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MEL
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Re: Trans ... Mainstream

Post 1 im Thema

Beitrag von MEL »

Hi Jana,

mit einem wirklich gut formulierten Thema dürftest Du bei manchem den/die Finger in eine vielleicht an sich selbst so noch nicht entdeckte Wunde legen?!
Leider ist es schon sehr spät und ich bin im Moment mit login auf diesen thread aufmerksam geworden, daher will ich dir jetzt nur kurz antworten, da ich in 4 Stunden schon wieder hoch muss, um zur Arbeit (ja auch Sonntags!) zu gehen.
Mit Sicherheit tut die/der Ein oder Andere sich leichter in seinem nicht alltäglichen Tun und Wandeln, wenn er ein gewisses "Feindbild" dahingehend aufbaut,
dass die Gesellschaft so intolerant und verständnislos gegenüber unserer Klientel ist.
Andererseits möchte ich dies auch nicht pauschalisieren, denn jeder von uns wird sich so seine eigenen Gedanken zum gesellschaftlichen Bild und deren Verständnis machen und dies ist in erster Linie subjektives Empfinden und Wahrnehmung. Dazu kommt dann natürlich die Wahrnehmung der eigenen Person
und dessen, wie man sich innerhalb dieser Gesellschaft verhält und wahrgenommen werden möchte. Da bin ich mir durchaus bewußt, dass wenn ich als Frau in die Öffentlichkeit gehe, aufgrund meiner Größe/körperlichen biologisch bedingten Geschlechtsmerkmale und sonstigen Äußerlichkeiten auffalle und damit nicht ins das vom Unterbewusstsein gesteuerte Wahrnehmungsraster pauschal der Kategorie Mann/Frau zugeordnet werde, sondern es vorkommt, dass man/Frau einer näheren Betrachtung unterzogen wird und da mit eventuellen Reaktionen zu rechnen hat.
Weil: WIR sind eben nicht alltäglich und treten seltenst in Scharen auf!! ;) Aber dieses Auffallen gilt doch eigentlich für jeden Paradiesvogel oder einen von der allgemein gültigen Norm abweichenden Mitmenschen in der Öffentlichkeit, sei es durch Kleidung, Verhalten oder körperliche Besonderheiten!

Wichtig empfinde ich hierbei die Toleranz, die ich für mein Verhalten/Auftreten von anderen erwarte,
dass ich diese Toleranz auch selbst vorlebe!

Dies so auf die Schnelle meine ersten Gedanken dazu, muss jetzt ins Bettchen. da gleich der Wecker wieder klingelt!

LG und schönen Sonntag,

MEL
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ExuserIn-2022-05-28
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Re: Trans ... Mainstream

Post 2 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2022-05-28 »

Du stellst da sehr interessante Fragen auf. Ich denke das wird in vielen Fãllen sogar tatsächlich so sein, dass manche -vielleicht auch nur als Rechtfertigung für ihren fehlenden Mut - der Gesellschaft die Schuld geben, auch wenn diese Meinung nicht der Realität entspricht.

Ich habe auf allen Ausflügen bisher keine Feindseligkeit und so gut wie keine Intolleranz entdecken können. Ich schreibe bewusst so gut wie keine, da es immer Leute gibt, denen irgend etwas nicht passt. Dann bist du entweder zu dick oder zu dünn oder zu gross oder zu klein, zu alt oder zu jung, Hauptsache es gibt was zum Aufregen. Das hat dann aber nichts mit CD, TS oder TG zu tun.Selbst die viel zitierten Hassmorde an CD, TG sind in der Anzahl nicht höher als der Durchschnitt aller Morde an zufällig anwesenden Personen ( z.B vor einiger Zeit der Manager in der Münchener U Bahn)

Es kommt immer darauf an, wie Ich auf andere zugehe. Gehe ich mit der Meinung los , alle sind sowieso gegen mich und wollen mir was, werde ich mich auch so verhalten und durch mein Verhalten genau solche Reaktionen hervor rufen.

Der Hintergrund für solche Einstellungen ist dabei meist: ich akzeptiere mich selbst nicht , denke dann, das mich alle anderen auch nicht akzeptieren und verhalte mich dann entsprechend und werde dann tatsächlich nicht akzeptiert, was mich in meiner Meinung bestätigt und so schliesst sich dann der Kreis.

