Hallo Melanie!
Zuerstmal schön das Du Deinen Weg gefunden und begonnen hast, alles Gute dafür!
melanie_wesseling hat geschrieben:Hallo zusammen,
ich war schon lange stille Mitleserin und möchte mich nun auch zu euch gesellen und mich erst einmal vorstellen.
Heiße Melanie, bin 27 Jahre jung und lebe in einer Stadt zwischen Köln und Bonn. Ich bin jetzt seit einiger Zeit in Therapie und habe am Dienstag die Diagnose Transsexuel bekommen.
Da ich leider nicht einer gesetzlichen Krankenkasse angehöre sondern die freie Heilfürsorge der Bundeswehr bekomme, frage ich mich, wie es jetzt Weitergeht, denn die Therapeutin konnte mir das auch nicht sagen, wie das bei Soldaten funktioniert, was ich Ihr auch nicht übel nehme.
Habe schon viel versucht über das Forum und google zum weiteren Werdegang zu finden, habe aber noch ein paar Fragen.
Der weitere Werdegang währe doch nach der Diagnose von seinem Hausarzt eine Überweisung zum Endokrinologen zu bekommen oder ?
Vielleicht kennt jemand von euch einen guten in Köln oder Bonn?
Der macht dann erst einmal ein komplettes Blutbild und erstellt darauf hin die Indikation, richtig ?
Wie das bei Deiner Krankenversicherung abläuft, kann ich Dir nicht genau sagen. Aber sie sind jetzt, nachdem Du ein erstes Gutachten hast, zur Leistung verpflichtet (bzw. wenn Du von Deinem Therapeuten dies nicht als Gutachten hast, dann frage ihn nach einem offiziellen Gutachten - das kann Dir später Rennerei und nochmalige Sitzungen ersparen).
Mit Deinem Hausarzt darüber zu sprechen ist sicherlich eine gute Idee! Es ist grundsätzlich sinnvoll, wenn Du einen Arzt hast, bei dem von nun an alles zusammen läuft. Er/sie kann dann Befunde sammeln und die anderen Ärzte koordinieren helfen und auch ggf. Rezepte ausstellen, ohne das Du jedesmal zu den Spezialisten musst. Blutbild und Hormonspiegel kann auch ein Allgemeinarzt machen. Für eine Hormon Ersatz Therapie (HET) wird Dich Dein Hausarzt sicherlich an einen Endokrinologen oder Gynäkologen überweisen. Hier wäre es gut, bspw. über Selbsthilfegruppen im Vorfeld selbst entsprechende Ärzte mit TS Erfahrung zu suchen - nicht alle kennen sich mit dieser Off-Label Verschreibung von Medikamenten aus und langen dann schonmal daneben. (off-label heißt, es gibt keine offziell zur Behandlung von TS vorgesehenen Medikament, d.h. wir müssen etwas nehmen, was eigentlich für etwas anderes gedacht war)
Wenn Du fest entschlossen bist diesen Weg nun zu gehen, dann wäre wohl das nächste, dass Du entweder selbst oder zusammen mit Deinem Arzt Kontakt zu Deiner Krankenversicherung (KV) aufnimmst.Eine der wichtigen ersten Fragen ist die Frage nach der Kostenübernahme und da kommen dann eben KV und der medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) ins Spiel. Leider ist es wohl so, dass diese im Prinzip anhand der Kostenübernahme oder deren Ablehnung kontrollieren, wie es nun weiter geht. Aber auch Du hast es in gewissen Teilen in der Hand!
Was möchtest Du als nächstes?
