Der "Beweis" für TS - Diskussion
Der "Beweis" für TS - Diskussion

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.Lena

Der "Beweis" für TS - Diskussion

Post 1 im Thema

Beitrag von .Lena »

Die Lena is zurück :)

War die letzten Wochen etwas weniger aktiv hier im Forum... hatte eine dieser "vergiss den Quatsch, schmeiß die Frauen-Klamotten weg" Phasen die sicher viele hier kennen. Schön nur wenn man langsam genug Humor entwickelt hat selber darüber zu lachen :D Aber das soll hier nich Thema sein.

Vllt. errinern sich noch einige an mich, vllt auch nicht. Nochmal kurz: Ich bin Lena, 17 Jahre alt uns TS.

Gestern Abend, es war mal wieder spät geworden, lag ich im Bett und dachte mal wieder über Gott und die Welt nach.
Irgendwann kam ich darauf, wie denn wohl mein erstes Gespräch mit einem Psychologen ablaufen könnte blablabla ....
Da ich diesen Schritt noch nicht gewagt habe, habe ich keinerlei Vorstellung wie sowas abläuft, also entschuldigt bitte fals ich was falsches sage.
Das Gespräch dauerte einige Minuten in meinem Kopf an, bis der erfundene Psychologe schließlich sagte:

Psychologe:
" Das mit der TS ist kein einfaches Thema. Um jegliche Irrtümer zu beseitigen müssen sie mir erst beweisen können, das sie wirklich Transsexuell sind. Danach folgt ein langer Weg mit vielen Tests ............." ( So in der Art habe ich mir bisher immer ein solches Gespräch vorgestellt )


Ich:
"Ist die Tatsache, das ich mich öffentlich oute und somit der Gefahr laufe ein Leben lang einer Minderheit anzugehören, Tag für Tag verachtet oder schräg angeguckt zu werden, nicht Beweis genug? Ich meine wie verzweifelt muss ein Mensch sein, freiwillig diesen Schritt zu gehen? Zeigt ihnen das nicht deutlich genug, das ich TS bin?"


Und plötzlich brachten mich meine eigenen Worte zum nachdenken. In meinen Augen würde eine solche Sichtweise jeglichen SchnickSchnack wie Alltagstest,Gutachten etc. vollkommen überflüssig machen. Oder nicht? Reicht eine solche Denkensweise nicht aus, um anderen zu zeigen,wie ernst es einem ist und wie verzweifelt man ist? Was denkt ihr?
Bianca D.
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Re: Der "Beweis" für TS - Diskussion

Post 2 im Thema

Beitrag von Bianca D. »

.Lena hat geschrieben: In meinen Augen würde eine solche Sichtweise jeglichen SchnickSchnack wie Alltagstest,Gutachten etc. vollkommen überflüssig machen. Oder nicht? Reicht eine solche Denkensweise nicht aus, um anderen zu zeigen,wie ernst es einem ist und wie verzweifelt man ist? Was denkt ihr?
Moin Lena,

Nun,ich denke nicht,daß es SchnickSchnack ist,wie du sagst.Damit du eben später nicht in eine Randgruppe gehörst sondern eine vernünftige Sozialisation im gefühlten Geschlecht erlebst,ist
psychologische Unterstützung im sogenannten Alltagstest unverzichtbar.Zu fühlen und empfinden wie Frau,heißt noch nicht,als solche auch von der Umwelt wahrgenommen zu werden.Zuviel
ändert sich im Laufe der Transition spätestens mit Beginn der Hormontherapie für dich und deine Umwelt,da gibt es viel zu tun und zu bedenken.
In einem gebe ich Dir allerdings recht und das ist die Frage der Sinnhaftigkeit der teuren Begutachtungen im Zuge des Verfahrens zur Vornamens und Personenstandsänderung.Wenn dafür ein
Attest des die Transition begleitenden Psychologen genügt,wäre schon viel erreicht.Die in diesem Forum auch schon diskutierte argentinische Regelung klingt für jede/n TS verlockend,ist in
meinen Augen aber über's Ziel hinausgeschossen.