So etwas kann ma sehr häufig in Foren lesen: Ich kann nicht raus gehen, wir werden doch gleich erkannt und ausgelacht oder schlimmeres. Dabei haben diejenigen es nie probiert.

Das wichtigste für jede/n CD,TS,TG ist daher : akzeptiere Dich selbst so wie Du bist, dann klappt es auch mit der Gesellschaft!

LG Chrissie
Das Leben ist zu kurz um sich zu verleugnen.
Vincent
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Re: Trans ... Mainstream

Post 3 im Thema

Beitrag von Vincent »

Hallo Jana, hallo Chrissi,
Chrissie hat geschrieben:Das wichtigste für jede/n CD,TS,TG ist daher : akzeptiere Dich selbst so wie Du bist, dann klappt es auch mit der Gesellschaft!
Das finde ich schön auf den Punkt gebracht.
Solange man nicht vom eigenen Handeln überzeugt ist, unsicher ist, Schuld oder Scham empfindet, nimmt die Umgebung das zuerst wahr und reagiert darauf, noch bevor wirklich die eigene Erscheinung die Hauptrolle spielt. Und gerade wenn die Reaktionen den eigenen wunden Punkt treffen, schmerzen sie besonders.

Auf eine dumme Bemerkung wie "ich finde blaue Jeans total peinlich und abartig" würde wohl jeder auch nur mit Achselzucken reagieren, schlich weil man dazu steht und überzeugt ist nichts falsches zu tun.

Ich habe die Erfahrung gemacht dass die versteckten, verschwiegenen und mir irgendwie peinlichen Strumpfhosen doch immer wieder zu einem unangenehmen Thema wurden, wenn sie auftauchten.

X- Jahre später, völlig offen getragen und damit umgegangen, kommt vielleicht mal die Nachfrage ob das jetzt eine Sh wäre von Männern, oder eher mal eine Frage zum Design oder zur Bezugsquelle von Frauen, aber der unangenehme Beigeschmack ist weg - vielleicht empfinde ich auch nur subjektiv die Reaktionen anders, weil ich eben nicht mehr angreifbar bin.

Und auch die immer gerne angeführten Grüppchen von Jugendlichen merken sehr schnell, ob sie ein Opfer vor sich haben...

Ich denke es ist tatsächlich für viele bequem sich hinter der intoleranten Gesellschaft zu verstecken um sich in das selbst gewählte Gefängnis zurückziehen zu können.

Es bleibt aber auch der Gesichtspunkt, dass ich einige Zeit auch sowas wie einen Kick daraus bezogen habe, etwas "verbotenes" zu tun, wenn ich durch die Straßen geschlichen bin für mich mehr Adrenalin als bei einem Bungeesprung.

Bin ich damit alleine?
LG

Vincent
ab08
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Re: Trans ... Mainstream

Post 4 im Thema

Beitrag von ab08 »

Zunächst einen herzlichen Dank an Jana, für das Thema
und zwei Bemerkungen aus persönlicher Sicht:

@Jana:
Im RL gebe ich zwangsläufig, besonders bei Menschen, die mich kennen, deutlich mehr preis, als in Foren. Im RL raubt der Alltag vielen Menschen Zeit, das schränkt tiefere Gespräche oft ein. Foren bieten mir auch die Möglichkeit, Gedanken von Menschen kennenzulernen. Aufgrund der Struktur (Jeder/jede kann lesen und schreiben, wann er/sie mag) ist hier oft Tiefe möglich.

@Vincent:
Beruflich(Lehrerin) öffentlich und im Privatleben nicht zurückhaltend, daher ist "hinter der intoleranten Gesellschaft verstecken" mir fremd. Seit dem CO 2008 lebe ich 'normal'. Die meisten Menschen behandeln mich auch so. Mit einigen bin ich befreundet. Trotzdem muss ich einiges aushalten. Gutes Benehmen wird leider seltener und ich stelle einen gewissen Sittenverfall fest. Wenn z.B. beim Einkaufen mit der Tochter mir unbekannte Personen auf die "Transe" hinweisen, betrachte ich das als Belästigung. Niemand sollte über Anwesende lästern. *)
Anderen geht es auch so. Einen türkischstämmigen Taxifahrer, der kurz vorher von einem Fahrgast beleidigt wurde, konnte ich aufmuntern. Ich wies auf folgendes hin: "Wenn mich jemand beleidigt, denke ich daran, dass ich die Person in der Regel nur kurz ertragen muss ==> Der arme Mensch muss mit sich das ganze Leben auskommen..." :wink:

Inzwischen geh ich davon aus, dass ich Intoleranz, trotz Selbsbewußtsein, sicher bis zum Lebensende ertragen muss. Es gibt sicher später immer noch Witzbolde, die sich über mich, die intersexuelle Oma, lustig machen. Es gibt viele schöne Momente, ABER 'Intoleranz in der Gesellschaft' ist bei mir leider Realität. Im August bin ich in der Bretagne + Paris und dort ist es sicher genauso.

