Um hier nach den diversen Schreckensberichten der letzten Zeit auch mal wieder was Schönes zu berichten: wir (meine liebe Frau und ich) sind gerade von einer Woche Urlaub auf Gran Canaria zurückgekehrt. Ich natürlich - wie's seit Jahren im Pass steht - als Frau, wie immer in Rock/Kleid und Pumps, aber OHNE Perücke. Eindeutig klar, als was ich gelten will, aber ebenso eindeutig klar, woher ich biologisch komme. Eben so wie auf meinem Avatar, der zeigt mich in Alltagskleidung.
Die Flugreise war problemlos, aber anstrengend: schon mit der Bahn zum Flughafen (Memmingen) war's stressig, wegen Verspätungen und schlecht kommunizierter Änderungen des Bahnsteigs beim Umsteigen in Buchloe. Im Flugzeug (eine Boeing 737-800 der Ryan Air) saßen wir dann wegen extrem enger Bestuhlung über vier Stunden wie der berühmte Affe auf dem Schleifstein, mit dem Bordgepäck zwischen den Beinen (ins Gepäckfach legen hätte nochmal saftig extra gekostet); eine Dose Cola als Mittagessens-Ersatz kostete € 3,75, und selbst die Lärmdämmung im Flugzeug (nur die Fluggeräusche - die Passagiere verhielten sich ruhig) schien mir gegenüber früheren Flügen massiv schlechter, das stundenlange Rauschen und Dröhnen war echt nervig. Okay, das Ganze war eine ausgesprochen billige Pauschalreise; aber RyanAir übertreibt's da m. E. doch entschieden mit den Sparmaßnahmen, so ist das für die Passagiere kaum noch zumutbar. Keine Empfehlung...
Das Hotel in Maspalomas im Süden der Insel erwies sich dagegen als Volltreffer: eine wunderschöne, großzügige Anlage mit kleinen, zweigeschoßigen Appartements, unten jeweils eine Wohnküche mit offener Terasse davor, oben Schlafzimmer, Bad und ein kleiner Balkon. Die ganze Anlage rund um ein riesiges, beheiztes Freischwimmbecken angeordnet.
Leider kam ich dann nicht zum Schwimmen: die ersten drei Tage lag ich mit einer Bronchitis mit hohem Fieber im Bett, die ich mir wohl noch zuhause eingefangen hatte
Gran Canaria - und dort ganz speziell Maspalomas - gilt als Hotspot für LGBTQ. Das wusste ich aber vorher gar nicht, ich habe es erst dort gelesen
Die Insel selber zeigte sich zunächst ambivalent: die Ostküste mit dem Flughafen und der Hauptstadt im Nordosten potthässlich mit industrieller Betonschachtel-Architektur und bedrohlich wirkenden Windrad-Wäldern. Don Quichotte ist wohl zur falschen Zeit gegen diese Ungeheuer losgezogen
Essen gehen ist auf Gran Canaria gerade mal gut halb so teuer wie bei uns, bei guter Qualität - da funktioniert die Gastronomie noch. Auch das Benzin für das Mietauto kostete dort ein Drittel weniger als bei uns. Das Mietauto selber (ein fast neuer Audi A1 mit Automatikgetriebe) war erstaunlich preiswert, bei unbegrenzter Fahrstrecke. Sauer war ich allerdings über 50 Euro Risiko-Aufschlag, den ich wegen meines Alters (>75) zahlen musste. Nach einer runden Million unfallfreier Kilometer kreuz und quer durch ganz Europa fühlt man sich da doch arg vera....t, das ist schon fast beleidigend
Insgesamt jedenfalls ist Gran Canaria eine Reise wert: eine grandiose Landschaft, ein sehr angenehmes, erholsames Klima zu jeder Jahreszeit, eine gute, sehr preiswerte Gastronomie mit durchweg kompetentem, freundlichem und schnellem Service - und auch für uns als CD wohlgesonnen und problemlos. Ich fühlte mich dort sehr offen und freundlich aufgenommen. Nur mit Ryan Air sollte man vielleicht nicht unbedingt hinfliegen.