Der gesamte Vorgang ist durch Standards of Care (SoC) und das Transsexuellen Gesetz (TSG) "geregelt", wobei die SoC eigentlich nicht verbindlich sind, aber gerne von den Ärzten und MDK als verbindlich vorgeschoben werden. Nach SoC wären die nächsten Schritte Beginn der Alltagserprobung/Alltagstest und vorher oder im Laufe dessen die offizielle/amtliche Vornamensänderung. Alltagstest heißt, Du sollst Dich selbst in der neuen Geschlechterrolle in allen Lebenslagen "erproben". Theoretisch sind vor und während dieser Zeit keine angleichenden Maßnahmen vorgesehen, also weder Bart-Epilation noch Hormone etc. Das das keine so super tolle Idee ist und die Erfahrung der Betroffenen in dieser Zeit nicht so super sein werden, ist mittlerweile auch vielen klar geworden und so heißt es an der Stelle wohl etwas kämpferisch und selbstsicher zu sein. Ich habe von einigen gelesen, die bereits vor oder direkt zu Beginn des Alltagstests Epilation und HET bekommen haben. Du musst dann also ggf. Ärzte und vor allem den MDK von dem überzeugen, was Du als nächstes möchtest. Der Altagstest soll auch von einem Psychologen oder Therapeuten begleitet werden - nicht zuletzt auch, damit er/sie ihn nach Abschluss bestätigen kann.
Für die amtliche Vornamensänderung brauchst Du dann noch ein zweites Gutachten, dass Dir Transsexualität (F64.0) bestätigt. Damit geht es dann zum lokalen Amtsgericht.
Hast Du die 12 Monate Alltagstest überstanden und bist Dir immernoch sicher, dann wird Dir Dein Therapeut dies bestätigen und Du bekommst damit die Indikation zur Geschlechtsangleichenden Operation (GaOP) - sofern Du das möchtest - Zwang ist das nicht! Möchtest Du auch Deinen Personenstand ändern lassen, also den Eintrag "weiblich" in Deinen Papieren haben, dann kommst Du allerdings um GaOP oder zumindest eine Entfernung der Keimdrüsen (also Hoden, sprich Kastration) nicht drumherum - dies ist nach TSG und den mittlerweile dagegen erlassenen Urteilen hierfür immernoch Pflicht. Hier kann es dann noch etwas Zank mit der KV geben, bis die endlich der OP zustimmen.
melanie_wesseling hat geschrieben:
Jetzt habe ich gelesen, dass es einige Fälle gibt, die mit Depresionen zu kämpfen hatten, andere hatten diese Probleme aber nicht.
Kann das hier jemand bestätigen ?
Ansonsten freue ich mich mit euch zu schreiben.
Liebe Grüße
Mel
Die Depressionen oder zumindest depressive Episoden haben viele, wenn sie beginnen festzustellen, dass sie sich in einer gefühlt ausweglosen Situation befinden, gerade wenn sie es für sich noch nicht akzeptieren können. Das hast Du aber offenbar schon überwunden, Glückwunsch! Manche habe dann nochmal auf Grund von Hormonschwankungen im Rahmen der HET solche depressiven Erlebnisse, die lassen aber wohl dann auch relativ schnell wieder nach oder lösen sich durch eine andere Hormonzusammensetzung. Die nächsten Tiefschläge und damit Auslöser für Depressionen können dann im Rahmen des Outing gegenüber Familie, Freunden und Kollegen / Beruf oder im Rahmen des tollen Alltagstests kommen.
Also ich würde mal sagen, das nächste was Du tun solltest ist Deine KV zu informieren und zu fragen, was nach deren Vorgaben der nächste Schritt sei?
Dabei kann Dir sowohl Dein Hausarzt als auch eine Selbsthilfegruppen, wie sie Anne-Mette auch schon erwähnt hatte, ganz sicher helfen.
Und wenn Du Lust auf einen Ausflug hast, dann kannst Du auch gerne zum TS-Treffen der SHG in Siegen kommen! Treffen sind jeden zweiten Sonntag im Monat ab 1700h im AndersROOM in Siegen, das nächste Treffen ist diesen Sonntag:
http://www.ts-siegerland.de/
Die Webseite ist lange nicht so toll wie die Leute
Liebe Grüße
nicole