Liebe Grüße
ab

*) Leider könnte ich hier eine ganze Liste von Vorfällen aufführen ==> Zum Glück bin ich in der Regel allein. Da ich recht robust bin, halt ich einiges ganz gut aus. Bisweilen reagiere ich eben entsprechend... Heute im Bad...
Zuletzt geändert von ab08 am So 14. Jul 2013, 18:38, insgesamt 2-mal geändert.
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Kerstin
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Re: Trans ... Mainstream

Post 5 im Thema

Beitrag von Kerstin »

ab08 hat geschrieben:.....Gutes Benehmen wird leider seltener und ich stelle einen gewissen Sittenverfall fest. Wenn z.B. beim Einkaufen mit der Tochter mir Unbekannte auf die "Transe" hinweisen, betrachte ich das als Belästigung. Niemand sollte über Anwesende lästern.
Anderen geht es auch so. Einen türkischstämmigen Taxifahrer, der kurz vorher von einem Fahrgast beleidigt wurde, konnte ich aufmuntern. Ich wies auf folgendes hin: "Wenn mich jemand beleidigt, denke ich daran, dass ich die Person in der Regel nur kurz ertragen muss ==> Der arme Mensch muss mit sich das ganze Leben auskommen..." :wink:
Hallo ab
Der Sittenverfall findet leider nicht nur auf spezielle Gruppen bezogen statt, sonder ist allgemein anzutreffen. Was dazu kommt ist die "Sensationsgeilheit" der heutigen Gesellschaft. Das ganze noch befeuert durch die Medien, die aus jedem Mückendreck ein Drama machen.

Mit Intolleranz hat das meiner Meinung nach noch nicht einmal was zu tun.


LG Kerstin
Ich brauche Informationen - eine Meinung bilde ich mir selbst.
Vincent
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Re: Trans ... Mainstream

Post 6 im Thema

Beitrag von Vincent »

Hallo ab,

ständig oder zumindest immer wieder die genannten Kommentare zu ertragen ist sicher nicht angenehm, und belastend.
Vermutlich liegt neben dem Selbstbewusstsein auch einiges an der eigenen Einstellung und der individuellen Erscheinung:

Seit ich nicht mehr adrenalinsüchtig als skurrile "Halbfrau" um die Häuser schleiche, sondern immer den großen starken Mann verkörpere der eben etwas anders gekleidet, haben sich die Reaktionen dramatisch geändert. Wenn es jemand nicht gefällt ich ich gekleidet bin, ist das sein gutes Recht ich nehme mir dann aber auch evtl. die Freiheit meine Beurteilung zu seinem Stil abzugeben.

Diese Distanz zwischen Kleidung, Person oder Rolle erleichtert vieles, ist aber natürlich nicht möglich, wenn es um andere Inhalte geht, als primär um die Kleidung.

So gesehen lebe ich mich natürlich deutlich leichter.
LG

Vincent
ab08
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Re: Trans ... Mainstream

Post 7 im Thema

Beitrag von ab08 »

Vincent hat geschrieben: Vermutlich liegt neben dem Selbstbewusstsein auch einiges an der eigenen Einstellung und der individuellen Erscheinung:
Seit ich nicht mehr adrenalinsüchtig als skurrile "Halbfrau" um die Häuser schleiche, sondern immer den großen starken Mann verkörpere der eben etwas anders gekleidet,...
Hallo Vincent,

:lol: ein herzliches Danke für Deinen lieben Beitrag!! (flo)
In meinem speziellen Fall ist es nur so, dass ich (IS) da keine Wahl habe. "den großen starken Mann" verkörperte ich über Jahrzehnte. Die strenge männliche Lehrkraft spielte ihre Rolle sehr gut, bis sie ernsthaft erkrankte. Durch die Offenlegung meiner wirklichen Persönlichkeit (CO 2008) wurde ich zum Glück gesund, sonst wäre ich wahrscheinlich nicht mehr auf diesem Planeten. Verschärfend kommt bei mir hinzu, dass ich heute recht genau weiß, was mit mir los war. Bereits die erste ordentliche endokrinologische Untersuchung zeigte z.B. dass ich irgendwo zwischen M<->F liege. Das Bewußtsein war sowieso seit dem Kindergarten weiblich. Beim besten Willen würde ich es heute nicht mehr schaffen, "den großen starken Mann" nur für kurze Zeit zu verkörpern. In meinem Fall war es wahrscheinlich gesundheitsgefährdend, das Spiel so lange zu betreiben.