Gruß Bianca
Ick wees nüscht,kann nüscht,hab aba jede Menge Potenzial
.Lena

Re: Der "Beweis" für TS - Diskussion

Post 3 im Thema

Beitrag von .Lena »

Ach wie gut es doch tut die Dinge, nach etwas Hilfe, aus einem anderen Blickwinkel sehen zu können :)
Danke dir Bianca.

Ich muss dir recht geben. Die Tatsache als Beweis der TS sehe ich noch immer als zutrefend.
Wie du sagtest, werden dann diese teuren Untersuchungen und Gutachten überflüssig. Oder
habe ich dich da falsch verstanden?

Nur die Bemerkung zum Alltagstest war vielleicht wirklich etwas aus der Luft gegriffen :D
Aber so wie du das siehst, habe ich das selten gesehn. Für mich war sonst "Alltagstest" immer
ein unbeliebter Begriff aus meinem Wortschatz. Ich muss sagen, dass er das auch noch immer ist,
da ich seehr viel Angst davor habe :( Naja da muss man eben durch. Die Tatsache sich der Öffentlichkeit
als Frau zu zeigen ist bei mir nich das Problem. Es wäre wunderbar. Bei mir ist nur das Problem das ich
es Menscheverachtend finde, gezwungen zu werden mich als biologischer Mann, in Frauenkleidung zeigen
zu müssen und dass über einen langen Zeitraum. Es wäre so viel einfacher wenn man immerhin schon einen
Busen hätte, oder vllt eine nicht arg so tiefe Stimme. Soll nich heißen das ich den Sinn eines Alltagstest nicht verstehe.
Klar, man selber und sein Umfeld, muss sich sicher sein. Nich das man plötzlich in einem komplett veränderten Körper
dasteht und sich denkt " Oh mein Gott, was habe ich getan"

Aber nun kommt der Punkt ( Ich weiß ich rede wie ein Wasserfall :P )
Ich muss sagen, du hast mich dazu gebracht den Alltagstest etwas positives abzugewinnen.
Ich habe es bisher nie als Chance gesehen mich mit meiner neuen Rolle zu identifizieren und mein
Umfeld mit meinem wahren Ich vertraut zu machen.
Klar wusste ich dass der Alltagstest eine Entscheidungshilfe sein kann. Nur habe ich diese bisher immer
ängstlich betrachtet ;)
exuser-12-02-2013

Re: Der "Beweis" für TS - Diskussion

Post 4 im Thema

Beitrag von exuser-12-02-2013 »

Hallo Lena
ich glaube deine Frage zielt darauf ab, ob man einen Psychologen braucht, um sich sicher zu sein. Eine eindeutige Antwort gibt es wahrscheinlich nicht.
Zuallererst denke ich, dass dir der Therapeut weder sagen kann, ob du TS bist, noch musst du ihm irgendwas beweisen. (Über dieses Theema hab ich auch mehr als eine Nacht nachgedacht)
TS ist eine Selbstdiagnose. Und ein guter Therapeut sollte dir nur dabei helfen, die Antwort zu finden. (OK, bei mir hat das nicht so richtig funktioniert)
.Lena hat geschrieben:Ich:
"Ist die Tatsache, das ich mich öffentlich oute und somit der Gefahr laufe ein Leben lang einer Minderheit anzugehören, Tag für Tag verachtet oder schräg angeguckt zu werden, nicht Beweis genug? Ich meine wie verzweifelt muss ein Mensch sein, freiwillig diesen Schritt zu gehen? Zeigt ihnen das nicht deutlich genug, das ich TS bin?"
So einfach ist es wahrscheinlich auch nicht. Meine Psychologin hat mir von einem ihrer Patienten erzählt, der das wohl alles durchgezogen hat, aber jetzt wieder als Mann lebt, bloß ohne sein bestes Stück. Ich weis ehrlich nicht, warum sie mir diese Horror-Geschichte erzählt hat, vielleicht zur Abschreckung.
Ich weis auch nicht, wie weit du in deinem Übergang bist. Warst du schon mal als Frau draussen? Lebst du vielleicht schon komplett in der neuen Rolle? Wichtig ist vor allem, wie du dich als Lena fühlst. Ich hab zu diesem Thema eine interessante Seite gefunden, ich weiss bloß nicht, ob ich hier den Link posten darf.
Ich finde auch, dass der sogenannte Alltagstest ganz wichtig ist, obwohl er gar kein richtiger Test ist. Es ist eben die erste Zeit in deinem neuen Leben.
Ich rede hier mal wieder viel, obwohl ich kaum Erfahrung habe. Aber mir ist dieses Thema wirklich wichtig.
exuser-12-02-2013

