Ich hatte mir im Laufe de Zeit schon viele Klamotten, meist im SSV, besorgt, auch eine Perücke und Schuhe.
Habe das alles auch vorsichtigt abends vor dem Haus und in der Stichstraße, in der wir wohnten, ausprobiert.
Aber nun war es endlich soweit. Meine Frau war eine Woche beruflich unterwegs. Ich hatte mir für nachmittags shon um 2 Uhr freigenommen. Ich duschte mich, rasierte mich gründlich, und begann mich zu schminken. Makeup, Lippenstift, Augenbrauenpinsel, hellblauer Lidschatten, Maskera für die Augenlider. Und dann den Lidstrich. Damals war ein breiter Lacklidstrich, den man abziehen konnte sehr modern. Als Perücke hatte ich eine Pagenfrisur, hellblond, nackenlang. Bei Kaufhof im Fasching gekauft, sah aber sehr echt aus.
Dann zog ich mich an. Slip, Strapsgürtel, Strümpfe. Dann BH, in den ich meine selbstgefertigten Silikonbrüste einlegte, Achselhemdchen und Pagenschlüpfer. Darüber eine hellblaue, leicht durchscheinende langärmlige Bluse mit einem kleine Stehkragen, um den Adamsapfel zu verdecken. Als Rock hatte ich mir einen schwarzen Lack-Lederimitatrock besorgt, der seitlich von oben bis unten hin zu knöpfen war und leicht über die Knie ging. Dann kamen die Schuhe. Im SSV hatte ich damals für 5 DM schwarze Lack-Stretch-Stiefel Größe 41 mit 5 cm Absatz erstanden. Vorne war noch eine Zierschnürung über die gesamte Stiefelhöhe. Sie reichten knapp bis unter das Knie. Zur Vervollständigung brauhte ich nur noch eine Handtasche meiner Frau und eine Sonnenbrille mit großen, nicht zu dunklen Gläsern. Ich befürchtete, daß wenn mir jemand direkt in meine Augen sehen würde,er vielleicht bemerkt, daß ich keine Frau wäre, und ich unsicher werden würde.
Es war ein sehr warmer Sommernachmittag. Nach all den Vorbereitungen befürchtete ich, daß mir der Schweiß in Strömen runterfließen würde. Aber nichts da. Als ich das Haus verließ fühlte ich mich wohl. Ich lief die Strichstraße zur Straßenbahn entlang und fühlte, wie kühl der Wind unter meinen Rock strich. Mitten auf der Brücke über den Autobahnzubringer zur Straßenbahn verließ mich aber der Mut. Sollte ich nicht doch besser zurückgehen. Aber dann entschied ich mich. Hast du es schon so weit geschaft, dann schaffts du es weiter.
Ich stieg die Treppe zur Straßenbahnhaltestelle hinunter. Dort warteten schon einige Leute. Ich versuchte, niemanden in die Augen zusehen. Sortierte mein Geld. Da ich zur Endhaltestelle der Linie am Luisenplatz fuhr, wußte ich den Preis, mußte also mit dem Schaffner nicht sprechen. Ich stieg ein, bezahlte. Ein oder zwei jüngere Leute schauten mich an. Aber die Sonnenbrille half mir.
Am Luisenplatz ausgestiegen ging ich schnurstracks in das Einkaufszentrum, ohne nach recht und links zu gucken. Aber wahrscheinlich hätte sowieso niemand von mir Notiz genommen. Ich sah mir die Schaufenster der Geschäfte genau an, bewunderte mich im Spiegellicht der Fenster. Dann raffte ich mich auf. Götz Schuhe, wenig Kunden, sehr offene Verkaufsflächen.Ich ging hinein. Aber bei den Angeboen, nichts was mir gefallen hätte. Und vor einem Gespräch mit einer Verkäuferin hatte ich doch Angst.
Weiter zu Karstadt.
Da war ein Gewusel, in der Drogerieabteilung schnappte ich mir eine Schale, suchte und fand. Ein Stielkamm, Harrklammern zur Perückenbefestigung, eine Haarbürste, und einen Wimpenformer. Ich reihte mich in die Schlange vor der Kasse ein. Vor mir und hinter mir nur Frauen. Da ich nichts sagen mußte lief es an der Kasse wunderbar. Die Kassiererin sah sowieso nicht auf.
Weiter ging es zu Quelle
Ich wollte da einfach nur als Frau hineinschauen. Dann ging ich zur Drogerieabteilung. Ich holte mir auch ein Einkaufsschälchen. Dutzende Frauen wuselten in den Gängen herum. Ich wählte einige Schminksachen aus, ein Monatshöschen und eine Packung Camelia. Stellte mich an der Schlange an der Kasse an, lief wunderbar.
Nun wollte ich zurüch nach Hause.
Die Einhaufsstraße runter. Da war noch Kaufhof. Eigentlich hatte ich noch Lust, ein Baby Doll einzukaufen.
Ich fühlte mich schon voll als Frau und hatte keine Berührungsängste mehr. Beim Kaufhof wurde ich aber nicht fündig, was ich mir vorstellte. Also weiter durch die Wäscheabteilung zum Ausgang. Da stah mir aber etwas in die Augen. Bei den Korsetts. Eigentlich stand ich nicht so auf etwas Altmütterliches. Aber Korsett hautfarben, so richtig mütterlich, Größe 85 C mit Strapsen, 49 DM,daß mußte es sein. Ich griff es mir und los gings zu Kasse. einige Frauen standen vor mir, Die Verpackerin und Kassiererin nahm keine Notiz von mir. Glücklich verließ ich den Laden.
Aber wie zurück nach Hause
In der Straßenbahn mußte ich mein Fahrziel angeben. Vielleicht verät mich dann meinTonfall?
Ich überlegte, entschloß mich dann, die fast 3 kmzu Fuß zurück zugehen. Außerdem merkte ich, daß es mir doch sehr gut tun würde, mehr Zeit en femme unterwegs zu sein. Also schulterte ich meine Umhängetasche, meine drei Einkaufsbeutel und stiefelte los. Ich bemühte mich sehr, in den Pumps Fuß vor Fuß zu setzen. Aber das Geklacker der Heels verunsicherte mich doch sehr.N ach ca, zweidrittel des Weges überquerte ich die Eisenbahnbrücke. Auf der gegenüberliegenden Seite waren drei Männer in einem Kabelschacht beschäftigt. Sie blickten kurz auf. Los war ja an dieser Stelle nichts. Und dann fingen sie an mit den Fingern hinter mir her zu pfeifen. Ich muß wohl super scharf ausgesehen habe, mit den Stiefeln, dem engen Rock und der knappen Bluse. Dann stiefelte ich ganz schnell nach Hause.
Ich habe mich an diesem Tag voll als Frau gefühlt.
WilmaTV