Auch klappt es ja privat und beruflich ausgezeichnet. Wobei ich mich selbstverständlich stets angemessen und dem Anlaß entsprechend kleide.
Leider gibt es nur immer wieder Ignoranten, die glauben, ihre engen Vorstellungen anderen aufzwingen und mobben zu müssen. *)
Diese Personen grenzen Personen aus, die nicht in ihr Weltbild passen. Hautfarbe, behindert oder sowas wie mich sehen sie dann als Problem an.
Die emanzipierte Frau / Lehrerin fühlt sich da gefordert. Im RL erfahre ich viel Unterstützung, denn gutes Benehmen, Herzensbildung (Empathie) sind häufiger, als man/frau meist glaubt... :wink:

Liebe Grüße und danke
ab

*) Dies ist eigentlich eine psychische Erkrankung. Mit den schlimmeren Fällen beschäftigt sich die Psychiatrie...
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Re: Trans ... Mainstream

Post 8 im Thema

Beitrag von conny »

hallo jana,

du wirfst ein interessantes thema auf!

ich denke aber, dass in unserem verhältnis zu den "normalos" die begriffe recht haben oder unrecht, fehl am platze sind. das was jemand macht ist nicht richtig oder falsch, solange er mit seinem tun nicht die freiheitsrechte anderer beschränkt.
ich habe auch ein problem mit dem begriff toleranz, wenn man, obwohl man nichts verbotenes tut, ihn als bitte an die anderen versteht.
grds. haben die anderen das einfach hinzunehmen, wenn ich als crossdresser unterwegs bin, oder? keiner muß das gut finden, aber niemand hat das recht, mich deswegen dumm anzumachen, soll er denken was er will.
die gefahr einer "parallelgesellschaft"ist m.e. durchaus gegeben und ein heimliches tun ja oft vorhanden. das liegt mehr oder weniger an uns. wenn wir uns nicht heraustrauen, selbstbewust auftreten und duckmäuserisch durch die gegend schleichen, sind wir nun mal der/die schwächere und die umwelt unser "feind".
aber wie soll sich bei einigen ein gesundes selbstbewustsein entwickeln, wenn sie selber nicht wissen, was sie auf der skala der möglichen transgenderausprägungen eigentlich sind und wenn selbst das outing ggü. den engsten angehörigen nicht möglich ist? jeder sucht für sich dann eine geeignete nische, in die er sich sicher sein kann.

können wir uns so in der gesellschaft etablieren? so wie es z.b. die homosexuellen geschaft haben? fehlen uns nicht die homogenität und vielleicht auch die prominenten protagonisten? obwohl, das crossdressing thema scheint ja durchaus interessant zu sein, s. die hier eingestellten links zu den bildern, auf denen paare ihre kleidung tauschen.

lg
conny
Lina
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Re: Trans ... Mainstream

Post 9 im Thema

Beitrag von Lina »

@Zumindest wenn man darunter (wie ich) versteht, dass das Crossdressing ein alltägliches Phänomen ist, um das sich niemand weiter kümmert. Aber das ist bei weitem nicht so. Es gehört nunmal nicht zur Normalität auf den Straßen.


Ehrlich gesagt - manchmal kommt es mir wirklich so vor. Ich habe manchmal echt keine Ahnung, ob mein Passing wirklcih so super perfekt ist wie ein Passing überhaupt sein kann, oder ob es den Leuten wirklich so dermaßen am Arsch vorbei geht. Ich meine, wenn ich zufällig andere T auf der Straße oder sonst in der Öffentlichkeit sehe, dann beobachte ich gerne von der Entfernung, wie andere eigentlich darauf reagieren. Meistens reagieren die überhaupt nicht. Oft auch nicht, wo die wirklich was bemerkt haben müssten. Einige sind einfach so groß und männlich von den Körperproportionen, dass es auffallen muss. Trotzdem scheint es mir, dass man wirklich am Frühabend an den Alsteranlegern vor den ganzen muslimisch und osteuropäisch angehauchten Gruppierungen rumspazieren, bevor irgend jemand reagiert. Und selbst das hält sich in Grenzen.

