Wie geht Ihr mit Eurer männlichen Vergangenheit um?
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Lebensplanung, Standorte
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Nicoletta
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Wie geht Ihr mit Eurer männlichen Vergangenheit um?

Post 1 im Thema

Beitrag von Nicoletta »

Ich gebe zu, dass dieses Thema nicht für alle passt, denn nicht alle betrachten ihre männliche Seite als Vergangenheit. Ich habe mich emotional von ihr verabschiedet, oder vielleicht doch nicht so ganz?

Kontext: Meine Frau akzeptiert inzwischen, dass ich Frau bin, wenn auch etwas widerwillig, aber sie versteht wohl, dass es ernst ist, und seither drängt sie mich zu radikalen Schnitten. Sie wolle Platz haben im Kleiderschrank, also solle ich meine männlichen Hemden und Hosen und Pullover endlich entsorgen (Leib- und Nachtwäsche habe ich schon länger nicht mehr). Bei der Sichtung sehe ich dann, dass ich manche Stücke doch mag, eine emotionale Verbindung zu ihnen habe, mir gleichzeitig aber nicht vorstellen kann, sie noch einmal anzuziehen. Meine Frau wollte, ich sollte den schwarzen Anzug behalten für die Beerdigung meiner Mutter, die irgendwann anstehen wird, obwohl ich das nicht recht einsehe, denn wenn ich ihr zu Lebzeiten trotz aller Proteste weiblich gekleidet unter die Augen getreten bin, warum soll ich ihr dann, wenn sie nicht mehr ist, auf einmal zu Willen sein soll? Tut es nicht auch ein schwarzer Hosenanzug oder ein schwarzes Kostüm? Im bisherigen Zwischenergebnis sieht es so aus, dass ich behalten habe: einen schwarzen Anzug, drei tragbare dunkle Hosen, ein Jacket, drei Krawatten, drei Hemden, außerdem etwa vier bis fünf Sommerhemden, die ich auch als Frau auf Wanderungen auftragen könnte (boyfriend's look), eine Jeans, die vielleicht für Wanderungen im Winter nicht so verkehrt ist, einige Pullover und eine Strickjacke, die als unisex durchgehen können, zwei Thermohosen und einen Anorak, die einfach für Winterwanderungen ideal sind. Meine Frage: wie leicht oder schwer trennt Ihr Euch von männlicher Garderobe, was behaltet Ihr vielleicht? Schwer tue ich mich mit Teilen, die mir meine Frau geschenkt hat, obwohl die oft die am wenigsten noch brauchbaren sind. Dann ist es manchmal die Qualität der Stoffe. Meine weibliche Garderobe ist qualitativ schlechter, weil ich immer geknausert habe und gemeint, ich dürfe für mein "Hobby" nicht zuviel ausgeben. Einige meiner weiblichen Kleidungsstücke sind wirklich peinlich. Und bei Schuhen ... Ich habe immer darauf Wert gelegt, nur Lederschuhe zu tragen, aber bei meinen Damenschuhen ist keiner aus Leder dabei, die meisten stammen von Deichmann, und die einzigen aus dieser Quelle, die ich in Leder erstanden hatte, musste ich zurückgeben, weil sie einfach zu eng waren. Mein Umstieg auf den weiblichen Modus ist qualitativ also auch ein Abstieg, was Kleidung und Schuhwerk anbetrifft.

Ich will nicht zu sehr ins Detail gehen, aber Ihr werdet verstanden haben, worum es mir geht. Ich bin gespannt auf Eure Erfahrungen und Anregungen.

Viele Grüße, Nicoletta
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Sabrina Verena
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Re: Wie geht Ihr mit Eurer männlichen Vergangenheit um?

Post 2 im Thema

Beitrag von Sabrina Verena »

Hallo Nicoletta!
Ich bin zwar nicht Deine Adressatin.
Aber ich Frage trotzdem.
Wenn Du als Mann auf Qualität geachtet hast, warum dann nicht auch als Frau?
Warum wertest Du Deine Garderobe nicht schrittweise auf?
LG
Verena
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Lakota Sioux
exuser-08-07-2013

Re: Wie geht Ihr mit Eurer männlichen Vergangenheit um?

Post 3 im Thema

Beitrag von exuser-08-07-2013 »

guten morgen nicoletta.

na ganz so weit bin ich ja noch nicht - von zeit zu zeit benötige ich meine männerklamotten ja noch.

allerdings sind die meisten in schön beschrifteten kartons im keller gelandet und nur noch ein kleiner bestand befindet sich in einem extra kleiderschränkle.

wenn ich denn mal so weit bin, dass ich nur noch frauensachen tragen kann, dann wird es mir sicherlich super leicht fallen, die kartons einfach zur diakonie zu bringen. ich würde glaub nicht mal mehr nen blick hineinwerfen.

also ich hänge an meinen männerklamotten in keinster weise.

im gegenteil, das wäre sogar ein grund zum feiern (drink) (drink) (drink)

ich mach glaub an dem tag abends ne kleine cocktailparty.

was die frage der qualität meiner kleidung des gefühlten geschlechts anbelangt, so schau ich schon in erster linie darauf, dass es mir gefällt und erst in zweiter linie auf den preis.

ich denke, ich habe nen kleiderschrank voller unterschiedlicher qualitätsstufen.

ganz liebe grüßle und einen wunderschönen sonnigen sonntag

lucy f.
Bianca D.
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Re: Wie geht Ihr mit Eurer männlichen Vergangenheit um?

