Eindrücke von einem Ausflug
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Crossdressing und selbst Erlebtes... Erdachtes
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Marielle
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Eindrücke von einem Ausflug

Post 1 im Thema

Beitrag von Marielle »

Hallo,
Guten Abend zusammen,

Um das letzte Wochenende hatte ich die Gelegenheit ein paar Tage frei zu machen. Ich hab sie wiedermal für einen Besuch in Bärlin genutzt und will euch, auf Wunsch bzw. Anregung einer einzelnen Dame, ein paar Eindrücke davon schildern. Es sind keine Berichte von bahnbrechenden Erlebnissen, nur von meinen Eindrücken und den Bildern im Kopf.

Weil ich nicht genug Muße habe, den Text als ein Ganzes zu schreiben, habe ich es in Stücke gegliedert. Wenn keine Einsprüche erfolgen, und ich wieder Zeit finde, liefere ich die anderen Teile die mir noch interessant erscheinen nach.

Gruß von

Marielle



Das ist die Berliner Luft, Luft, Luft....

Freitag nachmittag, 15 Uhr, an der Rezeption meines Hotels


"Hallo Herr ______! *) Schön das sie wieder mal bei uns sind! Die Rezeptionistin und der Koch begrüssen mich. Sie kennen mich schon von einigen vorherigen Aufenthalten. Ich freue mich ehrlich über die herzliche Begrüssung und erkundige mich nach dem Wohlbefinden der Eltern des Kochs; Mit den beiden hatte ich bei meinem letzten Besuch ein nettes Gespräch beim Frühstück. Sie kämen grad aus dem Urlaub und liessen Grüße ausrichten. Ja, wenn ich in Bärlin bin, bin ich hier zu Hause.


*) Die Anrede "Herr" mag für manche hier unpassend erscheinen. Mich stört sie nicht, weil ich unter dieser Anrede meine Buchungen dort mache und weil ich auch kaum verleugnen kann, dass die Anrede "Frau" meiner Umgebung wohl noch unpassender erscheinen müsste. Ich kann dort sein wie ich möchte, es gibt keine Blicke vom Personal wenn ich zum Frühstücken im Rock, mit Pumps und Bluse erscheine. Im Gegenteil: Es ist schon vorgekommen, dass ein Gast, der mir ein paar abfällige Blicke hinterherwarf, von der Dame an der Rezeption daraufhin in einem deutlich kühlen, distanzierten Ton abgefertigt wurde.



Stella

Sonntag abend, kurz vor 20 Uhr, Lesebühne "Heim und Welt" im Cafe Burger ("Café" ist allerdings ein etwas hochtrabender Name für das Lokal ;) )


Ich setze mich auf einen Hocker an einen hohen Tisch in der Nähe der Bühne. Einen Moment sitze ich dort, sehe mir das Publikum an und warte auf das was kommen soll. Die anwesenden Mitbürger sind dermassen irritationsresistent, dass durch meinen Anblick nicht mal ihre Gespräche ins stocken geraten. Hier ist es wohl nahezu unmöglich, durch irgendwelche Äusserlichkeiten aufzufallen. Sehr angenehm.

"Entschuldige, du sitzt auf meinen Handschuhen" höre ich jemanden sagen. Nun bin ich doch aufgefallen; Ich stehe auf. Auf dem Hocker liegen tatsächlich dünne Damenhandschuhe. Es ist mir wirklich höchst peinlich, dass ich die übersehen habe. Ich räume den Platz und nehme den Hocker daneben. Die Besitzerin der Handschuhe, eine zierliche junge Frau, rückt nur kurz den Hocker zurecht und entschwindet dann gleich wieder.

Es gibt ja manchmal Menschen die einem irgendwie angenehm sind, die man auf Anhieb interessant findet. Man kennt sie zwar gar nicht, hat sie noch nie gesehen, aber ihre Gegenwart wirkt sich positiv auf das eigene Befinden und anregend auf die eigene Neugier aus. So geht es mir jedenfalls manchmal und so ging es mir auch mit dieser Frau. Nicht etwa weil sie eine junge, auch noch hübsche, Frau ist; Es ist etwas anderes, was dieses Empfinden verursacht. Etwas, dass wohl in der Persönlichkeit, der Ausstrahlung dieser Leute liegen muss. Ein paar Minuten später kommt sie mit zwei grossen Gläsern Bier zurück. 'Mist, die hat noch 'ne Begleitung' denke ich und fürchte um meine freie Sicht auf die Bühne. Nichts sehen zu können ist bei einem Lesebühnenabend jetzt nicht soooo tragisch, aber besser wär's schon Ton UND Bild zu haben. Das Programm läuft an, eine Begleitung der zierlichen Person neben mir erscheint nicht. Da hab' ich Glück gehabt. Ich lausche den von der Bühne vorgetragenen Texten und ich beobachte, wie sich die zwei grossen Biergläser bis zur Pause leeren. Sie wird einfach Durst gehabt haben. In der Pause rauche ich eine ... naja, stimmt ... zwei Zigaretten auf der Strasse vor dem Lokal, nach der Pause stehen.....richtig....zwei grosse Gläser Bier auf dem Tisch. Diese leeren sich während der zweiten Hälfte des Programms. Hätte mich vorher jemand gefragt, ich hätte steif und fest behauptet, dass soviel Bier niemals in diese kleine Person reinpassen würde. Naja, so täuscht man sich. Das sie sich über die zwischendurch von mir besorgten Erdnüsse freut, freut mich. Und auch, dass ich im Gästebuch der Lesebühne ihren Vornamen lese. Das ermöglicht es mir nämlich Texte von ihr in den unendlichen Weiten des Netzes zu finden und zu lesen. Sie schreibt selbst und liest wohl auch selbst auf der Bühne. Tolle Texte, irre Ideen, wahre Ansichten und gute Einsichten. Ob es das war, was mich an ihr so fasziniert hat?