Mag sein, dass es in den Kleinstädten anders ist - kann ich mir schon vorstellen - in Hamburg ist es, wie ich es beschreibe.

ABER:
In vielen Postings fiel das Wort "Bequemlichkeit". Etwas, was man auch von Berufs-Coaches hört ist, dass wenn man was erreichen will muss man die eigene Bequemlichkeitszone verlassen. Manchmal bedeutet das, etwas riskieren, manchmal auch nur etwas tun.
Es ist natürlich super leicht einfach zu behaupten, alles wäre so und so schlecht, die Gesellschaft so und so intolerant. Viel leichter als eindlich mal da raus zu gehen und feststellen, ob es wirklich stimmt. Da könnte man natürlich sagen, sie sollten das endlich tun.
Wahrscheinlich würde es nicht viel helfen. Wer schon im Vorfeld die Auffassung hat, dass andere negativ reagieren werden, wird auch negative Reaktionen erleben. Vor allem werden sie besonders auf negative Reaktionen achten und diese am deutlichsten wahrnehmen.

Und was soll man mit solchen Menschen tun? Ehrlich gesagt: Ich habe keine Ahnung - außer vielleicht wenn sie entscheiden selber was daran ändern zu wollen.
Inga
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Re: Trans ... Mainstream

Post 10 im Thema

Beitrag von Inga »

Hallo, Jana,

du hast hier mit dem Thread eine interessante wohl tuende Diskussion angestoßen.

Ich glaub, dies Forum ist schon ein Forum von Gleichgesinnten. Desegen wüde ich es noch nicht als Parallelgesesellschaft bezeichnen. Es ist allerdings auch auch ein Forum, in dem nicht nur über CD und T* aufgeklärt wird wird, sondern in dem man sich gegenseitig Mut macht, sich mehr zu entdecken und den eigenen Weg auch zuzutrauen, zu gehen und zu leben. Ich finde schon, dass dies nicht euphorisch geschehen soll, auch nicht drängend oder gar bevormundend. Den eigenen Weg geht jeder selber.

Ich bin mir nicht so klar, was du mit kritischen Stimmen, kritischen Meinungen und kritischen Haltungen, die hier im Forum zu wenig zur Geltung kommen, eigentlich meinst?

Liebe Grüße
Inga
Ninakadin
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Re: Trans ... Mainstream

Post 11 im Thema

Beitrag von Ninakadin »

Hallo Jana,

Deine Charakterisierung des "Wir" entspricht eigentlich nicht meinen Erfahrungen. Die meisten Trans*, die ich kenne bewegen sich bewusst und gerne in der Öffentlichkeit und nicht in einer irgendwie gestalteten "Parallelgesellschaft".

Und weiterhin stelle ich fest, dass vielfach anfangs Angst vor den Reaktionen der Öffentlichkeit da ist. Und alle sind dann völlig verblüfft, dass "die Gesellschaft" gar nicht ablehnend reagiert, sondern meist überhaupt nicht und manchmal eher positiv und interessiert. Eine Quintessenz meiner letzten Jahre lautet: "Die Gesellschaft ist viel weiter als wir vielfach glauben." Ausnahmen bestätigen natürlich die Regeln, die Dummheit stirbt nie aus. Das ist aber kein Trans*-Problem.

Eigentlich kann ich nur einige Medien dafür kritisieren, dass sie zu sensationsheischend, oberflächlich und manchmal sogar manipulierend diskriminierend über T* schreiben oder senden. Für "die Gesellschaft" kann ich das nicht behaupten, von daher kann ich da auch kein "Feindbild" sehen.