Re: Der "Beweis" für TS - Diskussion

Post 5 im Thema

Beitrag von exuser-12-02-2013 »

Kleiner Nachtrag (jetzt rede ich aber wie ein Wasserfall):
Es wäre wirklich sehr schön, wenn man nur einen Schalter umklappen müsste, und schon wäre man vollständig Frau. So ist es aber nicht, leider!
Biologisch Mann wird man leider auch mit Hormonen längere Zeit sein. Keiner wird uns nach unserem Blutbild fragen, sondern uns nach unserem Aussehen, der Statur, der Bewegung etc. als Frau einordnen, oder eben nicht. Auch die Stimme lässt sich nicht medizinisch ändern, obwohl es durch Training geht. Ich probiere es seit etwa ein Monat. (Einen durchschlagenden Erfolg hatte ich noch nicht, aber bloß nicht aufgeben!)
Ich persönlich verstehe den Sinn hinter dem Alltagstest. Die Ärzte wollen uns eigentlich nur vor uns selbst schützen. Manchmal ist das notwendig, öfters aber nicht.
Ich kann mich Bianca nur anschließen. Sieh es mal von dieser Seite: Wenn du es ohne Hormone etc. schaffst, dann schaffst du alles andere auch.
Und weil du noch jung bist, hast du besonders gute Chancen. (Dein Avatarbild wird auf meinem Computer irgendwie nicht angezeigt, also kann ich das nicht besser beurteilen)

lg
Sophie
Ninakadin
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Re: Der "Beweis" für TS - Diskussion

Post 6 im Thema

Beitrag von Ninakadin »

Hi Lena,

Du musst Deinem Psychotherapeuten gar nichts "beweisen". TS ist eine Selbstdiagnose, man kann es nicht messen, beweisen oder direkt diagnostizieren. Was hingegen gemacht werden muss, ist andere psychische Krankheiten auszuschließen, bei denen die in diesem Falle wirklich Kranken ähnliche Verhaltensweisen zeigen. Dazu zählen zum Beispiel Schizophrenie und Borderline-Syndrom. Wenn man also echte psychischen Erkrankungen ausschließen kann, bleibt nur noch TS übrig. Und Du solltest Deinen Psychotherapeuten auch nicht als "Richter" sehen, sondern als wichtigen Begleiter durch eine psychisch anstrengende Zeit. Von daher kann ich auch nur empfehlen, dass der Psychotherapeut nicht gleichzeitig einer der Gutachter sein sollte, sonst kommt da nie ein ehrliches Verhältnis zustande, weil man sich nicht traut, alles offen und ehrlich auszusprechen, weil man fürchtet es könnte sich negativ auf das Gutachten auswirken.

Dieses ganze Verfahren mit den Gutachten usw. ist natürlich sowieso weitestgehend Bockmist, genauso wie die Einordnung als psychische Störung.
Und es gibt Initiativen aus TS-Vereinen die auf die Politik einwirken wollen, das TSG dementsprechend zu ändern bzw. ganz abzuschaffen. TS würde dann in die Kategorie neben Schwangerschaft und Co. eingeordnet, also keine Krankheit mehr aber behandlungsbedürftig. Das Problem ist die starke Lobby der Psychiater, die gedankenmäßig eigentlich immer noch immer in den 30er und 40er Jahren des letzten Jahrhunderts leben. So einfach wie in Argentinien wird es nicht gehen. Aber das TSG MUSS überarbeitet werden, und ich bin zuversichtlich, dass irgendwann die Vernunft siegt, ein paar Jahre vielleicht noch. Auch wenn das dann für mich keine Relevanz mehr haben wird, ich werde versuchen mitzuhelfen, die Politik entsprechend zu "treiben" und unsere Standpunkte auch in der Öffentlichkeit zu verbreiten.

