ich hab gerade nichts zu tun (okay, ich gebs zu, ich drücke mich vor Arbeit
Um mein Anliegen richtig rüberzubringen muss ich jetzt mal gaaanz weit ausholen.
Es ist ja nunmal so, dass ich in Zukunft als Frau leben will, was ich vor etwa zwei Jahren zum ersten Mal entdeckt habe. Für mein Umfeld war das damals recht schockierend, da ich nicht die typischen Anzeichen gezeigt hatte. Ich war nach aussen hin immer gern ein Junge, hatte männliche Hobbies usw.
Für mich selber war es eigentlich auch nicht schon immer klar, weswegen ich deren Meinung, ich hätte keine Anzeichen gezeigt, mal so übernommen hatte.
Jetzt bin ich in den letzten zwei Jahren, nicht zuletzt durch die Gesprächstherapie, aber immer mehr mit meinem eigentlichen Ich in Kontakt gekommen und da sehen viele Situationen im Nachhinein eben ganz anders aus.
Viele Sachen habe ich als Jugendlicher eben auch aus einem Gruppenzwang heraus getan. Und viele Sachen, die ich nicht getan habe wollte ich tun, konnte aber aufgrund meines Umfelds nicht. Ich hätte zum Beispiel gerne bunte Armbänder mit Herzchen drauf getragen, aber macht das mal in der 8. Klasse einer Knabenrealschule. Gut, manche machen das, aber ich war schon immer zu schüchtern, wollte es allen Recht machen. Dazu kam dann noch der Druck, dass ich nicht anders sein darf, weil ich sonst ein Aussenseiter bin.
Die Frage, die sich mir jetzt stellt ist die, inwiefern man sich auf solche Erinnerungen verlassen kann. Ein Einwand, den meine Freundin eingeworfen hat ist, dass ich unbewusst meine Erinnerungen fehlinterpretiere um mein jetziges Selbstbild zu untermauern. Ich finde den Einwand berechtigt, da die menschliche Psyche durchaus zu solchen Kunststückchen fähig ist.
Gleichzeitig machen manche Situationen aber erst jetzt wirklich Sinn, wo ich für mich akzeptiert habe, dass ich transsexuell bin. So habe ich zum Beispiel früher schon die ein oder andere Frau bewundert, wobei dieses Gefühl anders war als bloßes 'schön finden' oder 'heiß finden'. Damals hatte ich das trotzdem als ein Begehren der Frau (im sexuellen Sinn) hingenommen. Heute habe ich das Gefühl auch noch, erlaube mir aber endlich, es anders zu interpretieren, nämlich als 'so wie die sein wollen'. Genau so ein Gefühl hatte auch vor zwei Jahren dazu geführt, dass es bei mir geklickt hat und ich erkannt habe, dass ich eigentlich nicht die Frau haben will, sondern das Leben als Frau (falls das Sinn macht).
Von daher denke ich, kann nicht alles Einbildung und nachträgliches falsch interpretieren sein.
Ich hatte oben schonmal geschrieben, dass ich nicht gern Aussenseiter bin. Genau das bin ich jetzt aber ein bisschen, weil ich eben nicht die 'typische' Trans-Frau bin, mit langer Vorgeschichte, Kleider im Kindesalter etc. Das könnte ein weiterer Grund sein, warum ich mir meine Erinnerungen schönrede (falls ich das überhaupt tue).
Ihr seht, ich bin verwirrt. Habt ihr ähnliche Erfahrungen, dass Situationen, die früher eben so waren, heute einen neuen Sinn machen? Oder bilde ich mir das ein, weil ich dazugehören will?