Post 4 im Thema

Beitrag von Bianca D. »

Moin Nicoletta,

meine männliche Garderobe ist mit dem Beginn der HRT in den Altkleidercontainer gewandert.Einzig einen Teil meiner T-Shirts habe ich behalten,da ich die auf der Arbeit auftragen kann und 2 Jeans.Dem Rest habe ich keine Träne nachgeweint.
Qualitativ kaufe ich nicht schlechter als früher ein,wichtig ist,daß es mir gefällt.

Was deine Garderobe angeht,laß dir Zeit mit der Entsorgung deiner Restbestände.So lange du dir nicht 100% sicher bist,daß du die Sachen nie mehr anziehst,und damit eine Rückkehr in die Männerrolle,laß sie hängen.Der Kopf und deine Seele müssen da eine klare Entscheidung finden.

Gruß Bianca
Ick wees nüscht,kann nüscht,hab aba jede Menge Potenzial
ChristinaF
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Re: Wie geht Ihr mit Eurer männlichen Vergangenheit um?

Post 5 im Thema

Beitrag von ChristinaF »

Meinen Männerklamotten weine ich keine Träne nach. Allerdings war's für mich schon ein "kleiner Schock", als mich meine Frau bei ihrem Besuch während meiner Reha, darüber aufklärte, dass sie alles "entsorgt" hätte. Irgendwie hatte mich das psychisch so belastet, dass ich damals heulen musste.
Aber heute würde sich mein Magen umdrehen, wenn ich auch nur noch ein Stück davon anziehen müsste.
Qualitativ mit der Damenkleidung gings mir vor einiger Zeit ähnlich wie dir. Eher günstigere Kleidung erstanden. Die wurde aber Stück für Stück langsam aussortiert und wird mehr und mehr durch "höherwertige" ergänzt.
OT.
Warum sollten Deichmannschuhe "billig" sein? Sehe ich nicht so. Ebensowenig, dass ich mir Schuhe für einige hundert Euro kaufen würde.
LG
Chrissie
Nicoletta
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Re: Wie geht Ihr mit Eurer männlichen Vergangenheit um?

Post 6 im Thema

Beitrag von Nicoletta »

Danke für Eure Antworten, in denen ich mich wiederfinden kann. Was die Qualität meiner weiblichen Garderobe anbetrifft, so ist sie in letzter Zeit (nach meinem Outing) auch schon besser geworden, und ich habe auch schon weibliche Kleidungsstücke aussortiert, weil sie mir nicht gut stehen, passen oder verschlissen sind. Es ist, wie Du, Chrissie, sagst, ein langsamer Prozess. Allerdings, Bianca, kann ich mir nicht vorstellen, dass ich noch einmal zurück möchte oder auch nur könnte. Ich habe mich nach Jahrzehnten, in denen ich mich selbst belogen habe, zur Wahrheit über mich durchgerungen und fühle mich dadurch ungeheuer erleichtert (und das Aussortieren trägt zu dieser Euphorie bei. Wie Lucy sehe ich darin auch einen Grund zum Feiern. Ein Wermuttropfen dabei ist wohl auch normal. Gerade hatte ich z.B. wieder ein Hemd in der Hand, das ich gerne getragen habe, angenehmer Stoff. Fast wollte ich es schon zurückhalten, aber dann fiel mein Blick auf den vergilbten Kragen ... Auch wenn ich im Männermodus geblieben wäre, hätte ich es wohl allmählich aussortieren müssen. Beim Aussortieren begegnet man halt seiner Vergangenheit, und das kann wehmütig stimmen, aber es schafft Platz für Neues und Stimmiges, und das macht mich dann wieder euphorisch. In zehn Tagen geht es nach Berlin zu meinem ersten öffentlichen Auftritt als Frau, das ist für mich dann die Feier.

LG
Nicoletta
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Re: Wie geht Ihr mit Eurer männlichen Vergangenheit um?

Post 7 im Thema

Beitrag von ChristinaF »

Du musst ja nichts übereilen. Lass dir in und mit deiner Entwicklung ruhig Zeit. Zeit dich zu finden und auf das Neue einzustellen. Hoffentlich gehts dir dann so wie mir, dass du derart glücklich wirst, wie man es in Worte nicht beschreiben kann.
Dass dein Verstand (Ratio) hin und wieder all das reflektiert ob es auch das Richtige ist, war bei mir auch der Fall. Aber wichtiger als der Verstand sind m. E. letztendlich die Gefühle und das "Seelenleben" (Irratio). Und die sagte mir, wie es weitergehen sollte. Heute bin ich froh, darauf eingegangen zu sein.
Etwas blöd ausgedrückt, sorry. Hoffentlich kannst du trotzdem was damit anfangen.
LG
Chrissie
exuser-23-11-2013

Re: Wie geht Ihr mit Eurer männlichen Vergangenheit um?