LG, Nina
Katrin70
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Re: Trans ... Mainstream

Post 12 im Thema

Beitrag von Katrin70 »

Hallo Jana,
ein wirklich spannendes Thema. Die Gesellschaft und WIR. Ich glaube da gibt es viele unterschiedliche Facetten und auch Reaktionen der Gesellschaft. Was ich jetzt hier gleich schreibe ist wirklich der laienhafte Versuch das Thema zu erfassen. Bitte seht mir nach, dass ich vermutlich nur unzureichend formuliere und auch nicht an alles denke. Es ist einfach mein Versuch mir unsere Welt zu erklären. Sollte ich jemanden vergessen bitte seht es mir nach. Es ist der Wissensstand, den ich mir zusammen gepflückt habe und sicher gibt es noch viele Blüte, die ich übersehen habe. Auch ich lerne mit meinen Anfang 40 noch täglich dazu ;-)

Anja hat uns einmal in einer anderen Diskussion in grundsätzlich zwei Gruppen unterteilt: (wenn ich mich recht erinnere)

1. Der Mann will als Mann erkennbar bleiben, aber eben Frauensachen tragen möchte:
Das reicht von dem Mann, der
a) einfach auch mal einen schicken Lederrock tragen möchte - so wie es schon früher einmal Mode der Männer war. Oder eben auch höhere Schuhe, aber mit festem Absatz. Es geht dabei um das Ausweiten des männlichen Kleiderschrankes unter Beibehaltung der männlichen Erscheinung. Hier habe ich schon Typen gesehen, die das machen und das sah aus meiner Sicht erstaunlich normal aus. Ich glaube Tom Cruise hatte mal in einem Samurai-Film so einen Rock an. Ich glaube so stelle ich mir die Gruppe vor.
b) weibliche Attribute zu seinem Mann-sein hinzufügen möchte, die eindeutig als weiblich erkennbar bleiben. Nagellack, Lippenstift, Pumps, Kleidchen, Brüste aus Silikon. Und trotzdem trägt er noch den Vollbart.
c) der bewußt und betont übertrieben weiblich wirkt und daher als Mann immer noch erkennbar bleibt - auch wenn die Anstrengung z.T. immens ist: hier zähle ich DragQueens oder TV á la Olivia Jones.

2. Die von uns, die eben komplett in die weibliche Rolle schlüpfen wollen (unabhängig obn als CD oder TS)
Und dabei gibt es fließend zwei Gruppen. Männer, die diese Verwandlung aufgrund ihrer Voraussetzugen
a) sehr gut hinbekommen und in der Öffentlichkeit als FRau wahr genommen werden. Da ist das "Passing" perfekt, die Klamotte, der Schminkstil, die Erscheinung, die Stimme, etc.
b) schlecht zuwege bringen und egal wie sehr sie sich anstrengen immer noch als Mann erkennbar bleiben: sei es weil der Bartschatten durchdrückt oder weil sie groß sind oder breitschultrig muskulös oder oder oder.

Ich denke die Gesellschaft hat bezüglich der Gruppe auch unterschiedliche Reaktionsmuster - wenn man überhaupt von "DER Gesellschaft" reden kann. Aber um zu erklären will ich erstmal vereinfachen.

Am Bekanntesten ist vermutlich Gruppe 1C. Der Typus taucht in den Medien auf, sitzt in Talkshows und Quizsendungen regelmäßig auf dem Sofa und gehört als Zutat zu unserer Unterhaltungsindustrie. Insofern sind die auch meiner Meinung nach "akzeptiert" - zumindest nicht mehr oder weniger als andere besonderen Menschen in unserer Gesellschaft. Und sie prägen meiner Meinung nach auch die Wahrnehmung von UNS als Gesamtgruppe, weil sie eben so präsent sind.
Trotzdem werden die Leute auf der Straße, wenn sie denn einer solchen PErson begegnen schauen, starren, tuscheln und vermutlich auch die ein oder andere Bemerkung machen. Aber das provozieren die "Damen" durch ihre Erscheinung ja auch und genießen es vielleicht sogar. Insofern halte ich den Umgang der Gesellschaft mit dieser Gruppe für normal: sie wollen auffallen und da muss man auch mit etwas auffälligerne Reaktionen rechnen.

Ebenfalls recht unkompliziert finde ich die Gruppe 2a. Die nimmt eben niemand als Mann war. Die Glücklichen können problemlos aus der einen in die andere Rolle schlüpfen - egal ob temporär als CD oder permanent als TS. Glückwunsch. Perfekt. So hätte ich das auch gern auch. Seufz, lächel.

So und nun zu den "Problemzonen" (Scherz) unserer Gesellschaft:

1a) wenn es gut gemacht ist (und das geht sicher mit gutem Geschmack) und ihr euch in der richtigen Stadt/Umgebung befindet ist halte ich diese Variante für möglich. Ihr DEHNT einfach das männliche Spektrum und bleibt dabei männlich. Sieht gut aus und macht Spaß. Und trotzdem wird es Menschen geben, die das nicht nachvollziehen können. D.h. auch hier wird es vermutlich nicht ohne Kommentare gehen. Andererseits glaube ich dass es hier trotz allem eine hohe Toleranz, z.B. auch gerade seitens Frauen gibt. Die finden das häufig cool.

