: Da ist zuerst diese Leidenschaft "Frauenkleider" zu tragen. Man klann es zwar verdrägen, für eineige Zeit verdrängen, aber die Leidenschaft bleibt, will gelent werden und wenn es dafür nicht die Ventile gibt, kannst du daran durchaus krank werden. Diese traurige Erfahrung haben hier manche gemacht. Also: Belaste dich nicht zu sehr mit deinem "Geheimnis".

Das Zweite ist aus meiner Erfahrung, dass man sich oft nicht darüber im klaren ist, warum man Frauen kleider mag. Jer mehr man darüber nach denkt, je öfters man es macht, desto mehr entwickelt man sich auch weiter. Die Schublade von gestern mag übermorgen nicht mehr passen. Es ist ein Weg ins ungewisse. Ins schöne Ungewissen, denn er führt zu immer mehr klarheit über sich selber. Ich erklär es mir so: Ich habe viele männliche Seiten, die ich mein Leben lang ausgelebt habe und die von der umwelt akzeptiert und gefördert worden. Daneben habe ich auch auch ein paar weibliche Seiten, die ich lange völlig verszteckt habe, erst jetzt so langsam entdecke und erst ganz zaghaft lerne selber für mich dazustehen.

Für mich ist mein Selbst wie eine Zwiebel. Ich sehe von außen die Schale. Ich pelle die Schale auf. Ich sehe eine neue Schicht. Etwas Neues. Ich versuche es zu verstehen und einzuordnen und öffne diese Schicht. Darunter verbirgt sich eine weitere Schale. Es geht weiter: Ich sehe eine neue Schicht. Etwas Neues. Ich versuche es zu verstehen und einzuordnen und öffne diese Schicht. Darunter verbirgt sich eine weitere Schale. Es geht weiter: Ich sehe eine neue Schicht. Etwas Neues. Ich versuche es zu verstehen und einzuordnen und öffne diese Schicht. Darunter verbirgt sich eine weitere Schale. Es geht weiter ... ein unendlicher Prozess in mein inneres ist angestoßen.

Je mehr ich mir neben der männlichen Seiten der weiblichen Seiten in mir bewusst werde, desto zufriedener werde ich mit mir selber. Ich beschränke mich nicht mehr darauf mit meinen männmlichen Seiten zu funktionieren, sondern finde mehr von mir selber. Darauf möchte ich nicht mehr verzichten.

Ich möchte dich ermutigen, den Weg zu dir selbst zu gehen, auch wenn es ein schöne und womöglich unendliche Reise wird.

Und ich möchte dich ermutigen, behutsam deine Liebsten an dem Weg zu dir selbst teilhaben zu lassen.

Liebe Grüße
Inga
Lina
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Re: Wahrnehmungsproblem

Post 13 im Thema

Beitrag von Lina »

SweetAnni hat geschrieben:...

Ist es geschafft die Frau in mir zu lieben wird es mir auch erheblich leichter fallen, sie anderen als liebenswert vorzustellen. So denke ich zumindest darüber.
Ja, so würde ich auch darüber denken.

Ich glaube, viele kommen damit in einer Stimmung, als müssten sie sich dafür entschuldigen oder darüber schämen. So kommt es mir zumindest vor, wenn ich 80% der Posts hier lese. Wenn sie erreichen wollen, dass die Partnerin oder der Partner es auch so sieht, dass er/sie sich auch darüber schämt mit einer "Transe" zusammen zu sein ist das natürlich auch genau der richtige Weg.

Umgekehrt funktioniert es genau so. Wenn man im Stande ist sich selbst zu lieben ist es ganz sicher auch leichter, diese Haltung an andere zu übertragen. Jeder kennt das ja auch irgendwie: Man erzählt von etwas, was man erlebt hat, verkaufen will, ein Urlaubsziel etc. - spricht man mit entspannter Zufriedenheit oder gar Begeisterung in der Stimme, wird der Gesprächspartner in der Regel übernehmen, wenn die Kommunikation sonst gut läuft. Hat man innerlich selber Bedenken, werden diese Bedenken auch beim Gesprächspartner ankommen. Denn eigentlich geht es nur zu ca. 10% darum, WAS man sagt. Der Rest ist das WIE - Stimme, Betonung, Körpersprache.

Ich jemandem das hier neu? Oder wusstet ihr das alles schon?
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