Post 8 im Thema

Beitrag von exuser-23-11-2013 »

Also bei mir war es so das ich die ganzen Männerklamotten in einen großen Koffer gesteckt habe und dann nach meinem Outing ins Sozialkaufhaus gebracht habe, da haben sie sich gefreut. Ich habe den Klamotten keine Träne nachgeweint.
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Re: Wie geht Ihr mit Eurer männlichen Vergangenheit um?

Post 9 im Thema

Beitrag von Nicoletta »

Anouk hat geschrieben:Also bei mir war es so das ich die ganzen Männerklamotten in einen großen Koffer gesteckt habe und dann nach meinem Outing ins Sozialkaufhaus gebracht habe, da haben sie sich gefreut. Ich habe den Klamotten keine Träne nachgeweint.
Guter Tipp. Bisher denkt meine Frau daran, die Sachen ihren Verwandten nach Osteuropa zu schicken, aber das wird noch teuer. Man könnte vielleicht einiges dafür verwenden, was sie auf ihrer nächsten Heimfahrt im Koffer mitführen kann, und den Rest wirklich in ein Sozialkaufhaus tragen (wird es hier ja wohl auch geben, Arbeiterwohlfahrt gibt es jedenfalsl auch noch).
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Re: Wie geht Ihr mit Eurer männlichen Vergangenheit um?

Post 10 im Thema

Beitrag von Nicoletta »

JanaK hat geschrieben:Aus eigener Erfahrung kenne ich das "Problem" auch, bei weiblicher Garderobe eher zu günstigeren Artikeln zu greifen, als ich das als Mann tue. Das ist in erster Linie der Tatsache geschuldet, dass ich z.B. nicht ausschließlich als Frau lebe, sondern vornehmlich als Mann. Ich denke, man muss sich im Laufe der Zeit einfach bewusst werden, wohin einen der eigene Weg führen soll. Wer sich mit dem Gedanken trägt, vollends als Frau leben zu wollen, der tut sicherlich gut daran, in hochwertige Kleidungsstücke zu investieren, um auch länger etwas davon zu haben. Allerdings sind ja nun auch längst nicht alle "günstigen" Artikel gleich schlecht. Ich denke, letztendlich geht es um eine Interessenabwägung, die entscheidend mit dem zukünftigen Lebensweg zu tun hat. Als Freizeitfrau ist dies aus meiner Sicht ein wichtiger Aspekt. Gerade vor dem Hintergrund zweierlei Kleidungsrichtungen vorzuhalten, bzw. vorhalten zu müssen/ wollen, ist jede Anschaffung nicht zuletzt eine Frage finanzieller Möglichkeiten. Noch ein Wort zu Deichmann ... die Einschätzung kam mir sehr negativ rüber. Ich habe den überwiegenden Anteil meiner Damenschuhe dort gekauft. Zum einen, weil sie günstig sind, und zum anderen, weil sie eine modisch aktuelle Linie verkörpern. Außerdem gibt es dort eigentlich immer hübsche Schuhe, wobei das Angebot auch an größeren Schuhgrößen gut ist. Das ist sonst oft nicht der Fall, finde ich.
Dem stimme ich insgesamt zu. Ich wollte übrigens Deichmann nicht tadeln, es ist eben nur so, dass ich dort noch keine Lederschuhe bekommen habe (die einzigen, die ich online gekauft habe, musste ich zurückgeben, weil sie drückten), als Mann aber ausschließlich Lederschuhe getragen habe.

LG, Nicoletta
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Re: Wie geht Ihr mit Eurer männlichen Vergangenheit um?

Post 11 im Thema

Beitrag von Nicoletta »

Frl.Sandra hat geschrieben:Ich habe früher oft eine innere Abneigung gegen Typen gespürt, die sich betont "männlich" gaben: breitbeinigst sitzen, 3-Tage-Bart, usw. (was ich halt so für übertrieben männlich halte). Und selbstverständlich kam sowas für mich überhaupt nicht in Frage.
Jetzt wo ich regelmäßig Sandra bin, und zunehmend mehr Wert auf "weibliche" Verhaltensweisen lege, kann ich dieses männliche Getue sowohl bei anderen als auch bei mir erheblich besser aushalten. Schon irgendwie total komisch, oder?

Liebe Grüße
Sandra
Den ersten Teil Deiner Äußerung empfinde ich noch immer so, zum zweiten werde ich wohl nicht kommen, weil ich mir nicht vorstellen kann, noch einmal als Mann aufzutreten, und mit den geschilderten Eigenschaften schon gar, denn die habe ich auch früher nicht an den Tag gelegt. Schon meine Mutter hat mich da als Mädchen erzogen, ohne dass sie es wahrnahm oder ich es wusste. Es hieß immer "gerade gehen", "Brust raus, Kopf hoch", "auf einer gedachten Linie gehen", "Knie zusammen, nicht breitbeinig sitzen", "Fußspitzen zuerst aufsetzen" (Letzteres machte mir große Mühe und habe ich nie lange durchgehalten).

LG, Nicoletta
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