1b) Ich glaube, dass diese Gruppe die gesellschaftliche Toleranzschwelle ganz hart kratzt. Eine Melange aus klar weiblichen und männlichen Attributen als Alltagsoutfit (nicht als Show-Outfit wie bei den DragQueens) stößt vermutlich bei viel mehr auf Ablehnung, weil es (noch?) nicht in die wohl geordnete Welt eingeordnet werden kann. Aber der Milchkaffee hat es ja auch auf die Getränkekarte geschafft. Oder ist das eher ein Leberwurstbrot mit Erbeermarmelade ? Vermutlich kommt das auf den persönlichen Standpunkt an. Aber ähnlich wie bei 1c "provoziert" dieses Outfit sicher mehr Reaktionen und wer sich da keine dicke Haut zulegt sollte sich nichts vormachen und es vielleicht lieber nur zuhause machen.

Und nun zuletzt zur Gruppe 2b. Tja, zu der zähle ich mich mit meinen 1,84 auch irgendwie. Wir wären gerne nicht erkennbar, aber irgendwie entsprechen wir eben nicht dem weiblichen Allgemeinbild. Tja, insofern ist diese Gruppe vielleicht am bemitleidenswertesten. Mehr oder minder immer als schlechte Kopie erkennbar. Und jetzt kommt meiner Meinung nach das Thema Selbstbewußtsein und Gefühl. Meiner Meinung nach hängt bei dieser Gruppe sehr sehr viel vom Gefühl für den richtigen Auftritt ab: z.B. wäre ich mit meinen 184 und 12cm HighHeels ganz schnell als Mann erkennbar, denn ich kenne wirklich keine Frau in der Größe, die solche Schuhe anziehen würde. Wen ich also nicht erkannt werden möchte muss ich mich als Frau so verhalten, wie es zu mir als Frau passt. Und wenn das stimmt kann ich auch einigermaßen selbst bewußt raus gehen und werde nich erkannt. Habe ich selbst dieses Jahr lernen dürfen. Und wenn es dann doch ma jemand erkennt (die berühmte Jugendgruppe) geht man aufrecht weiter. Und trotzdem hat es diese Gruppe meiner Meinung nach am schwierigsten. Sie wollen ja nicht erkannt werde und wenn es dann passiert ist es immer blöd und fühlt sich nicht schön an.
Für die Gesellschaft ist es ja auch eine Überraschung, wenn sich hinter dem weiblichen Ersteindruck dann doch ein Mann entpuppt, z.B. an der Kasse wenn man plötzlich sprechen muss. Ich kenne CD/TS, die damit souverän spielen und die auch poisitve Reaktionen ernten. Aber soweit muss frau erstmal sein.


So, das war jetzt ein unvollkommener Versuch die Reaktion userer Gesellschaft differenziert zu betrachten. Unvollkommen, subjektiv und sicher ohne Anspruch auf Richtigkeit. Es ist der Blick von Katrin auf die Welt. Ich freue mich auf Eure Reaktionen.

Eure
Katrin
ab08
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Re: Trans ... Mainstream

Post 13 im Thema

Beitrag von ab08 »

JanaK hat geschrieben: Das Tuscheln geht dann los, wenn man vorüber gegangen ist. Hab' ich schon oft erlebt. Dass die Gesellschaft weiter ist, als wir glauben ... damit hab ich persönlich meine Schwierigkeiten.
Liebe Jana, liebe Nina,

eine Anmerkung aus persönlicher Erfahrung ==> Seit über 5 Jahren lebe ich offen, d.h. ausschließlich im korrekten Geschlecht und komm rum. Natürlich geht an Orten, wo ich neu bin, oder bei Personen, die mich nicht kennen, das Tuscheln oft los, sobald ich mich entferne. Dummheit ? Intoleranz? Keine Ahnung! ==> Ist mir inzwischen egal, denn es ist nicht mein Problem, sondern der Personen, die tuscheln. Ich überlasse es Menschen, die mich kennen, sich damit auseinanderzusetzen. Selber sag ich längst nix mehr dazu. Genauere Informationen behalte ich lieber den Leuten vor, die mich aus echtem Interesse ansprechen.

