ich war in der letzten Zeit hier sehr passiv und habe auch viel gelesen. Dabei sind einige Dinge bei mir hoch gekommen und einige Dinge an mir aufgefallen. Einerseits merke ich, dass ich etwas panikartig verdrängt habe ohne zu wissen was es ist, und mir sind auch einige Dinge aus meiner Kindheit/Jugendzeit aufgefallen. Was mir schon immer am meisten zu schaffen machte, war zu merken, dass etwas anders ist ohne zu wissen (oder wissen wollen) was es ist. Ich fühle mich auch irgendwie "unvollständig" und meine etwas fehlt, halt ein Teil von dem Lebenspuzzle wer man ist.
Ich hatte vor allem alles was irgendwie mit Weiblichkeit und mir zusammenhing abgewiesen und verdrängt, wollte es nicht wahrhaben und durfte es nicht zulassen, da ich ja ein Junge/Mann zu sein habe, aber irgendwie war etwas vorhanden. So hatte ich mehr Mädchen und junge Frauen als Freundinnen gehabt und mich bei ihnen wohlgefühlt, und gefragt warum ich denn nicht, wie andere Männer, eine sexuelle Beziehung aufbauen konnte. Mit Jungen habe ich auch gespielt und auch später noch einige wenige Freunde gehabt. Aber wie gesagt, mit Mädchen/Frauen kam ich besser klar und sie haben mir soweit vertraut dass sie auch ihr Herz ausschütteten.
Von den "wilden" Jungs habe ich mich stets distanziert und konnte auch den typischen Jungen/Männer Beschäftigungen nichts abgewinnen. Damals habe ich meine Flucht im Sport gesucht und gefunden. Daneben sind mir dann auch ein paar andere Sachen aus meiner Kindheit bewusst geworden, dass ich vielleicht doch nicht ein ganzer Kerl bin. So habe ich auch heimlich die Strumpfhose meiner Mutter probiert, panikartig darauf bedacht nicht entdeckt zu werden. Aber auch Dinge die damals im Handarbeit Unterricht gemacht wurden, sind jetzt wieder aufgetaucht und die allgemeine Überraschung war, dass ich das gemacht habe. Ich glaube damals es innerlich gerne gemacht zu haben, aber habe es nie zugegeben, ist ja nicht männlich....
Dies zog sich wie ein roter Faden durch mein Leben, das ich immer nicht wusste wer ich genau war und warum ich anders als die anderen bin. Später habe ich mich in die Arbeit gestürzt um ja keine Zeit zu haben. Aber es fehlte was...., und dies treib mich teilweise ziemlich in die Verzweiflung (gelinde gesagt).
Dann habe ich sehr spät die Initiative ergriffen (auch mit Unterstützung einer sehr guten Freundin) und meine jetzige Frau kennen und lieben gelernt. Wir haben zwei wunderbare Kinder und ich dachte dies ist das letzte fehlende Puzzleteil.
Ich habe ein paar Größen Probleme bei den Männern (schmale Größen die lang genug sind gibt es fast nicht) und habe bis vor 1-2 Jahren gar nicht auf die Kleidung geachtet. Doch es störte mich irgendwie und bin auf Frauenkleidung gestoßen, die viel besser passt, viel größere Auswahl bietet und vor allem viel schöner und angenehmer ist. Daneben gehe ich jetzt liebend gerne mit meiner Frau einkaufen (finde jetzt ja auch schöne Sachen für mich). Habe dann über die Zeit auch Strumpfhosen, Unterwäsche und Röcke entdeckt, was anfänglich bei meiner Frau zu Bedenken führte. Mittlerweile bin ich abends, wenn die Kinder schlafen, nur noch in Strumpfhose und Rock bekleidet und fühle mich pudelwohl. Tagsüber trage ich auch immer mehr Kleidung aus der Damenabteilung die aber nicht auffällt, was mich schon ein wenig stört, da ich diese gerne offener und selbstbewusster tragen möchte. Nur da kommt immer wieder mein ständiges Bedenken: "Was mögen nur die anderen Denken und wie bleibe ich bloß unauffällig". Für mich sind alle anderen wichtiger als ich selbst, was mich stört aber halt so ist. Deswegen habe ich mich noch nie im 80% Frauenmodus bewegt (100% geht ja nicht
Dies hat dann nach und nach bei mir Überlegungen ausgelöst, dass ich vielleicht noch eine andere Seite in mir habe, und bin bei der Suche auf dieses Forum gestoßen. Über Silvester und die letzten Tage habe ich dann etwas lockerer gelassen und auch mal zugelassen, dass man etwas weibliches an mir erkennen darf, und ich fühle mich besser und zufriedener. Meine wunderbare Frau unterstützt mich und zügelt/dämpft auch (was gut ist). Wir hatten einige intensive Gespräche, da die ganze Situation auch für sie natürlich sehr schwer ist.
Bin über das Forum auch auf den Cogiati Test gestolpert (bevor bei mir so einige Dinge klar wurden) und habe mir gedacht, mach es doch einfach, ohne aber die übliche Selbstverstellung, dann bekommst Du die Bestätigung dass Du ein echter Mann mit einem "Spleen" bist.
Überrascht hat mich das Ergebnis (+110 Androgyn). Hatte eher was in der Richtung -390 "¦ -129 Feminin Männlich erwartet.
Wie viele hier, gebe ich nicht so viel auf den Test, aber es ist ein weiterer Mosaikstein. Vielleicht führen alle diese kleine Puzzleteile zu dem fehlenden großen.
Nur dann ist da doch noch ein großes Fragezeichen, passt es auch in mein Lebenspuzzle rein??? Oder ist es nur ein Hirngespinst? Bilde ich mir was ein?
Wünsche allen einen schönen, spannenden und erlebnisreichen Tag
Sprinterinrente