LG,

Nina
Bianca D.
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Re: Der "Beweis" für TS - Diskussion

Post 7 im Thema

Beitrag von Bianca D. »

.Lena hat geschrieben:Die Tatsache als Beweis der TS sehe ich noch immer als zutrefend.
Moin,

Ich denke,Sophie hat es hier ganz treffend formuliert.
Zuallererst denke ich, dass dir der Therapeut weder sagen kann, ob du TS bist, noch musst du ihm irgendwas beweisen.
Du selbst spürst es,was mit dir los ist,der Therapeut dient nur dazu,den Ängste,Unsicherheiten und sonstigen Änderungen in deinem Leben den Schrecken zu nehmen.
Wie du sagtest, werden dann diese teuren Untersuchungen und Gutachten überflüssig. Oder
habe ich dich da falsch verstanden?
Hm,ja ein bißchen.Mir ging es da um den bürokratischen Hindernislauf,den man als TS nun mal durchlaufen muß und der von vielen transpolitischen Interessengruppen kritisiert wird.Um auf dich
zurück zu kommen: Allein das Gefühl und/oder das Wissen,TS zu sein,ist in unserem Staat nun mal nicht ausreichend.Ein Attest vom Psychologen,vorgelegt beim Standesamt,sagen wir nach ca. einem Jahr begleitender Therapie wäre ein vernünftiger Weg,es für TS leichter zu machen in dem gewünschten Geschlecht zu leben.
Bei mir ist nur das Problem das ich es Menscheverachtend finde, gezwungen zu werden mich als biologischer Mann, in Frauenkleidung zeigen zu müssen und dass über einen langen Zeitraum.
Es wäre so viel einfacher wenn man immerhin schon einen Busen hätte, oder vllt eine nicht arg so tiefe Stimme.
Nun,es zwingt dich ja niemand dazu,dich in Frauenkleidung zu präsentieren.Kleiner Tipp: Fang langsam an,deinen Kleidungsstil androgyner zu gestalten,nicht gleich alles herzeigen,was biologische
Mädels in deinem Alter so tun.Bh's mit vorgeformten Cups und Silikoneinlagen oder auch was selbstgebasteltes sorgen für den Anfang für ein gutes Erscheinungsbild.Aber nicht übertreiben,es
sollte zu deinem Körper passen.Was die Stimme angeht,da läßt sich nun mal nicht viel dran ändern,mit ein bißchen Training und vor allem zuhören bei anderen Frauen kann man aber viel lernen,
was Stimmmodulation,Gestik und Minenspiel betrifft.
Klar wusste ich dass der Alltagstest eine Entscheidungshilfe sein kann. Nur habe ich diese bisher immer ängstlich betrachtet ;)
Nein,die Entscheidung den Weg durch die Transition zu gehen,sollte vorher gefallen sein.Danach solltest du deinen Alltag eben zunehmend in deiner neuen sozialen Rolle Frau erleben,mit Outing in
Schule oder Beruf,im Freundeskreis,eben alles,was man so Tag für Tag macht.Aber das du Ängste hast am Beginn deines Weges,versteh ich gut,mir ging es vor einiger Zeit genauso,aber ich wußte genau,das will ich,den Weg möchte ich gehen und dort (Psycho) bekomme ich Hilfe dafür.
Deshalb such dir als erstes einen kompetenten Therapeuten und alle weiteren Sorgen kannst du mit ihm klären.

Gruß Bianca
Ick wees nüscht,kann nüscht,hab aba jede Menge Potenzial
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