Aber, wie gesagt, ich mach das schon über 5 Jahre. An Orten, wo ich beruflich häufiger zu tun habe, stellte ich fest, dass sich das im Laufe der Zeit abschleift. Nun kommt es aber oft vor, dass die Kompetenz, die ich als IS-Frau bei gewissen Problemen habe, geschätzt und genutzt wird. Ehrlich gemeinte Fragen nehmen daher zu und diese Fragen nehme ich sehr ernst.

Da ich als Pädagogin so manchen Menschen helfen kann, nehme ich das Tuscheln geistig etwas unbedarfter Zeitgenossen gern in Kauf, denn das ist eben der Preis für die Aufmerksamkeit.
Ähnlich wie bei Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei :lol: Die Warnsirene ist bisweilen nötig...
Bei echten Boshaftigkeiten, die es auch sporadisch gibt, zeige ich durchaus, dass ich mich bei aller Freundlichkeit auch angemessen wehren kann.

Liebe Grüße
ab

P.S. Vielleicht bin ich ein Sonderfall, aber nach Jahrzehnten voller Nachforschungen, Reflektionen und Aufschieben, weiß ich nun, was mit mir los ist und früher los war.
Daher nehme ich mir heute die Freiheit, Tatsachen nicht zu vertuschen. Dazu kommt das Ethos der Lehrerin, die Nachfragen ehrlich beantworten will.
Aber das ist mein ganz persönlicher Weg. --- Andere gehen andere Wege. --- Jeder Mensch ist anders und muss seinen Weg finden. --- Vorbild will und kann ich nicht sein.
-------------------------------------------------------------------------------------------------------
@Liebe Katrin,

hübsche Einteilung. :wink: Allerdings würde ich mich (1,85 cm, Schuhgröße 46, Kleidergröße 42, Oberweite normal, nicht breitschultrig) optisch irgendwo zwischen 2a) und 2b) einordnen. Aber definitiv weiblich, trotz unpassender Genitalien. Hormonell irgendwo dazwischen eben intersexuell. :!: Dass ich bisweilen 'erkennbar' bin, stört mich kaum (Siehe oben) :!:
Andererseits hast Du Recht: Durch das passende Auftreten und die richtige Kleidung läßt sich viel steuern. :wink:
Liebe Grüße
ab, ==> Es gibt eben viel mehr Möglichkeiten, als wir gemeinhin glauben...
FÜR: Respekt, Menschenrechte und eine gelebte, demokratische Zivilgesellschaft, die Minderheiten schützt
ERGO: Umfassende Bildung für alle, effektive Regeln in Alltag und Netz, eine gut ausgestattete Polizei/Justiz
Vincent
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Re: Trans ... Mainstream

Post 14 im Thema

Beitrag von Vincent »

Hallo Katrin,
wenn ich nach Deiner Einteilung gehe, bin ich ein klarer Fall für deine 1a.
Mit deiner Einschätzung zur Tragbarkeit hast du weitgehend Recht. Ich höre ganz selten mal Kommentare, und fast nie negative, aber durchaus einige Komplimente.
Die wenigen kritischeren Stimmen kommen meist dann, wen mir für meinen persönlichen Geschmack etwas schiefgegangen ist, in Richtung "1b".

Im Übrigen geht meiner Erfahrung nach fast alles, egal ob Nageldesign, High Heels, Rock Kleid Leggings oder was auch immer — ABER immer nur schön dosiert, und sonst klar männlich.

Was bei Deiner Unterteilung nicht so heraus kommt, ist die Tatsache, dass jeder einzelne Mensch nicht immer gleich tickt:
Vor einiger Zeit hätte ich mich wohl nach 2. eingeteilt.
Auch jetzt könnte ich mir 2. immer noch vorstellen, nicht weil es mir ein inneres Bedürfnis ist, das ich ausleben muss/möchte, sondern schlicht aus Spaß an der Verwandlung.

Dass ich es nicht mache, liegt daran, dass ich ein sehr hoffnungsloser Fall der Kategorie 2b bin, den Freunde gerne als Bär oder Baum bezeichnen weil ich für einen Mann schon eher sehr groß und kräftig bin.
Was raus käme wäre immer nur eine auffallende Witzfigur — wenn, wollte ich aber nicht die anderen sondern mich erheitern :mrgreen: .
LG

Vincent
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