Der alte Mann und das ... Mädchen?

Montag nachmittag, etwa halb Zwei, vorm Eingang der "Berliner Unterwelten" am U-Bahnhof Gesundbrunnen


Ich warte auf die Freundin mit der ich verabredet bin; Wir wollen an einer Führung durch die unterirdischen Anlagen der U-Bahn teilnehmen. Ich mache nichts weiter als dort auf dem Gehweg zu stehen und mir die Leute anzugucken. Einigermassen überraschend tritt ein Mann auf mich zu. Vermutlich türkischer Herkunft, aber gut einen Kopf kleiner als ich und zwischen 60 und 70 Jahre alt. Keine Gefährdungslage. Ausserdem sieht er eigentlich eher freundlich aus. Er deutet auf meine Halskette, eine Kunstperlenkette. "Schöne Kette hast du; Aber ist für Frauen." Ich nicke. "Schuhe sind auch für Frauen". Er deutet auf meine Pumps, ich nicke wieder. "Alles für Frauen". Er macht eine an mir herabgleitende Handbewegung. "Ja, für Frauen ..." Ich setze zu einem Statement an ... und stocke. Wiedermal! Verdammte Sch.... Schon hunderttausend mal wollte ich mir nach einer solchen Begegnung einen klugen Einzeiler für solche Fälle zurechtlegen. Nur was? Zum hunderttausendsten Mal merke ich, dass es diesen Allzweck-Einzeiler nicht gibt. Zu verschieden sind die Menschen denen man begegnet. Ich bemühe mich um einen freundlichen Gesichtsausdruck und die passenden Worte. "Mann, Frau, wer weiss schon was das bedeutet?" sage ich. Ich weiss nicht, ob er damit was anfangen kann, was besseres konnte ich ihm leider in dem Moment nicht anbieten. Er sieht mich nochmal an, dann geht er weg.

Meine Verabredung kommt, wir kaufen die Eintrittskarten, ich muss nochmal müssen. Wir stehen wieder auf dem Gehweg, es sind noch ein paar Minuten bis die Führung losgehen soll. Unvermittelt steht der ältere Herr wieder neben mir. "Du rauchst zuviel, habe ich gesehen. Hör auf damit, ist nicht gut." Ich bin perplex, krieg nur ein dümmliches "Ja, stimmt" raus. Er erzählt mir, dass er selbst lange geraucht hat und jetzt im Alter ginge ihm immer schnell die Puste aus. Dann geht er weiter. Ich stammle ihm noch ein "Danke, danke für die fürsorglichen Worte" hinterher. Nicht etwa höhnisch, wirklich ehrlich. Bis jetzt denke ich darüber nach, warum er mich nochmal ansprach, vielleicht dazu extra nochmal zurückgegangen war. Es gibt eine Handvoll Erklärungen dafür; Hatte er mit meinem eigentlich verunglückten Gebrabbel doch was anfangen können? Hatte er das Gefühl mir Unrecht getan zu haben und wollte mir zum Ausgleich was Gutes? Eine negative Erklärung kann ich nicht finden, er wollte freundlich , fürsorglich sein. Ich bedaure, dass sich das nie klären wird. Und ich werde demnächst noch mehr als bisher zusammenzucken, wenn jemand über die Migrationshintergründigen aus dem Wedding lamentiert. Übrigens: Für diese Lamentierer fällt mit immer ein passendes Statement ein.
Zuletzt geändert von Marielle am Do 15. Nov 2012, 23:56, insgesamt 1-mal geändert.
As we go marching, marching, we bring the greater days
For the rising of the women, means the rising of the race
No more the drudge and idler ten that toil where one reposes
But the sharing of life's glories, Bread and Roses, Bread and Roses.
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